Ich bin die Tür (Johannes 10, 7)
- Peter Köttritsch
- 14. Juni
- 8 Min. Lesezeit
Die Fußball WM hat begonnen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Bankräuber und einem Fußballstar?
Der Bankräuber sagt: „Geld her, oder ich schieße!"
Der Fußballstar hingegen: „Geld her, oder ich schieße nicht!"
Ein Fußballer ist erfolgreich, wenn er viele Tore schießt. Ein Tor, (oder auch eine Tür) wird sehr oft in der Bibel erwähnt. (Wenn auch kein Fußballtor)
Jesus sagt von sich: „Ich bin das Tor/ich bin die Tür“, je nach Übersetzung.
Es gibt Bilder, die man sofort versteht.
Wenn Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt“, dann wissen wir, was Licht ist.
Wenn er sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“, dann wissen wir, was Brot bedeutet.
Aber wenn Jesus sagt: „Ich bin die Tür“, dann wirkt das zunächst etwas seltsam.
Eine Tür?
Warum vergleicht sich der Sohn Gottes mit einer Tür?
Warum nicht mit einem König? Warum nicht mit einem Helden? Warum nicht mit einem Sieger?
Eine Tür scheint auf den ersten Blick ziemlich unspektakulär zu sein.
Und doch ist eine Tür etwas Entscheidendes.
Eine Tür trennt zwei Räume voneinander.
Eine Tür entscheidet darüber, ob du draußen oder drinnen bist.
Eine Tür gibt Zugang.
Eine Tür bietet Schutz.
Eine Tür eröffnet Möglichkeiten.
Und genau deshalb sagt Jesus:
„Ich bin die Tür.“
Ich möchte mit euch den dazugehörigen Abschnitt aus der Bibel lesen, damit wir den Zusammenhang verstehen.
Johannes 10,1-10 (HfA)
1 »Ich sage euch die Wahrheit […] Wer nicht durch die Tür in den Schafstall geht, sondern auf einem anderen Weg einsteigt, der ist ein Dieb und Räuber.
2 Der Hirte geht durch die Tür zu seinen Schafen.
3 Ihm öffnet der Wächter die Tür, und die Schafe hören auf seine Stimme. Der Hirte ruft jedes mit seinem Namen und führt sie aus dem Stall.
4 Wenn er alle seine Schafe ins Freie gebracht hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.
5 Einem Fremden würden sie niemals folgen. Ihm laufen sie davon, weil sie seine Stimme nicht kennen.«
6 Die Leute, denen Jesus dieses Gleichnis erzählte, verstanden nicht, was er damit meinte.
Vielleicht geht es dir auch manchmal (gerade jetzt?) so, dass du überfordert bist mit dem, was du hörst, liest, oder wahrnimmst.
Jesus sprach hauptsächlich über geistliche Wahrheiten und gebrauchte viele Bilder und Gleichnisse.
Um geistliche Wahrheiten verstehen zu können, brauchen wir einen „Schlüssel“. Dieser Schlüssel ist der Heilige Geist, den Gott gerne allen Menschen gibt, die ihn mit ehrlichem Herzen darum bitten.
Aber weil der Heilige Geist damals noch nicht auf die Gläubigen ausgegossen war, erklärte er seinen Zuhörern, was er meinte. Allerdings mit einem neuen Gleichnis:
7 Deshalb erklärte er ihnen: »Ich sage euch die Wahrheit: Ich selbst bin die Tür, die zu den Schafen führt.
8 Alle, die sich vor mir als eure Hirten ausgaben, waren Diebe und Räuber. Aber die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich allein bin die Tür. Wer durch mich zu meiner Herde kommt, der wird gerettet werden. Er kann durch diese Tür ein- und ausgehen, und er wird saftig grüne Weiden finden.
10 Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss.
Die Sehnsucht nach dem richtigen Eingang
Ich habe festgestellt, dass Menschen ihr ganzes Leben lang nach Eingängen suchen.
Der Student sucht den Eingang zu einer erfolgreichen Karriere.
Der Geschäftsmann sucht den Eingang zu finanziellem Erfolg.
Der Einsame sucht den Eingang zu echter Liebe.
Der Suchende sucht den Eingang zu Gott.
Wir alle suchen Türen.
Und oft stehen wir vor den falschen.
Manche Menschen verbringen Jahrzehnte damit, durch Türen zu laufen, die am Ende nirgendwohin führen.
Sie denken:
„Wenn ich erst genug Geld habe, werde ich glücklich sein.“
Die Tür öffnet sich.
Sie gehen hindurch und entdecken:
Dahinter ist die gleiche Leere wie vorher.
Andere denken:
„Wenn ich die richtige Beziehung finde, wird alles gut.“
Sie gehen hindurch und merken:
Der Mensch auf der anderen Seite kann die Sehnsucht ihrer Seele nicht erfüllen.
Andere glauben:
„Wenn ich nur genug Anerkennung bekomme, werde ich endlich zufrieden sein.“
Aber auch diese Tür hält nicht, was sie verspricht.
Jesus sagt:
„Hört auf, die falschen Eingänge zu suchen.
Ich bin die Tür.“
Die erste Seite der Tür:
Zugang zu Gott
Zunächst spricht Jesus zu Menschen, die Gott suchen.
Das Evangelium ist erstaunlich einfach.
Es sagt nicht:
„Klettere über die Mauer.“
Oder: „Werde erst besser.“
Oder: „Arbeite hart genug, dann wirst du angenommen.“
Jesus sagt:
„Komm durch die Tür.“
Das Evangelium ist keine Leiter.
Es ist eine Tür.
Eine Leiter sagt: „Arbeite dich nach oben.“
Eine Tür sagt: „Komm herein.“
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Viele Menschen behandeln Gott wie einen Chef, den man beeindrucken muss.
Jesus beschreibt Gott als einen Vater, der eine offene Tür bereitstellt.
Der Eintritt ins Königreich Gottes (die Rettung) beginnt nicht mit unserer Leistung.
Sie beginnt mit seinem Angebot.
Die Geschichte vom verlorenen Wanderer
Stell dir vor, ein Mann verirrt sich in einem Schneesturm.
Der Wind peitscht ihm ins Gesicht. Er sieht kaum noch etwas. Seine Hände werden taub. Seine Kraft schwindet. Dann entdeckt er in der Ferne ein Licht. Ein Haus. Rettung ist zum Greifen nah.
Die Frage lautet nicht: „Ist er gut genug für das Haus?“
Die Frage lautet: „Ist die Tür für mich offen?“
Genau so beschreibt Jesus die Rettung.
Die Welt ist voller Menschen, die im Schneesturm unterwegs sind.
Manche wissen es.
Manche nicht.
Aber Jesus steht da und sagt:
„Ich bin die Tür.“
Die Tür ist eine Person
Das Christentum unterscheidet sich von allen Religionen der Welt.
Religion sagt: „Das ist der Weg, den du gehen musst.“
Jesus sagt: „Ich bin der Weg.“
Religion sagt: „Hier ist eine Tür.“ (Viel Reklame, aber was ist dahinter?)
Jesus sagt: „Ich bin die Tür.“
Das ist etwas völlig anderes.
Jesus bietet nicht nur Zugang zu Gott.
Er selbst ist der Zugang.
Das bedeutet:
Es geht nicht zuerst um Rituale.
Nicht zuerst um Regeln.
Nicht zuerst um Traditionen.
Es geht um eine Beziehung.
Gerettet werden
Jesus sagt:
„Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er gerettet werden.“
Viele Menschen denken bei Rettung nur an den Himmel.
Aber Rettung beginnt viel früher.
Jesus rettet Menschen:
von Schuld, von Scham, von Hoffnungslosigkeit, von Sinnlosigkeit, von einem Leben ohne Richtung.
Er verändert nicht nur den Zielort.
Er verändert bereits die Reise.
Die Rettung ist nur ein einziges Gebet weit entfernt.
In der Bibel steht, dass wir all unsere Sorgen auf ihn werfen sollen. Genauso können wir ihm unsere Schuld, Scham, unser Versagen, unsere Ängste und alles, was uns belastet, einfach hinwerfen.
Und uns dabei voller Vertrauen an ihn wenden.
Du kannst mit ihm wie mit einem Freund reden. Ganz ohne Vorbedingung.
Wenn du ihm ehrlichen Herzens dein Vertrauen aussprichst, dann gehst du „durch Jesus als Tür“ in Gottes himmlisches Reich.
Diesen Akt nennt die Bibel „Rettung“!
Es ist zwar danach nicht so, dass es keine Herausforderungen mehr gibt, aber die Bibel spricht davon, dass du ab diesem Zeitpunkt ein neuer Mensch geworden bist.
Mit seiner Hilfe kannst du ab diesem Zeitpunkt dein Leben Stück für Stück in (seine) Ordnung bringen.
Seine Ordnung ist das Beste, das uns passieren kann.
Die andere Seite der Tür
Jetzt wird es interessant. Die andere Seite ist nicht die schlechte Seite, oder die „mit dem Haken“!
Jesus spricht nicht nur davon, dass Menschen durch ihn hineinkommen.
Er sagt: „Er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“
Warum sagt Jesus das?
Weil die Tür nicht nur Eingang ist.
Sie ist auch Ausgang.
Viele Christen leben, als wäre Jesus nur die Eintrittskarte in den Himmel.
Aber Jesus und das Leben mit ihm ist weit mehr.
Er ist auch der Zugang zu einem Leben voller Sinn und Auftrag.
Die Schafhürde damals
Zur Zeit Jesu gab es oft Schafhürden aus Stein.
Nachts wurden die Schafe hineingebracht.
Der Hirte legte sich direkt vor die Öffnung.
Es gab keine Holztür.
Der Hirte selbst war die Tür.
Kein Schaf konnte hinaus.
Kein Wolf konnte hinein.
Wer hinein wollte, musste über den Hirten.
Wer hinaus wollte, musste über den Hirten.
Jesus sagt:
„Genau das bin ich.“
Zugang zu den Schafen
Hier liegt eine wichtige Wahrheit für alle, die Jesus nachfolgen.
Niemand hat das Recht, Menschen für sich selbst zu sammeln.
Die Schafe gehören Jesus.
Nicht dem Pastor.
Nicht der Gemeinde.
Nicht einer Kirche oder Denomination.
Nicht einem geistlichen Leiter.
Die Schafe gehören dem Hirten. Über den guten Hirten werde ich nächste Woche predigen und dort dieses Bild weiter ausführen.
Wer Zugang zu den Schafen haben möchte, muss durch Jesus kommen.
Eine Gefahr im Dienst
Es gibt auch im kirchlichen Bereich Menschen, die unbedingt Einfluss wollen. (Einfluss an sich ist nichts Schlechtes)
Sie wollen andere Menschen kontrollieren.
Oder Anerkennung, Bedeutung, Gefolgschaft.
Aber all das wollen sie nicht durch Jesus.
Jesus warnt sehr eindringlich vor solchen falschen Hirten.
Er sagt ganz klar: „Die Schafe gehören mir.“
Nur wer durch die Tür kommt, dient den Menschen.
Wer über die Mauer klettert, benutzt die Menschen.
Es gehört zu unserer „Kultur der Ehre“, dass wir alle Mitarbeiter „durch Jesus“ (mit seinen Augen) sehen.
Die Geschichte der Kinderarbeiter
Wir haben wunderbare Mitarbeiter in der Gemeinde.
Solche, die beispielsweise jeden Sonntag den Kindern dienen.
Manche schon jahrelang.
Nie auf der Bühne. Nie im Rampenlicht. Viel zu selten erwähnt.
Wenn man sie fragt „Warum machst du das eigentlich?“, antworten sie:
„Weil Jesus diese Kinder liebt.“
Das sind Menschen, die durch die Tür gekommen sind.
Nicht durch Ehrgeiz.
Nicht durch Selbstdarstellung.
Sondern durch Jesus.
Jesus spricht davon, dass seine Schafe „ein- und ausgehen“
Dieses Bild gefällt mir besonders.
Jesus sagt nicht:
„Geht hinein und versteckt euch.“
Er sagt: Jedes seiner Schafe kann „ein- und ausgehen.“
Das spricht von Freiheit.
Viele Menschen stellen sich Christsein wie einen Käfig vor.
Jesus beschreibt es als Freiheit.
Geborgenheit und Abenteuer gleichzeitig.
Sicherheit und Bewegung.
Ruhe und Sendung.
Der Gläubige lebt nicht eingeschlossen.
Er lebt gesendet.
Jesus verspricht allen, die durch ihn als Tür zum Leben gehen, dass sie Weide finden werden!
Schafe brauchen Weide.
Ohne - oder mit der falschen - Nahrung werden sie schwach, kränklich und sterben.
Genau das passiert vielen Christen.
Sie versuchen, sich von Dingen zu ernähren, die die Seele nicht sättigen.
Manche leben von Nachrichten.
Manche „ernähren sich“ von sozialer Anerkennung.
Manche von Erfolg.
Manche von Unterhaltung.
Und wundern sich, warum ihre Seele verhungert.
Jesus sagt:
„Bei mir gibt es Weide.“
Wovon ernährt sich deine Seele?
Das ist eine wichtige Frage.
Denn jede Seele frisst irgendwo.
Die Frage ist nur: Wo?
Wenn du dich ständig von Angst ernährst, wächst Angst.
Wenn du dich von Bitterkeit ernährst, wächst Bitterkeit.
Wenn du dich von Selbstmitleid ernährst, wächst Selbstmitleid.
Wenn du dich von Christus ernährst, wächst Christus in dir.
Dich mit Christus zu ernähren ist so einfach - und gleichzeitig immer wieder angefochten.
Verbringe Zeit mit ihm, lies in seinem Wort und setze es in deinem Leben um.
Sprich mit ihm.
Such Gemeinschaft mit den Menschen, die auch an Jesus glauben.
Aber es gibt jemanden, der dir dieses „einfach mit Jesus zusammen sein“ madig machen will.
Er hat etwas dagegen, dass du in deinem Glauben wächst und stark wirst.
Der Dieb
Jesus stellt einen Kontrast auf.
„Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu verderben.“
Der Dieb verspricht Freiheit und bringt Gefangenschaft.
Jesus verspricht Hingabe und bringt Freiheit.
Der Dieb verspricht Leben und bringt Leere.
Jesus verspricht Leben und bringt Überfluss.
Leben im Überfluss
Was bedeutet das?
Jesus spricht nicht von einem problemfreien Leben.
Er spricht von einem erfüllten Leben.
Ein Leben mit Sinn.
Ein Leben mit Hoffnung.
Ein Leben mit Frieden.
Ein Leben mit einer Quelle, die nicht versiegt.
Menschen mit Überfluss haben nicht unbedingt mehr Besitz.
Aber sie besitzen etwas, das Geld oder Besitz nicht kaufen kann.
Eine letzte Geschichte
Kennst du Menschen, die „den Lauf vollendet“ haben?
Menschen, bei denen der Körper schwach geworden ist und die Kräfte zu Ende gehen.
Oder Menschen, die äußerlich fast alles verloren haben.
Aber wenn du ihnen, vielleicht sogar am Totenbett, begegnest, spürst du einen tiefen Frieden.
Nicht gespielten Frieden.
Echten Frieden.
Wenn du sie fragst: „Wie geht es dir?“, antworten sie mit einem Lächeln und sagen:
„Jesus war all die Jahre gut zu mir. Meine Kräfte sind am Ende, aber warum sollte ich jetzt aufhören, ihn zu lieben?“
Das ist Überfluss.
Nicht die Abwesenheit von Problemen.
Sondern die Gegenwart eines guten Hirten. (Über den ich nächste Woche, wie gesagt, weiter predigen möchte.
Jesus sagt dir heute nicht: „Es wird alles einfach.“
Er sagt: „Ich bin die Tür.“
Für den Suchenden bedeutet das:
Komm herein.
Für den Gläubigen bedeutet das:
Bleib nahe beim Hirten.
Diene den Menschen durch ihn.
Liebe die Menschen durch ihn.
Erreiche die Menschen durch ihn.
Denn nur wer durch die Tür geht, findet Rettung.
Nur wer durch die Tür lebt, findet Freiheit.
Und nur wer durch die Tür dient, findet die Freude des Hirten.
Jesus ist nicht nur der Eingang in das Reich Gottes.
Er ist der Zugang zu allem, was Gott für dein Leben vorbereitet hat.
Und deshalb steht die wichtigste Frage heute nicht am Ende einer Predigt, sondern am Eingang einer Tür:
Wirst du heute durch sie hindurchgehen?




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