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  • Peter Köttritsch

Paulus und Timotheus

Aktualisiert: 1. Juli


Welche Urlaubspläne hat ein Bauer im Sommer?

Er macht eine Pflugreise über seinen Acker.

 

Der Apostel Paulus ist auch sehr viel gereist, aber er war kein Tourist. Er war, wie die Blues Brothers, „im Namen des HERRN unterwegs“.

Am Beginn seiner zweiten Missionsreise ist er in Lystra (in der heutigen Türkei) einem interessanten jungen Mann begegnet: Timotheus (Apostelgeschichte 16). Dieser hatte einen sehr guten Ruf in der ganzen Umgebung. Deshalb hat Paulus ihn eingeladen, mit ihm mitzukommen. Das war der Anfang einer sehr langen, liebevollen und intensiven, geistlichen Vater-Sohn Beziehung.

 

Obwohl Paulus in seinen Briefen immer wieder betont hat, dass die äußerliche Beschneidung nicht nötig ist um zu Gott und somit auch zu seinem Volk zu gehören, hat er trotzdem Timotheus, der eine jüdische Mutter, aber einen griechischen Vater hatte, beschnitten. Nicht aus einer religiösen Notwendigkeit heraus, sondern aus Rücksicht auf die Juden in dieser Region. Er selbst wollte ja auch „den Juden ein Jude sein und den Griechen ein Grieche“. (1. Korinther 9,20f)

Dieser Beziehung verdanken wir unter anderem zwei ganz wertvolle Briefe im Neuen Testament, die Paulus seinem Jünger Timotheus geschrieben hat.

 

Ich möchte heute nur am Rande auf den Inhalt dieser beiden Briefe eingehen. Vielmehr möchte ich uns diese Vater-Sohn Beziehung (oder auch Lehrer-Schüler / Mentor-Mentee Beziehung) für uns als Vorbild hervorheben.

 

Jüngerschaft kann viele Formen haben. Am intensivsten, aber auch am nachhaltigsten, sind in der Regel 1:1 Treffen.

Manchmal passiert Jüngerschaft so ganz nebenbei. Das ist schön. Aber meist ist es Teil eines aktiven Prozesses, der von mindestens einer Person initiiert wird.

 

Paulus war derjenige, der Timotheus eingeladen hat, mit ihm zu kommen. Nicht nur als Reisebegleiter, der ihm dient, sondern als jemand, der von ihm lernt und der später, so wie Paulus, eine wichtige Säule in der frühen Christenheit werden sollte.

Wir lesen in der Apostelgeschichte nur immer wieder in Nebensätzen von Timotheus. Z.B. in Kapitel 17, dass Paulus aus Beröa fliehen musste und er seinen Begleitern Silas und Timotheus ausrichten ließ, dass sie schnell nachkommen sollten.

Auch auf seiner dritten Missionsreise nahm Paulus Timotheus mit. Es wird erwähnt, dass er (Paulus) Timotheus nach Mazedonien vorausgeschickt hat, während er selber noch eine Weile in der Provinz Asien (Westtürkei), genauer gesagt in Ephesus, bleiben wollte (Apostelgeschichte 19,22).

 

Ephesus war schon ein ganz besonderes Pflaster. Nicht nur wegen des Aufstandes der Silberschmiede, von der wir in Apostelgeschichte 19 lesen können.

Paulus schrieb später einen ganz wichtigen Brief an die Epheser, der ebenfalls Teil des Neuen Testaments wurde. Dieser Brief wird bestimmt von einem sehr wichtigen Thema: Was ist die Gemeinde Jesu?

Sie wird als erste Stadt in den 7 Sendschreiben (Offenbarung 2) erwähnt.

 

Der Auftrag an Timotheus:

Vermutlich später, nachdem er den Epheserbrief geschrieben hatte, schickte Paulus seinen Jünger Timotheus dorthin. Er sollte sich um die gesunde Lehre kümmern. Es gab ganz offensichtlich Probleme mit Lehrern in der Gemeinde, die Nebensächlichkeiten (Abstammungsregister und Fabeln) zu einer Hauptsache machten. Das ist sehr oft der Grund für eine Schieflage einer Gemeinde: Wenn ein Randthema so sehr in den Mittelpunkt rückt, dass die zentrale Botschaft von Jesus dadurch an den Rand gedrängt wird. Sei es die Überbetonung einer bestimmten Gabe (Korinther), seien es äußerliche Vorschriften (Beschneidung; Einhaltung bestimmter Regeln, Kleidervorschriften…), sei es der Aufbau von Feindbildern, oder was auch immer.

 

Um seinem Auftrag nachkommen zu können, hat Timotheus eine besondere Gabe von Gott erhalten. Welche das genau war, wird nicht erwähnt, aber aus dem Zusammenhang geht hervor, dass es eine Leitungs- und/oder Lehrgabe war. So wie das mit allen Gaben ist, so führte auch diese Gabe des Timotheus nicht automatisch dazu, perfekt in dem jeweiligen Gebiet zu sein. Auch er musste seine Gabe einsetzen, trainieren und schärfen. Dazu brauchte er Ermutigung. Und eben diese Ermutigung erhielt er unter anderem von seinem Mentor Paulus.

 

1.Timotheus 4,12-16

12 Niemand soll dich gering schätzen, nur weil du jung bist. Sei allen Gläubigen ein Vorbild in dem, was du lehrst, wie du lebst, in der Liebe, im Glauben und in der Reinheit.

13 Und bis ich komme, sollst du dich darauf konzentrieren, der Gemeinde die Schrift vorzulesen und die Gläubigen zu ermutigen und zu lehren!

14 Vernachlässige die geistliche Gabe nicht, die du durch prophetische Reden empfangen hast, als die Ältesten der Gemeinde dir die Hände auflegten.

15 Richte deine Aufmerksamkeit darauf und widme dich diesen Aufgaben, damit alle sehen können, wie du Fortschritte machst.

16 Achte sorgfältig auf dich selbst und auf die Lehre. Bleib der Wahrheit treu, und Gott wird dich und alle, die dich hören, retten.

 

Aus diesem Text können wir herauslesen, dass Timotheus noch jung war (vielleicht 30-40?) und daher seine Autorität angezweifelt wurde. Vor allem von den „Lehrern“, die ihre eigene Agenda in der Gemeinde verfolgen wollten.

Wir sehen, dass wenn ich meine Gabe vernachlässige, sie nicht weiterwächst, sondern wieder abnimmt. Geistliche Gaben verhalten sich wie Muskeln. Ich kann sie trainieren und stärken. Aber wenn ich sie nicht einsetze, verkümmern sie. (Bsp.: Astronauten, die lange Zeit im All bleiben).

Wir sehen in diesem Text aber auch, dass es „normal“ ist für einen Jünger Jesu, zu wachsen. Für Paulus war es wichtig, dass nicht nur er sieht, sondern jeder sehen kann, wie sein Jünger wächst (Vers 15b) - also das Wachstum nicht nur subjektiv von der Person selber wahrgenommen wird.


Und natürlich ist geistliches Wachstum nicht so einfach messbar. Aber wenn ich anderen (z.B. meinen Glaubensgeschwistern) erlaube, mir ehrlich Feedback zu geben, dann können sie sehr wohl feststellen, dass ich geduldiger, liebevoller, disziplinierter geworden bin. Und noch ein Parameter gibt es, an dem sich mein geistliches Wachstum ablesen lässt: Bringe ich gute Frucht in meinem Leben hervor? Eine gute Frucht können gute Taten (Diakonie, Versöhnung, Heilungen…) sein, aber auch Menschen, die durch meinen Dienst den Weg zu Jesus und ins Reich Gottes finden. Dazu gehört auch, dass diese Menschen aktive, lebendige Bausteine einer (nicht unbedingt unserer!) Gemeinde werden.

 

Jeder von uns kann ein Timotheus sein. Jeder von uns kann und soll wachsen. Damit meine ich nicht den Bauchumfang! 😊 Halte beständig Ausschau nach Menschen, von denen du lernen kannst. Menschen, die für dich ein Vorbild sind. Lernen kann ich auf unterschiedlichste Weise. Ich kann sogar von Menschen lernen, die für mich nicht „verfügbar“ sind, weil sie weit weg wohnen, keine Zeit für mich haben, oder auch schon verstorben sind. (Predigten anhören, Bücher lesen…)

 

Jeder von uns kann und soll auch ein Paulus sein, in dem Sinn, dass wir „in die andere Richtung“ nach Menschen Ausschau halten, die wir geistlich begleiten - und ihnen das lehren können, was wir selber bereits gelernt haben. Natürlich ist die Zahl meiner „Jünger“ begrenzt. Ich kann mich, vielleicht aufgrund meiner beruflichen, oder familiären Situation, nur in ein, oder zwei „Timotheuse“ investieren.

Jesus hat 12 Jünger gehabt und sie Apostel genannt. Er hat aber auch eine Gruppe von 70 weiteren Jüngern gehabt und darüber hinaus eine große Menge, die ihm nachgefolgt ist. Aber in die 12 hat er sich hauptsächlich investiert. Selbst innerhalb der 12 hatte er drei Jünger (Petrus, Johannes und Jakobus), denen er noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat, als all den anderen.

Es ist voll OK, wenn du nur eine Person hast, der du das weitergibst, was du über Jesus weißt.

So eine Jüngerschaftsbeziehung muss auch nicht, wie die von Paulus und Timotheus, ein Leben lang andauern. Es ist schön, wenn das so ist, aber manchmal ist es auch in Ordnung, wenn du dich zeitlich limitiert, z.B. über ein Jahr, in eine Person investierst.

 

Vielleicht sagst du dir jetzt: So viele sind wir gar nicht in der Gemeinde: Wenn ein paar Leute mehrere Jünger haben, dann bleibt für mich gar keiner übrig…

Sehr gut beobachtet! Timotheus war zwar schon gläubig, als Paulus ihn eingeladen hat, mit ihm zu kommen.

Aber das ist Gott sei Dank nicht die Voraussetzung, dass eine Person dein Jünger wird. Die Jünger von Jesus haben ihn alle nicht gekannt, bevor er sie in seine Nachfolge berufen hat. Klar, das war eine andere Situation. Aber eine Person kann schon ein Jünger werden, bevor sie anfängt, an Jesus zu glauben. Und plötzlich hast du eine riesige Auswahl an Menschen, die deine - und in weiterer Folge die Jünger von Jesus!!! - werden können.

 

Wenn du noch keinen Jünger hast, bitte Gott, dir die Person zu zeigen, der du Jesu Liebe, sein Wort und/oder seine Taten weitergeben kannst und fordere diese Person heraus, all das in ihrem Leben zu entdecken und Realität werden zu lassen, was Gott bereits in sie hineingelegt hat.

Rechne jeden Tag damit, dass Gott dir genau diese Person zeigt, so lange, bis du sie gefunden hast.

Und dann staune, was der Heilige Geist daraus machen wird.

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