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  • Peter Köttritsch

Jesus zieht auf einem Esel ein


Ein Pferd und ein Esel geraten in Streit darüber, wer von ihnen höher einzuschätzen sei. Das Pferd ist stolz auf seine Vergangenheit.

Der Esel ist jedoch Stolz auf seine Zukunft und erwidert: "Die Technik wird das Pferd überholen, Esel wird es aber immer geben!"


Rund um den Palmsonntag gibt es einige Bräuche. In meiner Herkunftsfamilie sind wir am Palmsonntag immer sehr früh aufgestanden, weil der, der als Letzter aus dem Bett kam, wurde „Palmesel“ genannt.


Hier am Land werden die Palmbuschen traditionell in die Kirche gebracht, vom Priester geweiht und dann auf das Feld gesteckt als Zeichen der Hoffnung auf eine gute Ernte. Gegen das Erbitten des Segens ist ja nichts zu sagen, aber dieser ganze Brauch erinnerst mich ehrlich gesagt doch eher an heidnische Fruchtbarkeitsrituale, als an das, was die Bibel über diesen besonderen Festtag berichtet.


Ich möchte heute im Markusevangelium weiterlesen, aber aus gegebenem Anlass ein wenig nach vorne springen: Mk 11,1-11

1 Jesus war mit seinen Jüngern inzwischen in die Nähe von Jerusalem gekommen. Kurz bevor sie Betfage und Betanien erreichten, zwei Ortschaften am Ölberg, schickte Jesus zwei Jünger voraus

2 mit dem Auftrag: »Geht in das Dorf da vorne! Gleich am Ortseingang werdet ihr einen jungen Esel finden, der dort angebunden ist. Auf ihm ist noch nie jemand geritten. Bindet ihn los und bringt ihn her!

3 Sollte euch jemand fragen, was ihr da tut, dann sagt einfach: ›Der Herr braucht das Tier, aber er wird es bald wieder zurückschicken.‹«

4 Sie machten sich auf den Weg und fanden den Esel draußen auf der Straße an ein Hoftor angebunden. Sie banden ihn los;

5 aber einige Leute, die dabeistanden, fragten: »Was macht ihr denn da? Warum bindet ihr den Esel los?«

6 Sie antworteten so, wie Jesus es ihnen gesagt hatte. Da ließ man sie gewähren.

7 Die Jünger brachten den jungen Esel zu Jesus, legten ihre Mäntel auf das Tier, und er setzte sich darauf.

8 Viele Leute breiteten ihre Kleider als Teppich vor ihm aus, andere legten Zweige auf den Weg, die sie von Bäumen auf den Feldern abgerissen hatten.

9 Vor und hinter ihm drängten sich die Menschen und riefen: »Gelobt sei Gott, und gepriesen sei, der in seinem Auftrag kommt!

10 Gesegnet sei das Königreich unseres Vorfahren David, das nun kommt! Gelobt sei Gott hoch im Himmel!«

11 So zog Jesus in Jerusalem ein. Er ging in den Tempel und sah sich dort aufmerksam um. Weil es aber schon spät geworden war, kehrte er nach kurzer Zeit wieder mit seinen zwölf Jüngern nach Betanien zurück.


In dieser einen Geschichte spiegelt sich das ganze Evangelium wider. Das Evangelium, die „Gute Nachricht“, beginnt damit, dass Jesus, der ja Gott ist, der schon seit Anbeginn der Zeit, gemeinsam mit dem Vater und dem Heiligen Geist war und der immer sein wird- dass dieser Gott Mensch wird. Dass er seine Himmlische Wohnung verlässt und hinabsteigt in das Verloren sein und das Elend dieser Welt.


Er kam nicht, wie wir es vielleicht erwarten würden „standesgemäß“. Nicht als großer König und Herrscher, der er eigentlich ist, nicht in einen Palast mit Prunk und Gold wird er geboren, obwohl er auch von seiner menschlichen Abstammungslinie ein Nachkomme Davids, Salomos und all der anderen Könige Israels war.

Nein, er kam in den Staub und den Schmutz dieser Welt und wurde, wie wir wissen in einem stinkenden Stall geboren.

Und hier in dieser Palmsonntagsgeschichte zieht er in die Hauptstadt Jerusalem ein. In die von Gott auserwählte Stadt, die das Epizentrum der geistlichen Welt war und ist.

Aber Jesus zieht nicht hoch zu Ross in Jerusalem ein. Er wurde nicht mit militärischen Ehren empfangen, so wie König Charles III, diese Woche in Deutschland.

Jesus kam auf einem Esel geritten, auf dem Lasttier der armen Leute.

Und er zeigt uns damit das Gesicht Gottes, der buchstäblich alles gegeben hat und alles dafür getan hat, um diese Distanz, die zwischen ihm und uns Menschen nun einmal da ist, zu überbrücken. Um uns Nahe zu sein und um uns zu zeigen, wie sehr er uns liebt.


So ganz nebenbei erfüllte er auch eine alttestamentliche Prophetie:

Sach 9,9: Juble laut, du Volk von Zion! Freut euch, ihr Bewohner von Jerusalem! Seht, euer König kommt zu euch. Er ist gerecht und siegreich, und doch ist er demütig und reitet auf einem Esel – ja, auf dem Fohlen eines Esels, dem Jungen einer Eselin.


Und am Ende dieser Geschichte verlässt Jesus Jerusalem wieder, so wie er die Welt nach seiner Mission verlassen hat um am Ende der Zeit für alle sichtbar, ein letztes Mal und dann endgültig zu kommen und sein Reich aufzurichten.

Jetzt leben wir in einer Art „Zwischenzeit“. Jesus war da- Er ist jetzt da, auch wenn wir ihn nicht sehen können und er wird dann wieder ganz da sein. Dann werden ihn alle sehen.


Aber jetzt, hier und heute, kommt er zu denen, die bereit sind, diesem demütigen König der Liebe und der Gerechtigkeit zu folgen. Diesen Menschen, die ihr Herz öffnen und ihn einladen, denen begegnet er.


Die Menschen, die Jesus zugejubelt haben, haben ihre Kleider vor ihm abgelegt, damit er darüber reiten konnte. Sie haben ihm sozusagen einen „roten Teppich“ bereitet.

Es gibt da eine sehr interessante Parallele: In 2. Kön 9 gibt es einen Bericht, wie der Heerführer Jehu von einem Propheten zum neuen König von Israel gesalbt wird. Seine Mitstreiter bereiten daraufhin ihre Mäntel vor ihm aus uns bekunden damit, dass sie ihn als König anerkennen. Jehu musste zwar erst den alten König stürzen um selbst wirklich König zu werden, aber für die, die ihre Mäntel vor ihm ausgebreitet hatten, war er ab diesem Moment ihr König, dem sie bereit waren zu dienen.


In dieser Welt ist es so, dass der Feind Gottes die Zügel dieser Welt scheinbar noch fest in seiner Hand hält. Wenn wir sehen, wieviel Schlimmes passiert, wieviel Ungerechtigkeit es gibt, wieviel Leid und Schmerz unsere Welt beherrscht, dann können wir gar nicht anders, als so wie die Menschen damals Jesus zuzurufen: Hosianna! Das heißt wörtlich übersetzt: Herr hilf doch!


Wer, wenn nicht Jesus kann uns helfen?

Im Aramäischen ist das Wort ‚hoscha´na‘ mit ‚Jehoschoa‘ / ‚Jeschuah‘ (= Jesus, wörtlich: JHWH ist Hilfe) verwandt.

Jesus wird seinem Namen gerecht, er ist der, der rettet und hilft. Aber er tut dies meist anders, als erwartet. Und anders, als sich das Volk damals von ihm gewünscht hat.

Sie dachten, er wird die Römer aus dem Land werfen und im Idealfall Israel wieder zu einer eigenständigen, großen Nation machen, die sie unter König David einmal war.


Wir haben manchmal auch so ganz konkrete Vorstellungen davon, wie das Reich Gottes, wie Erweckung oder wie Gottes Handeln in dieser Welt aussehen soll.

Aber was ist, wenn sich die Dinge anders entwickeln? Wenn unsere Gebete scheinbar nicht erhört werden? (Oder zumindest nicht so wie wir es uns wünschen?) Wenn Erweckung zwar passiert, aber gleichzeitig Verfolgung einsetzt? So wie es in der Apg berichtet wird?

Breiten wir dann vor Jesus immer noch unsere Mäntel aus, oder gehören wir zu denen, die zuerst Hosianna rufen, aber dann, wenn der Wind sich dreht mit der Masse „Kreuzigt ihn“ mitschreien?


Jesus hat bei diesem Einzug in Jerusalem scheinbar nichts Großartiges gemacht. Außer, dass er vorausgesagt hat, wie die Jünger den Esel finden werden. Aber er hat niemanden geheilt, keinen Dämon ausgetrieben, kein Wunder getan, keine Rede gehalten, kein Gleichnis erzählt, nicht einmal die Pharisäer in die Schranken gewiesen.

Und doch gibt er hier ein Statement ab, das seines Gleichen sucht. Er verkörpert geradezu die Hingabe, die Liebe und die Demut des Vaters indem er sich aufmacht um die zu retten, die bereit sind, sein Friedensangebot anzunehmen. Er hat dadurch auf diesem Esel reitend mehr Macht, als König Herodes im Palast von Jerusalem, mehr als der Kaiser in Rom, mehr als jeder irdische Präsident heute.

Jesus erweist sich als der wahre König des Friedens.


Selbst wenn es in der darauffolgenden Woche so aussieht, als würde der Feind Gottes Pläne zunichtemachen, als würde die religiöse Oberschicht Jerusalems gemeinsam mit der Macht Roms über diesen „Aufrührer“ triumphieren, als würde der Hass die Liebe niederringen. So dürfen wir heute ganz sicher wissen, dass Gott selber aus dieser scheinbaren Niederlage am Kreuz den größten Triumph gemacht hat, der sich je in der geistlichen Welt abgespielt hat.

Aber eben anders als die Leute damals es sich gewünscht haben. Und vermutlich auch anders, als wir es uns oftmals wünschen.


Gott richtet sich nicht nach unseren Erwartungen. Er hat einen souveränen Plan, den er ganz bestimmt ausführen wird. Die Entscheidung die wir treffen müssen lautet also nicht: Was will ich, dass Gott für mich tut, sondern: Will ich Teil dieses Plans Gottes sein, oder nicht? Gott hat einen Plan für mein Leben, aber auch für meine Familie, für meinen Ort, für meine Gemeinde, für mein Land und auch für die ganze Welt.

Will ich Teil dieses Plans sein? Dann muss ich Gott fragen, wie dieser Plan ganz konkret aussieht.

Und wenn er auch so ganz anders aussieht, als ich ursprünglich geglaubt habe, so ist doch sein Plan unendlich gut. Weil er das Ende kennt und weiß, was notwendig ist um zu diesem guten Ende zu gelangen. Ich bin also „nur“ gefordert, ihm zu vertrauen.

Weil Gott absolut gut ist, ist er auch absolut vertrauenswürdig. Deshalb können wir auch das vorläufig schwere und das, so „ganz andere“ gerne aus seiner Hand nehmen. Er wird es gut machen.


Letzte Woche habe ich euch gebeten, dass ihr euch mindestens einen Satz aus der Predigt für euch persönlich mitnehmt: Jesus nimmt sich Zeit für mich.

Wenn du dir diese Woche auch nur einen Satz merkst, dann bitte diesen:

Alles was Gott mir gibt ist gut.

Jak 1,17+18:

17 Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis.

18 Es war sein Wille, dass er uns durch das Wort der Wahrheit, durch die rettende Botschaft, neues Leben geschenkt hat. So sind wir der Anfang seiner neuen Schöpfung geworden.


Der Plan Gottes für dein Leben ist gut.

Alles, was du an Dingen und Gaben von Gott erhalten hast ist gut. Du tust gut daran, diese Dinge dankbar anzunehmen und für sein Reich einzusetzen. Dankbarkeit ist der Schlüssel, nicht Unzufriedenheit, oder Neid, weil andere mehr, oder in deinen Augen bessere Dinge erhalten haben. Weil sie menschlich betrachtet erfolgreicher, schöner, gesünder oder begabter sind als du.


Es war der Plan Gottes, dass Jesus auf einem Esel nach Jerusalem einzieht und nicht hoch zu Ross. Sozusagen auf einem Moped und nicht in einer gepanzerten Staatslimousine.

Es war nicht der Plan Gottes, dass Jesus zum König über Jerusalem, oder Judäa gekrönt wird. Er sollte sich nicht auf den Thron des Herodes setzen, sondern auf den Thron Davids. Auf dem Weg dorthin bekam er statt einer goldenen- eine Dornenkrone aufgesetzt und statt in den Palast ging es für ihn ans Kreuz.

Aber wie wir wissen, sitzt er jetzt auf einem noch viel höheren Thron, weil er im Vertrauen auf seinen Vater seinen Weg bis zum Schluss gegangen ist.


Alles, was Gott ihm gegeben hat, war und ist gut.

Alles, was Gott dir und mir gibt ist gut.




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