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Johannes 10 „Ich bin der gute Hirte"

  • Peter Köttritsch
  • vor 2 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Bei Familie Schaf klingelt es abends an der Tür. Draußen steht ein Polizist mit zwei kleinen Lämmchen.

Sagt der Polizist zu Mama Schaf: "Zwei Ihrer Kinder sind ausgebüxt. Wir haben sie im Park gefunden. Haben Sie denn nicht gemerkt, dass zwei fehlen?"

Antwortet Mama Schaf: "Wir versuchen ja unsere Schäfchen am Abend immer alle durchzuzählen, aber wir schlafen immer mittendrin ein!"

 

Schafe sind vermutlich die Tiere, die in der Bibel am häufigsten erwähnt werden. Schon in der zweiten Generation der Menschheit gab es mit Abel den ersten Schafhirten. (1. Mose 4,2)

 

Wenn die Bibel von Schafen spricht sind damit aber nicht immer die Tiere gemeint, sondern gelegentlich auch wir Menschen.

Der Vergleichspunkt ist aber nicht die Intelligenz, sondern die Bedürftigkeit. Schafe brauchen jemanden, der sie beschützt und der sie führt. Das ist die Aufgabe eines Hirten.

 

Es ist sicherlich kein Zufall, dass aus dem tüchtigen Hirtenjungen David später einer der größten Könige geworden ist, der in Israel jemals regiert hat.

Ein guter Leiter braucht die Fähigkeiten eines guten Hirten.

 

Ein (DER) Nachkomme von David vereint König und Hirte in seiner Person: Jesus Christus.

 

Vorige Woche habe ich mit euch den Anfang von Johannes 10 gelesen. Dort stellt sich Jesus als „die Tür“ vor. Heute möchte ich mit euch in diesem Textabschnitt weiterlesen:

 

Johannes 10,11-18

11 Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein.

12 Anders ist es mit einem, dem die Schafe nicht gehören und der nur wegen des Geldes als Hirte arbeitet. Er flieht, wenn der Wolf kommt, und überlässt die Schafe sich selbst. Der Wolf fällt über die Schafe her und jagt die Herde auseinander.

13 Einem solchen Mann liegt nichts an den Schafen.

14 Ich aber bin der gute Hirte und kenne meine Schafe, und sie kennen mich;

15 genauso wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne. Ich gebe mein Leben für die Schafe.

16 Zu meiner Herde gehören auch Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich herführen, und sie werden wie die übrigen meiner Stimme folgen. Dann wird es nur noch eine Herde und einen Hirten geben.

17 Der Vater liebt mich, weil ich mein Leben hingebe, um es neu zu empfangen.

18 Niemand nimmt mir mein Leben, ich gebe es freiwillig. Ich habe die Macht und die Freiheit, es zu geben und zu nehmen. Das ist der Auftrag, den ich von meinem Vater bekommen habe.«

 

Jesus stellt hier zwei Haltungen gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein könnten, auch wenn sie sich auf den ersten Blick sehr ähneln. Er beschreibt uns zwei Arten von Hirten:

1.   Den guten Hirten

2.   Den, der nur für Geld die Schafe hütet. (in der Luther Übersetzung „Mietling")

 

Ich möchte mit dem zweiten beginnen.

Man kann von ihm sagen: Er macht seinen Job. Meistens jedenfalls. Zumindest so lange, wie er eine Gegenleistung dafür erhält.

Aber wenn es Hart auf Hart kommt, dann ist „das Hemd näher als der Rock“.

Wie gesagt, ich spreche hier von einer Haltung. Diese Haltung ist unter uns Menschen sehr weit verbreitet.

Jetzt könnte man sagen: „Ist halt so. Das ist menschlich. Wir sitzen eh alle im selben Boot!“

 

Es ist nicht verwunderlich, dass wenn Menschen mit dieser Haltung einander begegnen, es kaum zu einer tieferen Begegnung kommt.

Wenn mir meine Nachbarn, Arbeitskollegen, Mitschüler usw. nicht wichtig (im Grunde egal) sind, dann wünsche ich ihnen natürlich nichts Schlechtes, aber wir werden so gut es geht nebeneinander her leben ohne eine echte, geschweige denn gute, Beziehung aufzubauen.

Dass eine gute Beziehung nicht mit allen Menschen, die mir begegnen, möglich ist, ist mir klar. Und trotzdem zieht diese Haltung uns immer weiter von einander weg.

 

Jesus sagt hier, dass dieser „Nicht-Hirte“, wenn es eng wird, die Schafe sich selber überlässt, weil ihm die Schafe nicht gehören.

Es geht in diesem Zusammenhang nicht um den „Besitz“ von Menschen, da fällt das Bild dann aus dem Rahmen, sondern darum, dass Besitz verpflichtet.

Bsp.: Wie manche unserer Verleihräder zurück kommen.

 

Wenn du (zu) Jesus „gehörst“, dann wird er ganz sicher nicht unachtsam mit dir umgehen. Ganz im Gegenteil!

Damit kommen wir zur anderen Haltung:

 

Jesus sagt: Ich bin der gute Hirte! 

Er begründet diese Aussage mit den Worten:

Ein guter Hirte setzt sein Leben für die Schafe ein.

…ich kenne meine Schafe, und sie kennen mich;

genauso wie mich mein Vater kennt und ich den Vater kenne.

Ich gebe mein Leben für die Schafe.

 

Wie wir wissen, waren das bei Jesus mehr als „nette Worte“. Diese Bereitschaft für uns zu sterben hat Jesus bis zum äußersten erfüllt.

Er ist für seine Schafe in den Tod gegangen. Er hat sein Leben nicht nur für uns eingesetzt, sondern es im wahrsten Sinn des Wortes hingegeben.

 

Warum tut dieser gute Hirte das?

2 Gründe:

1.   Gehorsam

2.   Liebe

 

Ganz am Ende dieses Textes sagt uns Jesus, dass es der Auftrag seines Vaters ist.

Wow, welch innige, vertrauensvolle Beziehung, die da zwischen dem Vater und dem Sohn herrscht.

Jesus wusste, dass er, selbst wenn er den bitteren Kelch des Leidens trinken musste, letztendlich ein Ausdruck der Güte Gottes war.

Gott hat immer nur das Beste für uns im Sinn, auch wenn wir manches in der Situation nicht verstehen können.

Auch für Jesus war es schwer in dieser letzten Konsequenz gehorsam zu sein, aber er wusste, dass alles, was sein Vater von ihm verlangte, aus einer tiefen Liebe entsprang.

Tiefe Liebe zu ihm und unendliche Liebe zu allen Menschen.

 

Und diese Liebe hat auch der gute Hirte.

Zu dir, zu mir, zu jedem Menschen.

Unabhängig davon, ob wir uns dieser Liebe würdig erweisen.

Unabhängig davon, was wir für ihn tun.

Sogar unabhängig davon, ob wir seine Liebe erwidern.

Jesus liebt sogar die Menschen, die ihm offen ins Gesicht spucken.

 

Woher hatte der gute Hirte Jesus diese Kraft?

Wie konnte er so lieben?

Weil er diese Liebe selber erfahren hat.

Das Geheimnis der Liebe liegt darin, dass ich sie mir zuerst schenken lassen muss, damit ich sie dann überhaupt weitergeben kann.

Aus mir selber heraus kann ich sie nicht produzieren.

 

Und das interessante ist: Wenn ich geliebt werde, aber diese Liebe dann nicht weitergebe, verliere ich die Fähigkeit, mich lieben zu lassen. Da gibt es einen ganz interessanten Zusammenhang.

 

Das Geheimnis der Liebesfähigkeit von Jesus liegt in der innigen Gemeinschaft, die er mit seinem Vater gelebt hat.

Er spricht davon, dass er den Vater kennt und der Vater ihn kennt.

 

Das Wort „kennen“, oder „erkennen“ hat in der Bibel eine viel tiefere Bedeutung, als es im deutschen vermuten lässt. Es geht weit über ein „voneinander Bescheid wissen“ hinaus.

Es ist der Ausdruck einer zutiefst vertrauensvollen, innigen, ja sogar intimen Beziehung.

 

Jesus sagt, dass nicht nur er den Vater - und der Vater den Sohn - kennt, sondern er genauso die Schafe - und die Schafe ihn - kennen.

 

Dieser Text in Johannes 10 über den guten Hirten hat eine sehr enge Parallele mit dem wahrscheinlich bekanntesten aller Psalmen: Psalm 23

Dort wird dieses innige Vertrauensverhältnis auf sehr poetische bildhafte Weise ausgedrückt:

 

Der HERR ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.

2 Er weidet mich auf saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen.

3 Er gibt mir neue Kraft. Er leitet mich auf sicheren Wegen und macht seinem Namen damit alle Ehre.

4 Auch wenn es durch dunkle Täler geht, fürchte ich kein Unglück, denn du, HERR, bist bei mir. Dein Hirtenstab [wörtl. dein Stecken und Stab] gibt mir Schutz und Trost.

5 Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du begrüßt mich wie ein Hausherr seinen Gast und füllst meinen Becher bis zum Rand. [wörtl. fließt über]

6 Deine Güte und Liebe begleiten mich Tag für Tag; in deinem Haus darf ich bleiben mein Leben lang. (Hfa)

 

Deshalb ist es das schönste und wichtigste im Leben eines Jesus Nachfolgers, diesen Hirten immer noch besser kennen zu lernen, immer noch vertrauter mit ihm zu werden.

Mich immer mehr vom Heiligen Geist so verändern zu lassen, dass das Wesen dieses guten Hirten immer klarer in mir und durch mich zum Vorschein kommt.

 

Auch wenn es bedeutet, so wie Jesus einen schweren Weg gehen zu müssen. Wir brauchen nicht den Tod zu sterben, den Jesus als Folge unserer Sünde auf sich genommen hat. Das ist ein für alle Mal erledigt.

Aber dein alter Mensch muss sehr wohl sterben.

 

Du musst dich Kämpfen und Herausforderungen stellen, damit deine „Liebesmuskeln“ trainiert werden. Es ist und bleibt z.B. eine große Herausforderung, die Menschen zu lieben, die mir unsympathisch sind, vor allem, wenn sie mich verletzt haben.

Das Gebot Jesu, allen Menschen immer zu vergeben, für die zu beten, die uns böses antun - ja, sogar unsere Feinde zu lieben, gilt nicht nur ein paar wenigen „Auserwählten“.

Je größer der „Gute Hirte“ in dir wird, desto größer wird auch deine Fähigkeit werden, alle Menschen mit dieser göttlichen Liebe zu lieben.

 

 

Jesus sprach als Jude in erster Linie zu seinen jüdischen Zeitgenossen. Aber bereits in diesem Text wird klar, dass seine Mission größer war, als es die Menschen damals fassen konnten.

16 Zu meiner Herde gehören auch Schafe, die nicht aus diesem Stall sind. Auch sie muss ich herführen, und sie werden wie die übrigen meiner Stimme folgen. Dann wird es nur noch eine Herde und einen Hirten geben.

 

Eines der größten Herausforderungen, die die Kirche Jesu ganz am Anfang hatte, war die Frage: Was ist mit den „Anderen“? Gemeint waren damals die Nichtjuden.

Für uns heute stellt sich nicht mehr die konkrete Frage, was wir mit dem jüdischen Gesetz machen sollen. (Beschneidung, Speisevorschriften…)

Aber die Frage bleibt aktuell: „Was ist mit den Anderen?“

Mit denen, die einen anderen Stil haben wie wir, die andere Lieder singen, die andere theologische Schwerpunkte haben, die anderen Traditionen folgen, die eine andere Sprache sprechen, die nicht Teil meiner „Blase“ sind…

Ich habe beim letzten TPL Intern Abend schon mit euch über diese Frage nachgedacht.

Jesus sagt ganz klar: Alle gemeinsam werden dann dem EINEN Hirten Jesus folgen. Es wird dann nur noch eine Herde und einen Hirten geben.

Diese Worte sind Trost und Auftrag für mich gleichermaßen.


Trost: Er wird dafür sorgen, dass wir alle, die wir Jesus nachfolgen, egal aus welchem Kulturkreis, egal aus welcher Bildungsschicht, politischen Meinung, Sprache, Hautfarbe, Geschlecht… zu der einen großen Herde gehören dürfen.

 

Auftrag: Allen, die anders denken, sich anders kleiden, ausdrücken, allen, die andere Überzeugungen haben, mit Liebe, Wertschätzung und Respekt begegnen.

Auch Menschen, die noch nicht zu dieser Herde des guten Hirten gehören. Nicht damit sie sich bekehren (natürlich freuen wir uns darüber), sondern mit der Haltung: „Ich werde sie lieben, weil sie auch von Jesus geliebt werden.“

 

Meine Zugehörigkeit zur Herde Jesu zeigt sich darin, dass diese Liebe Jesu zu allen Menschen auch in mir zum Ausdruck kommt.

 

Liebe Freunde,

das Schönste und Wichtigste im Leben eines Jesus-Nachfolgers ist nicht, möglichst viel über Gott zu wissen, sondern den guten Hirten immer besser kennenzulernen.

 

Jesus kennt seine Schafe – und seine Schafe kennen ihn. Nicht nur oberflächlich, nicht nur vom Hörensagen, sondern in einer tiefen, vertrauensvollen Gemeinschaft. So wie Jesus den Vater kennt und der Vater ihn kennt, lädt er uns ein, in diese Liebe hineinzukommen und aus ihr zu leben.

 

Denn das Geheimnis der Liebe ist nicht, dass wir sie aus eigener Kraft hervorbringen. Niemand kann göttliche Liebe produzieren. Wir können sie nur empfangen – und dann weitergeben.

 

Jesus konnte sein Leben hingeben, weil er sich vollkommen von der Liebe des Vaters getragen wusste. Und je mehr wir uns von dieser Liebe beschenken lassen, desto mehr wird auch unser Herz verwandelt.

 

Dann wird der gute Hirte in uns sichtbar.

Dadurch wird unsere Zugehörigkeit zu Jesus für andere erlebbar.

 

Und dann können wir so wie der Psalmist bekennen:

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“


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