• Peter Köttritsch

Der Retter zieht ein

Ein Mann wird mir zwei verbrannten Ohren ins Krankenhaus eingeliefert. Auf die Frage was passiert sei, antwortet er: „Ich war gerade am Bügeln, als das Telefon läutete…“

Darauf der Arzt: „Das erklärt ein Ohr mit Verbrennungen, aber das zweite?“

„Ich musste doch gleich noch die Rettung anrufen!“


Ein funktionierendes Rettungswesen zu haben, ist etwas sehr Schönes und Gutes.

Rettung ist auch das Stichwort für den heutigen Palmsonntag. Ich möchte gleich vorweg einmal den passenden Bibeltext aus dem Markusevangelium mit euch lesen:


Mk 11,1-11 (Das Buch)

1 Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien auf dem Ölberg, da schickte Jesus zwei seiner Gefährten los 2 mit den Worten: »Geht in den Ort, der direkt vor euch liegt. Sobald ihr hineinkommt, werdet ihr ein festgebundenes Eselsfohlen sehen, auf dem noch niemals ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her!

3 Und wenn jemand euch zur Rede stellt und fragt, was ihr da macht, dann sagt: ›Der Herr braucht es und wird es euch bald wieder hierher zurückbringen lassen!‹«

4 Da gingen sie los und fanden das Eselsfohlen draußen am Wegrand an eine Tür angebunden und banden es los.

5 Einige von denen, die dort standen, sagten zu ihnen: »Was macht ihr da, dass ihr einfach das Fohlen losbindet?«

6 Da antworteten sie ihnen, wie Jesus es ihnen gesagt hatte, und die Leute erlaubten es ihnen.

7 So brachten sie das Eselsfohlen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf und Jesus setzte sich darauf.

8 Viele Leute legten ihre Gewänder auf den Weg. Andere legten Zweige hin, die sie von den Feldern herbeibrachten.

9 Die, die vorausliefen, und die, die nachfolgten, riefen: »Hosianna! Gesegnet ist der, der im Namen Gottes des Herrn zu uns kommt!

10 Gepriesen sei die kommende Königsherrschaft unseres Vaters David! Hosianna in der höchsten Höhe!«

11 So kam Jesus nach Jerusalem in den Tempel. Dort schaute er sich alles genau an. Am Abend, als es schon spät war, ging er mit seinen zwölf besonderen Schülern wieder aus der Stadt hinaus nach Betanien.


Das Wort Hosianna, oder Hosanna ist die griechische Form der aramäischen Worte „Hoschia na“, was so viel bedeutet wie: „Hilf doch!“ Oder „Schaffe uns Rettung!“

Im AT finden wir dieses Wort in Ps 118,25: Hilf doch, Jahwe! / Jahwe, gib uns Gelingen! Und dass dieses „Hilf doch“ ausgerechnet Jesus zugerufen wurde, hat auch mit seinem Namen zu tun: Gerade Namen werden nicht nur in verschiedenen Sprachen oft recht unterschiedlich ausgesprochen, auch gibt es gerade bei Namen verschiedenste Koseformen, die teilweise nur schwer wieder erkennbar sind. Z.B. Pepi statt Josef, oder Schurli statt Georg…


Der Mann, den wir als Jesus kennen, wurden von seinen Freunden Jeschua, oder auch Johoschua gerufen. Und Jehoschua bedeutet wörtlich: „Jahwe rettet“.

Christus ist übrigens die eine Übersetzung des Wortes „Messias“, das auf Hebräisch eigentlich „Maschiach“ heißt, und „Gesalbter“ bedeutet.


Es ist naheliegend, dass von jemandem, der schon „Jahwe rettet“ heißt, Hilfe erwartet wird. Und tatsächlich, war genau das die große Erwartung vieler Menschen an Jesus. So wie sich viele Ukrainer aktuell Hilfe vom Westen, der EU, oder der NATO erhoffen, so erhofften sich die Juden damals konkrete, auch militärische Hilfe von Gott, gegen die römischen Besatzer.

Aber bereits dadurch, dass Jesus eben nicht Hoch zu Ross, sondern auf einem Eselsfohlen in Jerusalem einritt, zeigte er an, dass sein Reich nicht auf militärischer Überlegenheit aufbaute, sondern auf Demut und Liebe. Er erfüllte somit, was Gott bereits Jahrhunderte vorher durch den Propheten Sacharja (4,6) angekündigt hatte:

Was du vorhast, wird dir nicht durch die Macht eines Heeres und nicht durch menschliche Kraft gelingen: Nein, mein Geist wird es bewirken!

DIE Frucht des Geistes ist bekanntlich Liebe.


Jesus wurde aber sehr wohl seinem Namen gerecht: Er wurde und ist bis heute „Der Retter“. In einer Woche feiern wir Ostern. Das Fest, an dem wir an das denken, was Jesus am Kreuz für uns erlitten hat, aber vor allem, dass er den Tod überwunden hat und auferstanden ist. Diese Auferstehung gibt uns nicht nur Hoffnung, sie ist, wie es in Hebr 6,19 heißt ein Rettungsanker, der hineinreicht in den himmlischen Tempel.

Man könnte es auch so ausdrücken: Jesus ist unser Rettungsauto, das uns sicher in den Himmel bringt. Alles, was wir tun müssen, ist einsteigen.


Gehörst du zu den Menschen, die so wie die Menschen damals, laut nach Hilfe schreien? Hosianna! Schaff uns Rettung! Aber dann, als sie merkten, dass die Rettung, die Jesus anbietet ganz anders aussieht, als sie es sich wünschen, plötzlich nicht mehr Hosianna, sondern „Kreuzigt ihn“ schrien?

Oder gehörst du zu jenen Menschen, die in das Rettungsauto von Jesus eingestiegen sind, in dem Bewusstsein, dass er jetzt bestimmt, wohin die Reise geht. Und ja, die Reise mit Jesus geht in den Himmel. Zu unserer endgültigen Rettung. In die ewige Gegenwart des Vaters, ins neue Jerusalem. In der Bibel wird dieser herrliche Ort ausführlich beschrieben. Aber der Weg dorthin kann durchaus noch die eine, oder andere Herausforderung und Überraschung mit sich bringen.

Vertraust du Jesus so weit, dass er dich sicher durch diese Herausforderungen manövrieren wird, oder bist du jemand, der das Rettungsauto ganz schnell wieder verlässt, sobald die ersten Schwierigkeiten auftauchen?


Menschen, die im „Rettungsauto“ bleiben, nennt Jesus seine Jünger. Oder wie es im Text oben heißt: „seine ganz besonderen Schüler“. Diese ganz besonderen Schüler waren und sind bereit, von Jesus zu lernen.

Ich habe euch letzte Woche die vier Säulen vorgestellt, die einen Jünger Jesu ausmachen:

· Gottesliebe

· Nächstenliebe

· Veränderungsbereitschaft

· Bereitschaft selber Jünger zu machen.


Und ich habe euch letzte Woche gesagt, wie wichtig es ist, all das nicht aus eigener Kraft bewerkstelligen zu wollen. Weil wir das, was Jesus mit und durch uns vorhat, gar nicht aus eigener Kraft leisten können.

Ich habe dazu übrigens noch eine sehr wertvolle Korrekturmeldung erhalten: Viele von euch kennen diese Bändchen mit den 4 Buchstagen: WWJD? Was würde Jesus tun? Ich habe diese Frage letzten Sonntag auch gestellt und bin wie gesagt dankenswerter Weise darauf aufmerksam gemacht worden, dass diese Frage zwar gut gemeint, aber genau genommen aus zwei Gründen falsch ist:

Den Satz „Was würde Jesus tun“, müsste man logischerweise fortsetzten: „wenn er da wäre“. Auch wenn in Österreich der Konjunktiv sehr oft verwendet wird um eine Tatsache zu beschreiben: „Ich hätte jetzt Hunger“, so bleibt dessen Verwendung genau genommen unrichtig.

Jesus ist da. Immer! Wo auch immer wir sind, ist er mitten unter uns.


Das Zweite, das diese Frage: „Was würde Jesus tun“ impliziert, ist dass ich das jetzt (aus eigener Kraft) tun muss, was Jesus tun würde, wenn er an meiner Stelle hier wäre. Ihr merkt schon: Das ist genau das Gegenteil von dem, wo wir hinwollen.

Lasst uns lieber statt WWJD fragen: Was tut Jesus?

Ganz konkret hier in jetzt in dieser Situation? Wenn ich sowieso mit ihm im Rettungsauto sitze und er der Retter ist, brauche ich nur auf ihn zu schauen.


Das Gleichnis aus Joh 10, in dem Jesus sagt, dass seine Schafe seine Stimme hören, lässt sich durchaus auch, von unseren geistlichen Ohren, auf unsere geistlichen Augen übertragen. „Meine Schafe hören meine Stimme und meine Jünger sehen, was ich tue. Auch in diesem Bereich gilt, dass wir hier lernen dürfen. Gleichzeitig gilt aber auch, dass wir lernen werden, wenn wir bereit dazu sind. Das ist nicht ein paar wenigen, auserwählten „Sehern“ vorbehalten. Das gehört zur „Grundausstattung“ eines Jüngers Jesu!


Wir lernen zu sehen, was Jesus tut, indem wir mit unseren geistlichen Augen hinschauen. Gott hat einmal zu einem „Seher“ (Propheten) im AT gesagt: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an. (1. Sam 16,1)

Das Ziel eines Schülers/Jüngers ist es, so zu werden, wie sein Meister. Wenn wir JüngerInnen Jesu sind, heißt das, dass wir lernen müssen und lernen dürfen, die Welt mit Gottes Augen zu sehen. Gottes Plan für unser Leben ist vollkommen. Das heißt, er selber schafft für uns eine Möglichkeit zu lernen, wie wir mit seinen Augen sehen können.


Wie geht das aber jetzt ganz praktisch?

Bitte Gott, dir deine geistlichen Augen zu öffnen. „Wer bittet, dem wird gegeben“, hat Jesus gesagt. Bitte ihn, dir zu zeigen, was er in dieser Welt tut.

So wie Elia dafür gebetet hat, dass sein Diener in die geistliche Welt sehen kann, so können auch wir Jesus bitten, geistlich sehen zu lernen. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Jesus diese Bitte sehr gerne erhören wird.


Wir sehen auch im natürlichen Bereich selektiv. Unsere Augen nehmen viel mehr wahr, als uns bewusst ist. Unser Gehirn filtert die Dinge, die unwichtig erscheinen heraus, so dass nur noch ein Bruchteil von dem was unsere Augen sehen, auch bis in unser Bewusstsein vordringt.


Wenn wir bei Jesus in den Rettungsbus einsteigen, beginnt unser Geist die geistliche Welt wahrzunehmen. Wir nehmen zwar bewusst auch nur einen Bruchteil der ganzen geistlichen Realität wahr. Jedoch kann unser geistliches Sehen trainiert werden. Das ist ähnlich, wie beim Bibellesen, beim Beten, beim Geben, oder wie in allen anderen geistlichen Disziplinen. Je mehr du dich aktiv damit befasst, desto mehr werden deine Fähigkeiten in diesem Bereich wachsen.

Gleichzeitig ist es hilfreich, mit Glaubensgeschwistern auszutauschen und einander zu erzählen, was wir im Glauben sehen. Sonst laufen wir Gefahr, nur noch das zu sehen, was wir sehen wollen.


Wir können Gott ganz konkret darum bitten, wie er Personen, mit denen ich zu tun habe, sieht und über sie denkt.

Wir können Gott ebenso darum bitten, dass er uns die Personen zeigt, die er in die Nachfolge Jesu berufen möchte. Und wir können ihn darum bitten, uns eine „Person des Friedens“ zu zeigen. Eine Person des Friedens ist jemand, der eine Schlüsselrolle einnimmt um eine größere Gruppe von Menschen mit der Guten Nachricht zu erreichen.

Jesus sandte seine Jünger nicht nur aus, um einen Esel für ihn zu organisieren. Er sandte seine Jünger auch aus, um die Frohe Botschaft weiter zu sagen und Meschen ganz praktisch Gottes Liebe erleben zu lassen, indem sie z.B. in seinem Namen heilten. In diesem Zusammenhang sprach er eben von dieser Person des Friedens: (Lk 10,6) Dieser Person sollten die Jünger ganz besondere Aufmerksamkeit schenken. Wir finden mehrere Beispiele für so eine Person in der Apg., wie z.B. Cornelius (Apg 10), der nicht nur selbst zum Glauben kam, sondern mit ihm „sein ganzes Haus“.

In der Apg sehen wir ja ganz praktisch, wie die Jünger der Aufforderung Jesu nachkamen, selber Jünger zu machen.


Und mit dieser Bitte an Gott, unsere geistliche Sehschärfe zu stärken, schließt sich der Kreis wieder: Wenn wir „sehen“, wen Jesus als nächstes in seine Nachfolge beruft, dann ist für uns der erste und wichtigste Schritt schon einmal geschafft, selber wieder Jünger zu machen. Das heißt nicht, dass alles von selber geht und wir uns zurücklehnen können, aber die Sache mit dem Jünger machen wird ungleich einfacher und vor allem erfolgreicher!


Wenn du dich als Jünger Jesu siehst, bedeutet das, dass Jesus auch in deinem Herzen, sanft (auf einem Esel -nicht gewaltvoll) „eingeritten“ ist. Jesus sagt über sich selbst, dass er sanft und von Herzen demütig ist. (Mt 11,29). Jeder der ihn kennt, kann das bestätigen.


Wenn du dein Herz bisher noch nicht für ihn, als deinen König geöffnet hast, dann habe ich eine gute Nachricht für dich! Das ist das heute deine Chance. Jesus sagt (Off 3,20): Noch stehe ich vor deiner Tür und klopfe an. Wer jetzt auf meine Stimme hört und mir die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und Gemeinschaft mit ihm haben.

Wenn du ihn, als König bei dir einziehen lassen möchtest, dann komm nach dem Gottesdienst nach vorne. Unsere Mitarbeiter werden mit dir beten.


Er ist der „Jehoschia HaMaschiach“ Er ist der gesalbte Retter.

Er ist der, der uns ein neues und ein ewiges Leben schenken kann.

Und er ist der, durch dessen Kraft und mit dessen Hilfe wir Jünger „machen“ können. Dort wo unsere Kraft endet, dort setzt seine ein.



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