Ein Tourist betrachtet die Fassade vom Kölner Dom.

Er fragt einen Kölner: „Bitte, was sind denn das für Figuren, die da oben stehen?“

Der Kölner: „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Aber wenn sie sich um zwölf bewegen, dann sind es Maurer.“

 

Vor allem früher gab es viele Häuser mit schönen Fassaden, manchmal sogar prächtigen „Scheinfassaden“, aber dahinter war es dann meist nicht so schön.

Daher kommt die Redewendung, dass alles nur Fassade ist, wenn jemand versucht mehr darzustellen, als er tatsächlich ist.

 

Gerade unter Christen gab und gibt es leider immer noch viele „Fassadenbauer“. Vermutlich, weil Jesus für seine Nachfolger die Latte sehr hoch legt, was moralische Werte angeht. Deshalb versuchen immer wieder Christen frömmer auszusehen, als sie tatsächlich sind. Sie bauen christliche Fassaden auf, die zeigen sollen, wie geistlich, wie hingegeben, oder auch wie bibelkundig sie sind. Aber wenn man ein bisschen hinter die Kulissen blicken kann, merkt man, dass viel weniger dahinter steckt, als es auf den ersten Blick scheint.

 

Dieses Phänomen ist nicht neu. Ich würde sogar sagen, dass es in allen Religionen weit verbreitet ist.

Auch Jesus sagte zu seinen strenggläubigen Zeitgenossen: Mt 23,27f:

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer! Ihr Heuchler! Ihr seid wie die weiß getünchten Grabstätten: Von außen erscheinen sie schön, aber innen ist alles voll stinkender Verwesung.

Genauso ist es bei euch: Ihr steht vor den Leuten als solche da, die Gottes Willen tun, aber in Wirklichkeit seid ihr voller Auflehnung und Heuchelei.

 

Und seine Jünger warnte Jesus: Mt 5,20: Wenn ihr den Willen Gottes nicht besser erfüllt als die Schriftgelehrten und Pharisäer, kommt ihr ganz sicher nicht in Gottes himmlisches Reich.

 

Wenn man diese Aussagen für sich alleine liest, könnte man sagen: Mhm. Also das Mosaische Gesetz war für die Juden offensichtlich eine so große Hürde, an der selbst die frommsten gescheitert sind. Und jetzt fordert Jesus noch mehr?

Aber das was Jesus von seinen Jüngern fordert, ist nicht, dass sie sich noch mehr anstrengen, er fordert nicht noch mehr Gesetze, oder noch strengere Auslegung, sondern er will uns immer wieder vor Augen führen, dass wir ohnehin auf verlorenem Posten stehen, wenn wir versuchen aus eigener Kraft vor Gott gerecht zu werden.

Der Weg, den Jesus für uns vorgesehen hat, hießt nicht mehr anstrengen, sondern: Vertrauen. Wir müssen ihm vertrauen, dass er alles schon getan hat was notwendig ist, um vor Gott gerecht zu sein.

 

Wir brauchen uns keine Fassade aufzubauen um heilig genug auszusehen. Nicht vor Gott, der uns sowieso bis in die tiefsten Tiefen unseres Herzens kennt und uns trotzdem liebt. Aber wir brauchen auch vor einander keine Fassaden zu zeigen. Weil Gott mich annimmt, so wie ich bin, deshalb kann ich auch dich so annehmen, so wie du bist. Mit allen deinen guten Seiten, aber auch mit deinen Fehlern, Eigenheiten und Macken. Das ist das unglaublich schöne und befreiende am Leben in der christlichen Gemeinschaft.

Das heißt zwar nicht, dass wir unsere Schattenseiten besonders heraushängen lassen sollen. Natürlich will Jesus unsere Ecken und Kanten abschleifen und uns verändern. Geistliches Wachstum hat viel mit Charakterbildung zu tun. Aber wir brauchen unsere Defizite vor einander nicht verstecken. Wir dürfen und sollen vor einander ehrlich werden. Meist ist erst dann erst Veränderung möglich, wenn wir diese negativen Dinge, die jeder von uns mit sich herumschleppt, ans Licht bringen und ganz ehrlich dazu stehen.

 

Ich habe letzte Woche mit einer neuen Predigtserie begonnen, über die Werte, die uns als Gemeinde wichtig sind. Und ich tue dies im Glauben, dass das Upgrade das Jesus uns in dieser Zeit jetzt verheißen hat, mit diesen Werten zu tun hat.

Letzte Woche ging es um Dankbarkeit, unser Upgrade bedeutet, dass wir dankbarer werden und dass sich das positiv auf alle Menschen auswirkt, mit denen wir zu tun haben.

 

Heute möchte ich über Echtheit reden. Wir haben diesen Wert ja sogar in unserem Slogan verankert: „Echt Ganz Sein“

Wir haben in unserem Identitätspapier festgehalten, dass wir uns von Gott verändern lassen, damit wir echt und heil werden. Wir haben nicht geschrieben, dass wir perfekt, oder fehlerfrei werden wollen. Das wäre utopisch und auch nicht das, was Jesus von uns will.

Unser Ziel ist es, echt und heil zu werden.

 

Diese Begriffspaarung ist nicht zufällig gewählt. Um Heil werden zu können, müssen wir zuvor Jesus erlauben, dass er seinen Finger in unsere Wunden legt.

Eines der berührendsten Geschichten im NT finden wir in Joh 8, als eine Ehebrecherin, gerade auf frischer Tat ertappt- zu Jesus geführt wurde. Das Gesetz schrieb vor, dass in diesem Fall beide! gesteinigt werden sollten. Ihr kennt das „Urteil“ Jesu, dass der den ersten Stein werfen solle, der ohne Sünde ist.

Demnach wäre er selbst dran gewesen, den ersten Stein zu werfen. Das tat er aber nicht. Stattdessen ignorierte er die Ankläger, hockte sich hin und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Wäre interessant zu wissen, was er da schrieb. Das ist leider in der Bibel nicht überliefert.

Aber vielleicht ist es ein Hinweis auf 2. Mo 31,18, wo berichtet wird, dass Gott die 10 Gebote mit seinem Finger auf die Gesetzestafeln schrieb.

Jesus sagte später zu seinen Jüngern: Joh 13,34 Ich gebe euch jetzt ein neues Gebot: Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben.

 

Dieses „gelassen bleiben und nicht miteinstimmen in das Verurteilen der Ehebrecherin“ führte dazu, dass die Ankläger nach und nach verstummten. Geballte Fäuste wurden geöffnet. Bereits in die Hand genommene Steine wieder fallen gelassen. Einer nach dem Anderen ging davon, die Ältesten zuerst, wie es in dem Text heißt. Joh 8, 9ff

Schließlich war Jesus allein mit der Frau, die noch immer an der gleichen Stelle in der Mitte stand.

Da richtete Jesus sich wieder auf und sagte zu ihr: »Wo sind sie? Hat dich keiner von ihnen verurteilt?«

»Niemand, Herr«, antwortete sie. »Dann verurteile ich dich auch nicht«, erklärte Jesus. »Geh und sündige nicht mehr.«

 

Wie gesagt: Jesus hätte das Recht gehabt, sie zu verurteilen. Er tat es aber nicht. Aber er gab ihr auch den Auftrag, ihr Leben zu ändern: „Sündige nicht mehr!“

Die Frau konnte ihre Sünde nicht verleugnen und daher auch nicht verstecken. Ihre Taten waren schonungslos ans Licht gekommen. Sie stand ungeschminkt und ungeschönt vor Jesus. Man kann sagen: Sie war absolut echt. Aber gerade das eröffnete die Möglichkeit, dass Jesus ihr nicht nur vergeben konnte, sondern dass sich eine neue Perspektive für ihr Leben auftat. Dieses „Sündige nicht mehr“ aus dem Mund von Jesus bedeutete für diese Frau nicht noch ein weiteres Gesetz, dass sie von nun an befolgen musste. Es war für sie der Zuspruch eines echten Neuanfangs. Für sie war es mit Jesu Hilfe ab jetzt möglich nicht mehr die Ehe zu brechen.

 

1.Joh 1,9 Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, dann erweist sich Gott als treu und gerecht: Er wird unsere Sünden vergeben und uns von allem Bösen reinigen.

 

Und das interessante dabei ist: Dieses Prinzip gilt nicht nur für unsere Gottesbeziehung, es gilt in gleicher Weise auch für das Leben miteinander. Kennst du jemanden, der bei sich keinen Fehler eingestehen kann? Der immer recht haben muss? Das ist furchtbar. Ein absoluter Beziehungskiller.

Umgekehrt ist kaum etwas so friedenstiftend und Versöhnung bringend, wie eine ehrlich gemeinte Entschuldigung.

Wenn wir uns entschuldigen können, sind wir absolut echt. Dann fallen die letzten Fassaden ab. Dann können wir einander von Herz zu Herz begegnen.

Es ist schon interessant, dass das, wofür wir uns am meisten fürchten, dazu beiträgt, dass es wieder gut wird.

 

 

Ein Upgrade in Echtheit zu erhalten bedeutet des Weiteren auch: Ich darf mich selber so annehmen wie ich bin. Ich muss mich nicht ständig fragen, was die Anderen von mir denken und halten. Stattdessen wird mir wichtig, was Gott von mir hält.

Weißt du was? Gott hat dich einzigartig geschaffen!

Er selbst ist der Ursprung dieser Vielfalt. (Äußerlich, und charakterlich)

 

Das bedeutet, wir brauchen uns nicht zu vergleichen. Wir können aufhören mit neidischen/minderwertigen Blicken auf andere: Der/die kann gut singen, reden, beten, gut mit Kindern umgehen.

Jeder von uns ist Weltmeister auf dem Gebiet, wo Gott ihn hingestellt hat.

Du darfst so bleiben wie du bist, es ist sogar sehr gut so! Du hast einzigartige Stärken, keiner hat genau die gleichen Gaben wie du. Gott hat sich etwas Gutes dabei gedacht, als er dich so gemacht hat, wie er dich eben gemacht hat. Auch da gilt: Alles, was gut und vollkommen ist, kommt von dir Gott!

 

Wenn wir da jetzt gerade ein Upgrade erhalten, heißt das, dass Jesus durch dich noch sichtbarer wird. Dass das, was er an Guten in dich hineingelegt hat, vielen anderen hilft, dass sie Gott erkennen und ihm vertrauen. So wird die Prophezeiung aus Hab 2,14 immer mehr Realität: Die ganze Erde wird die Herrlichkeit des Herrn erkennen und davon erfüllt sein, so wie Wasser das ganze Meer füllt.

 

Dieses Echt sein bezieht sich auch darauf, dass wir unsere Gefühle zeigen dürfen. Natürlich ist die Art und die Intensität, wie ich meine Gefühle äußere kulturell bedingt. In Mittel- und Nordeuropa drückt man Gefühle grundsätzlich nicht so stark als, als beispielsweise im Orient. Aber gerade in Österreich und ganz besonders im Mühlviertel werden vor allem die Männer zu Gefühls-Legasthenikern erzogen. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass uns sehr lange eingeredet wurde, dass Gefühle etwas für Schwächlinge sind. Und dass man Gefühlen sowieso nicht trauen kann.

Mir persönlich geht es oft so, dass ich mich selbst ganz schwer wahrnehmen kann. Ich bin immer noch in einem Prozess zu lernen, auf mein Inneres- und dazu gehören nun einmal meine Gefühle, zu achten. Das heißt nicht, dass ich mich nur noch von meinen Gefühlen leiten lassen möchte, aber zu versuchen, meine Gefühle auszublenden, führt nicht dazu echt zu werden. Ganz im Gegenteil.

Es ist nämlich so, dass unterdrückte Gefühle sich einen anderen, oft destruktiven Weg an die Oberfläche bahnen.

 

Es gibt leider immer wieder die Auffassung, dass man als Christ Wut, Angst, Ärger, Trauer, Kummer, Enttäuschung… nicht zeigen darf. Entweder wird einem zu wenig Glaube unterstellt, oder diese Gefühlsäußerungen passen nicht in das christliche Verhaltensbild.

Die Frage ist: was ist „christliches“ Verhalten? Wenn ich das genau nehmen bedeutet christliches Verhalten, dass ich mich so verhalte, wie Christus!

Jesus konnte absolut wütend sein und diese Wut auch zeigen: Tempelreinigung.

Er weinte und war tief erschüttert, als er am Grab des Lazarus stand, obwohl er schon wusste, dass er ihn gleich auferwecken würde.

Er konnte sich überschwänglich freuen (Lk 10,21) aber kannte auch Todesängste und verbarg seinen Ärger über die Jünger nicht, wenn diese ihn enttäuschten.

All diese Gefühlsregungen sind „christlich“ im ureigensten Sinn des Wortes.

 

Natürlich kann man auch auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Wenn du unkontrollierte Wutausbrüche hast, dann ist es an der Zeit, dieses zerstörerische Verhalten genauer unter die Lupe zu nehmen. Vielleicht in einem Sozo mit Hilfe des HG nach der Wurzel dafür zu suchen und Heilung zu empfangen.

Aber grundsätzlich gilt: Gott hat dich mit deinen Gefühlen geschaffen. Steh dazu. Auch das ist ein Upgrade auf deinem Weg zur Echtheit.

 

Ein echtes Christsein ist ansteckend! Wenn Menschen sehen, dass du keine fromme Maske aufhast, sondern du deine Beziehung zu Jesus in ganz alltäglichen Situationen lebst, ist das sehr attraktiv. Menschen sind angezogen von anderen Menschen, die zu ihren Überzeugungen stehen und danach leben. So wird Echtheit sichtbar.

 

Jesus ist unser Vorbild für ein echtes (authentisches) Leben:

 

Er versuchte kein anderer zu sein (Hätte sich viel ersparen können)

Er hatte ein echtes Gefühlsleben. Freude, Weinen, Trauer, Zorn…

Er lebte bis zum Tod das was er glaubte.

Ein römischer Hauptmann (Heide), der bei seinem Tod dabei war sagte über Jesus: „Dieser Mensch war Gottes Sohn.“

 

Dieser Jesus lebt heute in dir!

Deshalb können wir uns von ihm verändern lassen, damit wir echt und heil werden.