top of page
  • Peter Köttritsch

Wie geht Jüngerschaft?

Aktualisiert: 12. Feb.

 

"Ich will nicht in die Schule!"

"Aber du musst in die Schule!"

"Die Schüler mögen mich nicht, die Lehrer hassen mich, der Hausmeister kann mich nicht leiden, und der Busfahrer kann mich nicht ausstehen."

"Jetzt reiß dich bitte zusammen: Du bist jetzt 45 Jahre alt und der Direktor – du musst in die Schule!"

 

 

Meine eigene Schulzeit liegt schon ein paar Jährchen zurück. Ich bin als Teenager auch nicht gerne in die Schule gegangen. Das hat sich erst in der Berufsschule geändert, als ich einen Sinn in dem, was ich lernen musste, gesehen habe. Von da an haben sich meine Noten schlagartig und um Welten verbessert.

Bei uns in Österreich hat Bildung einen sehr hohen Stellenwert. Natürlich gibt es wie überall Verbesserungspotential, aber global gesehen genießen wir das Privileg, eine Ausbildungspflicht bis zum 18. Lebensjahr zu haben. Der Staat übernimmt sogar die Kosten dafür.

Ich finde es auch gut, dass lebenslanges Lernen mehr und mehr gelebte Realität wird.

 

Letzte Woche hat Andrea eine sehr gute Predigt zum Thema Jüngerschaft gehalten. Das griechische Wort für Jünger bedeutet wörtlich übersetzt: „Lernender“. Ich finde dieses Thema Jüngerschaft für uns so wichtig, dass ich bei dem, was Andrea letzte Woche gesagt hat, anknüpfen- und dieses Thema weiter vertiefen möchte.

 

Eines der besten Bibelstellen, die auf den Punkt bringt, was Jüngerschaft bedeutet, finden wir (leicht zu merken) in 2. Timotheus 2,2:

Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das gib an zuverlässige Christen weiter, die wiederum fähig sind, andere im Glauben zu unterweisen.

Paulus hat also dabei 4 „Generationen“ im Blick. (Paulus, Timotheus, Zuverlässige Christen [Anton, Berta, Christl, Daniel…], Andere [Max, Moritz, Mimi, Martha…]) Paulus denkt spätestens ab der dritten Generation bereits im Plural.

Und Paulus hat, wie Andrea das letzte Woche wunderbar illustriert hat, nicht nur Timotheus, sondern auch einen Silas, einen Barnabas und viele andere bejüngert.

 

Jesus hat seinen Jüngern im Wesentlichen zwei Aufgaben, oder Gebote, gegeben: Sie sollen lieben (Nächstenliebe, einander lieben, Feindesliebe…) und sie sollen Jünger machen. Wobei diese beiden Dinge miteinander verknüpft sind. Ohne eine liebende Haltung Jünger machen zu wollen geht zwar, aber die Frage ist, welche Art von Jüngern dabei herauskommen. Und umgekehrt: Wenn sich jemand von dir oder mir wirklich geliebt fühlt, dann wird er wissen wollen, woher wir diese Liebe nehmen. Und dann können wir ihn zur Quelle dieser Liebe, zu Gott selber, führen. Es gibt zwar keine Garantie dafür, aber die Wahrscheinlichkeit, dass diese geliebte Person dann Jesus näher kennen lernen und ihm nachfolgen will, ist meiner Überzeugung nach sehr hoch.

 

Lasst mich ganz ehrlich sein: Natürlich dürfen und sollen wir auch in der Liebe wachsen. Darin werden wir nie vollkommen sein. Aber mein persönlicher Eindruck ist, dass es im Bereich Jünger machen noch sehr viel mehr Luft nach oben gibt. In der gesamten Christenheit, aber auch in unserer Gemeinde.

Und deshalb hat mich deine Predigt, Andrea, letzte Woche so stark angesprochen und ich habe den Impuls verspürt, dass ich da noch weiter dranbleiben und dieses Thema heute noch einmal aufgreifen soll.

Ich hätte eigentlich geplant gehabt, im Markus Evangelium weiter zu lehren, aber der Heilige Geist hat mich so kräftig angeschubst, dass ich diesem Impuls von ihm in meiner Vorbereitung gefolgt bin.

 

Aber ich glaube nicht, dass wir noch eine weitere Lehre darüber brauchen, was Jüngerschaft grundsätzlich ist und wie wichtig sie ist. Auch kein Rechenbeispiel, was passieren würde, wenn jeder von den Missionsbefehl aus Matthäus 28 (Macht zu Jüngern alle Nationen) zum wichtigsten Anliegen seines Lebens machen würde. Ich will auch keinen Apell weitergeben, so nach dem Motto: „Jetzt strengt euch etwas mehr an!“ Solche Apelle erzeugen in der Regel nur ein schlechtes Gewissen, aber ändern nichts.

 

Ich habe darüber nachgedacht, woran es liegen könnte, dass wir alle zwar von der Wichtigkeit der Jüngerschaft wissen, aber sie ganz praktisch nur von wenigen Christen tatsächlich gelebt wird. Und ich will mich selber da gar nicht davon ausnehmen. Ich werde also heute in erster Linie zu mir selber predigen. Und wenn du dabei zuhörst und sich in deinem Leben etwas dadurch ändert, freue ich mich!

Was muss also passieren, dass in meinem persönlichen Leben Jüngerschaft mehr gelebte Praxis als bisher wird?

 

Ich habe gemerkt, dass ich zwar schon viele Predigten zu diesem Thema gehört, viele Bücher darüber gelesen und auch schon so manches Seminar über Jüngerschaft besucht habe, aber ich mir trotzdem in der Praxis dann schwer tue, das, was ich im Kopf weiß, auch anzuwenden. Und zwar weil der Alltag dann oft ganz anders aussieht, als in den Predigtbeispielen oder in den Büchern beschrieben wird. Ich habe mir dann die Frage gestellt: Was brauche ich? Oder was würde mir helfen? Und ich habe festgestellt, dass mir dieser ganze Themenkomplex rund um Jüngerschaft oft zu groß erscheint und ich daher nicht weiß, wo ich anfangen soll.


Mir hat es schon einmal ungemein geholfen, diesen ganzen Komplex herunter zu brechen auf ein übersichtliches Maß. Je einfacher, desto besser.


Und mir hat die eingangs erwähnte Übersetzung des Begriffs „Jünger“ (Lernender) geholfen, eine bessere Sicht darauf zu bekommen, was meine Aufgabe als „Jüngermacher“ ist, bzw. was ich von einem Jünger erwarten darf.


Mir hat es des Weiteren auch geholfen, einmal darüber nachzudenken, was ich überhaupt einem Jünger lernen kann. Natürlich ist es so, dass es das Ziel ist „Jünger von Jesus“ zu machen, aber ein erster Schritt auf diesem Weg ist, dass diese Person erstmals „mein Jünger“ wird und von mir lernt, was einen Jünger Jesu ausmacht. Aber natürlich muss ich von Anfang an darauf achten, dass dieser Jünger nicht von mir abhängig wird, sondern er so rasch als möglich ein eigenständiger Jünger von Jesus wird, der wiederum andere „bejüngert“.


Mir hat es geholfen, eine Liste mit Glaubensdingen zu machen, die ich jemand anderem beibringen kann. Auf dieser Liste stehen Dinge wie:

·        Wie kann ich Gottes Stimme hören?

·        Was waren meine gewinnbringendsten Erfahrungen beim Bibellesen?

·        Wie bete ich?

·        Wie kann ich anderen ganz praktisch dienen?

·        Wie kann ich meine geistlichen Gaben einsetzen?

Usw.

 

Und dann halte ich Ausschau nach Menschen, die genau das von mir lernen können und auch wollen.

Das letztere ist bekanntlich eines der größten Hürden, wenn es darum geht, Jünger zu machen. Aber lass dich nicht entmutigen, sondern bitte Gott darum, dir die eine Person zu zeigen, die bereit ist, von dir zu lernen.

 

Wenn du so eine Person gefunden hast, dann überlege gemeinsam mit Jesus, was diese Person von dir lernen soll.

Jeder Lehrer in der Schule hat einen Lehrplan, der festlegt, was ein Schüler in einer bestimmten Schulstufe können soll. Aufgrund dieses Lehrplans macht sich ein Lehrer dann einen Wochen- und Tagesplan, was von alledem dessen Schüler ganz konkret lernen sollen.

Es macht großen Sinn, diese „Methodik“ auch für seine Jünger anzuwenden.

Als Jesus seine ersten Jünger berief, hatte er eine klare Vorstellung davon, was sie von ihm lernen sollten (Markus 1,16f): Als Jesus am Ufer des Sees Genezareth entlangging, sah er Simon und seinen Bruder Andreas. Sie warfen gerade ihr Netz aus, denn sie waren Fischer.

Jesus rief ihnen zu: »Kommt mit und folgt mir nach. Ich will euch zeigen, wie man Menschen fischt!«

 

Hier sehen wir ein weiteres, sehr wichtiges Detail in Bezug auf Jüngerschaft. Jesus hat nicht gewartet, bis die Jünger zu ihm gekommen sind um ihm nachzufolgen. (Die gab es spätestens nachdem er einige Wunder getan hatte bestimmt auch.) Seine engsten Jünger hat er selber aktiv ausgewählt. Jesus spricht später davon, dass ihm seine Jünger vom Vater im Himmel „gegeben“ wurden (Johannes 17,6). Wir wissen nicht, wie das genau geschehen ist, aber ich denke mir, dass Jesus Rücksprache mit seinem Vater gehalten hat, bevor er jemand zu seinem Jünger berufen hat. Und erst wenn er vom Vater im Himmel ein „Ja“ gehört hat, dann hat er zu diesem Mann die drei berühmten Worte gesagt, die dessen Leben für immer verändern sollten: „Folge mir nach!“

 

Ich bin davon überzeugt, dass, wenn auch wir mit dieser betenden Haltung Ausschau nach Menschen halten, die wir bejüngern sollen, es dann nicht lange dauern wird, bis uns Gott die eine, oder andere Person auf's Herz legt. Das können Menschen sein, die Jesus bereits kennen und die in ihrem Glaubensleben durch dich dazulernen. Vor allem aber liebt es Jesus, durch dich die Menschen in seine Nachfolge zu rufen, die ihn bisher noch kaum, oder gar nicht kennen. Diesen Menschen kannst du in jedem Fall zeigen, wie man gerettet wird und eine Beziehung mit Jesus beginnt. Dieser Punkt ist sozusagen der Anfang von Jüngerschaft.

 

Das schöne ist, dass es dafür keinerlei geistlicher Profis bedarf. Das ist im wahrsten Sinn des Wortes Kinderleicht.

Ich freue mich zu sehen, dass die Kinder in unserer Gemeinde beispielsweise im Kindergottesdienst genau das lernen.

Das, was du von Gott (direkt, oder durch andere Christen) gelernt hast, kannst du andern beibringen.

 

Wir haben uns in der GL einige Gedanken darüber gemacht, was genau wir für jedes einzelne Gemeindeglied wollen. Wohin soll diese Reise der Jüngerschaft gehen?

Wir haben, wenn man so will, einen „Lehrplan“ erstellt, von dem wir hoffen, dass jedes „Schäfchen“ die darin definierten Ziele erreicht. Wir haben dabei keinen Stress und wir verteilen auch keine Noten. Aber mir persönlich hilft es, vor Augen zu haben, wohin ich mich selber entwickeln kann. Und vor allem, welches Ziel ich mit den Jüngern anstrebe, die mir der Herr anvertraut.

 

Wir haben vier Bereiche gefunden, in denen wir lernen dürfen, immer mehr zu der Person zu werden, die Gott vor Augen hatte, als er uns geschaffen hat:

 

1.   Wir wollen in unserer Liebe zu Gott wachsen

Das beginnt damit, dass jemand lernt, sich von Gott lieben zu lassen. Er ist der Ursprung der Liebe. Ohne ihn bleibt alles menschliche Bemühen eben menschliches Bemühen.

Die Liebe zu Gott drückt sich in einem Lebensstil der Anbetung aus. Das heißt ganz praktisch, dass das, was Gott sagt, für mich wichtiger ist, als das, was andere Menschen (über mich) sagen. (Gottesfurcht vor Menschenfurcht!) Daher werde ich in allen Lebenssituationen nach seinem Willen fragen und diesen im Gehorsam tun. Selbst dann, wenn es mich etwas (z.B. Überwindung) kostet.

Ich werde in Dankbarkeit, Echtheit und Großzügigkeit wachsen, weil ich Gott immer mehr vertraue und er auch die hintersten Winkel meines Herzens ausfüllen darf.

 

2.   Wir lernen Menschen immer mehr zu lieben

Dazu gehört, dass wir eine Verbindlichkeit zueinander einüben, ganz praktisch unsere von Gott gegebenen Gaben zum Wohl anderer einsetzen und den anderen höher achten, als uns selbst.

Zum Menschen lieben gehört aber auch dazu, dass wir lernen, in Liebe miteinander Tacheles zu reden, wenn wir merken, dass das Verhalten eines Bruders, oder einer Schwester sich in eine ungesunde Richtung entwickelt. Wir wollen nicht um des lieben (faulen) Friedens willen Konflikte sich selbst überlassen.

Vor allem aber wollen wir einander bevollmächtigen, immer mehr zu der Person zu werden, die der Andere nach Gottes Plan sein könnte.

 

3.   Ich werde mich nach Gottes Vorstellung verändern (lassen!)

Diese Umwandlung beginnt mit dem Entdecken meiner Identität in Christus. Damit ich diese überhaupt entdecken kann, braucht es Heilung, Erneuerung meines Sinnes und meines Herzens und Wiederherstellung.

Mit SOZO haben wir ein wunderbares Werkzeug, das uns genau dabei sehr gut hilft. Diese neue Identität in Christus muss/darf dann in weiterer Folge nicht nur eingeübt und gefestigt werden, sondern soll ein unverrückbarer Anker in meinem und in deinem Leben werden.

Das heißt ganz praktisch, dass ich lerne, die richtigen Prioritäten in meinem Leben zu setzen, mein Leben nicht mehr von meinen Gefühlen beherrschen zu lassen und auch Verantwortung für mich und andere zu übernehmen.

Sobald ich meine Identität als Kind Gottes gefunden habe, kann ich diese auch an andere weitergeben. Auch das ist ein ganz natürlicher Prozess, wenn es darum geht, Jünger zu machen.

 

4.   Wir wollen und wir werden die Welt positiv beeinflussen

Einfluss oder Macht zu haben ist an sich weder positiv noch negativ. Die Frage ist immer, in welche Richtung ich meinen Einfluss geltend mache. Wir werden, ohne es zu wollen, ständig beeinflusst (Medien, Werbung, Meinungen…), aber genauso haben wir immer auch die Möglichkeit auf Menschen, oder Situationen, Einfluss auszuüben.

Es braucht die bewusste Entscheidung: Ja, ich will meine Umwelt mit den Werten des Reiches Gottes beeinflussen. Am stärksten wird mein Einfluss in den Bereichen sein, in denen Veränderung in meinem eigenen Leben bereits Realität geworden ist.

 

Dieser Einfluss, den wir ausüben können, kann ganz unterschiedlich aussehen. Es ist nicht jeder dazu berufen, Politiker zu beraten (falls ja: mach das!), aber in jedem Fall wird sich durch meinen Einfluss etwas verändern. Sei es die Atmosphäre in einem Gespräch, oder in einem Raum, das Betriebsklima in einer ganzen Firma, oder auch das Miteinander in der Nachbarschaft. Wir brauchen da keine falsche Demut haben. Gott möchte Großes durch dich und durch mich tun. Lasst uns in dieser Erwartung leben.

Wenn Erika z.B. im Supermarkt Nachbarinnen etwas über ihren Glauben an Jesus erzählt, dann hat das nicht nur Einfluss auf das Leben ihrer Nachbarinnen, sondern auch Einfluss auf mich, weil ich dadurch ermutigt werde, ebenfalls nach Menschen Ausschau zu halten, die offen für den Glauben an Jesus sind.

 

Wenn ich weiß, wieviel Einfluss ich als Kind Gottes auf meine Umwelt habe, dann kann ich dieses Wissen an andere weitergeben. Auch das gehört zur gelebten Jüngerschaft dazu.

 

Wie esse ich einen Elefanten? Stück für Stück. Ich muss nur anfangen. Wir mache ich Jünger? Indem ich anfange, nach Menschen Ausschau zu halten, die lernbereit sind und die ebenfalls bereit sind, das anderen weiterzugeben, was ich ihnen beibringe. Und die ihrerseits wieder andere anleiten können. So einfach ist das!

 

17 Ansichten

Ähnliche Beiträge

Alle ansehen

Prophetische Worte

bottom of page