Pfingsten 17 

 

Die Sprechstundenhilfe kommt ins überfüllte Wartezimmer: „Wo ist denn der Herr, der einen Verband wollte?“

„Der ist wieder gegangen, die Wunde war inzwischen verheilt!“

 

Beim Arzt sind wir es gewohnt zu warten. Die meisten lesen in eines der herumliegenden Zeitschriften, oder spielen mit dem Handy.

 

Klaus-André Eickhoff hat ein Lied über das Warten auf einen Auftritt am Abend geschrieben mit dem Titel „Wie kill ich die Zeit?“

Warten zu müssen kann unangenehm sein.

Ausschlaggebend ist nicht die Wartedauer, sondern meine Einstellung und „Erwartung“.

Wenn ich mich darauf einstellen kann, fällt das Warten leichter.

Bsp.: Arztbesuch.

Wenn aber der Autofahrer vor mir, bei der mittlerweile grünen Ampel nicht losfährt, werde ich ungeduldig.

 

 

Eines der letzten Anweisungen, die Jesus seinen Jüngern gab war: Wartet!

Apg 1,4: Bleibt in Jerusalem und wartet auf den Geist, den mein Vater versprochen hat.

 

Der Heilige Geist ist dann auf die Jünger gekommen. Dieses Ereignis feiern wir heute. Diese Verheißung des Vaters, dass Alle, Junge und Alte, Männer und Frauen, Juden und Nichtjuden, diesen neuen, lebendigen Geist von Gott bekommen. Alle, die auf Jesus vertrauen.

 

Zuvor war der HG ja sehr exklusiv. Nur Könige, der Hohepriester und Propheten erhielten ihn normalerweise. Oder es waren Menschen, die den Heiligen Geist zur Erfüllung einer besonderen Aufgabe erhielten, wie beispielsweise die Richter im AT.

Aber seit Pfingsten, steht dieses Geschenk des Vaters allen offen, die an Jesus glauben und ihm nachfolgen.

 

Das Einzige worauf wir noch warten, ist die Wiederkunft des Herrn Jesus.

 

Und doch bin ich davon überzeugt, dass diese Aufforderung Jesu, auf den HG zu warten, nicht nur den Jüngern damals galt, sondern auch uns heute.

 

Wenn wir auf die Kirchengeschichte schauen, also auf die Zeit nach Pfingsten, dann sehen wir, dass es immer wieder Zeit gab, in denen Menschen sich nach dem besonderen Wirken des HG ausgestreckt haben und seine Nähe und sein Handeln in besonderer Weise suchten.

 

Der HG erfüllt ja eine Reihe von Aufgaben, wenn wer im Herzen eines Menschen Platz nimmt:

Er gibt uns Gewissheit, dass wir zu Kinder Gottes gemacht wurden.

Er hilft uns im Gebet

Er lässt gute Frucht bei uns wachsen und macht uns Jesus ähnlicher.

Er hilft uns dabei, die Bibel zu verstehen.

Er gibt uns Gaben.

Er ist unser Anwalt, Tröster und Helfer…

 

All das, aber noch viel mehr kann und will der HG in unserem Leben tun.

 

 

Vor etwas mehr als 100 Jahren entstand eine Bewegung innerhalb der Christenheit. Eine Bewegung von Menschen, die das Wirken Gottes unmittelbarer erleben wollten. Die Kirchen waren etabliert und „funktionieren“, sie hatten ihren Platz und ihre Aufgabe in der Gesellschaft, so wie wir das auch heute kennen. Sie taten das „menschenmögliche“ im Namen Gottes. Es gab große Theologen, missionarischen Eifer, hohe moralische Werte und viele gaben ihr Bestes um ihre Mitmenschen zu lieben. Das war alles auf den ersten Blick gut, aber bei genauerem Hinsehen war das etwas Anderes, als das, was Jesus ins Leben gerufen hatte.

 

Die Menschen dieser neuen Bewegung wollten Gott so erleben, wie sie es in der Bibel lasen. Sie streckten sich nach dem aus, was sie selber nicht machen konnten, nach Zeichen und Wundern und dem übernatürlichen Wirken Gottes. Sie machten dabei allerdings einen Fehler: Sie gingen davon aus, dass Gott ihre Gebete erhören würde, wenn sie selber „heilig genug“ sein würden. Deshalb versuchten sie möglichst sündlos zu leben und übertrafen einander in geistlichen Übungen. Eine „Bedingung“ für die „Geistestaufe“ sahen sie in der absoluten Hingabe des Willens an Gott. (R.A. Torrey: „Der Heilige Geist“, Herold, Asslar 1988, S.135)

 

Das Problem, dass sich daraus ergab, und das bis heute eine Herausforderung für den Umgang mit geistlichen Erfahrungen darstellt ist, dass Menschen, die ein übernatürliches Wirken des Geistes erleben meinen, in allen Belangen im Willen Gottes zu sein. Meist meinen diese Menschen, dass alles, was sie „hören“, direkt vom HG stammt.

Leider ist aber genau das nicht der Fall.

So mischte sich leider bei dieser „neuen“ Bewegung (Pfingstbewegung) allzu menschliches unter die „Offenbarungen“. Dadurch wurde vieles, was der HG an Gutem schenkte wieder zunichte gemacht.

 

Aber nur, weil Menschen in der Geschichte Fehler gemacht haben, heißt das nicht, dass alles schlecht war. Ganz im Gegenteil. Wir können heute viel für uns und für unser Leben daraus lernen.

 

Der Wunsch das heute (wieder) zu erleben, was die Apostel vor 2000 Jahren erlebt haben, ist sehr gut. Jede Generation ist dazu aufgefordert, sich zu hinterfragen, inwieweit unser Glaubens- und Gemeindeleben zur Routine geworden ist, und wir uns wieder am neutestamentlichen Vorbild orientieren müssen. Wir können dabei aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Wir müssen sie nicht wiederholen.

 

Und da kommt auch das Warten wieder ins Spiel.

Wartet auf den Geist, den mein Vater versprochen hat.

Auch wir müssen lernen, auf das zu warten, was der HG tun will.

Und ich bin überzeugt: Der HG will vieles unter uns tun. Aber eben zu seiner Zeit. Gott ist ein Meister des Timings.

 

Der HG ist Gott in uns. Er ist die „Schnittstelle“ zwischen dem Vater, auch zwischen Jesus und uns. (Wie eine SIM Karte im Handy.) Wenn Gott zu uns redet, dann tut er das durch den HG. Wenn wir zu Jesus beten, dann tun wir das durch den HG. Das bedeutet, dass wenn wir Jesus näher kennen lernen wollen und ihm ähnlicher werden wollen, dann brauchen wir den HG dazu.

 

Warum sollen wir dann warten auf den HG, wenn er bei uns Christen ohnehin da ist?

Das ist richtig, dass er da ist, zu 100%, in jeder von neuem geborenen Christen. Aber wir erleben ihn einmal mehr, einmal weniger.

Beim Alphakurs bringe ich gerne das Beispiel von einem Gas Durchlauferhitzer. Ein Pilotflämmchen brennt immer. Aber erst, wenn das durchlaufende Wasser erhitzt werden soll, dann strömt mehr Gas in den Brennraum und entzündet sich.

 

Wenn ich auf den HG warte, dann meine ich damit, dass ich darauf warte, dass er mich so richtig „in Brand“ setzt. Dass ich „begeistert“ werde, im wahrsten Sinne des Wortes.

Auf unserer Welt gibt es viele Menschen, die sich bemühen ihr Bestes zu geben. Solche Menschen finden wir überall, nicht nur in christlichen Kirchen. Das ist gut. Mir ist ein Moslem, der versucht Gutes zu tun wesentlich lieber, als einer, der glaubt sich im Namen Allahs in die Luft sprengen zu müssen um möglichst viele „Ungläubige“ mit in den Tod zu nehmen.

 

Aber wir als Christen haben die Chance, nicht nur menschlich zu versuchen Gutes zu tun. Ich bin davon überzeugt, dass geisterfüllte Menschen das Potential haben, diese Welt buchstäblich auf den Kopf zu stellen. Die Christen der ersten Generation haben das bewiesen. Und auch später gab es immer wieder geistgeführte Aufbrüche, die das Leben der Beteiligten nachhaltig verändert haben.

 

Ihr kennt sicher die Geschichte in Apg 3, als Petrus und Joh einen Gelähmten, der am Eingang des Tempels saß und bettelte, heilten. Und dass die beiden Apostel daraufhin eingesperrt und verhört wurden.

 

Apg 4,23 Sobald sie wieder frei waren, suchten Petrus und Johannes die anderen Gläubigen und erzählten ihnen, was die obersten Priester und Ältesten gesagt hatten.

24 Als sie es hörten, erhoben alle gemeinsam ihre Stimme und beteten: »Allmächtiger Herr, Schöpfer des Himmels, der Erde und des Meeres und von allem, was darin lebt …

…29 Und nun höre ihre Drohung, Herr, und gib deinen Dienern Mut, wenn sie weiterhin die gute Botschaft verkünden.

30 Sende deine heilende Kraft, damit im Namen deines heiligen Knechtes Jesus Zeichen und Wunder geschehen.«

31 Nach diesem Gebet bebte das Gebäude, in dem sie sich versammelt hatten, und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt. Und sie predigten mutig und unerschrocken die Botschaft Gottes.

 

So können nur Menschen beten, die etwas von dieser unendlich kraftvollen, heilsamen und liebevollen Macht Gottes mitbekommen haben. Menschen, die auf den HG gewartet haben und dann bereit waren, sich von ihm führen und gebrauchen zu lassen.

 

Meine Frage und gleichzeitig meine Herausforderung an dich heute: Willst du auch von diesem Feuer des HG angesteckt werden?

Willst du ein „braver“ Christ sein, der sein Möglichstes gibt um gut zu sein, oder willst du mehr?

Willst du weiterhin alles unter Kontrolle haben, oder bist du bereit, dich Gott ganz auszuliefern, sodass er dich als sein Werkzeug gebrauche kann wo ER will?

 

Dann bleib „in Jerusalem“, im hörenden Gebet, in einer empfangenden Haltung, so lange, bis er dir das gibt, was er für dich bereithält.

Wenn du etwas von Gott durch den HG empfängst, dann nimm es dankbar aus seiner Hand an.

Ich kann nicht sagen, wie lange die Wartezeit ist, aber ich kann dir versichern, dass Gott für jeden Einzelnen Geschenke hat, die er dir gerne geben will.

Wenn du beim Arzt warten musst, dann nimmst du es deshalb im Kauf, weil du weißt, dass du an die Reihe kommst und dir der Arzt helfen wird.

Auch wenn wir auf den HG warten, dann mit der Gewissheit im Herzen, dass wir Gutes vom Vater empfangen werden. Deshalb zahlt sich das Warten und das Dranbleiben auf jeden Fall aus.

 

Wir werden jetzt noch eine Zeit des Lobpreises haben. Nutz diese Zeit und komm mit einem erwartenden Herzen zum Herrn!