• Peter Köttritsch

Taufe 2021 - Galater 3

Aktualisiert: Juli 16

Liebe Täuflinge,


heute ist ein besonderer Tag für euch. Wir freuen uns, dass ihr diesen Schritt geht und vor der sichtbaren, sowie vor der unsichtbaren Welt bezeugt, dass euer Leben ganz Jesus gehört.


Gerade bei uns am Land, wo man einander kennt und es keine so große Anonymität, wie in einer Großstadt gibt, ist das sehr gut und wichtig.



Apropos Landleben:


Im Dorf ist die Bank schon zum fünften Mal überfallen worden. Während der Ermittlungen fragt der Polizist den Kassierer:


„Ist Ihnen an dem Täter etwas Außergewöhnliches aufgefallen?“


„Aber ja“, sagt der Kassierer. „Der Mann war von Mal zu Mal besser gekleidet.“



Kleidung ist weit mehr als ein Mittel, damit wir nicht nackt herumlaufen müssen und uns nicht friert, wenn es kalt ist.


Wie sich jemand kleidet, sagt viel über diesen Menschen aus. Ob sich jemand beispielsweise sehr schlicht, betont sportlich oder auch extravagant kleidet. Die Kleidung spiegelt nicht immer, aber oftmals die Seele eines Menschen wider.


Und auch die Umwelt reagiert auf unterschiedliche Kleidung.


Bsp.: Stell dir vor, ein schlecht gekleideter Millionär und ein gut gekleideter Hochstapler, der in Wahrheit pleite ist, gehen zum Juwelier. Welcher der beiden wird wohl zuerst bedient werden?


Oder du wirst kaum in Arbeitsklamotten zu einem Vorstellungsgespräch gehen.


„Kleider machen Leute“



Ihr Lieben: Was hat eure Taufe heute mit der Kleidung zu tun? Mehr als man auf den ersten Blick sieht.


Bei der Taufe passieren ja sehr viele geistliche Dinge:


Wie ich schon eingangs gesagt habe, ist sie ein öffentliches Bekenntnis vor der sichtbaren, aber auch vor der unsichtbaren Welt, dass ihr Jesus nachfolgt. Und das, nicht nur so ein bisschen, sondern ihr sagt damit aus, dass Jesus in allen Bereichen eures Lebens der Herr ist. Das heißt er darf euch verändern, er wird zum Maßstab eures Verhaltens und er hat das letzte Wort in allen euren Entscheidungen.



Bei der Taufe wird unser Gewissen reingewaschen, wie wir es im 1.Petrusbrief lesen können.


In der Taufe wird symbolisch die alte Martina, die alte Dina, der alte Daniel und der alte Yannick ersäuft und im Glauben kommt es zur Auferstehung der neuen Martina, Dina, des neuen Yannick und Daniel. Ihr habt jetzt ein neues, gutes, liebendes Herz von Gott geschenkt bekommen.



Ich möchte aber heute über einen Aspekt der Taufe sprechen, den wir im Galaterbrief lesen können:


Gal 3,26-29


26 Ihr alle seid jetzt mündige Söhne und Töchter Gottes – durch den Glauben und weil ihr in engster Gemeinschaft mit Jesus Christus verbunden seid.


27 Denn als ihr in der Taufe Christus übereignet wurdet, habt ihr Christus angezogen wie ein Gewand.


28 Es hat darum auch nichts mehr zu sagen, ob ein Mensch Jude ist oder Nichtjude, ob im Sklavenstand oder frei, ob Mann oder Frau. Durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zu einem Menschen geworden.


29 Wenn ihr aber zu Christus gehört, seid ihr auch Abrahams Nachkommen und bekommt das Erbe, das Gott Abraham versprochen hat.



Spannend! In der Taufe bekommt ihr ein neues Kleidungsstück, dass ihr von nun an tragen werdet: Christus.


Was bedeutet das?



Die Kleidung ist in der Regel das erste, das man von einem Menschen sieht. Anhand der Kleidung kann man gewisse Schlüsse ziehen: Mann oder Frau, gut oder schlecht gekleidet, arm oder reich, arbeitet gerade, oder geht einem Hobby nach (z.B.: Sportkleidung…)



Dieser erste Eindruck ist oft sehr entscheidend, ob ich jemandem vertraue und/oder sympathisch finde, oder eben nicht. Deshalb legen Menschen, die Kundenkontakt haben meist Wert auf gute Kleidung. Bsp.: Bankangestellter.



Wenn ihr vier, jetzt in der Taufe Christus, wie ein Gewandt anzieht, bedeutet das, dass alle, die euch sehen, als erstes Christus an- oder besser gesagt in euch sehen. Und das ist sehr gut so.


Was genau sieht man da? Die Freundlichkeit mit der Jesus Menschen begegnet ist. Das dienende Herz. Die Geistesgaben, die zum Einsatz kommen. Und nicht zuletzt: Die Liebe des Vaters im Himmel.



Aber nicht nur Menschen sehen euer Christusgewand. Gott selbst sieht euch durch seinen Sohn an. Schon im AT lesen wir beim Propheten Jes 61,10: Ich freue mich über den HERRN und juble laut über meinen Gott! Denn er hat mir seine Rettung und Hilfe geschenkt. Er hat mich mit Gerechtigkeit bekleidet wie mit einem schützenden Mantel. Nun stehe ich da wie ein Bräutigam mit festlichem Turban, wie eine Braut im Hochzeitsschmuck.



Wenn Gott dich ansieht, sieht er keine Sünderin oder keinen Sünder mehr, auch wenn du, so wie wir alle noch nicht vollkommen bist. Wenn er dich ansieht, sieht er als allererstes Christus in dir. Er sieht einen Menschen, der durch das, was Jesus für uns am Kreuz getan hat, gerecht gemacht worden ist. Du bist eine Heilige / ein Heiliger in Jesus.




Es heißt ja: Kleider machen Leute.


Es gibt die Geschichte eines arbeitslosen armen Schneiders, dessen ganzer Besitz ein selbstgeschneiderter Frack war. Als er ihn anzog wurde er von allen Menschen freundlich gegrüßt und im Gasthaus bestens bewirtet, weil ihn die Menschen für einen Grafen hielten.



Kleider alleine machen noch nicht automatisch einen anderen Menschen aus mir.


Nur weil ich mich wie ein reicher Geschäftsmann anziehe, werde ich noch keiner. Keine Frau wird eine Braut, indem sie sich ein Brautkleid anzieht und eine Turnhose macht noch keinen Sportler aus mir. Trotzdem: Wenn ich meine Laufhose anziehe, dann nicht, weil sie besonders bequem ist, sondern weil ich laufen gehe. Wenn ich den Blaumann überstreife, dann weil ich etwas zu arbeiten habe.



Wie wir uns kleiden, hat sehr viel mit unserem Leben zu tun. Wenn ich auf einen Ball gehe, ziehe ich natürlich einen Anzug an, zu Hause zum Fernsehen auch, aber dann eher einen Jogginganzug. 😊



Wenn ihr heute in der Taufe Christus wie ein Kleid anzieht, hat das auch sehr viel mit eurem alltäglichen Leben zu tun. Anders als es bei normaler Kleidung ist, behaltet ihr euer „Christuskleid“ nämlich Tag und Nacht, 7 Tage die Woche an. Nicht nur am Sonntag zum Gottesdienst. Dieses Christuskleid ist wie eure zweite Haut. Es ist ein Teil von euch.


Christus ist jetzt eure Identität.



Dieses „Christus angezogen haben“ hat noch größere Konsequenzen, als es auf den ersten Blick scheint.


Paulus führt, in dem Bibelabschnitt, den wir vorhin gelesen haben, zwei konkrete Punkte auf:


Wir werden Eins in Christus. Alle Unterschiede, die für eine Trennung gesorgt haben, werden ausgeglichen.


V 28 Es hat darum auch nichts mehr zu sagen, ob ein Mensch Jude ist oder Nichtjude, ob im Sklavenstand oder frei, ob Mann oder Frau. Durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zu einem Menschen geworden.



Das heißt jetzt nicht, dass es keine Unterschiede mehr gibt. So wie es die radikale Gender Ideologie fordert. Weil nach ihrer Sicht das Geschlecht eines Menschen nur anerzogen ist, sollte es frei wählbar sein. Das meint dieser Text nicht. Es gibt nach wie vor einen Unterschied zwischen Mann und Frau und der ist gut so. Aber dieser Unterschied drückt sich nicht im Wert eines Geschlechts aus. Frauen sind in Christus genauso wertvoll, wie Männer und umgekehrt.


Wenn wir in Christus Eins gemacht werden, hat das nichts mit Gleichmacherei zu tun, sondern damit, dass jeder in seiner Art, als Frau oder Mann, als Jude oder Nichtjude, als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, als Österreicher oder Asylwerber usw. genauso kostbar ist wie alle anderen.


Wir alle haben, wenn wir Jesus nachfolgen, den selben Vater im Himmel und sind daher Geschwister. Deshalb behandeln wir niemanden herablassend und umgekehrt können wir auch erhobenen Hauptes allen Menschen begegnen. Weil wir unseren Wert in Christus haben.



Die zweite große und schöne Auswirkung, die es mit sich bringt, wenn wir Christus angezogen haben beschreibt Paulus in V 29:


Wenn ihr aber zu Christus gehört, seid ihr auch Abrahams Nachkommen und bekommt das Erbe, das Gott Abraham versprochen hat.



Wir sind also Erben dessen, was Gott Abraham versprochen hat. Gemeint ist da konkret jetzt nicht das Land Israel. Das ist da Erbe des irdischen Volkes Israel. Ein sehr umkämpftes Erbe, aber das ist eine andere Geschichte.


Was wir erben dürfen, ist der Segen Abrahams und das himmlische Jerusalem. Eine Stadt, die so schön ist, dass sie mit menschlichen Worten kaum zu beschreiben ist. Es ist die Stadt, in der Gott selbst wohnt, die durchdrungen ist von seiner heilenden Gegenwart und Liebe und in der das Leben buchstäblich überfließt. Ganz am Ende der Bibel wird diese Stadt ausführlich beschrieben.



Der Segen Abrahams ist aber nicht erst im Himmel erlebbar, sondern bereits jetzt. Jetzt, wenn wir Christus angezogen haben und unser Leben mit ihm leben, merken wir, wie er unser Leben begleitet und alle Dinge zum Besten werden lässt. Auch und gerade, wenn das nicht bedeutet, dass wir keine Schwierigkeiten mehr haben.



Ihr habt wahrscheinlich gerade in diesen letzten Wochen erlebt, wie die eine, oder andere Herausforderung aufgetaucht ist. Ein Problem, das vielleicht gerade deshalb aufgetaucht ist, weil ihr euch taufen lassen wollt. In der Bibel steht, dass der Feind Gottes umherzieht wie ein brüllender Löwe, der versucht uns zu verschlingen. (1. Petr 5,8)



Davor bewahrt uns des Segen Abrahams nicht, aber gerade in diesen Problemen steht uns Gott treu zur Seite und gibt uns eine Perspektive, die weit über dieses Problem hinausgeht. Aus diesem, seinem Blickwinkel betrachtet, ist das, was wir an negativen Dingen erleben verschwindend klein. Und der Heilige Geist gibt uns zum einen die Kraft, gewisse Herausforderungen auszuhalten, zum andern aber auch die Autorität, siegreich gegen alles zu kämpfen, was sich Gottes Plan für dein Leben in den Weg stellt.


In der Taufe werdet ihr ganz neu mit dem Heiligen Geist erfüllt.


So wie ihr heute öffentlich „Ja“ sagt zu Jesus, so stellt sich der Vater, der Sohn und der Heilige Geist zu euch und umkleidet euch mit seiner Gegenwart, mit seiner Kraft und mit seiner Liebe.




Ich wünsche dir liebe Martina, dir liebe Dina, dir lieber Daniel und auch dir lieber Yannick, dass du diese Kraft Gottes jeden Tag erleben kannst und deine Taufe als Tag des Segens und der Freude für immer in Erinnerung bleibt.

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