Galater 2 Leben in Freiheit - aus Gnade
- Peter Köttritsch
- vor 2 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 15 Stunden
"In diesem Jahr werde ich im Urlaub nichts tun. Die erste Woche werde ich mich nur im Schaukelstuhl entspannen."
"Ja, und in der zweiten Woche?"
"Dann werde ich eventuell ein wenig schaukeln."
„Freiheit ist, wenn du machen kannst, was du willst –
und dann trotzdem nicht weißt, was du tun sollst.“
Freiheit ist zerbrechlicher, als wir denken
Freiheit ist etwas Wunderschönes und Wertvolles.
Umso mehr müssen wir darauf achten, sie nicht zu verlieren.
Man kann befreit sein und trotzdem wieder anfangen, sich selbst zu fesseln.
Man kann aus Gnade gestartet sein und unmerklich im Leistungsdenken landen.
Man kann Jesus lieben und trotzdem wieder nach Anerkennung durch Menschen streben.
Und genau da setzt der Galaterbrief an.
Denn Paulus kämpft hier nicht dafür, dass Christen einfach alles dürfen – sondern dafür, dass wir richtig frei leben.
Frei leben heißt nicht frei von Verantwortung. Auch nicht frei von Nachfolge. Sondern frei von dem Druck, sich Gottes Liebe verdienen zu müssen.
Und Galater 2 zeigt uns:
Wahre Freiheit ist kein Freibrief – sondern eine Möglichkeit, ein neues, befreites Leben wählen und leben zu können.
Letzte Woche haben wir uns das erste Kapitel des Galaterbriefs genauer angeschaut.
Kurzer Rückblick:
Wir haben gesehen, dass Christus das Ende der Religion ist.
Wenn wir in Christus sind, brauchen wir uns nicht mehr durch irgendeine religiöse Leistung unser Heil, Gottes Anerkennung oder seine Liebe verdienen.
Und wir haben gesehen, dass es nur EIN Evangelium gibt: Nämlich, dass Jesus all unsere Schuld am Kreuz getragen hat und wir dadurch mit Gott versöhnt sind, wenn wir sein Geschenk annehmen.
Alles, was wir versuchen darüber hinaus aus eigener Leistung zu tun, ist nicht nur unnötig. Es führt uns noch dazu zurück zu alter Religiosität und somit weg von Christus, der unser Leben ist.
Heute schließen wir deshalb mit Galater 2 da weiter an.
Wir werden nicht das ganze Kapitel lesen, sondern einige ausgewählte Verse.
Zunächst beschreibt Paulus, wie er von den „Säulen der Gemeinde in Jerusalem“ (Vers 9) als Apostel für die Nichtjüdischen Völker anerkannt wurde.
Dann erzählt er von einer spannenden Auseinandersetzung zwischen ihm und einer dieser Säulen, nämlich Petrus:
Galater 2,11-14
11 Doch als Petrus nach Antiochia kam, musste ich ihm offen entgegentreten und ihn ernsthaft zur Rede stellen, denn was er tat, war falsch.
12 Nach seiner Ankunft hatte er zunächst noch mit den Gläubigen, die unbeschnitten waren, zusammen gegessen. Als jedoch einige jüdische Freunde von Jakobus eintrafen, hatte er nicht mehr den Mut dazu, weil er die Missbilligung der jüdischen Gläubigen scheute.
13 Daraufhin verhielten sich die anderen Juden genauso heuchlerisch, und sogar Barnabas ließ sich von ihnen beeinflussen.
14 Als ich sah, dass sie sich nicht an die Wahrheit der Botschaft Gottes hielten, sagte ich vor allen anderen zu Petrus: »Wenn du als gebürtiger Jude die jüdischen Gesetze hinter dir gelassen hast und wie ein Nichtjude lebst, warum verlangst du dann von diesen Nichtjuden, die jüdischen Gesetze zu befolgen, die du aufgegeben hast?
Hier sehen wir: Selbst Petrus, der Fels, der Apostel, der Mann der Pfingstpredigt – kann in religiöse Heuchelei abrutschen.
Und Paulus macht eines klar:
Freiheit im Evangelium ist nichts Selbstverständliches. Sie muss bewahrt werden.
Warum stellt Paulus Petrus öffentlich zur Rede?
Weil Petrus zweigleisig lebt.
Zuerst:
· isst er mit Nichtjuden
· lebt Gemeinschaft
· genießt die Freiheit in Christus
Dann kommen bestimmte Leute aus Jerusalem.
Und plötzlich:
· zieht sich Petrus zurück
· trennt sich von den Heiden
· passt sein Verhalten an
Warum?
„…, weil er die Missbilligung der jüdischen Gläubigen scheute“ (Galater 2,12)
Das ist Menschfurcht, und daraus resultierte bei Petrus Heuchelei.
Nicht, weil Petrus etwas Falsches glaubt, sondern weil er etwas Falsches lebt.
Und das ist wichtig:
Heuchelei hat fast immer mit Menschenfurcht zu tun, nicht mit falscher Theologie.
Heuchelei ist nicht:
„Ich bin perfekt und tue so, als hätte ich keine Fehler.“
Heuchelei ist oft viel subtiler.
Heuchelei ist:
· anders zu leben, je nachdem, wer zuschaut
· Freiheit zu predigen, aber Leistung zu leben
· Gnade zu bekennen, aber Druck weiterzugeben
Vielleicht kennen wir das:
· Bei bestimmten Christen fühlen wir uns „nicht geistlich genug“
· Wir passen unsere Sprache an
· Wir verstecken unsere Kämpfe
· Wir spielen Rollen
Der beste Weg aus der Heuchelei heraus ist ehrlich vor mir selber und dann auch vor einander zu sein.
Jetzt kommen wir langsam zum Kern.
Fast Mantraartig betont Paulus immer wieder: (Galater 2,16)
„…nicht aus Werken des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Jesus Christus.“ Neues Leben Übersetzung: „Und doch wissen wir, dass der Mensch vor Gott nicht durch das Halten des Gesetzes gerecht gesprochen wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. Wir sind zum Glauben an ihn gekommen, damit wir durch diesen Glauben von Gott angenommen werden, und nicht etwa, weil wir dem Gesetz gehorcht haben. Denn durch das Befolgen des Gesetzes wird niemand vor Gott gerecht.“
Warum diese Wiederholung?
Weil unser Herz es so langsam lernt.
Wir starten im Glauben und wollen dann im Tun vollenden.
Aber das Evangelium funktioniert anders.
Was dich gerettet hat, ist auch das, was dich trägt.
Nicht:
· deine Konsequenz
· deine Disziplin
· deine geistliche Leistung
Sondern:
Christus allein.
Galater 2,20 – Der Höhepunkt: Das neue Leben
Jetzt kommen wir zum Zentrum. Zum Herzschlag. Zum Vers, der alles zusammenfasst.
„Ich lebe, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Ich lebe also mein Leben in diesem irdischen Körper im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich geopfert hat.“ (Galater 2,20)
Das ist viel mehr als ein frommer Spruch. Das ist eine neue Identität.
Dem geht voraus, dass ich mit Christus gekreuzigt bin!
Das bedeutet: Mein altes Leistungssystem ist tot.
Mein Versuch:
· mich zu beweisen
· mich zu rechtfertigen
· mir Wert zu erarbeiten
ist beendet.
Religion lebt vom „Ich“. Das Evangelium lebt vom Kreuz.
Daraus folgt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“
Christsein ist nicht: „Ich bemühe mich, wie Jesus zu leben.“
Christsein ist: „Jesus lebt sein Leben in mir.“
Das ist der Unterschied zwischen:
· moralischer Anstrengung
· geistlicher Transformation
Diese Transformation kann nur er allein bewirken!
„…im Glauben an den Sohn Gottes“
Nicht im Gefühl. Nicht in der Tagesform. Nicht im Erfolg.
Sondern im Vertrauen.
Und dann dieser persönliche Zusatz:
„…der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.“
Nicht abstrakt. Nicht theoretisch. Nicht allgemein.
Sondern mich (deinen Namen einsetzten) ganz persönlich.
Und der Grund, warum Gott das tut, ist eben nicht, weil wir so toll sind, sondern weil er es will. Deshalb leben wir aus seiner Gnade heraus.
Gnade – aber nicht billig
Und jetzt müssen wir etwas klären.
Wenn wir so stark von Gnade reden, kommt schnell die Frage:
„Wenn es mich ohnehin nichts kostet, ist das nicht billige Gnade?“
Dietrich Bonhoeffer hat diesen Begriff geprägt.
Er schrieb:
„Billige Gnade ist die Predigt der Vergebung ohne Buße, die Taufe ohne Gemeindezucht, das Abendmahl ohne Bekenntnis…“
Billige Gnade sagt:
„Ist eh egal, wie ich lebe.“
Aber das ist nicht das Evangelium.
Denn echte Gnade:
· vergibt nicht nur
· sie verändert
Bonhoeffer sagt auch:
„Teure Gnade ist die Gnade, die uns alles kostet – weil sie Gott alles gekostet hat.“
Gnade ist nicht billig – sie ist bezahlt. Mit dem Leben Jesu.
Leben als Befreite – ganz konkret heute
Was heißt das jetzt praktisch?
1. Du lebst aus Identität, nicht für Identität
Du tust nicht Gutes, um geliebt zu werden. Du tust Gutes, weil du geliebt bist.
Das verändert:
· Motivation
· Umgang mit Scheitern
· Umgang mit Erfolg
2. Du darfst ehrlich leben
Keine Masken. Keine fromme Show. Keine Doppelleben.
Freiheit zeigt sich in:
· Schwäche, die ich nicht verstecken muss
· echter Gemeinschaft
· tragfähiger Gnade
3. Du kämpfst gegen Sünde – aber nicht um Annahme
Sünde wird nicht verharmlost. Aber sie definiert dich nicht.
Du kämpfst:
· nicht aus Angst
· sondern aus Freiheit
4. Du wirst ein Mensch der Gnade – für andere
Wer aus Gnade lebt:
· urteilt weniger
· hört mehr zu
· vergibt schneller
· liebt tiefer
Nicht weil er muss, sondern weil Christus in ihm lebt.
Darum: Bleib im Evangelium
Paulus sagt am Ende sinngemäß:
Wenn ich wieder Leistung predige, dann war das Kreuz umsonst.
Das wäre ein unerträglicher Verlust!
Der Galaterbrief lädt uns ein:
· zurück zur Gnade
· zurück zum Kreuz
· zurück zur Freiheit
„Ich lebe – doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“
Das ist kein Ideal für Superchristen. Das ist die Einladung an jeden von uns.
Lass uns darin bleiben.




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