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Galater 5: Die gute Frucht wachsen lassen

  • Peter Köttritsch
  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 17 Stunden


Ein Mann kauft sich einen Papagei. Der Verkäufer warnt ihn: „Der Papagei hatte es bisher nicht leicht. Er stand vorher in einem Bordell. Es kann sein, dass er etwas ...unangemessene... Sprache benutzt.“

Der Mann nimmt ihn trotzdem mit. Zuhause angekommen ruft der Papagei: „Neue Wohnung, neue Chefin!“

Die Ehefrau guckt irritiert.

Dann kommen die Töchter rein. Der Papagei: „Neue Wohnung, neue Chefin, neue Mädchen!“

Peinliche Stille.

Abends kommen die Männer vom Hauskreis. Der Papagei schaut sie an und ruft begeistert: „Ach guck mal – der Karl schon wieder!“

 

Manchmal holen wir Dinge in unser Leben, die wir eigentlich längst hinter uns gelassen haben. Und genau darum geht es in Galater 5.

 

Rückblick:

Der ganze Galaterbrief pulsiert von einem Wort: Freiheit.

Paulus ruft den Gemeinden zu:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Bleibt daher standhaft und lasst euch nicht wieder unter das Joch der Sklaverei spannen!“ (Galater 5,1 – Neues Leben)


In den Kapiteln 1–4 haben wir gesehen:

·         Wir sind nicht durch das Gesetz gerecht.

·         Nicht durch Leistung.

·         Nicht durch religiöse Disziplin.

·         Sondern allein durch Christus. Er ist das Ende der Religion.

Wir sind keine Sklaven mehr. Wir sind Kinder. Erben. Geliebt. Angenommen.

 

Aber jetzt kommt die entscheidende Frage:

Was machen wir mit dieser Freiheit?

Denn Freiheit ist kein Selbstläufer. Freiheit ist ein Raum – und in diesem Raum musst du dich entscheiden.

Freiheit ist kein Freibrief


Paulus schreibt:

Ihr seid zur Freiheit berufen, liebe Brüder und Schwestern. Doch gebraucht eure Freiheit nicht als Vorwand, um eurem eigenen Begehren nachzugeben, sondern dient einander in Liebe.“ (Galater 5,13 – Hoffnung für alle)

Das ist spannend.

Paulus sagt: Ihr seid frei. Aber Freiheit bedeutet nicht: „Ich mache jetzt einfach, worauf ich Lust habe.“

 

Unsere Kultur definiert Freiheit so:

·         Ich bestimme selbst.

·         Ich lebe meine Wahrheit. (Subjektives Empfinden)

·         Niemand sagt mir, was richtig oder falsch ist.

·         Ich folge meinem Herzen.

Doch Paulus sagt: Wenn du deiner alten Natur – dem „Fleisch“ – folgst, landest du nicht in Freiheit, sondern wieder in Gefangenschaft.

 

Zwei Wege – zwei Früchte

Galater 5 stellt uns vor eine klare Entscheidung:

 

Weg 1: Unsere menschliche Natur – „Das Fleisch“

Was die menschliche Natur hervorbringt, ist offensichtlich: sexuelle Unmoral, Unsittlichkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Wutausbrüche, Rivalitäten, Spaltungen, Neid, Trunkenheit, ausschweifende Feste und ähnliche Dinge.“ (Galater 5,19–21 – Neues Leben)

Diese Liste ließe sich noch beliebig lange fortführen.

 

Paulus sagt nicht: „Das könnten vielleicht Probleme werden.“

Er sagt: Das kommt dabei raus, wenn wir dem „Fleisch“ folgen.

Wie ein Apfelbaum Äpfel hervorbringt, bringt ein Leben, das sich selbst zum Zentrum macht, genau diese Dinge hervor.

Und das Tragische: Am Anfang fühlt es sich oft gut an.

·         Ein Wutausbruch verschafft Erleichterung.

·         Neid gibt kurzfristig Motivation. („Gier ist gut, sie treibt uns an!“)

·         Unmoral fühlt sich spannend an.

·         Egoismus fühlt sich stark an.

Aber die Frucht davon? Beziehungen zerbrechen. Herzen verhärten. Gemeinden spalten sich. Und innerlich stirbt etwas.

 

Paulus sagt am Ende drastisch: „Wer so lebt, wird das Reich Gottes nicht erben.“

Das ist keine moralische Drohung – das ist eine Realitätsbeschreibung.

 

Weg 2: Der Geist

Dann kommt dieser wunderschöne Kontrast:

Dagegen bringt der Geist Gottes in unserem Leben nur Gutes hervor: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.“ (Galater 5,22–23 – Hoffnung für alle)

Wörtlich ist hier von „Frucht“ die Rede.

Nicht „Früchte“. Nicht „Leistungen“. Nicht „geistliche Erfolge“.

Frucht.

Das bedeutet:

·         Sie wächst.

·         Sie braucht Zeit.

·         Sie entsteht organisch.

·         Sie ist das Ergebnis einer Verbindung.

Ein Apfelbaum strengt sich nicht an, Äpfel zu produzieren. Er bleibt verwurzelt.

 

Frucht wächst – aber nicht über Nacht

Man pflanzt keinen Apfelbaum am Samstag und erntet am Sonntag Apfelkuchen.

So ist es auch geistlich.

Viele Christen verzweifeln, weil sie denken:

„Warum bin ich noch nicht geduldiger?“ „Warum reagiere ich immer noch gereizt?“ „Warum bin ich nicht schon viel heiliger?“

Frucht braucht:

·         Zeit

·         Pflege (ehrliche Gemeinschaft)

·         Sonnenlicht (Gemeinschaft mit Gott)

·         Wasser (Geistliche Nahrung)

·         Jahreszeiten (Herausforderungen; Bsp.: Apfelbäume in Afrika)

Aber – und das ist wichtig:

Wenn der Geist wirkt, wächst etwas. Langsam vielleicht. Aber sichtbar.

Wenn nach Jahren immer noch nur Bitterkeit wächst, dann liegt das nicht an mangelnder Begabung – sondern daran, welchem Einfluss wir Raum geben.

 

Wie sieht die Frucht konkret aus?

Lass uns das praktisch machen.

 

Liebe

Nicht romantisches Gefühl. Sondern: Ich handle zum Besten des anderen. Agape!

Zum Beispiel:

·         Du hörst deinem Teenager zu, obwohl du müde bist.

·         Du sprichst respektvoll über jemanden, der dich kritisiert hat.

·         Du vergibst, obwohl du im Recht wärst.

Alles weitere sind Facetten der Liebe:

 

Freude

Nicht Dauergrinsen.

Sondern die tiefe innere Gewissheit: Gott ist gut.

Lass diese tiefe Wahrheit ganz fest in deinem Herzen verankert sein!

·         Du verlierst vielleicht deinen Job – aber nicht deine Hoffnung.

·         Eine Diagnose erschüttert dich – aber sie zerstört dich nicht.

 

Frieden

Nicht Konfliktvermeidung. Sondern innerliche Ruhe inmitten von Chaos.

·         Du musst nicht jedes letzte Wort gewinnen.

·         Du kannst Spannungen aushalten.

 

Geduld

Das ist besonders unpopulär.

Geduld heißt: Ich halte Menschen aus, die noch nicht da sind, wo ich sie gerne hätte.

·         Dein Ehepartner verändert sich langsamer als erhofft.

·         Dein Chef nervt.

·         Deine Kinder testen Grenzen.

Der Geist sagt: Bleib ruhig. Gott arbeitet auch dort.

 

Wir haben über Liebe, Freude, Frieden und Geduld gesprochen. Aber Paulus ist noch nicht fertig.

Er nennt noch fünf weitere Facetten dieser einen Frucht. Und jede einzelne davon ist hochaktuell.

 

Freundlichkeit – eine unterschätzte Kraft

Freundlichkeit klingt harmlos. Fast schwach.

Aber echte Freundlichkeit ist geistliche Stärke.

Freundlichkeit bedeutet: Ich begegne Menschen wohlwollend – auch wenn sie es nicht verdient haben.

·         Du wirst im Ton angegriffen – und antwortest sachlich.

·         Die Kassiererin ist gestresst – und du bleibst respektvoll.

·         Jemand macht einen Fehler – und du reagierst nicht genervt.

Freundlichkeit ist kein Charakter-Accessoire. Sie ist ein Beweis dafür, dass Christus in uns lebt.

 

In einer Kultur der Empörung ist Freundlichkeit revolutionär.

Österreich ist bekannt für seine Freundlichkeit. Was, wenn diese Freundlichkeit nicht aufgesetzt ist, sondern von Herzen kommt?

Weil ich nämlich selber die Freundlichkeit Gottes erfahren habe?

 

Güte – mehr als Nettigkeit

Güte geht tiefer als Freundlichkeit.

Freundlichkeit ist die Haltung, mit der ich dem Anderen begegne. Güte ist konkretes Handeln.

Güte fragt: Was kann ich konkret Gutes tun?

·         Du hilfst, obwohl es dich Zeit kostet.

·         Du setzt dich für jemanden ein, der nicht anwesend ist.

·         Du teilst, obwohl du selbst nicht im Überfluss lebst.

Güte ist aktive Liebe.

Und das Entscheidende: Sie entsteht nicht aus moralischem Druck, sondern aus einem Herzen, das selbst Gnade erlebt hat.

Wer verstanden hat, wie gut Gott zu ihm ist, kann gar nicht anders, als Güte weiterzugeben.

 

Treue – das Durchhaltevermögen des Geistes

Treue ist vielleicht die unspektakulärste – aber eine der kraftvollsten - Auswirkungen der Frucht des Geistes.

Treue bedeutet: Ich bleibe.

·         Ich bleibe in meiner Ehe – nicht nur solange es sich gut anfühlt.

·         Ich bleibe in meiner Gemeinde – nicht nur solange alles meinen Vorstellungen entspricht.

·         Ich bleibe bei meinem Auftrag – auch wenn niemand applaudiert.

Treue zeigt sich nicht im Feuerwerk, sondern im langen Atem.

Unsere Gesellschaft liebt das Neue. Der Geist liebt Beständigkeit.

Treue sagt: Ich halte mein Wort.

Ich stehe zu dir. Ich stehe zu Gott.

Und oft geschieht geistliches Wachstum nicht durch große Durchbrüche, sondern durch jahrelange Treue im Kleinen. (Franz und Greti)

 

Rücksichtnahme (Sanftmut) – kontrollierte Stärke

Manche Übersetzungen schreiben „Sanftmut“.

Das meint nicht Schwäche. Es meint kontrollierte Kraft.

Rücksichtnahme bedeutet: Ich muss meine Stärke nicht beweisen.

·         Du hast im Streit die besseren Argumente – aber du demütigst den anderen nicht.

·         Du könntest zurückschlagen – entscheidest dich aber für Milde.

·         Du hörst erst zu, bevor du reagierst.

Sanftmut ist die Fähigkeit, mit Macht verantwortungsvoll umzugehen.

Jesus selbst sagt:

Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ (Matthäus 11,29 – Neues Leben)

Der Sohn Gottes beschreibt sich als sanft.

Das ist keine Schwäche. Das ist göttliche Reife.

 

Selbstbeherrschung

Vielleicht die radikalste Frucht.

·         Ich sage nicht alles, was ich denke.

·         Ich klicke nicht alles, was ich könnte.

·         Ich kaufe nicht alles, was ich will.

·         Ich esse nicht jede Emotion weg.

Selbstbeherrschung ist nicht Unterdrückung – es ist innere Freiheit.

 

 

Der entscheidende Punkt: Wer führt?

Paulus schreibt:

Lasst euch vom Geist Gottes bestimmen. Wenn er euch führt, werdet ihr allen selbstsüchtigen Wünschen widerstehen können.“ (Galater 5,16 – Hoffnung für alle)

Das bedeutet:

Freiheit ist kein Zustand.

Freiheit ist viel mehr als „nicht gefangen“ zu sein. Freiheit ist Beziehung.

 

Nicht: Ich reiße mich zusammen.

Sondern: Ich lasse mich vom „Richtigen“ (Heiligen Geist) führen.

Jeden Tag neu.

·         Heiliger Geist, wie soll ich reagieren?

·         Was ehrt dich?

·         Was bringt Leben hervor?

 

Die tägliche Entscheidung

Und hier wird es ernst.

Jeden Tag und jeden Moment stehen wir an einer Weggabelung.

Fleisch oder Geist? Selbst oder Christus? Kurzfristige Impulsbefriedigung oder langfristige gute Frucht?

 

Niemand rutscht zufällig in ein geistlich fruchtbares Leben.

Aber jeder kann sich bewusst danach ausrichten.

Paulus endet nicht mit Druck – sondern mit dem Blick auf unsere Identität:

Die zu Christus Jesus gehören, haben ihr selbstsüchtiges Wesen mit allen Leidenschaften und Begierden ans Kreuz geschlagen.“ (Galater 5,24 – Neues Leben)

 

Wir brauchen nicht selbst gegen unser „Fleisch“ ankämpfen. Wir brauchen es nur zu dem Ort bringen, an dem unser Erlöser gesagt hat: „Es ist vollbracht!“

 

Es ist schon passiert! Jesus hat dein und mein Unvermögen am Kreuz getragen. Du bist nicht Sklave. (Fleisch, Herkunft, Umstände…) Du bist frei.

Darum lebe jetzt in dieser Freiheit des Geistes!

Lebe in der Freiheit, die Christus dir jeden Tag neu schenkt!

 

Freiheit ist nämlich auf der einen Seite ein Geschenk.

Aber Freiheit ist auch Verantwortung.

Wenn wir unseren Impulsen folgen, entsteht Chaos. Wenn wir dem Geist folgen, wächst gute, bleibende Frucht.

Und diese Frucht

·         heilt Beziehungen,

·         verändert Gemeinden,

·         macht Christus sichtbar.

Nicht über Nacht. Aber definitiv.

Und irgendwann merken Menschen um uns herum: Da wächst etwas.

Da ist Liebe. Da ist Frieden. Da ist Freude. Da ist Geduld. Da ist Freundlichkeit. Da ist Güte. Da ist Treue. Da ist Rücksichtnahme und da ist Selbstbeherrschung.

 

Und sie fragen: „Was ist dein Geheimnis?“

Und wir können darauf antworten: „Nicht ich. Der Geist Gottes in mir."

 

Galater 5 gibt uns nicht eine Moral vor, sondern stellt uns vor eine Entscheidung:

Welchem Einfluss gebe ich Raum?

Dem schnellen Impuls? Oder dem Heiligen Geist?

 

Beide bringen ihre jeweilige Frucht hervor. Aber nur eine führt zum Leben.

 

Und das Wunderbare ist: Wo der Geist Gottes wirkt, da bleibt der Baum nicht kahl.

Da wächst etwas Gutes. Ganz sicher.

 

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