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Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben

  • Peter Köttritsch
  • vor 1 Tag
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden

Ein Mann sagt: "Unter drei Kaffee fange ich nicht an zu arbeiten!" "Wie viel trinkst du denn am Tag?" "Höchstens zwei Tassen!"


„Aller guten Dinge sind drei.“

Genauso wie „Alle Wege führen nach Rom.“

Aber stimmt das?

 

Eine Woche nach dem Finale der Fußball WM kommen wir heute zum großen Finale in der Predigtserie über die „Ich bin Worte“ von Jesus.

 

Schon bei meiner letzten Predigt hat Jesus einen „Doppelpack“ geschnürt, mit den Worten „Ich bin die Auferstehung und das Leben“.

Und in dem Bibelvers, den wir uns heute genauer anschauen wollen, erzielt Jesus - um in der Fußball Sprache zu bleiben - einen „Hattrick“. (3 Tore hintereinander)

 

In Johannes 14,6 sagt Jesus: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“

Jetzt kann man sagen: „Diese Worte sind wunderschön.“

Und gleichzeitig sind sie vielleicht die anstößigsten Worte, die Jesus jemals gesagt hat. Diese Worte fordern uns heraus.

Je genauer wir sie betrachten, desto mehr erkennen wir die Sprengkraft, die sie in unserer Zeit beinhalten.

 

 

Ich möchte zunächst ganz kurz mit dem letzten beginnen: „Ich bin das Leben.“

Wie ich schon bei meiner letzten Predigt betont habe, geht es dabei nicht nur um biologisches Leben, sondern um „Zoe“, das eigentliche, wahre Leben.

Das Leben, nach dem wir uns ausstrecken, das unser Dasein hier auf der Erde lebenswert macht.

Das Leben, das Künstler besingen und auf vielfältige Weise darzustellen versuchen.

Es ist das Leben, das aus Gott heraus entspringt.

Ein Leben, das stärker ist als Schuld. Stärker als Angst. Ja, sogar stärker als Tod.

 

Damit kommen wir zum zweiten Wort.

Jesus sagt: Ich bin die Wahrheit

Hier wird die Radikalität der „Ich bin Worte“ richtig deutlich.

Jesus sagt nicht: „Ich kenne die Wahrheit.“ Er sagt: „Ich bin die Wahrheit.“

Was bedeutet das? Was ist Wahrheit? (Pilatus stellte diese Frage)


Wahrheit ist mehr als Richtigkeit

Hier hilft uns die deutsche Sprache leider nicht ganz.

Wir denken bei Wahrheit oft sofort an Fakten.

Zwei plus zwei ist vier. Das ist richtig. Der Mount Everest ist höher als der Großglockner. Das ist richtig.

Aber Wahrheit ist mehr.

Richtigkeit beschreibt einzelne Aussagen. Wahrheit beschreibt etwas viel Größeres. Sie beschreibt die Wirklichkeit selbst.

Ein Beispiel: Du kannst alle Fakten über einen Menschen kennen. Geburtsdatum. Größe. Gewicht. Beruf. Adresse…

Und trotzdem kennst du den Menschen nicht wirklich. Warum? Weil Wahrheit immer auch persönlich ist. Du kannst dich ihr letztendlich nicht entziehen.


Im Johannesevangelium ist Wahrheit nie bloß Information.

Sie ist Offenbarung.

Sie zeigt die Wirklichkeit Gottes.

Jesus sagt gewissermaßen: „Wenn ihr wissen wollt, wie Gott wirklich ist – dann schaut mich an.“

An dieser Aussage Jesu scheiden sich die Geister.


Heute hört man oft:

„Jeder hat seine Wahrheit.“ Das klingt freundlich. Logisch ist es nicht.

Es gibt unterschiedliche Meinungen. Unterschiedliche Erfahrungen. Unterschiedliche Perspektiven.

Aber Wahrheit ist keine Mehrheitsentscheidung.

Wenn ich sage: „Der Schlüssel liegt im Wohnzimmer.“ Und jemand anderer sagt: „Nein, er liegt im Garten.“ Dann können beide Aussagen nicht gleichzeitig wahr sein. Einer irrt sich. Oder beide. Aber nicht beide haben recht.


Dasselbe gilt für den Glauben!

Entweder ist Jesus Gottes Sohn.

Oder nicht.

Entweder ist er auferstanden.

Oder nicht.

Beides gleichzeitig geht nicht.


Wahrheit ist deshalb nicht intolerant. Sie ist einfach wahr.

Die Schwerkraft ist nicht intolerant.

Sie funktioniert einfach.


Es kann nur eine Wahrheit geben

Eine „relative Wahrheit“ ist ein Wiederspruch in sich.

Jesus sagt später: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“

Interessant.

Nicht: „Die Wahrheit wird es euch bequem machen.“ Nicht: „Die Wahrheit wird euch beliebt machen.“ Sondern: frei.

Warum? Weil Wahrheit uns mit der Wirklichkeit verbindet.

Eine Lüge mag kurzfristig angenehmer sein. Aber sie trägt nicht.

Wenn ein Arzt einen Tumor entdeckt, wünschen wir uns keinen Arzt, der tolerant gegenüber der Krankheit ist.

Wir wünschen uns einen Arzt, der die Wahrheit sagt. Weil Wahrheit heilt.


Jesus sagt von sich: Ich bin die Wahrheit.

Natürlich ist das eine Selbst Aussage von Jesus, deren Wahrheitsgehalt jeder für sich prüfen darf – ja, sogar muss!

Im Alphakurs (Start wieder im Herbst) werden wir wieder sehr gründlich der Frage nachgehen, ob das, was Jesus über sich gesagt hat, auch stimmt.

In jedem Fall werden es immer mehr Menschen, die Jesus mit seinen steilen Aussagen Vertrauen schenken.

Menschen, die Jesus als die Wahrheit für ihr Leben erkannt haben.

 

Und natürlich kannst du dich dieser Wahrheit verschließen und sie nicht „glauben“.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wenn die Aussagen Jesu wahr sind, diese Wahrheit universell ist und nicht nur für ein paar gläubige Christen gilt.

 

 

Ähnlich verhält es sich mit der ersten Aussage aus diesem dreifachen „Ich bin Wort“ von Jesus:

„Ich bin der Weg.“

Denn Jesus sagt nicht: „Ich kenne einen Weg.“

Er sagt nicht: „Ich zeige euch einen besseren Weg.“

Er sagt nicht: „Ich bin einer von vielen Wegen.“

Er sagt: „Ich bin der Weg.“

Das ist entweder unvorstellbar arrogant – oder unvorstellbar wahr.

Dazwischen gibt es eigentlich nichts.

 

Unsere Zeit liebt Möglichkeiten

Wir leben in einer Zeit, in der uns die Auswahl gelegentlich sogar überfordert. Gleichzeitig können wir uns ein Leben ohne diese Auswahl kaum mehr vorstellen.

Wenn du heute ein Handy kaufst, hast du hundert Modelle. Wenn du Kaffee trinken gehst, kannst du zwischen zwanzig Sorten wählen. Streamingdienste bieten tausende Filme. Alles ist Auswahl.

Und diese Denkweise haben wir unbewusst auch auf den Glauben übertragen.

Da hört man Sätze wie: „Jeder muss seinen eigenen Weg finden.“ „Alle Religionen führen doch letztlich zum gleichen Ziel.“ „Es gibt viele verschiedene Wahrheiten.“

Das klingt sympathisch. Es klingt tolerant. Es klingt friedlich.

Aber es stimmt einfach nicht!


Stell dir vor, du steigst in Linz in einen Zug ein und möchtest nach Hamburg fahren.

Du fragst den Schaffner: „Fährt dieser Zug nach Hamburg?“ Der antwortet: „Nein, nach Rom.“ Würdest du sagen: „Ach egal – jeder Weg führt doch irgendwie ans Ziel.“

Natürlich nicht!

Das wäre keine Toleranz.

Das wäre Orientierungslosigkeit.

Im Straßenverkehr akzeptieren wir das nicht.

In der Medizin akzeptieren wir das nicht.

Beim Navigationsgerät akzeptieren wir das nicht.

Warum glauben wir dann plötzlich, beim wichtigsten Ziel unseres Lebens spiele der Weg keine Rolle?

 

Jesus spricht von Beziehung, nicht von Religion

Wenn Jesus sagt: „Ich bin der Weg“, dann spricht er nicht über eine Religion.

Er spricht über sich selbst.

Das Christentum ist einzigartig.

Fast jede Religion sagt: „Hier ist ein Weg zu Gott.“

Jesus sagt: „Ich bin der Weg zu Gott.“

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Denn der Weg ist keine Lehre. Es geht nicht um Regeln, die du befolgen musst.

Der Weg ist eine Person.

Christsein bedeutet deshalb zuerst nicht: eine Weltanschauung übernehmen.

Sondern: einem Gott zu begegnen, der dich so sehr liebt, dass er beschlossen hat, selber Mensch zu werden.

 

Warum nur Jesus?

Warum sagt Jesus nicht: „Es gibt viele Wege.“

Ganz einfach: Weil das Evangelium nicht von Menschen handelt, die Gott suchen.

Sondern von Gott, der den Menschen sucht.

Alle Religionen beschreiben den Versuch des Menschen, zu Gott aufzusteigen.

Das Evangelium erzählt genau das Gegenteil.

Gott steigt zu uns herunter. (Philipper 2,6-8)

Das ist Weihnachten.

Das ist aber auch das Kreuz.

Das ist Ostern.

Und das ist Pfingsten.

Nicht der Mensch baut eine Brücke zu Gott. Gott baut eine Brücke zum Menschen. Und diese Brücke heißt Jesus Christus.

Wenn Gott selbst diesen Weg geschaffen hat, warum sollten wir einen anderen suchen?

 

Ist diese Aussage, dass nur Jesus der Weg zum Vater ist, nicht intolerant?

Was bedeutet Toleranz?

Hier müssen wir etwas unterscheiden.

Unsere Gesellschaft verwechselt oft Toleranz mit Zustimmung.

Aber das ist nicht dasselbe!

Das Wort „Toleranz“ kommt vom lateinischen tolerare. Es bedeutet: ertragen, aushalten, gelten lassen.

Toleranz heißt: Ich respektiere dein Recht, eine andere Meinung zu haben.

Toleranz heißt nicht: Ich muss deine Meinung für richtig halten.

Das ist ein entscheidender Unterschied. Ich kann einem Muslim mit Respekt begegnen. Ich kann einen Atheisten wertschätzen. Ich kann einen Buddhisten lieben. Christsein heißt für mich: Ich werde jedem Menschen, so wie Jesus, mit Würde begegnen.

Warum? Weil jeder Mensch Ebenbild Gottes ist.

Aber ich muss deshalb nicht glauben, dass alle Glaubensüberzeugungen gleichzeitig wahr sind.

Das wäre keine Toleranz. Das wäre Beliebigkeit.


Jesus hat Menschen immer geliebt. Aber er hat nicht jede Überzeugung bestätigt.

Und genau dazu sind auch wir berufen: Radikale Liebe zu allen Menschen. Radikaler Respekt, egal welche Meinung, oder Weltanschauung mein Gegenüber hat. Und gleichzeitig ein klares Bekenntnis zu Christus.

 

Deshalb ist diese Aussage von Jesus „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, nicht als Vorlage für eine theologischen Diskussion gedacht.

Sie ist vielmehr eine Einladung.

Jesus sagt nicht: „Bewundert den Weg.“ Er sagt: „Folgt mir.“

Nicht: „Diskutiert über Wahrheit.“ Sondern: „Kommt zu mir.“

Nicht: „Analysiert das Leben.“ Sondern: „Empfangt mein Leben.“

 

Liebe Freunde, unsere Zeit sucht nach Orientierung. Sie sucht Wahrheit. Sie sucht Leben. Aber oft sucht sie an den falschen Orten.

Jesus sagt heute zu dir: „Ich bin.“ Der Weg. Die Wahrheit. Das Leben.

Zugegeben: Das ist ein exklusiver Anspruch. Aber er ist nicht exklusiv in seiner Einladung.

Denn dieser Weg durch Jesus zum Vater steht jedem Menschen offen. Nicht nur den Religiösen. Nicht nur den Erfolgreichen. Nicht nur den Guten. Sondern jedem.

Die Tür ist weit geöffnet.

Die Frage lautet nicht: „Gibt es einen Weg zu Gott?“ Die Frage lautet: „Werde ich den Weg gehen, den Gott selbst zu mir gekommen ist?“

Und dieser Weg trägt einen Namen: Jesus Christus.

 

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