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  • Peter Köttritsch

Die Bibel mit Jüngern gewinnbringend lesen

Aktualisiert: 17. Juni


 

Ein Mann geht in eine Buchhandlung und beschwert sich: „Ich habe mir vor einer Woche ein Buch gekauft. Das war das schlechteste Buch, das ich je gelesen habe! Die Story war viel zu schwach und es kamen viel zu viele Personen vor!“

Daraufhin der Verkäufer: „Wie heißt das Buch?“

Mann: „Telefonbuch“

 

Das Buch gehört zu den ältesten Informationstechnologien der Menschheit. Wer schreibt, warum- und was genau auf? Egal ob Roman, Sachbuch, oder Telefonbuch: Es gibt immer eine, oder mehrere Personen, die hinter einem Buch stehen. Die sich auch diese Weise mitteilen wollen.

 

Wir haben einen Gott, der sich mitteilt. Er ist keine unpersönliche Kraft (Universum) und auch kein alter Mann, der uns uns selber überlässt. Wie teilt er sich mit? Primär in Form eines Buches!

Wir haben das Privileg, dass er nicht nur zu uns (unseren Herzen) spricht, sondern wir sein Wort in gedruckter und elektronischer Form praktisch überall und jederzeit verfügbar haben.

Die Bibel wird jedes Jahr millionenfach gedruckt und verkauft, oder verschenkt. Fast jeder Haushalt, auch bei uns in Österreich, hat irgendwo eine Bibel.

 

So gesehen könnte man annehmen, dass jeder die Bibel zumindest schon einmal gelesen hat. Leider ist das Gegenteil der Fall. Selbst unter Gläubigen ist es nicht selbstverständlich, dass die Bibel gelesen wird. Und leider schon gar nicht unter den Menschen, die Gott nicht kennen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. In unserer katholisch geprägten Gegend liegt es sicher ein Stückweit noch daran, dass es über viele Jahrhunderte den „einfachen Menschen“ aus Sorge vor falscher Auslegung verboten war, darin zu lesen. Die Bibel hat für viele unserer Zeitgenossen eine „Aura“, dass nur Eingeweihte sie verstehen können. Dabei ist das genaue Gegenteil wahr. Natürlich gibt es schwierigere Passagen darin. Aber sehr viele Geschichten darin sind selbst für kleine Kinder nicht nur verständlich, sondern auch tröstlich und auferbauend.

 

Ich freue mich, dass einige aus unserer Gemeinde an der gemeinsamen Aktion, die Bibel in einem Jahr durchzulesen, teilnehmen. Wir ermutigen uns dabei immer wieder unter einander und ich bin überzeugt davon, dass diese Aktion für alle Beteiligten gewinnbringend ist.

 

Die Bibel hat jedoch nicht das Ziel, uns mit netten Geschichten zu unterhalten. Es geht auch nicht darum, dass wir jetzt eine fromme Leistung erbringen, und auch nicht darum, unseren Kopf mit Wissen zu füllen, was richtig und was falsch ist.

 

Die Bibel ist nicht mehr und nicht weniger als die schriftliche Liebeserklärung Gottes an uns Menschen und ein „Handbuch“ für unser tägliches Leben in der Nachfolge Jesu. Es geht dabei aber wie gesagt nicht um Regeln und deren Einhaltung, sondern es geht von der ersten bis zur letzten Seite um eine Person! Gott selber teilt darin sein Herz mit. Wenn wir also Gott immer besser kennen lernen wollen, kommen wir an der Bibel nicht vorbei.

 

Es geht mir heute aber nicht primär darum, euch zum Bibellesen zu motivieren, es geht mir um einen nächsten, größeren Schritt.

Ich komme immer wieder auf das wichtige Thema Jüngerschaft zurück. Ich glaube, dass es eines der zentralsten Themen ist, die uns als Freunde von Jesus und als Kinder Gottes beschäftigen darf.

 

Der Dienst Jesu auf Erden war ja sehr kurz. Er hat sowieso kurz auf Erden gelebt und nur etwa drei Jahre davon hat er das getan, wovon wir in den Evangelien lesen: Menschen geheilt, gelehrt und vor allem Jünger gemacht. Auf letzteres hat er seinen Fokus gelegt. So wie bei uns die praktische Berufsausbildung eine Lehrzeit von 3-4 Jahren vorsieht, so hat auch der „Meister“ Jesus seine „Lehrlinge“ (Jünger) in diesen drei Jahren ausgebildet. Warum? Damit sie dann einen Job haben und einmal eine Pension bekommen? Natürlich nicht. Er hat seine Jünger ausgebildet, damit sie als Multiplikatoren sein Werk fortführen und zu Ende bringen. Nichts weniger als das ist heute unsere Aufgabe, wenn wir uns seine Jünger nennen.

 

Auch uns heute gilt ganz klar der Auftrag, den Jesus in Matthäus 28 seinen Jüngern damals gegeben hat: Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Darum geht und macht alle Völker zu Jüngern.

Wie ich in einer meiner vorigen Predigten betont habe, ist ein Jünger ein „Lernender“. (Lehrling)

 

Wenn wir Jünger machen (Kernaufgabe!), dann kommen wir an der Bibel nicht vorbei. Genauer gesagt: Wie wir unsere Jünger lehren können, gewinnbringend in der Bibel zu lesen.

Die erste Frage ist da gleich einmal, wo fange ich an? Einen Roman beginnt man ja mit der ersten Seite. Viele junge Gläubige tun das auch mit der Bibel. Die Schöpfungsgeschichte ist ja noch gut zu lesen. Aber die erste Hürde tauchte meist mit den ersten Geschlechtsregistern auf. Spätestens mit den ganzen Geboten in den fünf Büchern Mose wird es mühsam, wenn man die Zusammenhänge nicht versteht.

 

Die Frage drängt sich daher auf: Gibt es Passagen in der Bibel, die nicht nur einfacher, sondern vor allem „wichtiger“ sind als andere? Versteht mich nicht falsch: Ich glaube, dass jedes einzelne Wort in der Bibel vom Heiligen Geist inspiriert- und daher wichtig ist. Aber gibt es innerhalb der Heiligen Schrift trotzdem so etwas wie eine Gewichtung? Texte, die zentraler sind und andere, die eher am Rand sind?

Ja, ich bin überzeugt, dass es so ist.

Wie gesagt will sich Gott in der Bibel mitteilen. Aber es geht ihm nicht um das Buch an sich. Sondern um die darin enthaltene Botschaft.

Der Hebräerbrief beginnt mit den Worten: In der Vergangenheit hat Gott immer wieder und auf vielfältige Weise durch die Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen.

Doch jetzt, in dieser letzten Zeit, sprach Gott durch seinen Sohn zu uns.

In Jesus erkennen wir, wer und wie Gott ist. Da Jesus aber vor 2000 Jahren als Mensch hier auf der Erde gelebt hat können wir uns über jedes Wort freuen, das von zuverlässigen Zeugen über ihn aufgeschrieben wurde.

Martin Luther hat auf Grund dieser Erkenntnis das „christozentrische Schriftverständnis“ formuliert. Wenn wir dieses Schriftverständnis auf die Bibel anwenden bedeutet dies, dass in der Mitte der Heiligen Schrift die Evangelien stehen. Dann die weiteren Schriften des Neuen Testaments, und dann das Alte Testament. Ganz außen die Apokryphen.

Deshalb sage ich auch immer allen, die in der Bibel zu lesen anfangen: Beginn mit einem Evangelium.

 

Diese Dinge sollte ich wissen, wenn ich mit jemandem, der neu- oder vielleicht gerade erst interessiert am Glauben ist, die Bibel zu lesen beginne.

Natürlich kann es vorkommen, dass jemand eine Bibel findet, von selber darin zu lesen anfängt und zum Glauben an Jesus kommt. In den meisten Fällen ist es aber so, dass suchende Menschen jemanden brauchen, der mit ihnen gemeinsam in der Bibel liest, der sie begleitet und ihre Fragen beantwortet. Und dieser Jemand bist du!

 

Deshalb ist es gut und wichtig, sich im Vorfeld darüber Gedanken zu machen, was suchende, und für den Glauben offene Menschen, brauchen und wie ich ihnen dabei helfen kann, Jesus durch das Bibellesen (besser) kennen zu lernen.

 

Bibelübersetzungen: Es ist Hilfreich, am Anfang auf eine gut verständliche Sprache (NL, HfA…) den Fokus zu legen. Später ist es aber auch wichtig, genauere Übersetzungen (z.B. Elberfelder) zu studieren, um tiefer graben zu können.

 

Eine Methode, die sich in der Vergangenheit sehr bewährt hat, ist das „Entdeckerbibelstudium“. (EBS) Es ist wahrscheinlich deshalb so effektiv, weil es sehr einfach ist, aber gleichzeitig ganz schnell zum Kern dessen vordringt, worum es beim Bibellesen geht.

 

Es gibt mehrere Versionen davon, mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Herangehensweisen. Im Wesentlichen geht es aber immer darum, dass ich das, was ich lese, auch in meinem Leben umsetze. Es geht also um Gehorsam (Taufpredigt!) gegenüber Gottes Wort. Eine wesentliche Schwäche unserer westlichen Christenheit ist, dass wir zwar viel über Gottes Wort wissen, aber nur sehr wenig davon in unserem alltäglichen Leben tatsächlich integrieren. Wir hören davon, was Christen in anderen Teilen der Welt, z.B. in Indien, erleben. Wunder, Heilungen, Wachstum…

Ich glaube, was wir am meisten von diesen Geschwistern lernen können, ist dass sie das, was sie in der Bibel lesen, oder gelehrt bekommen (hohe Rate an Analphabeten), sofort in ihrem Leben umsetzen und sie keine 1000 Ausreden haben, warum das jetzt nicht geht.

 

Wir gehen davon aus, dass der Heilige Geist, gerade weil die Zeiten nicht einfacher werden, viele Menschen auch bei uns in seine Nachfolge rufen wird. Ich sehe das als riesige Chance für uns. Ich rechne jeden Tag damit, solchen Menschen zu begegnen. Ich bereite mich darauf vor, mit Menschen, die Jesus noch nicht kennen, die Bibel zu lesen und dann das Gelesene und Gelernte mit diesen Menschen gemeinsam in größtmöglichem Gehorsam zu leben.

 

Ich bin vor einiger Zeit auf ein EBS anhand von 7 Geschichten der Hoffnung aus den Evangelien gestoßen. Über die erste davon habe ich euch einen Handzettel gestaltet und hinten aufgelegt. Wenn du jemanden kennst, der offen dafür ist, könnt ihr die Geschichte gemeinsam lesen und die Fragen durchgehen.

 

Die Zettel mit den weiteren sechs Geschichten bekommt jeder von mir, der das möchte gerne, sobald er/sie die erste Geschichte zusammen mit einer interessierten Person gelesen hat.

Ich glaube ganz fest daran, dass das jeder von uns kann.

Vergiss nicht, die Person, mit der du gemeinsam anfängst, die Bibel zu lesen, zu ermutigen, sich auch gleich jemanden zu suchen, den diese Person wiederum bejüngern kann. Wahres Lernen hat erst dann stattgefunden, wenn du in der Lage bist, das anderen zu lehren, was du selber gelernt hast.

 

Die Bibel ist kein Buch mit Sieben Siegeln. Und vor allem: Über die schwierigen Texte, die du nicht verstehst, brauchst du dir (vorerst) keine weiteren Gedanken zu machen, so lange du die Dinge in deinem Leben umsetzt, die du bereits verstanden hast. In Anlehnung an 1. Samuel 15,22 (Gehorsam ist besser als Opfer) würde ich sagen: Biblischer Gehorsam ist besser als Bibelwissen.

 

Die Bibel ist ein Buch, im dem sich der Herr des Lebens offenbart. Die Bibel zu kennen führt zum Leben. (Zum Herrn des Lebens)

Mein Gebet ist, dass noch viele Menschen durch dich und mich diese Wahrheit erkennen können und im umfassendsten Sinn des Wortes „lebendig“ werden.

 

 

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