• Peter Köttritsch

Geistliche Speisen

Aktualisiert: 26. Sept.

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Sabine kam gestern Abend nach Hause und fragte mich:

„Was gib es heute zum Essen?“

Ich: „Nichts“

Sie: „Aber das gab es gestern auch schon.“

Ich: „Ja, ich hab gestern gleich für zwei Tage gekocht.“


Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.

Bei jedem größeren Ereignis: Hochzeit, Geburtstag, Beerdigung, aber auch bei einem Geschäftsabschluss usw. wird gemeinsam gegessen. Nicht nur bei uns, fast überall auf der Welt.

Am kommenden Samstag steigt in Linz das große Alpha Fest. Essen ist beim Alphakurs ein fundamentaler Bestandteil. (Also liebe Männer: Kommt zum Alphakurs 😊)


Jesus hat zwar, am Beginn seines Wirkens 40 Tage lang gefastet, aber er hatte auf der anderen Seite den Ruf, dass er gerne mit den Zöllnern und Sündern isst und trinkt.

Er hat von sich gesagt, dass er das Brot des Lebens ist. (Joh 6,35) Und er hat mit seinen Wundern dafür gesorgt, dass Brot und Wein zur rechten Zeit in ausreichender Menge vorhanden sind. Er hat nicht nur bei einer Hochzeit, bei der der Wein knapp wurde, Wasser in Wein verwandelt, er hat auch bei zwei Gelegenheiten, einmal 4000 und einmal 5000 Menschen auf übernatürliche Weise satt gemacht.

Und trotzdem wusste er, dass es für echtes Leben mehr braucht, als einen gefüllten Magen.

Als er, am Ende seiner 40tägigen Fastenzeit vom Teufel aufgefordert wurde, aus dem Steinen Brot zu machen, antwortete er in dem er das AT zitierte: Der Mensch lebt nicht allein von Brot, sondern von allem, was Gott ihm zusagt! (Mt 4,4; 5.Mo 8,3)


Wir Menschen brauchen nicht nur Nahrung für unseren Körper, sondern auch Nahrung für unsere Seele und Nahrung für unseren Geist. Die Unterscheidung zwischen Seele und Geist ist für viele nicht so einfach, weil diese beiden Begriffe gerne miteinander verwechselt werden, oder auch gar nicht unterschieden werden.

Beides gehört ja in Unterschied zum Körper zum immateriellen Teil unseres Selbst.


Die Bibel unterscheidet aber sehr wohl zwischen Seele und Geist.

Die Seele besteht aus Gefühlen, den Willen und dem Verstand. Unsere Seele hat so wie unser Körper auch gewisse Bedürfnisse. (Angenommen sein, geliebt werden, dazugehören wollen, Sicherheit…) Wenn diese Bedürfnisse nicht gestillt werden, leidet unsere Seele und wird krank.

Die seelischen Bedürfnisse zu unterdrücken ist schlecht. Aber die Seele unser Leben bestimmen zu lassen, ist auch nicht besser.


In den Psalmen kommt des Öfteren die Formulierung vor: „Lobe den Herrn meine Seele.“ Ich kann also meiner eigenen Seele Befehle erteilen. Die Seele fühlt sich vielleicht gerade nicht danach, Gott anzubeten, oder auch Gehorsam zu sein. Wer ist dieses „Ich“, das der Seele befehlen kann? Das ist unser Geist. In der Seele sitzt zwar auch ein Teil unseres Willens, aber eben nicht nur. Jeder von uns kennt das, wenn diese „zwei Herzen in meiner Brust schlagen“. Paulus bringt es in Röm 7,19 auf den Punkt: Wenn ich Gutes tun will, tue ich es nicht. Und wenn ich versuche, das Böse zu vermeiden, tue ich es doch.


Jeder Mensch hat von Gott einen Geist bekommen, aber erst dann, wenn wir, wie Jesus in Joh 3 sagt „von neuem geboren werden“, wird dieser Geist in uns Menschen lebendig. Daher sind alle Menschen, die Gott noch nicht in ihr Herz gelassen haben geistlich gesehen tot.

Es ist unser Geist, der durch den Heiligen Geist eine Beziehung zu Gott aufbauen kann.


Aber zurück zur Nahrung: Wie gesagt braucht nicht nur unser Körper, sondern auch unsere Seele und unser Geist Nahrung. Nicht nur irgendeine Nahrung, sondern eine, die gut für uns ist, damit wir gesund bleiben. Wenn ich mich nur von Fertigprodukten ernähre, dann wird mein Körper darunter leiden. Genauso wie meine Seele darunter leidet, wenn ich mir ständig Horrorfilme anschaue. Und mein Geist leidet, wenn ich ihn nicht mit dem Wort Gottes füttere. Wie vorhin schon zitiert, hat Jesus gesagt, dass der Mensch, von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes kommt LEBT.


Die Jünger taten sich auch manchmal schwer, geistliche und irdische Speise auseinander zu halten. In Mk 8 finden wir eine Begebenheit, in der Jesus von geistlicher Speise spricht, aber die Jünger seine Aussage auf irdische Speise beziehen: Es war so ein Dialog, wie in dem Spiel, in dem man auf eine Frage nicht direkt antwortet, sondern auf die Frage die jemand anderer unmittelbar vor dieser Frage gestellt wurde. Das ergibt lustige Dialoge. Hier war es nicht lustig, die Jünger verstanden eine Aussage von Jesus grundlegend falsch.

Mk 8,14-21

14 Seine Jünger hatten vergessen, genügend Brot mitzunehmen, so dass sie nur ein einziges bei sich im Boot hatten.

15 Jesus warnte sie: »Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem von Herodes!«

16 Die Jünger überlegten, was er wohl damit meinte: »Das sagt er bestimmt, weil wir das Brot vergessen haben.«

17 Jesus merkte, worüber sie sprachen, und fragte: »Weshalb macht ihr euch Gedanken darüber, dass ihr nicht genug Brot habt? Begreift ihr denn immer noch nicht? Versteht ihr denn gar nichts? Sind eure Herzen so hart und unempfänglich?

18 Ihr habt doch Augen. Warum seht ihr nicht? Und ihr habt Ohren. Warum hört ihr nicht? Habt ihr schon vergessen, 19 wie ich die fünf Brote an fünftausend Menschen ausgeteilt habe? Wie viele Körbe mit Resten habt ihr da gefüllt?« Sie antworteten: »Zwölf.«

20 »Oder denkt an die sieben Brote, die ich an viertausend Menschen verteilt habe! Wie viel blieb damals übrig?« Sie antworteten: »Sieben Körbe voll.«

21 »Und da versteht ihr immer noch nicht?«, fragte sie Jesus.


Also: Jesus sprach vom „Sauerteig der Pharisäer und des Herodes“, die Jünger verstanden „Brot“. Dabei hätten alleine bei dem Wort „Sauerteig“ ihre geistlichen Ohren bereits „klingeln“ müssen.


Sauerteig wird ja, auch bei uns heute eingesetzt, um ähnlich wie Germ, oder Backpulver einen Teig aufzulockern. Dabei reicht ein ganz kleiner Bruchteil an Sauerteig, um den ganzen Teig zu durchziehen. Diese, alles durchdringende Wirkung des Sauerteiges war bereits im AT ein Bild für die Sünde. Jesus verwendete dieses Bild vom alles durchdringenden Sauerteig nur einmal positiv, nämlich um die Ausbreitung des Reiches Gottes zu beschreiben, meist aber ist er ein Bild für negative Dinge.

Die Jünger wussten, dass schon ein bisschen Sünde ausreicht, um ein ganzes Volk „unbrauchbar“ zu machen. Daher war der Sauerteig für alle Speiseopfer, die im Tempel dargebracht wurden verboten.


Beim Auszug aus Ägypten durften die Israeliten kein Brot essen, das mit Sauerteig durchsetzt war. Bis heute feiert das Judentum das Passafest, das auch das „Fest der ungesäuerten Brote“ genannt wird. Bei diesem Fest, darf nicht nur kein Sauerteigbrot gegessen werden. Das ganze Haus muss gründlich gereinigt werden, damit ganz bestimmt kein Krümel mehr an Sauerteig vorhanden ist.

Auch Paulus griff dieses Bild in 1. Kor 5,6-8 auf: Wisst ihr nicht, dass schon ein wenig Sauerteig genügt, um den ganzen Teig zu durchsäuern?

7 So wie man beim Passahfest jeden Rest von ungesäuertem Teig aus den Häusern entfernt, so sollt ihr alles Böse aus eurer Gemeinde entfernen. Dann werdet ihr ein neuer, ungesäuerter Teig. Und genau das seid ihr doch bereits. Ihr seid rein, weil Jesus Christus als unser Passahlamm geopfert wurde.

8 Darum lasst uns das Passahfest feiern: nicht mit Brot aus dem alten Sauerteig von Sünde und Bösem, sondern mit ungesäuertem Brot der Reinheit und Wahrhaftigkeit.


Der Sauerteig der Pharisäer bestand in einer ganz bestimmten Haltung: Wie ihr wisst waren die Pharisäer sehr religiös. Auch Herodes bemühte sich um Anerkennung bei der religiösen Oberschicht. Er hatte den Tempel in Jerusalem großzügig ausbauen lassen. Aber nicht um Gott zu ehren, sondern um sich selber ein Denkmal zu erbauen. Und genau das ist der Punkt, den Jesus anspricht: Einem religiösen Menschen geht es nicht um Gottes Ehre, es geht ihm darum, selbst gesehen und geehrt zu werden. Die Pharisäer ereiferten sich für das Gesetz Gottes, ohne den Gott, von dem dieses Gesetz stammte wirklich zu kennen. Wenn sie Gott wirklich gekannt hätten, dann hätten sie Jesus begeistert aufgenommen und wären ihm nachgefolgt. Aber sie taten genau das Gegenteil: Sie suchten immer wieder nach Gelegenheiten, um ihn zu Fall zu bringen und ihn schließlich los zu werden.

Unmittelbar vor diesem Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern über den Sauerteig wurde Jesus von einigen Pharisäern in ein Streitgespräch verwickelt. Sie wollten unbedingt ein Wunder von ihm sehen. Aber nicht, um Gott die Ehre zu geben, sondern sie wollten einen Beweis sehen, dass er wirklich von Gott gesandt war. Mit anderen Worten drückten sie ihr Misstrauen ihm gegenüber ganz offen aus. Jesus ging nicht auf ihre Spielchen ein. Er ließ sie einfach stehen. Er wusste, dass ihre Herzen verhärtet waren und selbst noch so viele Wunder hätten nichts an dieser Haltung geändert.


Genau vor dieser Haltung, warnte Jesus seine Jünger damals, und genau davor warnt er uns heute. Religiosität sieht auf den ersten Blick so toll und vorbildlich aus. Ich meine konkret jetzt gar nicht so sehr das übertriebene Gehabe von Kirchgängern, die versuchen, in der Kirche möglichst „heilig“ auszusehen. Das wirkt nicht nur für uns eher abstoßend.

Religiosität gibt es trotzdem genauso auch in unseren Reihen. Sie tarnt sich nur besser. Deshalb merken wir es kaum, wenn wir selber anfangen, religiös zu werden.

Ich habe mich erschrocken, als ich festgestellt habe, wie oft ich nur so als Floskel „Halleluja“ sage. Nichts gegen gute Gewohnheiten. Besser Halleluja als das Wort mit „Sch“. Aber ein Ausdruck echten Glaubens ist die bloße Verwendung biblischer Begriffe nicht. Genauso: Wenn ich die Hände nur deshalb im Lobpreis erhebe, weil es alle tun und halt zu einem charismatischen Lobpreis dazu gehört, dann ist es nicht mehr echt. Der Übergang ist da sicher fließend.

Jesus warnt uns jedoch vor dem „Sauerteig“. Da genügt schon ganz wenig. Dieser wenige Sauerteig breitet sich dann, wenn wir dem nicht Einhalt gebieten, immer weiter aus.

Prüf dich selber, wie weit dein Tun als Christ aus der Liebe zu Gott und zu den Menschen entspringt, oder ob andere Motive dahinter liegen.


Religiosität ist nämlich letztlich in jedem Fall genau das Gegenteil von echtem Glauben. Sie versucht entweder aus eigener Kraft „gut“ zu sein, und Gottes Werke zu tun, oder sie versucht so zu wirken, als sei die Person tief gläubig. Ein religiöser Mensch spricht gerne und viel von einem Gott, den er in Wirklichkeit gar nicht kennt. In Wirklichkeit geht es ihm nämlich nicht um Gott, sondern immer nur um ihn selber.


Echter Glaube hingegen entspringt auch einem „Erkannt sein“ und einem daraus resultierenden echten „Kennen“. Aus einer tiefen, ehrlichen, auf Vertrauen aufbauenden, liebevollen Beziehung zwischen Gott und mir.


Laut Heb 11,1 ist echter Glaube das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert.

Vertrauen heißt ganz praktisch: Kontrolle abgeben. Religiöse Menschen versuchen aber die Kontrolle zu behalten. Es selber in der Hand zu haben.


Um nicht religiös zu werden, sondern auf dem Weg des Glaubens zu bleiben brauchen wir die richtige Nahrung. Im körperlichen Sinn können wir darauf vertrauen, dass Jesus uns versorgen wird. Nicht nur mit Wiener Schnitzel und Kartoffelsalat, auch nicht nur, wenn wir es geistlich formulieren möchten mit Brot und Wein im Abendmahl, sondern ganzheitlich. Er kennt unsere Bedürfnisse und er ist ein Meister darin, sich um unsere Bedürfnisse zu kümmern. Das Einzige, was wir dazu beitragen müssen, ist ihm vertrauen. Das heißt aber jetzt nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen sollen und darauf warten, dass er alles für uns erledigt. Es heißt in der Bibel auch: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Aber das ist ein anderes Thema. Bei der Speisung der 5000 haben wir gesehen: Wenn wir das geben, was wir haben; bzw. das tun, was wir können, wird er den fehlenden Rest ergänzen. Darauf können wir uns verlassen.


Das Gleiche Prinzip gilt genauso für unsere seelischen Bedürfnisse. Jesus weiß, was unsere Seele braucht und er ist gerne bereit nicht nur unsere Bedürfnisse zu stillen, sondern auch unsere Wunden zu heilen und uns Hoffnung und eine Perspektive zu geben. Auch da gilt: Wir tragen ebenso selbst eine Verantwortung, unserer Seele nicht jeden Müll zuzumuten, zu vergeben und ganz allgemein „Seelenhygiene“ zu betreiben. So wie wir unseren Körper regelmäßig waschen, so braucht auch unsere Seele regelmäßig ein „Bad“. Zum Beispiel, indem wir die Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern in der Gegenwart Gottes verbringen. Im Gottesdienst, bei der Gemeindefreizeit, oder auch im kleinen Kreis. Das tut auch unserer Seele gut. Deshalb schreibt Paulus, dass wir unseren Zusammenkünften nicht fernbleiben sollen. Nicht aus einer religiösen Pflichterfüllung, sondern weil wir da auftanken können.


Und natürlich braucht ebenso unser Geist eine gute, gesunde, ausgewogene Ernährung. Die beste Speise für unseren Geist ist immer noch das Wort Gottes. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie uns Gottes Wort erreicht. Wir können es täglich lesen, gute Predigten hören, mit unseren geistlichen Ohren hinhören, was der Heilige Geist uns heute sagt und wir können und sollen auch auf einander hören und von einander lernen. Auch das ist Reden Gottes!


Jesus sagt da zu seinen Jüngern (uns heute): 18 Ihr habt doch Augen. Warum seht ihr nicht? Und ihr habt Ohren. Warum hört ihr nicht?

Damit meinte er die geistlichen Augen und Ohren. Darüber habe ich vor zwei Wochen gepredigt.


Wenn wir unsere geistlichen Augen und Ohren ganz auf ihn gerichtet bleiben, dann ist das der beste Schutz um nicht mit dem Sauerteig der Religiosität durchsetzt zu werden. Nur so bleibt unser Glaube rein, frisch und lebendig. Und einen anderen Glauben möchte ich nicht haben, einen anderen Glauben brauchen wir nicht in unserer Gemeinde und einen anderen Glauben braucht auch die Welt nicht.

Ein Brot, das mit Sauerteig gebacken ist, ist vielleicht gut für unseren Körper, aber der Sauerteig der Religiosität ist Gift für unseren Geist. Also gilt nicht nur zu Corona Zeiten: Gesund bleiben!

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