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Galater 6: Freiheit, die trägt

  • Peter Köttritsch
  • 15. März
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. März


Ein Mann kommt zum Arzt und sagt: „Herr Doktor, überall, wo ich hin greife, tut es weh.“

Der Arzt sagt: „Zeigen Sie mal.“

Der Mann fasst sich an die Schulter: „Aua!“ Er fasst sich ans Knie: „Aua!“ Er fasst sich an die Stirn: „Aua!“

Der Arzt schaut ihn an und sagt: „Ich glaube, ich weiß, was Ihr Problem ist: Ihr Finger ist gebrochen.“


Manchmal denken wir auch: Die ganze Welt ist das Problem.

Die Gemeinde ist das Problem. Die anderen sind das Problem. Die Umstände sind das Problem.

Und dann zeigt Gott uns liebevoll: Das Problem liegt näher, als du denkst.


Damit sind wir beim letzten Kapitel des Galaterbriefs angekommen.

Der ganze Brief hat ein großes Thema: Freiheit in Christus.

Paulus hat erklärt: Wir sind frei vom Druck religiöser Leistung. Frei von dem Versuch, Gottes Liebe verdienen zu müssen.

Jesus hat alles getan.

Aber jetzt kommt die entscheidende Frage:

Was machen wir mit dieser Freiheit?

Galater 6 zeigt drei Antworten:

1.   Freiheit zeigt sich im Gesetz Christi

2.   Freiheit gestaltet sich im Prinzip von Saat und Ernte

3.   Der richtige Umgang mit der Freiheit hat viel mit unserer Motivation zu tun.


1. Das Gesetz Christi (Galater 6,1–5)

Paulus beginnt das letzte Kapitel so:

Wenn jemand von einer Verfehlung überrascht wird, dann sollt ihr, die ihr euch vom Geist Gottes führen lasst, ihm liebevoll wieder auf den richtigen Weg helfen.“ (Galater 6,1) (wörtlich: zurechtbringen)

Das Wort „wieder zurechtbringen“ bedeutet eigentlich: etwas reparieren oder wieder einrenken. Wie bei einem ausgerenkten Knochen. Ein Arzt nimmt den Arm vorsichtig und bringt ihn wieder an die richtige Stelle.


Das Zurechtbringen erfolgt im Geist der Sanftmut. (Galater 5,22!)

Paulus sagt: So soll Gemeinde funktionieren.

Nicht: Menschen abschreiben, oder verurteilen. Sondern: Menschen wiederherstellen.


Ich erinnere mich an eine Geschichte aus einer Gemeinde.

Ein junger Mann hatte sich komplett verrannt – Schulden, falsche Freunde, Alkohol. Als alles zusammenbrach, kam er beschämt in den Gottesdienst zurück. Er sagte später: „Ich hatte Angst, dass mich alle ansehen und denken: Selber schuld.“ Aber stattdessen kam ein älterer Mann auf ihn zu und sagte nur: „Schön, dass du wieder da bist. Komm, wir trinken morgen einen Kaffee.“ Dieser Kaffee wurde zum Anfang eines neuen Lebens.


Manchmal beginnt Heilung nicht mit einer Predigt – sondern mit einem Menschen, der bleibt.

Paulus sagt:

Helft einander, eure Lasten zu tragen. Auf diese Weise erfüllt ihr das Gesetz Christi.“ (Galater 6,2)

Schon interessant: Zuerst stellt sich Paulus so vehement gegen das Gesetz und jetzt spricht er vom „Gesetz Christi“?!?

Das Gesetz Christi ist Liebe.

Jesus hat gesagt:

„Ich gebe euch ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe.“ (Johannes 13,34)

Die Freiheit des Evangeliums führt nicht zu weniger Liebe.

Sondern zu mehr Liebe als je zuvor.

 

2. Saat und Ernte (Galater 6,6–10)

Dann kommt ein Abschnitt, der sehr praktisch wird.

Paulus schreibt etwas sehr Interessantes:

Wer im Wort Gottes unterrichtet wird, soll auch zum Lebensunterhalt dessen beitragen, der ihn unterrichtet.“ (Galater 6,6)

Mit anderen Worten: Die Gemeinde soll dafür sorgen, dass Menschen, die geistlich dienen – Pastoren, Lehrer, Leiter – von ihrem Dienst auch leben können. Ich liebe diesen Vers. 😊 

Und direkt danach sagt Paulus:

Täuscht euch nicht: Gott lässt sich nicht verspotten. Was ein Mensch sät, das wird er auch ernten.“ (Galater 6,7)


Das ist ein Grundprinzip des Lebens.

Ein Bauer weiß das.

Wenn du Weizen säst, wächst Weizen. Wenn du nichts säst, wächst nichts.

Das gilt auch im geistlichen Leben.

Zeit ist Saat. Liebe ist Saat. Vergebung ist Saat. Großzügigkeit ist Saat.


Vielleicht fragst du jetzt: „Was hat Saat und Ernte mit dem Unterrichtet-werden in Gottes Wort zu tun?“

Auch Geben in Gottes Reich ist eine Saat für mein eigenes Leben.

Viele Christen fragen: „Warum sollte ich meinen Zehnten geben?“ Ist das nicht ein alttestamentliches Gesetz?

Nicht, weil Gott Geld braucht.

Sondern weil Saat und Ernte ein geistliches Prinzip sind.

Wenn wir geben, passiert etwas.

Nicht nur im Budget der Gemeinde – sondern im Herzen des Gebers.

Ich habe einmal von einem Bauern gehört, der jedes Jahr die besten Maiskörner auch seinen Nachbarn gab.

Die anderen Bauern fragten ihn: „Warum gibst du deine besten Samen weiter?“

Er sagte: „Der Wind trägt die Pollen von Feld zu Feld. Wenn meine Nachbarn schlechten Mais säen, wird auch meine Ernte schlechter.“


Das ist ein tiefes Bild für Gemeinde.

Wenn wir investieren, dass Gottes Wort verkündigt wird – dann profitieren alle. Auch wir selbst.

Wenn Pastoren sich nicht ständig um ihre Existenz sorgen müssen, können sie beten, lehren, Menschen begleiten.

Und wer profitiert davon? Die Gemeinde. Und damit jeder Einzelne darin.


Es gibt noch eine zweite Ernte.

Jesus sagt in Lukas 6,38: „Gebt, dann wird auch euch gegeben werden.

Die Ernte kann ganz unterschiedlich aussehen:

Manchmal materiell. Oft aber geistlich.

Ich kenne viele Christen, die sagen: „Seit wir bewusst geben, erleben wir Gottes Versorgung auf neue Weise.“

Nicht immer spektakulär.

Aber immer wieder überraschend.


Die tiefste Ernte ist vielleicht diese:

Unser Herz wird frei von der Macht des Geldes. (Mammon)

Großzügigkeit verändert uns. Und zwar nicht zum Schlechteren.

Überlege einmal: Bist du lieber in der Gesellschaft eines knausrigen, oder eines wirklich großzügigen Menschen?

Jesus sagt (Matthäus 7,12): „Behandelt die Menschen stets so, wie ihr von ihnen behandelt werden möchtet. Denn das ist die Botschaft des Gesetzes und der Propheten“.

Und Paulus sagt deshalb:

Lasst uns nicht müde werden, Gutes zu tun. Denn zur richtigen Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht aufgeben.“ (Galater 6,9)

Die Ernte kommt selten sofort.

Aber sie kommt.

 

3. Welche Motivation treibt mich? (Galater 6,11–18)

Zum Schluss wird Paulus sehr persönlich.

Er schreibt:

Seht, mit welch großen Buchstaben ich euch jetzt eigenhändig schreibe.“ (Galater 6,11)

Und dann sagt er über seine Gegner:

Sie wollen euch zur Beschneidung zwingen, nur damit sie vor anderen gut dastehen.“ (Galater 6,12)

Warum tue ich, was ich tue? Was ist meine Motivation?

Die Motivation der Gegner von Paulus war „Image“.

Image stellt sich immer die Frage: „Was denken die Menschen von mir?“

Eine sehr weit verbreitete Motivation, gerade hier im Mühlviertel.

 

Vor allem religiöse Leistung hat fast immer mit Selbstdarstellung zu tun. Aber Jesus hat das Gegenteil gelehrt: Wenn du jemandem etwas gibst, dann sag deiner linken Hand nicht, was deine rechte tut. (Matthäus 6,3)

Wenn du fastest, sorge dafür, dass es keiner merkt! Und:

Wenn du betest, geh an einen Ort, wo du allein bist, schließ die Tür hinter dir und bete in der Stille zu deinem Vater. (Matthäus 6,6)


Und Paulus sagt zu diesem Thema:

Was mich betrifft, so bewahre Gott mich davor, mit irgendetwas anzugeben. Rühmen will ich mich nur einer Sache: des Kreuzes von Jesus Christus, unserem Herrn.“ (Galater 6,14)

Das Kreuz.

Nicht meine Leistung. Nicht mein Erfolg. Nicht meine Frömmigkeit.

Nur das Kreuz.


Ich habe einmal eine Geschichte über einen alten Missionar gehört.

Nach Jahrzehnten im Ausland kam er nach Hause.

Im gleichen Schiff war ein berühmter Politiker.

Als sie ankamen, wartete eine riesige Menschenmenge auf den Politiker – Musik, Reden, Applaus.

Der Missionar ging still von Bord. Niemand wartete auf ihn.

Später betete er enttäuscht: „Herr, ich habe mein Leben für dich gegeben – und niemand begrüßt mich.“

Und er hatte den Eindruck, Gott sagt: „Du bist noch nicht zu Hause. Die wahre Anerkennung kommt noch.“

Darum sagt Paulus: „Was zählt ist nicht Beschneidung oder Unbeschnittensein. Entscheidend ist: ein neuer Mensch zu sein.“ (Galater 6,15)

 

Schlussanwendung

Zum Ende des Galaterbriefs gibt Paulus uns drei Fragen mit auf unseren Weg.

Erste Frage: Trage ich die Lasten anderer – oder urteile ich über schwächere?

Zweite Frage: Was säe ich eigentlich in meinem Leben?

Aufmerksamkeit? Liebe? Großzügigkeit? Zeit? Geld? Oder säe ich nur für mich selbst?

Denn: Was wir säen, wird irgendwann wachsen.

Dritte Frage: Warum tue ich, was ich tue?

Für Anerkennung? Oder aus Liebe zu Jesus?

Am Ende steht über allem ein Wort: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen.“ (Galater 6,18)

Das ist der Boden, auf dem alles wächst.

Gnade.

Aus dieser Gnade leben wir.

Und aus dieser Gnade tragen wir einander, säen Gutes und richten unseren Blick auf das Kreuz.

Und genau dort finden wir echte Freiheit.


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