• Peter Köttritsch

Mk 6 1-13 Die Aussendung der Jünger als Gottes Antwort auf eine Krise

Aktualisiert: 2. Feb.

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Im dichten Nebel fährt ein Autofahrer immer hinter den Rücklichtern seines Vordermannes her. Plötzlich bremst der Vordermann, und es kracht.

"Was fällt Ihnen denn ein, ohne Grund zu bremsen?"

"Ganz einfach. Ich bin zu Hause und stehe in meiner Garage!"



Zu Hause ist es ja am allerschönsten. Meistens. Es gibt aber auch andere Erfahrungen: Jesus war mit seinen Jüngern sehr oft in der Gegend rund um den See Genezareth unterwegs. Als er dann einmal in seine Heimatstadt Nazareth kam, passierte folgendes:


Mk 6,1-6a

1 Jesus verließ diesen Teil des Landes und kehrte mit seinen Jüngern in seine Heimatstadt Nazareth zurück.

2 Am folgenden Sabbat begann er in der Synagoge zu lehren. Viele der Zuhörer waren sehr erstaunt. Sie fragten: »Wo hat er nur diese Weisheit her und die Macht, solche Wunder zu tun?

3 Er ist doch nur ein Zimmermann, der Sohn Marias und der Bruder von Jakobus, Josef, Judas und Simon. Auch seine Schwestern leben hier unter uns.« Und sie ärgerten sich über ihn.

4 Da sagte Jesus zu ihnen: »Ein Prophet wird überall verehrt, nur nicht in seiner eigenen Heimatstadt, von seinen Verwandten und von seiner eigenen Familie.«

5 Weil sie nicht an ihn glaubten, konnte er keine Wunder bei ihnen tun und er legte nur einigen Kranken die Hände auf und heilte sie.

6 Und er wunderte sich über ihren Unglauben.


Jesus hat nicht nur viele Wunder vollbracht, er hat sich manchmal auch gewundert. Konkret über den Unglauben der Menschen, die ihn schon von klein auf kannten.

Es ist schon interessant: Das letzte Kapitel im Markusevangelium hört damit auf, dass Jesus ein totes Mädchen wieder zum Leben erweckt und auf dem Weg dorthin, passiert ein Heilungswunder an einer Frau, ohne dass Jesus dieses bewusst getan hätte. So ganz nebenbei.

Ich kann mir vorstellen, dass er und seine Jünger voller Begeisterung darüber waren. Gott hatte gerade mächtig gewirkt – und jetzt dieser Dämpfer.


Die Leute von Nazareth ärgerten sich über ihn (NL). In anderen Übersetzungen heißt es: Sie nahmen Anstoß an ihm, oder sie lehnten ihn ab. Man kann auch übersetzten: Sie kamen durch ihn zu Fall.

„Was will den der? Der hält sich wohl für etwas Besseres?“ Schade, wenn mich meine Vorstellung davon, wie etwas zu sein hat, oder wenn mein Stolz mich daran hindert, das Gute aus Gottes Hand zu empfangen, was er für mich bereit hätte. Gottes Gaben, auch eine Heilung kann ich nur als Geschenk annehmen. Jesus wollte auch den Menschen in seiner Heimatstadt diese Geschenke der Liebe Gottes bringen, aber diese Liebe ist nicht angekommen. Leider.


Kennst du das: Du erlebst gerade etwas mit Gott, eine Heilung, oder du kommst von einer Veranstaltung in der du das Wirken des HG total erlebt hast, du schwebst so richtig dahin, wie die Jünger nach den großartigen Wundern, die sie erlebt hatten – und plötzlich fällst du in ein Loch. Unerklärlich.

Gerade noch hast du das Gefühl gehabt, du könntest Bäume ausreißen und mit deinem Gott über Mauern springen, aber auf einmal ist nicht nur nichts mehr davon übrig – viel schlimmer noch: Aus heiterem Himmel bricht eine Beziehungskrise aus, in der Arbeit läuft alles schief, ein Unglück passiert, oder du wirst krank.


Jesus hat gesagt: Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. (Joh 10,10) Das ist leider geistliche Realität und eine mögliche Erklärung für diese Rückschläge, ändert aber vordergründig leider nichts daran, wie ich diese Dinge erlebe. Manches von diesen Dingen ist leider einfach nicht zu verhindern, aber es gibt zwei Möglichkeiten, wie ich auf solche subjektiv empfundenen Rückschläge reagieren kann:

Entweder lasse ich mich entmutigen und mir die ganze Freude, die der Herr mir gerade geschenkt hat, wieder rauben. Oder ich blicke voller freudiger Erwartung auf Jesus und darauf, wie er diesen Mist wiederum in den besten Dünger verwandelt.


Wenn ich mich durch solche Umstände entmutigen lasse bleibe ich passiv. Ich werde zum Opfer. „Ich bin ja so arm und kann an meiner Situation nichts ändern.“ Aber das stimmt nicht! Ich kann vielleicht äußerlich an der konkreten Situation an sich wenig, oder nichts ändern. Jesus konnte auch nichts dran ändern, dass die Menschen in seiner Heimatstadt so wenig Glauben an ihn hatten. Und er konnte auch nichts dran ändern, dass er unter ihnen keine (großen) Wunder vollbringen konnte. …er legte nur einigen Kranken die Hände auf und heilte sie. (V5)

Das ist sozusagen das „Einsteiger Level“ für Jesus und daher sollten wir uns auch niemals mit weniger zufrieden geben.


Jesus wunderte sich über ihren Unglauben, aber er ließ sich dadurch nicht von seiner eigentlichen Mission abbringen: Das Reich Gottes zu verkünden, die Liebe des Vaters zu demonstrieren und Jünger zu machen. Er wunderte sich über den Unglauben, aber das hat ihn nicht zum Opfer der Umstände gemacht.


Es ist für mich kein Zufall, dass Jesus nach diesem „Angriff“ sofort in die Gegenoffensive geht:


V 6b-13:

6b Danach zog Jesus von Dorf zu Dorf und lehrte die Menschen.

7 Er rief seine zwölf Jünger zu sich, sandte sie jeweils zu zweit aus und gab ihnen die Vollmacht, böse Geister auszutreiben.

8 Er befahl ihnen, nichts mitzunehmen außer einem Wanderstab - keine Nahrung, keine Tasche, kein Geld. 9 Sie sollten Sandalen anziehen, aber kein zweites Hemd bei sich tragen.

10 »Wenn ihr in ein Dorf kommt, seid immer nur in einem Haus zu Gast«, sagte er. 11 »Und wenn ihr in einem Dorf nicht willkommen seid oder man nicht auf euch hören will, dann schüttelt den Staub von euren Füßen, wenn ihr geht. Das ist das Zeichen, dass ihr dieses Dorf sich selbst überlasst.«

12 Dann zogen die Jünger los und forderten die Menschen auf, sich von ihren Sünden abzukehren. 13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.


Das ist die Strategie Gottes um auf vermeintliche Rückschläge zu reagieren. Jesus ging mit seinen Jüngern einfach weiter. Er führte sie in die nächste Phase im Prozess des Jüngermachens. Bisher hat Jesus selber geheilt, gepredigt, den Menschen gedient und Dämonen ausgetrieben, jetzt befähigt und beauftragt er die Jünger damit, das Gleiche wie er zu tun. Er sendet sie jeweils zu zweit aus und gibt ihnen klare Anweisungen.


Das Thema „Unglaube in seiner Heimatstadt“ ist abgehakt. Jesus betreibt keine langfristige Ursachenforschung, warum es in Nazareth mit seinem Dienst nicht so geklappt kat. Er konzentriert sich weiterhin ganz auf seine Aufgabe und lässt sich von Gegenwind nicht aus dem Konzept bringen.


Ich denke, wir tun gut daran, wenn wir uns diese Haltung Jesu selbst zu eigen machen. Auf manche Dinge, die uns persönlich betreffen, haben wir oft nur sehr wenig, manchmal gar keinen Einfluss. Es macht mich kaputt, wenn ich, so wie Don Quichotte, ständig gegen Windmühlen ankämpfe.


Es gibt dieses Gebet, in dem es heißt:

Herr schenke mir …

· die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,

· die Gelassenheit, die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann und

· die Weisheit, das Eine vom Anderen zu unterscheiden.


Versteht mich nicht falsch: Natürlich dürfen und sollen wir voller Vertrauen beten, dass Gott das scheinbar unmögliche tut… wenn das, wofür wir beten, wirklich seinem Willen entspricht.

Aber es gibt auch die Gefahr, dass wir uns in irgendetwas verrennen, ohne dass Gott das für uns vorgesehen hat. Ein anderes Sprichwort besagt: Die größte Strafe Gottes wäre es, uns unsere törichten Wünsche zu erfüllen.


Wenn der LASK gegen die SV Ried ein Fußballspiel bestreitet, dann gibt es bestimmt in OÖ auf beiden Seiten Christen, die dafür beten, dass ihre Lieblingsmannschaft gewinnt. Was soll Gott tun?

Es gibt Christen, die dafür beten, dass sich möglichst viele Menschen gegen Corona impfen lassen, weil sie glauben, dass damit die Pandemie zu Ende wäre. Und es gibt Christen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen gegen die Impfung anbeten. Hmm. Wen soll Gott erhören?

Ich persönlich glaube, dass diese ganze Diskussion das Potential hat, uns Christen von unserem wesentlichen Auftrag abhalten. Wollen wir ihr wirklich diesen Raum einräumen?


Deshalb ist es meine Überzeugung: Es ist in jedem Fall besser, mich auf die Dinge zu konzentrieren, von denen ich weiß, dass sie in Gottes Plan für uns Jünger sind.

Wenn Jesus seine Jünger damals mit einem konkreten Auftrag in die umliegenden Dörfer aussandte, dann nicht nur, damit Petrus und seine Freunde etwas zu tun hatten. Sondern weil Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie seine Freunde werden.

Dieser Plan Gottes galt nicht nur den Zeitgenossen von Jesus. Dieser Plan ist bis heute aktuell und aufrecht.


Nachdem Petrus, Paulus, Johannes und alle Glaubenshelden, von denen wir im NT lesen ihren Lauf vollendet haben, ist es jetzt an uns, unser Bestes zu geben, dass Gott durch uns diese Generation erreicht. Dass die Liebe Gottes, mit der er alle Menschen liebt, gerade diese Menschen erreicht, die ihn noch nicht kennen.


Damals hat Jesus ganz einfache Fischer, Handwerker und sogar ungute Zeitgenossen wie z.B. Zöllner ausgesandt um das Werk, das er begonnen hat, weiter zu führen.

Heute sendet er genauso unterschiedliche Menschen aus: Bauern, Hausfrauen, Schülerinnen, Pensionisten, Angestellte, Flüchtlinge und Krankenschwestern. Um nur ein paar zu nennen.


Das ist Gottes Antwort auf die Krisen, die unsere Gesellschaft nicht erst seit Corona durchrütteln. Gefühlt ist es so, dass diese Krisen immer häufiger auftreten. Dass die Wellen, die diese Krisen auslösen immer höher werden. Jesus selbst vergleicht diese Wellen mit den Wehen einer Frau kurz vor der Geburt. Die werden auch immer heftiger, bis dann das Kind da ist.

Natürlich sind die Wehen stark und vor allem schmerzhaft. Ich kann da zwar nur indirekt aus persönlicher Erfahrung sprechen, aber jede Frau, die ein Kind zur Welt gebracht hat, wird dies bestätigen. Wenn sich eine Frau auf nur die Wehen an sich konzentrieren würde und nicht auf die Geburt, dann würde sie diese Wehen wahrscheinlich kaum aushalten. Die Wehen sind aber nur eine Begleiterscheinung. Ja – unangenehm. Aber ist es nicht so, dass wenn dann einmal das Kind da ist, alles andere vorher – der ganze Schmerz vergessen ist?


Gott bringt gerade jetzt etwas „zur Welt“. Wir sind Zeugen einer Geburt und dürfen sogar als Geburtshelfer dabei sein. Er ruft Menschen zu sich in sein Reich. Menschen aus allen Nationen, mit allen Sprachen, aus jeder Region, aus allen Einkommens- und Bildungsschichten, jeden Alters und Geschlechts. Auch bei uns im Mühlviertel, in Österreich und darüber hinaus.

Er tut das aber nicht alleine. Wir sind nicht nur Zuschauer – Nein, so wie Jesus mit seinen 12- und später seine 72 Jüngern damals, so geht er mit uns heute in die nächste Phase.


So wie den Jüngern damals, so gibt er uns heute auch ganz konkrete Anweisungen mit auf unsere Mission:



Das Erste, was er ihnen/uns gibt, ist Vollmacht. Seine Vollmacht. So wie Jesus sie von seinem Vater erhalten hat, genau so gab er sie damals an die Zwölf weiter. Genau so gibt er sie heute an uns weiter. Trau dich diese Vollmacht in seinem Namen einzusetzen. Es ist keine Form von Stolz, wenn wir vollmächtig beten, ganz im Gegenteil: Es ist eine Form von Ungehorsam, wenn wir es nicht tun!

Du wirst überrascht sein, wie vollmächtig du beten kannst, wenn du erst einmal damit anfängst. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, ob du viele, oder besonders schöne Worte beim Beten von dir gibst, oder besonders laut schreist, sondern allein, mit welcher Herzenshaltung du betest. Und da ist es ebenso egal, ob du schon viele Jahre gläubig bist, oder Jesus erst seit kurzem nachfolgst.

Wenn dein Herz beim Beten auf Jesus ausgerichtet ist, wird dein Gebet vollmächtig sein.


Und dann sagte Jesus seinen Jüngern, sie sollten nichts mitzunehmen außer einem Wanderstab - keine Nahrung, keine Tasche, kein Geld. Sie sollten Sandalen anziehen, aber kein zweites Hemd bei sich tragen. (V8f)

Auf den ersten Blick eine seltsame Anweisung. Und ich glaube auch nicht, dass wir sie so wörtlich auf uns heute übertragen können. Was ich aber sehr wohl für uns heraushöre, ist wiederum eine Herzenshaltung: Die Jünger sollten sich auf nichts verlassen, dass sie von sich auch zum Gelingen der Mission beitragen könnten. Sie sollten sich in allem darauf verlassen, dass Gott sie versorgen wird.

Mt 6,33: Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen.

Die Wahrheit dieses Verses konnte ich in meinem Leben immer wieder aufs Neue erfahren. Gott lässt dich nicht im Stich, wenn du dich für sein Reich einsetzt!


In ähnlicher Weise müssen wir die nächsten beiden Verse bildlich verstehen: 10 »Wenn ihr in ein Dorf kommt, seid immer nur in einem Haus zu Gast«, sagte er. 11 »Und wenn ihr in einem Dorf nicht willkommen seid oder man nicht auf euch hören will, dann schüttelt den Staub von euren Füßen, wenn ihr geht. Das ist das Zeichen, dass ihr dieses Dorf sich selbst überlasst.«


Wir können in der Regel nicht vielen Menschen gleichzeitig begegnen und ihnen dienen, ihnen die Gute Nachricht erzählen und/oder Gottes Liebe weitergeben. Gott ist ein sehr persönlicher Gott und er will den Menschen auf einer persönlichen Ebene begegnen.

Große Veranstaltungen können begeistern, aber selbst bei großen Events sind es dann die persönlichen Begegnungen, (z.B., wenn am Ende für die Menschen gebetet wird, die bereit sind auf Gottes Reden zu antworten), die den Grundstock zu einer lebenslangen Beziehung zu Gott legen. Es ist eben nicht nur der großartige Prediger, der den Weg Gottes in das Herz eines suchenden Menschen bereitet, es bist du, der diese wichtige Aufgabe erfüllt, wenn du dazu bereit bist.

Lasst uns nicht auf die vielen schauen, die vielleicht irgendwann in die Gemeinde kommen, sondern lasst uns unseren Blick auf die eine Frau, auf den einen Mann richten, der bereit ist, sein Leben in Gottes Hände zu legen.


Und auch, wenn wir Menschen begegnen, die noch nicht bereit sind – davon gibt es leider sehr viele – darf uns das nicht von unserer Mission abbringen. Staub von den Füßen schütteln und weitergehen. Es gibt sie, die Menschen, die darauf warten, dass Gott ihnen durch dich begegnet. Lass dich durch Rückschläge und durch Ablehnung nicht entmutigen!


Mach es wie Jesus: Er wusste, wer er war und was sein Auftrag war. Nichts und niemand konnte ihn davon abbringen. Seine Mission liegt jetzt in deiner und in meiner Hand. Das war und ist sein Plan.


Zum Schluss heißt es:

12 Dann zogen die Jünger los und forderten die Menschen auf, sich von ihren Sünden abzukehren. 13 Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.


Ich freue mich schon auf die vielen „Typisch Gott“ Berichte, die darauf warten erzählt zu werden.


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