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  • Peter Köttritsch

Ein Blick in den Himmel

Aktualisiert: 27. Feb. 2023


Ich lese gerade einen Krimi, der auf einer Südseeinsel spielt. Da bekommt man richtig Lust darauf, dort einmal Urlaub zu machen.

Schließ deine Augen und versuche dir einen wunderschönen Ort vorzustellen. Vielleicht ein weißer Sandstrand, vielleicht eine Almhütte, oder ein Berggipfel, oder ein tolles Konzert deiner Lieblingsband, oder…

Und jetzt überleg dir, wie es wäre, für ganz lange Zeit dort zu sein.

Wie wäre das für dich? Würde es irgendwann zu viel, oder langweilig werden?


In einem Skigebiet zu arbeiten, wo andere Urlaub machen, ist nicht immer toll. Meistens ist es einfach ganz normale Arbeit, so wie wo anders auch.


Letzten Sonntag hat Andrea über den HG gepredigt. Und ich hoffe du kennt so ein Erlebnis, wo du so richtig mit dem HG erfüllt wurdest. Wo du das Gefühl gehabt hast, dass er dich mit all seiner Kraft durchfließt, dich erfrischt, dich stärkt, usw. Nach so einer Begegnung mit dem HG ist man nicht mehr derselbe. Aber gerade so ein intensives Erlebnis, ist nicht dafür gemacht, dass es immerwährend andauert. Sonst würde es seine Besonderheit verlieren.

Das heißt jetzt nicht, dass wir uns nicht danach ausstrecken sollen so lange als möglich in der Fülle des Geistes zu bleiben. Aber das intensive Erleben dieses Zustandes würden wir wahrscheinlich nicht auf Dauer aushalten. Das ist so wie immer im Rampenlicht stehen.


Jesus war ja, bereits als er als Mensch über diese Erde lebte, ein Superstar. Die Massen waren begeistert von seinen Wundern, aber auch von seinen Predigten und nicht zuletzt von der Liebe, die er ausstrahlte.

Nicht selten kamen 1000e zusammen um ihn zu hören und zu sehen. Es war ja sein Anliegen, möglichst viele Menschen mit seiner frohen Botschaft vom Reich Gottes zu erreichen. Wenn es damals schon Sozial Media gegeben hätte, wäre er millionenfach „geliked“ und angeklickt worden.

Aber das Interessante an Jesus und an seinem Dienst ist, dass er zwar viele „Follower“ hatte, aber er sich nicht so sehr darum bemühte die Massen mit seinen Botschaften bei Laune zu halten. Stattdessen investierte er den Großteil seiner Zeit, seiner Aufmerksamkeit und seiner Kräfte in ein paar wenige „handverlesene“ Menschen. Wir lesen einmal von 70 oder 72 Jüngern, meist aber von den 12 Aposteln, die er zu seinen „Jüngern“ gemacht hat. Sie sollten das Werk, das er begonnen hatte (und nicht vollenden konnte) fortführen.

Und selbst innerhalb der 12 gab es eine kleine Gruppe von drei Jüngern (Petrus, Johannes und Jakobus), die eine besondere Stellung hatten.


Diese drei waren dabei, als Jesus das tote Mädchen wieder zum Leben erweckte, sie nahm er mit, als er im Garten Getsemani die schwerste Prüfung seines Lebens bestehen musste und die drei durften mit ihm auch auf einen Berg mitgehen, bei dem folgendes passierte:


Mk 9,2-13

2 Sechs Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen hohen Berg. Sie waren dort ganz allein. Da wurde Jesus vor ihren Augen verwandelt:

3 Seine Kleider wurden so strahlend weiß, wie kein Mensch auf der Erde sie bleichen könnte.

4 Dann erschienen Elia und Mose und redeten mit Jesus.

5 Petrus rief: »Rabbi, wie gut, dass wir hier sind! Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.«

6 Er wusste aber nicht, was er da sagte, denn die drei Jünger waren vor Schreck ganz durcheinander.

7 Da kam eine Wolke und hüllte sie ein, und aus der Wolke hörten sie eine Stimme: »Dies ist mein geliebter Sohn! Auf ihn sollt ihr hören!«

8 Als sich die Jünger umschauten, sahen sie plötzlich niemanden mehr. Nur Jesus war noch bei ihnen.

9 Während sie den Berg hinabstiegen, befahl Jesus ihnen: »Erzählt keinem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!«

10 So behielten sie es für sich. Aber als sie allein waren, sprachen sie darüber, was Jesus wohl mit den Worten »von den Toten auferstehen« meinte.

11 Deshalb fragten sie Jesus: »Warum behaupten die Schriftgelehrten, dass vor dem Ende erst noch Elia wiederkommen muss?«

12 Jesus antwortete ihnen: »Sie haben recht! Zuerst kommt Elia, um alles vorzubereiten. Und doch heißt es in der Heiligen Schrift über den Menschensohn, dass er viel leiden muss und von allen verachtet wird.

13 Das eine will ich euch sagen: Elia ist bereits gekommen. Sie haben mit ihm gemacht, was sie wollten. Genau das steht schon in der Schrift.«


Kennst du den Film „Wie im Himmel“. Diesen Titel könnte man auch hier als Überschrift über diese Textpassage wählen. Diesen Zustand in der herrlichen Gegenwart Gottes

Gott ist ja eigentlich immer da, aber wir erfahren seine Gegenwart meist nur in besonderen Situationen. Selbst für Jesus war diese Begegnung etwas Besonderes. Er suchte zwar regelmäßig den Kontakt zu seinem Vater und zog sich oft zum Gebet zurück, aber so wie wir es hier gelesen haben, mit leuchtenden Kleidern (keine Waschmittelwerbung J), die Begegnung mit alttestamentlichen Glaubenshelden und einer Stimme aus einer Wolke, das war selbst für Jesus ein besonderer Moment.


Aber ob diese Begebenheit für Jesus so „himmlisch“ war, wage ich zu bezweifeln. Schließlich unterhielt er sich mit Mose und Elia über das, was ihn in Jerusalem erwarten sollte: seinen bevorstehenden Tod am Kreuz. Das kann man in der Parallelstelle in Lk nachlesen.

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum hier ausgerechnet Mose und Elia erschienen sind? Warum nicht Adam, Hennoch, Abraham, Hiob, Jesaja oder David?

Wenn im NT vom AT gesprochen wird, dann wird das AT meist mit der Formulierung „Das Gesetz und die Propheten“ bezeichnet.

Mt 7,12

»Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt – das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.«

Lk 24,44 (Emmaus Jünger)

Dann sagte er zu ihnen: »Als ich noch mit euch zusammen war, habe ich euch gesagt: ›Alles, was im Gesetz, in den Schriften der Propheten und in den Psalmen über mich steht, muss in Erfüllung gehen.‹«

Joh 1,45

Philippus wiederum traf Natanaël und sagte zu ihm: Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz geschrieben hat und den die Propheten angekündigt haben.


Der Vertreter des Gesetzes war eindeutig Mose und als Vertreter der Propheten wurde Elia gesehen.

Wenn sich Jesus hier auf dem Berg mit Mose und Elia traf, dann wird ganz klar, dass Jesus eben der ist, der über die Jahrhunderte von Gott im Voraus – im Gesetz und in den Propheten – angekündigt wurde.


Das Gesprächsthema war wie gesagt kein Smalltalk über das Wetter. Die bevorstehende Passion Jesu war offensichtlich das Thema, das den Himmel bewegte.


Könnt ihr euch die ganze Spannung, die in dieser Situation steckt vorstellen. Einerseits die Schönheit, der Glanz und die Herrlichkeit des Himmels und gleichzeitig geht es um Leid, Schmerz und Tod, den Jesus vor sich hat. Es ist diese Spannung, die nicht nur das ganze Leben Jesu begleitet und sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht, es ist gleichzeitig auch die Spannung, die wir als Christen auf dieser Erde erleben und mit der wir umgehen lernen müssen.

Auch wir dürfen immer wieder einen Blick in den Himmel werfen. Und wie ich schon gesagt habe: Es ist gut, sich nach der Erfüllung mit dem HG auszustrecken. Das sind immer wieder Momente, die mich manchmal buchstäblich umhauen und mir in jedem Fall neuen Mut, neue Kraft und neue Hoffnung geben.

Und gleichzeitig bleiben wir – zumindest vorläufig – in dieser gefallenen Welt, die wenig bis gar nichts von Gott wissen will. Aber genau in dieser Welt haben wir eine Mission: Das zu tun, was Jesus getan hat und jetzt eben durch uns tut: Der Welt zu zeigen, wie Gott wirklich ist. Diese frohmachende und befreiende Botschaft von der Versöhnung, die Gott uns anbietet zu den Menschen zu bringen, die diese Botschaft hören sollen.


Jesus hielt trotz seiner himmlischen Herkunft und trotz dieser wunderbaren Verklärung an seiner Mission fest. Er verlor bei all der Herrlichkeit nicht aus den Augen, wofür er auf dieser Erde war.


Bereits hier, am Berg der Verklärung wusste Jesus, was ihm bevorstand und ich bin mir sicher, dass er auch hier schon in seinem Herzen mit dem Vater gerungen hat.

Und der Vater antwortet, indem er seinen Sohn bestätigt.

V7: Da kam eine Wolke und hüllte sie ein, und aus der Wolke hörten sie eine Stimme: »Dies ist mein geliebter Sohn! Auf ihn sollt ihr hören!«

Ähnlich, aber doch anders, als bei der Taufe Jesu: Damals sprach der Vater den Sohn direkt an: (Lk 3,22) »Du bist mein Sohn, dir gilt meine Liebe, dich habe ich erwählt.«

Was für Jesus, in seiner Zeit auf der Erde und somit in seiner Mission am allerwichtigsten war, war das Wissen, wer er ist: Der geliebte Sohn des Vaters im Himmel. Das war die Basis für seinen Dienst und auch die Kraftquelle, all das Leid, das ihm bevorstand zu ertragen.


Das ist auch die Basis für unseren Dienst: Wir brauchen absolut nichts für Gott tun. Er hat ja alles schon für uns getan. Aber wenn wir wissen, wer wir sind (Sohn/Tochter des Höchsten), dann ist es ganz natürlich, dass sein Werk in uns und durch uns weitergeht.


Wir sind Kinder des Vaters im Himmel. Wir dürfen und wir sollen immer wieder Gottes Herrlichkeit suchen und seine Güte erleben. Wenn wir im Lobpreis auf seinen Schoß klettern, oder auch in der Natur über seine Liebe zum Detail ins stauen kommen. Wenn wir uns in der Stille aufmachen, seine Stimme zu hören, oder auch, wenn wir erleben, wie Gott unsere Gebete erhört.


So wichtig und erbaulich solche Momente auch sind, sie sind nicht der Alltag, auch nicht für uns als Kinder Gottes. Wir surfen nicht von einer begeisternden Welle zur nächsten.

Geistliche Intimität mit Gott ist wichtig. Es sind Geschenke der Ermutigung und des Zuspruchs, damit wir im Alltag ihn nicht aus den Augen verlieren und in Zeiten, in denen wir ihn nicht so nah empfinden, von diesen Erfahrungen zehren können.

Als Christen bleibt es uns nicht erspart, dass wir Leid, Rückschläge, Schmerzen und Enttäuschungen erleben.

Wir leben nicht nur in einer gefallenen Welt, sondern in einer Welt, die vom Feind Gottes beherrscht wird. Hier herrscht das Recht des Stärkeren, hier ist der Rücksichtslose zumindest kurzfristig erfolgreich, hier wird Gutmütigkeit oftmals schamlos ausgenutzt.


Aber durch diesen Blick in den Himmel, bekommen wir die Kraft, all das zu überwinden. Durch diesen Einblick, werden wir wieder daran erinnert, wer wir in Jesus Christus sind: Geliebte Kinder des besten Vaters, den es gibt! Dieses Wissen, wer er war und der Ausblick, die Herrlichkeit des Himmels wieder vor sich zu haben gab Jesus die Kraft, all das Schwere, das ihn erwarten würde zu tragen.


Ich liebe unsere Gottesdienste. Sie sind Sonntag für Sonntag Zeiten der Ermutigung und der Stärkung. Und das nicht nur im Lobpreis, oder wenn wir aus dem Wort Gottes lesen und ermutigt werden, sondern bereits vor- oder nach dem Gottesdienst, wenn wir die Gemeinschaft bei einer Tasse Tee/Kaffee genießen, in all den wunderbaren Typisch Gott Geschichten, im Abendmahl, im Gebetsdienst usw.

Sie sind jedes Mal so eine Zeit, in der wir ein Stück Himmel auf Erden erleben. Aber die ganze Woche hindurch Gottesdienst zu feiern und sich von dieser Bösen Welt abzuschotten wäre so, wie die ganze Zeit auf einer Urlaubsinsel zu wohnen. Es würde die Besonderheit verlieren.


Jesus ging wieder vom Berg der Verklärung herunter und seine engsten drei Jünger mit ihm. Sie wollten zwar oben bleiben und drei Hütten bauen, aber Jesus ging weiter.

Bereits auf dem Weg hinunter, hat er sein bevorstehendes Leiden und Sterben, aber auch seine Auferstehung angesprochen. Selbst wenn die Jünger damals mit diesen Worten wenig anfangen konnten, so waren sich später, als diese Dinge passieren doch eine Hilfe, das alles geistlich einzuordnen.


Es ist gut für uns immer zu wissen: Der HG ist da. In jedem Gottesdienst und in jeder Situation, in der wir den Himmel auf Erden erleben dürfen. Er ist aber auch genauso da, wenn wir im Alltag manchmal anstehen, wenn wir an der Schlechtheit und Boshaftigkeit dieser Welt, oder auch aufgrund unserer eigenen Unfähigkeit und Begrenztheit zu verzweifeln drohen.

Er ist da! Er lebt in dir und durch dich!

Und er hilft dir, gerade in Momenten, in denen du dich am wenigsten dafür geeignet fühlst, sein Werk zu tun, seine Botschaft von der Versöhnung Gottes mit den Menschen auszusprechen. Und den Menschen, die es am allerwenigsten verdienen mit seiner Liebe zu begegnen.

So erweist du dich als wahre/r Jünger/in Jesu.


Genieße jeden Moment in seiner Gegenwart. Egal, ob auf dem Berg der Verklärung oder im Tal des Todes. Er ist da! Immer!



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