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  • Peter Köttritsch

Gute oder böse Weinbauern?

Aktualisiert: 24. Juli 2023

Bei meiner letzten Predigt habe ich euch mitgenommen zu der Frage, aus welcher Vollmacht heraus Jesus seine Taten getan hat. Diese Frage ist ihm von den führenden Männern Israels, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten gestellt worden. Jesus hat klar gemacht, dass er von Gott selber bevollmächtigt war. Und in weiterer Folge haben wir gesehen, dass auch wir, wenn wir uns seine Jünger nennen, ebenfalls mit der gleichen himmlischen Vollmacht ausgestattet sind.


Mit dieser indirekten Antwort auf die Frage nach Jesu Vollmacht war diese Begegnung aber noch nicht vorbei. Ich möchte mit euch heute den Anfang des nächsten Kapitels lesen. Jesus erzählt diesen führenden Männern Israels ein Gleichnis, das ihnen gar nicht schmeckt. Jesus will sie damit aber nicht noch weiter vor den Kopf stoßen, sondern er redet, wenn auch in einer bildhaften Sprache, „Klartext“ mit diesen Männern und ruft sie zur Umkehr auf.

Jesus hat von sich selber gesagt, dass er nicht gekommen ist, um die Menschen zu verurteilen, sondern um sie zu retten. Auch wenn dieses Gleichnis sehr hart ist, so müssen wir es als eine Warnung verstehen, die die Zuhörer damals (und heute) davor bewahren soll, in ihr eigenes Unglück zu rennen.


Das Gleichnis das Jesus erzählt spielt in einem Weinberg. Da die Priester und die Schriftgelehrten sich (wie der Name schon sagt) in der Heiligen Schrift sehr gut ausgekannt haben, war für sie sofort klar, dass, wenn Jesus von einem Weinberg zu erzählen beginnt, sie selber gemeint sind. Es gibt in Jesaja 5 ein „Weinberglied“, in dem Gott sein Leid darüber zum Ausdruck bringt, dass die Israeliten ein Weinberg sind, in das er viel investiert hat, aber die erhofften guten Früchte ausbleiben.


Markus 12,1-12

1 Dann erzählte Jesus ihnen ein Gleichnis: »Ein Mann legte einen Weinberg an, zäunte ihn ein, stellte eine Weinpresse auf und baute einen Wachturm. Dann verpachtete er den Weinberg an einige Weinbauern und reiste ins Ausland.

2 Zur Zeit der Weinlese beauftragte er einen Knecht, den vereinbarten Anteil an der Ernte abzuholen.

3 Aber die Weinbauern packten den Knecht, schlugen ihn nieder und jagten ihn mit leeren Händen davon.

4 Da schickte der Besitzer einen zweiten Boten. Dem schlugen sie den Kopf blutig und verhöhnten ihn.

5 Den dritten Boten des Weinbergbesitzers brachten sie um. Immer wieder versuchte der Besitzer, zu seinem Ernteanteil zu kommen. Doch alle, die in seinem Auftrag hingingen, wurden verprügelt oder sogar getötet.

6 Nun blieb nur noch einer übrig: sein einziger Sohn, den er sehr liebte. Ihn schickte er zuletzt. ›Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben‹, sagte er sich.

7 Aber die Weinbauern waren sich einig: ›Das ist der Erbe! Los, den bringen wir um, und dann gehört der Weinberg uns.‹

8 Sie packten ihn, brachten ihn um und warfen ihn zum Weinberg hinaus.

9 Was, meint ihr, wird der Besitzer jetzt wohl tun? Er wird selbst kommen, die Weinbauern töten und den Weinberg an andere verpachten.

10 Habt ihr nicht die folgende Schriftstelle gelesen: ›Der Stein, den die Bauarbeiter weggeworfen haben, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, ist nun zum Grundstein des ganzen Hauses geworden.

11 Was keiner für möglich gehalten hat, das tut der Herr vor unseren Augen‹?«

12 Am liebsten hätten die obersten Priester, die Schriftgelehrten und die führenden Männer des Volkes Jesus festgenommen. Sie hatten verstanden, dass er in diesem Gleichnis von ihnen gesprochen hatte. Aber sie wagten sich nicht an ihn heran, weil sie vor dem Volk Angst hatten. So ließen sie ihn in Ruhe und gingen weg.


In der Bibel wird Wein größtenteils sehr positiv gesehen. Er steht für Freude, Wohlstand, und sogar für das Blut Jesu.

Auf der anderen Seite warnt uns die Bibel jedoch auch vor der missbräuchlichen Verwendung. (z.B. Epheser 5,18)


Wenn wir uns einen Text in der Bibel anschauen, dann gibt es einen historischen Bezug (Was sagt der Text für die Zuhörer damals?) und einen aktuellen Bezug (Was bedeutet der Text für uns heute?).

Auf den ersten Blick überwiegt hier der historische Bezug. Jesus spricht ganz klar die führenden Männer Israels an und das merken sie auch. Aber es wäre viel zu einfach zu sagen: „Diese Schriftgelehrten damals haben Jesus abgelehnt. Sie sind die Bösen. Aber wir Christen heute sind die Guten. Deshalb betrifft uns dieses Gleichnis nicht.“


Es stimmt schon, dass die ersten und unmittelbaren Zuhörer eben diese führenden Männer Israels waren und dass Jesus sie primär angesprochen hat, aber dennoch enthält dieser Text ganz viele tiefe Wahrheiten, die auch für uns heute sehr viel Relevanz haben.


Die erste Wahrheit, die für alle Menschen gilt (somit auch für uns heute), ist die, dass Gott derjenige ist, der diesen Weinberg angelegt hat. ER hat, so wie es in Jesaja 5,2 heißt, sehr viel investiert, damit wir das Leben in Fülle haben können: Er grub den Boden um und räumte alle großen Steine fort. Die beste Rebensorte pflanzte er hinein. Er baute einen Wachturm mittendrin und meißelte einen Keltertrog aus dem Felsen. Wie freute er sich auf die erste Ernte, auf saftige und süße Trauben!

Angesichts dessen wäre Dankbarkeit und irgendeine Form von Anerkennung eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Das Wort „eigentlich“ impliziert, dass das zu erwartende eben nicht ist.

Mit anderen Worten: Gott ist unser Schöpfer und hat daher das Recht, von uns gute „Früchte“ zu erwarten. Aber die guten Früchte bleiben aus.

Jesaja 5,2b: Wie freute er sich auf die erste Ernte, auf saftige und süße Trauben! Doch die Trauben waren klein und sauer!


Unmittelbar nach diesem Gleichnis in Markus wird Jesus gefragt, ob es recht ist, dem Kaiser Steuern zu zahlen…

Markus 12,17: Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und gebt Gott, was Gott gehört.

Was steht Gott zu? Was ist es, das du ihm keinesfalls vorenthalten solltest?

Bei dieser Frage wäre die folgende Einstellung fatal: „Was, oder wieviel, muss ich ihm (zurück) geben, damit er zufrieden ist und eine Ruhe gibt?“ Ich formuliere das bewusst so überspitzt, damit die Haltung dahinter sichtbar wird. Das wäre zu ziemlich genau das Gegenteil von dem, was Gott von uns wirklich will.

Aber wenn wir aus Angst heraus, ja nicht gesetzlich zu werden, oder einer Werksgerechtigkeit zu verfallen (ich übertreibe jetzt wieder), Gottes Anspruch an unser Leben ignorieren, dann fallen wir auf der anderen Seite vom Pferd.

Er ist der Töpfer, wir sind der Ton. Johannes 15,8: Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht hervorbringt und meine Jünger werdet.


Nachdem Jesus alles für uns getan hat, er alles hingegeben hat, auch buchstäblich sein Leben, ist unsere einzige wirklich angemessene Antwort darauf, dass auch wir ihm wieder alles zur Verfügung stellen. Unsere Zeit, unsere Finanzen, unsere Hingabe, unser ganzes Herz.

Das wunderbare an Gott ist, dass, wenn wir unser Herz aufmachen und es ihm geben, er seinerseits noch viel großzügiger zurückgibt. Wir können ihn gar nicht so reich beschenken, dass er nicht noch etwas drauflegen würde. Bei diesem Segenskreislauf hat er ganz bestimmt immer das letzte Wort.

Er hat auch das erste Wort gesprochen und uns bereits gesegnet, schon lange bevor wir auf diesen Segen überhaupt reagieren konnten. Aber wenn wir „zumachen“ und gar nicht ihm danken und ihm das geben, was ihm zusteht, dann kann dieser Segen niemals zu fließen beginnen.

Das ist leider genau das, was passiert ist: Wir Menschen, egal ob es die Hohepriester und die Schriftgelehrten damals waren, oder wir Menschen heute, wir glauben immer noch der Lüge, dass, wenn wir Gottes Anteil für uns selber behalten, wir uns selber was Gutes tun. Wir schneiden uns damit nur ins eigene Fleisch.


Das Zweite, das dieses Gleichnis sehr klar aufzeigt ist, dass die Boten Gottes, die Gottes Anspruch in dieser Welt einfordern, nicht mit Freude und Begeisterung aufgenommen werden.

Die Propheten des Alten Testaments hatten meist ein schweres Los zu tragen. Sehr oft waren sie Anfeindungen, Verfolgung und der Willkür von Machthabern ausgesetzt. Aber all das hat sie nicht davon abgehalten, ihrem Auftrag nachzukommen.

In der Offenbarung 11 werden die beiden Zeugen erwähnt, die am Ende der Zeit vom Tier aus dem Abgrund getötet werden wird. Als Reaktion auf deren Tod werden sich die Menschen freuen und einander Geschenke machen. (Offenbarung 11,10) Aber Gottes Botschaft kann nicht mundtot gemacht werden. Auch diese beiden Zeugen (wer auch immer die sein werden- oder vielleicht bereits sind) wird Gott zu neuem Leben erwecken.

Offenbarung 11,11 Doch nach dreieinhalb Tagen wird der Geist des Lebens von Gott in sie kommen, und sie werden sich wieder erheben!


Wahrscheinlich hast du es selbst auch schon erlebt, dass deine Begeisterung für Jesus nicht geteilt wird. Dass du für deinen Glauben ausgelacht, ausgegrenzt, vielleicht diskriminiert, oder sogar verfolgt wirst. Warum ist das so? Wie ich euch bei meiner letzten Predigt gesagt habe, will der Feind Gottes, der leider über diese Welt regiert, uns seinen Platz nicht kampflos übergeben. Er tut alles dafür, damit die Menschen in seiner Knechtschaft bleiben.

Jesus hat ganz klar gesagt: Markus 13,13 Alle Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt.

Aber wenn wir trotzdem an Jesus festhalten und seine gute Botschaft weitergeben, erwartet uns eine Liebe, die den ganzen Hass der Welt mehr als nur wettmacht.


Die dritte Wahrheit, die Jesus uns in diesem Gleichnis enthüllt, ist die immense Geduld, die Gott mit uns Menschen hat. Sie ist so groß, dass sie hier in diesem Gleichnis fast aus dem Rahmen fällt.

Habt ihr euch nicht auch schon bei diesem Gutsherrn gedacht: Warum schickt er nicht gleich Soldaten mit dem zweiten, oder spätestens dritten, Diener mit, um seiner Forderung nach dem ihm zustehenden Früchten Nachdruck zu verleihen? Würde ein menschlicher Gutsherr es wirklich so lange hinnehmen, dass seine Knechte misshandelt, oder sogar umgebracht werden?

Und würde er nicht zumindest seinem geliebten Sohn den nötigen Geleitschutz geben, damit diesem nichts passiert?


Menschlich weitergedacht würden diese Mörder auch vor dem Gutsherrn nicht Halt machen und auch diesen am Ende umbringen, nur um selbst an den Weinberg zu kommen. Aber spätestens da fällt dieses Bild endgültig aus dem Rahmen. Schließlich steht dieser Gutsherr für Gott selber. Andererseits haben wir es sogar spätestens in der Aufklärung fertig gebracht, Gott für tot zu erklären.


Aber zurück zu Gottes schier unendlichen Geduld. Selbst diese endet irgendwann. Und die Frage in Vers 9 „Was, meint ihr, wird der Besitzer jetzt wohl tun?“, diese Frage war nicht nur an die Schriftgelehrten gerichtet. Diese Frage muss auch ich mir stellen: Was, meint ihr, wird Gott nun tun?


Je nachdem, auf welcher Seite ich stehe, löst diese Frage in mir einen Schrecken oder auch Jubel aus.

Gott ist heilig, gerecht, umgeben von einer im wahrsten Sinne des Wortes umwerfenden Atmosphäre. Er ist absolut ehrfurchtsgebietend. Nicht nur im Alten Testament wird klar: Wenn ein Sünder diesem Gott gegenübertritt, hat er sein Leben verwirkt.


Auf der anderen Seite sorgt genau diese Gerechtigkeit Gottes dafür, dass alle Menschen, die Böses tun, die auch uns Boten Gottes ihren Hass entgegenbringen, dies nicht ewig ungestraft tun können. In Offenbarung 6 sieht der Prophet Johannes all die Menschen, die man getötet hatte, weil sie sich treu an Gottes Wort gehalten und bis zuletzt ihren Glauben bekannt hatten.

10 Laut riefen sie: »Gott, du heiliger und wahrhaftiger Herrscher! Wann endlich sprichst du dein Urteil über all die Menschen auf der Erde, die unser Blut vergossen haben? Wann wirst du sie dafür zur Rechenschaft ziehen?«

Genau das wird er auch am Ende der Zeit tun! Deshalb brauchen wir selbst keine Rache üben.


Eine der größten praktischen Schätze, die Jesus uns gebracht hat, ist die Vergebung. In ihr liegt unermessliche Kraft. Vergeben heißt nicht: „Vergessen wir es, war eh nicht so schlimm.“ Sondern echte Vergebung bedeutet mein Recht auf Rache an Gott abzutreten. Und darauf zu vertrauen, dass nicht nur Betrüger, Mörder und Kinderschänder, sondern alle, die mir etwas Böses angetan haben, von Gott selber dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Selbst, bzw. gerade dann, wenn sie kein irdisches Gericht dafür verurteilt.


Weil wir das wissen, können wir von Herzen vergeben und diese Vergebung macht unendlich frei. Gerade deshalb löst diese Frage: „Was wird dieser Weinbergbesitzer jetzt tun?“, in mir Freude, Erleichterung – ja geradezu Jubel aus. Gott kümmert sich um all die Ungerechtigkeit, ich muss mir nicht selber zu meinem Recht verhelfen. Das tut Gott für mich.


Dass wir uns selber dann in weiterer Folge auch für Gottes Gerechtigkeit in dieser Welt einsetzen dürfen und sollen ist eine andere Geschichte. Da geht es dann ja auch nicht um Rache, sondern um die Ausbreitung seines Reiches.



Welcher Pächter bist du? Denkst du, dass du mit allem, was Gott dir anvertraut hat, machen kannst, was alleine du willst?

Wenn Gott an die Tür deines Herzens klopft und die Früchte deines Lebens einfordert: Wie reagierst du darauf?

Und wie gehst du mit den Boten um, die im Auftrag Gottes zu dir kommen? Bringst du sie zum Schweigen?

Und was antwortest du dem Sohn dieses Weinbauern, wenn er dich ganz klar auffordert: Folge mir nach?


Oder bist du jemand, der dankbar diesen ihm anvertrauten Weingarten (dein Leben) bewirtschaftet? Bist du jemand, der erfahren hat, dass es letztendlich für dich selber der größte Gewinn ist, im Sinne des Schöpfers und mit dessen Hilfe diesen Weinberg zu bewirtschaften? Und Gott das zu geben, was ihm zusteht: Dein Herz, deine Aufmerksamkeit, deine Anbetung, deinen Gehorsam und deine Liebe?

Dann kann und dann wird dich Gott mit seinem Segen überschütten!


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