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  • Julia Gabriel

Haus auf festem Grund

Aktualisiert: 23. Jan.

AUDIO: Klicke hier, um dir diese Predigt anzuhören.



Vorstellung vs. Realität



Kennt ihr das? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich möchte gerne, das mein Zimmer bzw. Büro so aussieht, wie am ersten Bild. Schön, sauber, geordnet. Und auch, wenn ich das will, schaut es in Wirklichkeit oft so aus wie am 2. Bild.


Ich glaube, dieses Bild können wir auch auf uns Menschen übertragen. Wir wünschen uns so sehr, dass unser Leben so aussieht, wie am ersten Bild. Dass einfach alles läuft – im Job, in der Ehe, in der Familie, im Freundeskreis. Und doch wissen wir, dass die Realität oft ganz anders aussieht – Probleme hier, Probleme dort. Man streitet mit dem Partner oder den Kindern, im Job geht’s drunter und drüber, eine kleine Meinungsverschiedenheit mit dem Nachbar und auf einmal eskaliert eine Situation. Oder jemand sagt etwas zu dir und in dir gehen die Emotionen hoch. Und eigentlich sehnt man sich nur danach, dass einfach alles passt.


Das Auf und Ab im Inneren


Es ist natürlich nicht immer so, dass alles chaotisch verläuft. Das schwankt hin und her. Es gibt Tage, da passt alles, alles läuft genau wie in deiner Vorstellung… und auf einmal, zack ein Anruf, ein Gespräch, und alles ist anders. Oft sind es nicht einmal Tage, sondern Stunden oder Minuten, wo es vom einen zum anderen wechselt.


Tobias Teichn hat das einmal recht treffend mit einem Seismographen verglichen. Man fühlt sich total stark und selbstsicher, man gleitet so durch den Tag – Pendel geht nach oben. Dann kritisiert vielleicht wer deine Arbeit und zack, die Stimmung ist im Keller. Du fängst an, an dir zu zweifeln – Pendel geht nach unten. Dann schreibt dir jemand eine total nette Nachricht. Du fühlst dich wieder geliebt und wertvoll - Pendel geht nach oben. Dann erfährst du, dass es eine große Feier gibt und du nicht eingeladen bist – Pendel geht nach unten. Dann hörst du eine Predigt und fühlst dich total ermutigt – Pendel geht nach oben.


Und wenn das Pendel dann mal öfter nach unten schlägt, weil irgendwie gerade alles schief zu gehen scheint, dann hinterfragt man sich und sein Leben sowieso. Wieso schaffe ich es einfach nicht, dass…, warum versteht mich keiner…, warum immer bei mir…?


Identität

Warum ist das so? Wie kann es sein, dass ich mir in dem einen Moment denke: "Ab jetzt wird alles anders, ich bin stark, ich lasse mich nicht unterkriegen, ich habe alles in Griff", und es dann schwankt zu: "Ich bin so ein Versager, nichts bringe ich auf die Reihe, bei allen läuft's so gut – nur bei mir nicht."

Eine Antwort dazu findet man in der Bibel.


In Matthäus 7,24-26 (dem Gleichnis vom Haus) sagt Jesus, dass das Fundament das Entscheidende ist. Er vergleicht da zwei Fundamente von Häusern. Das eine Haus wird auf einem Fels gebaut und das andere auf Sand. Wenn dann eine Regenflut und ein Sturm kommen, bleibt das eine Haus, das auf felsigem Grund gebaut wurde, stehen. Das andere, das auf Sand gebaut wurde, bricht zusammen.


Jetzt ist die Frage: Worauf baust du dein Leben? Wo findest du deine Identität? Wie weißt du, wann du wertvoll bist?


Liegt dein Wert im Fleiß - also ich bin wertvoll, wenn ich fleißig bin? Liegt dein Wert im Erfolg? Wenn du nach dem gesellschaftlichen Ideal lebst (Mann, Haus, Kind, Job)? Wenn ich von anderen gebraucht werde? Wenn ich beliebt bin und überall eingeladen werde? Wenn ich lustig bin? Wenn ich alles alleine bewältigen kann und nie Hilfe brauche? Was steht in deiner "ID-Karte"?


Egal, was du da hinein schreibst, das ist das, wo deine Identität liegt. Meist sind das Sachen, die sich aus äußeren Einflüssen (Familie, Erziehung, Freunde, Schule, usw.) und inneren Überzeugungen und Erfahrungen zusammensetzen. Es ist eine Mischung aus mehreren Sachen, die stetig im Wandel sind (je nachdem, was du so erlebst).


Was uns meiner Meinung nach im Mühlviertel recht prägt ist beispielsweise der Fleiß. So á la „ich bin in Ordnung und wertvoll, wenn ich fleißig bin“. Wenn ich fleißig bin, dann bin ich ok.


An sich ist das nichts Schlechtes – fleißig sein ist super. Das Problem ist nur, wenn ich es zu meiner Identität mache, d.h. meinen Wert daraus ziehe. Weil was ist, wenn ich z.B. durch eine Krankheit (wie Burnout) nicht mehr fleißig sein kann? Dann wäre der Schluss daraus, dass ich nicht mehr wertvoll bin. Das wäre eine ganz schöne Identitätskrise.


Meistens sind es nicht so dramatisch große Sachen. Im täglichen Leben sind es oft Kleinigkeiten. Bei mir war es es z.B. so, dass ich in mir drinnen den Satz gehabt habe: "Man muss immer funktionieren, man ist nur gut, wenn man funktioniert". Aber in der Realität hat es halt einfach oft anders ausgeschaut. Ich habe es nicht geschafft, immer zu funktionieren. Mal war ich krank oder einfach nur zu müde und zu k.o. zum Funktionieren – und dann fühlt man sich schlecht, weil man ja nicht funktioniert. Und dann kommt schon die innere Anklagestimme vom Feind: "Was bist du für ein schlechter Mensch!? Die anderen zählen ja auf dich..."


Eine Szene, die das sehr gut veranschaulicht findet man bei König der Löwen (Video abspielen)


(Simbas Vater stirbt, Simba trauert – dann kommt Scar, Simbas böser Onkel, und bringt ihn auf hinterhältige Art und Weise dazu, zu glauben, dass er für Mufasas Tod verantwortlich ist. Simba flieht dadurch vor seiner Berufung/Identität).


Ich liebe diesen Film, und bei dieser Szene denke ich mir immer "neeeein, Simba, glaub das nicht!". Aber wie oft geht es uns so wie Simba. Irgendetwas läuft nicht so gut und dann kommt schon der Ankläger. "Aha, da hast das wieder mal nicht geschafft? Das war ja sowas von klar. Du bist so schwach, jetzt ist dir das schon zum 5. Mal passiert, ich würde mich schämen dafür. Wenn das die anderen erfahren – hui, hui, die denken sich sicher ihren Teil über dich, du wirst zum Gespött! Du bist auf jeden Fall nicht mehr liebenswert."


Die Reaktion

Und dann versucht man irgendetwas zu tun, damit man dieses innere Loch stopft und sich wieder gut bzw. wertvoll fühlt. Man bemüht sich wieder besonders zu funktionieren, alle Aufgaben abzuarbeiten, fleißig zu sein. Perfekt: Identität wiederhergestellt. Bis zu dem Punkt, wo einem alles über den Kopf wächst und man nicht mehr funktionieren kann. Dann fängt es wieder von vorne an. Und das geht immer so dahin. Ein Kreislauf. Und dann kommen oft noch Zusatzlösungen dazu – man ist super motiviert, etwas zu ändern, dieses ständige hin und her ist ja doch irgendwie anstrengend und nervig. Man will etwas ändern. Man nimmt sich etwas vor – bessere Planung, mehr Effizienz, usw. Oder man braucht einmal eine Pause – kauft sich was Schönes mit der Überzeugung „das hab ich mir verdient“ oder isst Schokolade „zum Nerven beruhigen“.


Aber von der Wirkung her ist es ungefähr so, wie wenn ich mir den Fuß breche und Eiswürfel darauf lege. Ja, es hilft – aber nur vorübergehend.


Gottes Lösung

Zurück zum Gleichnis von Jesus in Matthäus 7. Jesus sagt, das Fundament ist das Wichtige. Wenn wir unser Haus auf einem Fundament aus Sand bauen, wird das nicht Bestand haben, wenn Regen und Sturm kommen. Regen und Sturm kann man da jetzt symbolisch für Probleme betrachten. Das heißt, wenn von links und rechts Probleme kommen und Druck, dann wird dieses Haus zusammenbrechen.


Anders als beim Haus auf Sand ist es beim Haus auf felsigem Grund. Was ist nun dieser felsige Grund? Jesus!


Zur Wiederholung: Wir haben vorher das Dilemma gehabt: Ich möchte, dass mein Leben so ausschaut wie das schöne Zimmer. Oft schaut es aber eher so aus wie das Bild vom unordentlichen Zimmer. Woran liegt das? Dass ich meine Identität in falschen Dingen suche. Was tun wir? Lösungen suchen – die aber immer nur vorübergehend sind, und wir kämpfen mit Scham/Schuldgefühlen, weil es nicht so ausschaut wie das schöne Zimmer und wir es irgendwie nicht schaffen, dass es so wird wie das schöne Zimmer.


Auf den Punkt gebracht – man möchte gerne, dass in einem drinnen Ordnung, Ruhe und Frieden herrschen, aber irgendwie schafft man das nicht immer. Also es ist so ein auf und ab. Und dieses auf und ab und diese Verunsicherung sind anstrengend. Man will dauerhaft erfüllt sein und im Frieden leben. Sich nicht immer von Umständen (Regen, Sturm) verunsichern lassen. Mit dem, wie man seine Identität, bzw. seinen Wert, definiert gelingt das nicht.


So. Und wie soll mir jetzt Jesus da helfen? Indem wir uns von ihm zeigen lassen, wer wir sind durch ihn.


Sehr gut veranschaulicht das wieder eine Szene von König der Löwen (Video abspielen).


Simba ist davongelaufen, weil er sich schuldig fühlt für den Tod von seinem Vater. Er versteckt sich bei Timon und Pumba und vergisst, dass er ein Löwe ist. Statt Fleisch isst er Insekten. Es ist einfacher für ihn so. Wird er so erfüllt und glücklich leben? Wahrscheinlich nicht. Eines Tages kommt ihn Rafiki (der Affe) besuchen und zeigt ihm seinen Vater. Der Vater erinnert dann Simba daran, wer er wirklich ist.


Im Film wird natürlich alles ein bisschen dramatischer dargestellt, aber so, wie Simba in dieser Szene daran erinnert wurde, wer er ist – nämlich der König der Löwen, möchte Gott auch dich daran erinnern, wer du bist: Gottes geliebtes Kind, sein königlicher Sohn, seine königliche Tochter.


Und so, wie Simba im Film den Affen Rafiki gehabt hat, der ihm dabei geholfen hat den Vater zu sehen, haben wir Glaubensgeschwister, die uns dabei helfen, den Vater zu sehen, wenn wir vielleicht mal „blind“ sind.


Was sagt denn Gott, wer wir sind:


  • Zefanja 3,17: Von ganzem Herzen freut er sich über dich. Ja, er jubelt, wenn er an dich denkt

  • Jeremia 32,40: Ich werde nie aufhören, dir Gutes zu tun.

  • Jesaja 40,11: Wie ein Hirte ein Lamm trägt, so trage ich dich an meinem Herzen.

  • Johannes 17,23: Ich bin dein Vater und ich liebe dich genauso, wie ich meinen Sohn Jesus liebe.

  • Psalm 139,1-3: Ich kenne dich ganz genau, selbst wenn du mich vielleicht noch nicht kennst. Ich weiß, wann du aufstehst und wann du schlafen gehst. Dein ganzes Leben ist mir vertraut.

  • Matthäus 10,29-31: Selbst die Haare auf deinem Kopf sind alle gezählt.

  • 1. Mose 1,27: Du bist als mein Ebenbild geschaffen.

  • Epheser 1, 11-12: Ich habe dich bereits im Augenblick der Schöpfung erwählt.

  • Psalm 139,15: Du bist kein Zufallsprodukt, du bist gewollt.

  • Psalm 139,14: Ich habe dich wunderbar und einzigartig gemacht.

  • Johannes 3,1: Ich will dich mit meiner Vaterliebe beschenken. Einfach weil du mein Kind bist und ich dein Vater bin.

 

Das ist jetzt nur ein kleiner Auszug. Die Bibel ist voll davon, was Gott über dich denkt. Seine Gedanken über dich sind zahlreicher wie der Sand am Meer (Psalm 139,17-18).


Und das ist das, wie du bist – deine Identität in Gott. Das ist dein felsiges Fundament. Du bist gewollt und geliebt, egal was passiert.


Du hast gerade jemanden wütend angeschnauzt? Du bist geliebt. Du bist quietschvergnügt und genießt das Leben? Du bist geliebt. Du bist zu faul, um in den Gottesdienst gehen? Du bist geliebt.


Gottes Wahrheiten sind unabhängig von deinem Handeln und Tun. Es gibt nichts, was du machen kannst, damit du weniger von Gott geliebt bist.


Also nicht falsch verstehen, wenn du wütend bist und Sachen umwirfst, dann findet er das nicht gut, aber er hat dich deswegen nicht weniger lieb. 


Wenn du Kinder hast und die Blödsinn machen, bist du jetzt wahrscheinlich auch nicht begeistert, aber du hast dein Kind deswegen nicht weniger lieb. Und genauso ist es bei Gott.


Und das ist oft das Schwierigste anzunehmen. Also ich glaube jeder Christ weiß, dass das so ist - im Kopf (Theorie). Aber weißt du es auch in deinem Herzen (Praxis)? Also wenn Probleme kommen und du unter Druck stehst, weißt du es dann auch, das Gott dich liebt, oder kommen dann Selbstzweifel?


Lügen vs. Wahrheiten

Wenn du dir ganz schwer tust, Gottes Wahrheiten anzunehmen, dann kann es sein, dass du vielleicht Lügen in deinem Leben glaubst, oder Glaubenssätze gefasst hast, die im Gegensatz zu Gottes Wort stehen.


Wenn du z.B. in deiner Kindheit mit einem Vater aufgewachsen bist, der dir ständig gesagt hat, dass du zu nichts fähig bist und nichts wert bist, dann hast du vielleicht angefangen, das zu glauben. Oder du bist in einer Familie aufgewachsen, wo nur Leistung wichtig war, dann glaubst du vielleicht die Lüge, dass du nur wertvoll bist, wenn du leistest. Oder du hast dir in der Schule vielleicht in Englisch schwergetan und die Lehrerin sagt dir, du wirst diese Sprache niemals können – und du glaubst ihr das, dann glaubst du eine Lüge.  


Was tut jetzt Gott? Er serviert dir wie oben schon gesagt alle Wahrheiten von ihm auf einem Silbertablett. Wie beim Segenstisch musst du sie jetzt nur noch annehmen: Ich glaube Gott, dass ich geliebt bin und nehme das an - auch wenn ich Fehler mache, auch wenn ich nicht performe und Leistung bringe. Ich nehme Gottes Wahrheit an, dass ich gut und gewollt bin, wie ich bin.


Wie geht dieses Annehmen?


Stelle dich auf Gottes Wahrheiten, lese sie dir immer wieder durch und bete darüber.


Maria Prean hat das recht treffend in ihrer Biographie geschrieben. Sie hat viele schlimme Sachen erlebt und dadurch Lügen geglaubt. Sie bekam dann von ihrem Coach die Aufgabe, sich jeden Tag vor den Spiegel zu stellen und zu sagen: "Danke Gott, dass du mich so wunderbar und einzigartig geschaffen hast." Am Anfang fand sie es komisch, Gottes Wahrheit fühlte sich für sie nach einer Lüge an, aber nach und nach hat es gefruchtet. Und schaut sie euch heute an. Ihr Haus ist auf Felsen gebaut, sie steht auf Gottes Wahrheiten.


Ein sehr gutes Tool ist auch SOZO. Es wird in unserer Gemeinde angeboten und ich kann es jedem nur empfehlen. Mir hat da Jesus ganz viel gezeigt – welche Lügen ich in meinem Herzen über mich glaubte, und er hat sie dann mit mir gebrochen und durch seine Wahrheiten ersetzt.


Natürlich gibt es noch viele andere Möglichkeiten – am besten du fragst einfach Gott, was du tun sollst.

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