Joh 20,24-29

 

 

Fußballweltmeisterschaft: Die Frau fragt ihren Mann:

„Warum rennen denn alle so hinter dem Ball her?“

„Na, wer die meisten Tore schießt, wird Weltmeister.“

„Und die anderen?“ – „Die natürlich nicht.“

„Und warum rennen die dann so?“

 

Wenn frisch gebackene Weltmeister, Olympiasieger oder sonstige Titelgewinner interviewt werden, sagen sie oft den gleichen Satz: „Ich kann das noch gar nicht fassen“, oder „Ich muss das erst realisieren“.

 

Wenn etwas unglaubliches passiert, braucht offenbar unser Innerstes eine Zeitlang um sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Im ersten Moment ist so ein Ereignis im wahrsten Sinne des Wortes „unfassbar“.

 

Ähnlich muss es auch den Jüngern ergangen sein, als sie von der Auferstehung Jesu am Ostermorgen erfuhren. Das ist unfassbar, das kann doch nicht sein, das gibt es nicht.

Und selbst als Jesus vor ihnen stand, konnten es die Jünger offenbar immer noch nicht glauben. In Mt 28,17 heißt es:

Als sie ihn sahen, warfen sie sich vor ihm nieder, doch einige hatten auch Zweifel.

Woran genau sie zweifelten wird nicht berichtet. Haben sie daran gezweifelt, dass es wirklich Jesus war, der vor ihnen stand, oder vielleicht nur ein Gespenst. Haben sie daran gezweifelt, dass er wirklich tot war und daher auch nicht wirklich auferstanden ist? Oder haben sie vielleicht an sich selbst gezweifelt und sich gedacht: „Das habe ich mir alles nur eingebildet“? Wir wissen es nicht genau.

 

Ich möchte heute weniger über das Wunder der Auferstehung sprechen, als mehr über die Zweifel, die so glaube ich jedem von uns bekannt sind. Einmal mehr, einmal weniger.

 

Zweifel ist ja auf den ersten Blick etwas, das dem Glauben diametral gegenüber steht. Entweder glaube ich, oder ich zweifle. Zweifel ist ja das genaue Gegenteil von Vertrauen (Glaube).

 

Das Gebet eines Zweiflers lautet: „Gott – wenn es dich gibt – rette meine Seele – wenn ich eine habe!“

 

Trotzdem kennt jeder gläubigen Menschen Momente, in denen der Zweifel zu nagen beginnt. Da geht es uns nicht anders als es den Jüngern ergangen ist.

Was sollen wir tun, wenn der Zweifel an unsere Herzenstür klopft? Soll wir vollmächtig im Namen Jesu dem Zweifel gebieten, dass er verschwinden soll? Wenn ich gerade zweifle, fällt mir so ein Gebet möglicherweise schwer.

 

 

In der Ostergeschichte, die uns Johannes in seinem Evangelium erzählt, lesen wir von Thomas dem Zweifler. Thomas war ja einer der 12 engsten Freunde Jesu. Er ist drei Jahre mit ihm Tag für Tag unterwegs gewesen. Er hat hautnah miterlebt, wie Jesus gelehrt, geheilt und Menschen geliebt hat. Nur einmal war er nicht mit dabei: Als Jesus als frisch Auferstandener in den Kreis der Jünger trat und sich ihnen zeigte.

 

Joh 20,24-29

24 Als Jesus kam, war Thomas, genannt der Zwilling, einer aus dem Kreis der Zwölf, nicht dabei gewesen.

25 Die anderen Jünger erzählten ihm: »Wir haben den Herrn gesehen!«

Thomas sagte zu ihnen: »Niemals werde ich das glauben! Da müsste ich erst die Spuren von den Nägeln an seinen Händen sehen und sie mit meinem Finger fühlen und meine Hand in seine Seitenwunde legen – sonst nicht!«

26 Eine Woche später waren die Jünger wieder im Haus versammelt, und Thomas war bei ihnen. Die Türen waren abgeschlossen. Jesus kam, trat in ihre Mitte und sagte: »Frieden sei mit euch!«

27 Dann wandte er sich an Thomas und sagte: »Leg deinen Finger hierher und sieh dir meine Hände an! Streck deine Hand aus und lege sie in meine Seitenwunde! Hör auf zu zweifeln und glaube!«

28 Da antwortete Thomas: »Mein Herr und mein Gott!«

29 Jesus sagte zu ihm: »Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Freuen dürfen sich alle, die mich nicht sehen und trotzdem glauben!«

 

 

»Hör auf zu zweifeln und glaube!« Dieser Apell Jesu fiel bei Thomas erst dann auf fruchtbaren Boden, als er überzeugt war. Vorher hätten alle Apelle der Welt nichts genützt. »Niemals werde ich das glauben! «

 

Es gibt ja auch so etwas wie berechtigen, guten Zweifel. Wir müssen uns sollen nicht alles glauben, was man uns erzählt.

 

In unserem Medienzeitalter werden wir mit Informationen zugeschüttet. Und wir wissen, dass wir nicht alles glauben können was uns in den Medien, vor allem im Internet als „Wahrheit“ verkauft wird.

Wir haben gelernt mit Informationen kritisch umzugehen (also anzuzweifeln) und das ist zunächst einmal sehr gut und wichtig. Zweifeln zu dürfen und nicht alles für bare Münze zu nehmen ist sicherlich eine positive Errungenschaft der Aufklärung. Aus ihr resultiert die Gedankenfreiheit, die heute ein sehr wichtiges Gut ist.

Diktatoren versuchen immer möglichst schnell die Zweifler und Kritiker mundtot zu machen. (Bsp.: Internet- und Medienzensur)

 

Aber grundsätzlich immer alles anzuzweifeln macht krank. Wenn ich den Zweifel um des Zweifels willen als höchste Denkform erhebe, werde ich im wahrsten Sinne des Wortes verzweifeln.

Als Mensch brauche ich Dinge, die ich einfach glauben muss, Dinge auf die ich vertraue, obwohl sie vielleicht nicht beweisbar sind. Dass meine Frau mich liebt kann sie mir nicht beweisen, zumindest nicht im naturwissenschaftlichen Sinne. Ich glaube ihr das ganz einfach und bin glücklich damit.

 

Dass Gott mich liebt und er es gut mit mir meint kann ich auch nur im Vertrauen annehmen. Er hat mir seine Liebe zwar sogar schriftlich zugesichert, aber wahrnehmen – in dem Sinn, dass sie für mich zur Realität wird – kann ich sie nur „im Glauben“.

 

Und genau so ist es mit der Auferstehung. Sie ist naturwissenschaftlich gesehen nicht zu beweisen. Natürlich gibt es jede Menge historisch gesicherte Hinweise und Indizien, aber letztendlich und wissenschaftlich gesichert kann man die Auferstehung nicht beweisen. Ich muss an sie glauben. Und alle, die daran glauben wissen, dass dieser Glaube ihnen Kraft gibt, die über den Tod hinaus geht.

 

 

Was kann ich aber jetzt wirklich tun, wenn ich an der Auferstehung Jesu zweifle, wenn ich daran zweifle, ob Gott es gut mit mir meint, wenn ich an seiner Liebe zweifle?

 

Es ist für mich sehr schön zu sehen, dass Jesus auf den Zweifel des Thomas eingeht. Dass er ihm nicht von vornherein sagt: Das musst du halt glauben!

Er sagt: »Leg deinen Finger hierher und sieh dir meine Hände an! Streck deine Hand aus und lege sie in meine Seitenwunde!«

Und dann sagt er erst:

»Hör auf zu zweifeln und glaube!«

 

Bei Jesus darf ich Zweifeln, aber ich soll nicht beim Zweifel stehen bleiben. Ich habe zwei Möglichkeiten: Entweder werde ich verzweifeln, oder ich werde gestärkt aus der Zeit des Zweifels hervorgehen.

 

Zweifel ist ja grundsätzlich besser als wenn ich passiv alles hinnehme. Das gilt grundsätzlich auch für Glaubensdinge. Der ernsthafte Zweifler ist auf der Suche nach Wahrheit. Wenn er sie gefunden hat, hat er einen Schatz entdeckt. Er sagt sich: Das Zweifeln und Suchen hat sich gelohnt!

 

Beispielsweise in Ps 73 ringt der Schreiber Asaf mit Gott über die Frage, warum es den Gottlosen scheinbar besser geht, als den Menschen, die ihm vertrauen. Er zweifelt seinen Glauben bis auf die Grundfesten an. Aber er kommt dann im letzen Vers zu dem Schluss: Ps 73,28

Ich aber setze mein Vertrauen auf dich, meinen Herrn;

dir nahe zu sein, ist mein ganzes Glück.

Ich will weitersagen, was du getan hast.

Das ist reifer Glaube, der aus dem Zweifel hervorgegangen ist.

 

 

Ich möchte euch zum Abschluss noch ein paar praktische Dinge mitgeben, die ihr tun könnt, wenn Zweifel in euch aufkommen:

 

Der Glaube wird wachsen – und somit der Zweifel schwinden – dadurch dass ich mich regelmäßig Glaubensdingen aussetze. Bibel lesen, Gebet, Gemeinschaft… sind unerlässlich um im Glauben dran zu bleiben.

Jetzt kann ein Zweifler sagen: Das ist ja wie eine Gehirnwäsche. Wenn ich jeden Sonntag höre, dass Gott mich liebt, muss ich es ja irgendwann glauben.

Ich würde es nicht als Gehirnwäsche formulieren, aber eines müssen wir schon festhalten:

Das womit ich meine Gedanken und meinen Geist füttere, das wird mein Leben prägen. Ob ich im Internet surfe, oder Zeit mit Gott im Gebet verbringe, ob ich die Zeitung oder die Bibel lese, ob ich vor dem Fernseher sitze, oder einen Gottesdienst besuche macht einen Unterschied. Natürlich darf ich als Christ auch fernsehen, Zeitung lesen und im Internet surfen, aber wenn das das einzige „Futter“ für meine Seele ist, dann darf ich mich nicht wundern, dass mein Glaube verkümmert und mein Leben, beispielsweise von der Werbung der ich ständig ausgesetzt bin, gesteuert wird. Und dass Werbung uns bewusst manipulieren will, in dem sie uns Bedürfnisse suggeriert, die wie noch gar nicht haben, ist ja kein Geheimnis.

 

Ein zweites hilfreiches Werkzeug in der Zeit des Zweifels ist, wenn ich mich auf das besinne, was Gott in meinem Leben und auch sonst schon getan hat.

 

Als Jesus am Kreuz hing betete er den Psalm 22.

2 Mein Gott, mein Gott,

warum hast du mich verlassen?

Doch dann heißt es:

4 Du bist doch der heilige Gott,

dem Israel Danklieder singt!

5 Auf dich verließen sich unsere Väter,

sie vertrauten dir, und du hast sie gerettet.

10 Ja, du hast mich aus dem Mutterschoß gezogen,

an der Mutterbrust hast du mich vertrauen gelehrt.

11 Seit dem ersten Atemzug

stehe ich unter deinem Schutz;

von Geburt an bist du mein Gott.

 

Und eine letzte Hilfestellung: Wenn Zweifel dich plagen, suche des Gespräch mit anderen Christen. Ich bin froh, dass wir eine Gemeindekultur haben, in der wir vor einander ehrlich auch zu unseren Schwächen stehen dürfen. Wir müssen einander nicht vorspielen, wie tolle Superchristen wir alle sind. Ehrlich über seine Sorgen, Probleme und eben auch über seine Zweifel zu sprechen ist ein erster ganz wichtiger Schritt um aus dem Zweifel heraus zu kommen und im Glauben wieder Halt zu bekommen.

 

 

Uns so quasi als Draufgabe möchte ich euch noch auf eine Aktion des ERF im Internet hinweisen. Unter http://www.jesus-experiment.de können Menschen, die Fragen und Zweifel an Gott haben, herausfinden, was es mit diesem Jesus auf sich hat.