• Peter Köttritsch

Vater

Aktualisiert: 13. Juni

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Der Nikolaus fragt die Kinder: "Na wer war immer brav und hat gemacht was Mutti gesagt hat?"

"Der Papa"


Heute ist – zumindest in Österreich Vatertag. In der Schweiz war er vor einer Woche, in Deutschland noch 10 Tage früher. Mittlerweile entdeckt die Wirtschaft auch den Vatertag als möglichen Umsatzbringer und bewirbt ihn dementsprechend.


Ich möchte diese Gelegenheit nützen, aber nicht um uns Väter ins Rampenlicht zu stellen und uns für unseren unermüdlichen Einsatz für unseren Nachwuchs zu danken (obwohl das auch gut und wichtig ist), sondern um auf „den Vater“ überhaupt zu schauen.


Die wichtigste Identität für Jesus war, dass er „Sohn“ war. Sohn Gottes, des Höchsten.

Es gibt ja immer wieder junge Männer, die „von Beruf Sohn“ sind. Das sind meist verwöhnte, großkotzige Typen, die noch nicht wirklich was geleistet haben im Leben, aber so tun, als würde ihnen die Welt gehören. So ein Sohn war Jesus ganz bestimmt nicht.

Er lebte nicht auf Kosten des Vaters ein angenehmes Leben, sondern er repräsentierte den Vater im Himmel, so wie er wirklich ist, auf dieser Erde. Und damit stellte er die Beziehung, die Menschen zu Gott haben können auf eine ganz andere Ebene.


Es gab zwar schon vor Jesus vereinzelt die Erkenntnis, dass Gott auch eine väterliche Seite hat, aber im Empfinden der Menschen war er eher heilig, gerecht, allmächtig und ehrfurchtgebietend. All das ist Gott ja auch nach wie vor, aber die Betonung dieser Seite hat dazu geführt, dass die Menschen ihn als unnahbar empfunden haben. Als Jemand, dem man besser auf Distanz hält. Die Menschen haben eher darauf geachtet, nur ja nichts falsch zu machen und sich an (seine) Regeln zu halten, als seine Gegenwart zu suchen.


Für viele Menschen heute ist Gott auch eher ein Polizist, der sie kontrolliert, oder ein Richter, der sie verurteilt, als jemand, der sie von Herzen liebt und der will, dass unser Leben bestmöglich verläuft.


Die Geschichte des Volkes Gottes beginnt mit einem Vater: Abraham, der ja zunächst „Abram“ (Erhabener Vater) hieß. Abraham bedeutet „Vater von vielen“. Er hatte diesen Namen schon seit seiner Geburt, aber es sollte viele, viele Jahre dauern, bis er tatsächlich Vater wurde.


Dieser Abram verließ auf Gottes Reden hin nicht nur das Land seines Vaters, sondern kehrte sich auch von den Göttern seiner Vorfahren ab, wie wir später aus Jos 24,2 erfahren. In einer Kultur, in der die Ehre und daraus folgend die „Verehrung“ der Ahnen große Bedeutung hatte, war das ein einschneidender Schritt.

Weil Abraham im Vertrauen auf Gott Schritte im Gehorsam ging, segnete ihn Gott über alle Maßen. Er machte ihn zum „Erzvater“ und legte mit ihm einen Grundstein in der Menschheitsgeschichte, der uns bis heute begleitet. Abraham ist nicht nur im Judentum und im Christentum der „Stammvater“, auch im Islam wird er so gesehen.

An Abraham wird sichtbar, wie sehr sich der Segen Gottes ausbreitet, wenn sich jemand der Vaterschaft Gottes unterstellt.


Bei Abraham sehen wir darüber hinaus auch schon, dass Gott das Thema Vaterschaft nicht für sich exklusiv haben möchte, sondern es ein Wesenszug von ihm ist, das was er hat, in andere hineinzulegen. Wenn wir Männer also gute Väter werden wollen, dann müssen wir uns Gott zum Vorbild nehmen und von ihm, dem besten aller Väter lernen. Mehr noch, erst in der Hingabe an den Vater im Himmel, werden wir selber gute Väter auf Erden werden.


Kurze Frage: Was macht einen guten Vater aus?

Welche konkreten Aufgaben hat er?



Diese Erkenntnis, dass Gott ein guter Vater ist und viel mehr als bloß ein „Erzeuger“, oder auch Schöpfer ist, die taucht auch im AT an manchen Stellen bereits auf:

In Jer 31,9 sagt Gott: Ich führe sie [die Israeliten] zu Bächen mit frischem Wasser, ich lasse sie auf ebenen Wegen gehen, damit sie nicht stürzen. Denn ich bin Israels Vater.

Und auch David schrieb in Ps 68,6, dass Gott ein Vater der Waisen und Helfer der Witwen ist.


Trotzdem war es lange Zeit so, dass sich die Juden auf den „Gott der Väter“, oder den „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ beriefen, ohne diesen wirklich zu kenn.

Der Prophet Jesaja erkennt in Jes 63,16: Du bist doch unser Vater! Abraham weiß nichts von uns, und auch Jakob kennt uns nicht. Du, HERR, du bist unser Vater. »Unser Erlöser« – so hast du von jeher geheißen.


Erst bei Jesus tritt die Bezeichnung Vater für Gott so richtig zu Tage. Für Jesus war der Vater im Himmel aber weit mehr als eine „Bezeichnung“, mit der er von Gott sprach. Es war vielmehr der Ausdruck einer innigen Beziehung, die er zu ihm pflegte. Er wusste ganz tief in seinem Herzen, wer dieser Vater im Himmel, nicht nur für ihn, tatsächlich ist. Aus diesem „Wissen“ heraus, gestaltete er sein Leben und seinen Dienst. Weil er den Vater kannte und weil er dadurch auch wusste, wer er war, konnte er nicht nur von diesem Vater erzählen, er konnte deshalb auch heilen, Wunder tun und die Menschen so lieben, wie wir es in den Evangelien lesen können.


Natürlich gebrauchte Jesus den Begriff Vater auch im übertragenen Sinn. Beispielsweise unterstellte er seinen Zuhörern einmal, dass nicht Abraham, sondern der Teufel ihr Vater sei. (Joh 8,44) Er meinte das natürlich nicht im biologischen Sinn (das traf durchaus auf Abraham zu), sondern im geistlichen Sinn. Also der Vater als Jemand, der mein Leben durch und durch prägt. Jesus nennt den Teufel bei dieser Gelegenheit auch den „Vater der Lüge“.


Wenn aber Gott mein Vater ist, dann will ich mit dem Vater der Lüge nichts zu tun haben. Das heißt ganz konkret, dass ich dann anfangen werde, die Lügen, insbesondere die Lebenslügen, dich ich über mich selber (und auch über andere) geglaubt habe durch die Wahrheiten, die ich von meinem Vater höre, zu ersetzen. Das ist im Wesentlichen das, was in unserem wunderbaren Sozo Dienst passiert. Dadurch gewinnt Gott als mein Vater immer mehr in mir und durch mich Gestalt. Oder anders ausgedrückt: Wird Jesus in meinem Leben immer sichtbarer.


Zurück zu Jesus: Wenn du die besondere Beziehung zwischen Jesus und seinem Vater genauer betrachten möchtest, musst du das Johannesevangelium studieren. Es gibt kaum ein Kapitel, in dem Jesus darin nicht von seiner Beziehung zu seinem himmlischen Vater spricht.

Dort finden wir die wunderbaren Sätze wie:

· Der Vater hat den Sohn lieb (3,35 u.a.)

· Der Vater will solche Anbeter haben (4,23)

· Damit alle erkennen, dass mich der Vater gesandt hat (5,36 u.a.)

· Das ist der Wille meines Vaters (6,40)

· Wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich (8,28 u.a.)

· Ich und der Vater sind eins (10,30)

· Niemand kommt zum Vater, außer durch mich (14,6) …


Es gibt aber auch noch eine zweite große Passage in der Bibel, in der viel über die Beziehung zwischen Jesus und seinem Vater zu lesen ist: Die Bergpredigt. Dort finden wir nicht nur das Gebet, das Jesus seine Jünger gelehrt hat (Das Vater-Unser), sondern auch ganz viele Aussagen, die nicht nur Jesu Beziehung zu Gott betreffen, sondern vor allem unsere Beziehung zu unserem himmlischen Vater.


Die größte Herausforderung, die Jesus in der Bergpredigt anspricht, ist die Feindesliebe.

43 Es heißt bei euch: ›Liebe deinen Mitmenschen und hasse deinen Feind!‹

44 Doch ich sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen!

45 So erweist ihr euch als Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne für Böse wie für Gute aufgehen, und er lässt es regnen für Fromme und Gottlose.

46 Wollt ihr etwa noch dafür belohnt werden, dass ihr die Menschen liebt, die euch auch lieben? Das tun sogar die Zolleinnehmer, die sonst bloß auf ihren Vorteil aus sind!

47 Wenn ihr nur euren Freunden liebevoll begegnet, ist das etwas Besonderes? Das tun auch die, die von Gott nichts wissen.

48 Ihr aber sollt in eurer Liebe vollkommen sein, wie es euer Vater im Himmel ist.«


Wir wissen genau: Aus eigener Kraft wird uns das nicht gelingen. Erst wenn wir es zulassen, dass Gottes Kraft in und durch uns wirken kann, dann wird dieses scheinbar unmögliche Unterfangen Realität werden. Auch in unserem Leben. Dann zeigt sich, dass Gott wirklich unser Vater ist. Diese vollkommene Liebe, von der Jesus hier spricht, wird dann herausgehoben, von einem netten philosophischen Gedenken. Er wird dann immer mehr zur gelebten Realität.

Jesus war kein Philosoph, der Ideen bewogen hat, die schön und auferbauend klingen. Er war und ist Jemand, der möchte, dass sich unser Leben so ändert, dass am Ende wir als Gottes Kinder, von den Menschen, die diesen Vater noch nicht kennen, erkannt werden. Mehr noch: Ein paar Verse vorher sagt Jesus, dass wir das Licht für diese Welt sind und ergänzt:

Mt 5,16 Genauso soll euer Licht vor allen Menschen leuchten. Dann werden sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.


Gott will also, dass die Menschen, die ihn noch nicht kennen, ihn preisen und anbeten. Warum? Weil wir Menschen (alle!) genau für diesen Zweck geschaffen wurden. Das klingt vielleicht jetzt ein bisschen so, wie wenn Gott langweilig im Himmel war und er sich deshalb ein paar Fans geschaffen hat, die sein Ego aufpolieren und ihm zujubeln. So ist das aber nicht.

Vielmehr geht es darum, dass Gott ein Beziehungswesen ist und auch wir, weil wir nach seinem Ebenbild geschaffen sind, auf gute, gesunde und tragfähige Beziehungen angewiesen sind, damit es uns gut geht. Ohne diese Beziehungen gehen wir im wahrsten Sinn des Wortes kaputt. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, heißt es gleich ganz am Anfang in der Bibel. Wir brauchen einander, aber wir brauchen vor allem auch eine Begegnung, einen Austausch und ein Zusammensein mit Gott.

Wenn wir Gott anbeten, dann tut das uns selber gut. Weil er die Liebe und das Leben ist.


Das zweite, das wir für unsere Beziehung zum himmlischen Vater, von Jesu Worten in der Bergpredigt lernen können ist, dass der Vater uns versorgt, mit allem, was wir brauchen.

Wir lesen dort, dass der Vater ins Verborgene sieht und weiß, was wir brauchen. Wir erfahren auch, dass unser himmlischer Vater die Vögel versorgt und die Blumen gedeihen lässt, einfach nur, weil er gut ist. Um wieviel mehr wird er sind dann auch um all die Dinge kümmern, die wir zum Leben brauchen.

Das Lebensmotto von Sabine und mir findet sich auch in der Bergpredigt: Mt 6,33: Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. (LÜ)

Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht. (NL)


Wir haben schon so oft in unserem Leben feststellen dürfen, wie wahr dieser Satz ist. Ganz gleich, ob es um materielle Dinge ging, die wir benötigt haben, oder auch um Dinge, die sich nicht mit Geld kaufen lassen, wie: Ermutigung, Zuspruch, Hilfe, Heilung usw.

Gott ist absolut treu, er lässt uns nicht im Stich. Was er verspricht, das hält er. Was er bestellt, das bezahlt er auch. Und was er plant, das setzt er auch in die Tat um.


Die einzige „Bedingung“ dafür, dass wir das von unserem himmlischen Vater bekommen, was wir brauchen, ist dass wir ihn darum bitten. Auch diesen Satz finden wir in der Bergpredigt:

Mt 7, 11 Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten!


Die Frage für dich heute ist: Vertraust du diesem himmlischen Vater? Willst du dabei sein, wenn Gott etwas in deinem Umfeld tut, oder machst du deine Augen zu und verpasst es, mit Gott siegreich zu sein?

Bist du bereit, dein Ego hintan zu stellen und dich auf Gottes Reise einzulassen? Bist du bereit, ihn und sein Reich wirklich zu deinem wichtigsten Anliegen zu machen und in seiner Gerechtigkeit zu leben? Ich kann dir versprechen: Du wirst es nicht bereuen!


Zu guter Letzt gibt uns Jesus nämlich noch etwas auf unsere Reise, mit unserem Vater mit, das unentbehrlich ist:

Ziemlich am Ende der Bergpredigt sagt er Mt 7,21: Nicht wer mich dauernd ›Herr‹ nennt, wird in Gottes himmlisches Reich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.


Jesus „Herr“ zu nennen, aber dann nicht das zu tun, was der Herr sagt, ist eigentlich ein Wiederspruch in sich. Es liegt nicht nur in der Natur eines „Herrn“, sondern ist genau genommen seine Aufgabe, dir zu sagen, was du tun sollst, und was nicht. Also: Wenn Jesus dein Herr ist, dann kannst du gar nicht anders, als ihm zu gehorchen. Sonst ist Jesus „nur“ dein Kumpel, oder Freund (was er ja auch ist), aber nicht dein Herr. Es ist wunderbar, dass unser Herr gleichzeitig mein Freund ist. Das macht das Dienen in seinem Reich so schön und auferbauend.

Björn ist mein Freund, aber gleichzeitig auch mein Chef. Ich arbeite gern mit ihm und für ihn. Wenn ich aber in der Firma nicht das machen würde, was er „anschafft“, dann wäre nicht nur unsere nicht nur unsere Freundschaft in Gefahr, ich müsste mir sehr bald auch einen neuen Job suchen.


Wenn unser himmlischer Vater zu uns sagt: Vergebt einander, dient einander in Liebe, macht zu Jüngern, gib deinen Zehnten, heilt die Kranken… dann ist das für uns keine Option, die wir uns aussuchen können. Unser Vater weiß, was er uns zumuten kann, und er hilft uns auch dabei. Aber schon im AT sagt Gott: Gehorsam ist besser als Opfer!


Den Willen des Vaters zu tun, ist untrennbar damit verbunden, dass er unser Vater ist. So wie Jesus wusste, wer er war (Sohn Gottes), so ist auch für uns Christen unsere Gotteskindschaft das Fundament unserer Identität. Als seine Kinder wissen wir: Er versorgt uns mit allem, was wir brauchen. Weil er ein guter-guter Vater ist.

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