Einstieg: Virtuelle Tour auf Herodes‘ Tempelberg
Die Geschichte, die ich heute mit euch genauer anschauen möchte, spielt hier.
Vorlesen: Joh. 2, 13 – 17
In drei Evangelien wird davon nach seinem Einzug in Jerusalem berichtet, nur bei Joh. Steht es gleich nach der Hochzeit zu Kanaa. Auf alle Fälle ist es die Zeit kurz vor dem Passahfest und sehr viele Menschen sind zu diesem Zweck in Jerusalem. Alle wollen durch das Schlachten eines Lammes oder anderen Tieres Vergebung für ihre Sünden, d. h. der Tempel ist voll mit Händlern und Tieren, denn die Menschen müssen die Opfertiere ja einkaufen.
Für mich stellt sich da schon die Frage, warum Jesus zornig wird. Die Leute tun lediglich das, was bis zu diesem Zeitpunkt vom Gesetz von ihnen gefordert wurde. Sie sind eigentlich gehorsam.
Und warum erst jetzt? Er war ja schon oft im Tempel und wusste, wie es zuging. Nein – Jesus macht immer nur das, was der Vater tut. Anscheinend war jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen – der Kairos – wo die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.
Interessant ist sein VORGEHEN:
Er macht sich eine Peitsche. Das dauert und er muss sich das benötigte Zeug besorgen. D. h. diese Aktion ist keine Affekthandlung! Sie ist geplant und wird mit einer beängstigenden Entschlossenheit und Zielorientiertheit durchgeführt. Einer allein gegen ich weiß nicht wie viele – und ihr habt den Tempelbezirk vorhin gesehen. Der war gefüllt mit Leuten, Tieren, Standeln, Treiben und Lärm. Und dann fängt er an! Das ist nicht: „Könntest du bitte den Tempelbezirk verlassen – du verhältst dich nicht richtig.“ und dann wird diese Person hinausbegleitet… Nein! Reden hilft da nicht! Da würde es nur sinnlose Diskussionen geben. Ganz gezielt fängt er an alles und jeden hinauszutreiben – zu peitschen. Bei der Größe der Anlage reichen sicher nicht drei Knaller, und dann ist alles vorbei. Der hat länger gebraucht – musste also auch eine gewisse Kondition haben…
Könnt ihr euch vorstellen, was da los war? Tische fallen krachend um, Münzen kullern und hüpfen und klingeln über den Boden. Über alle Brücken, Stiegen und Wege rennen die Tiere in Panik davon, muhen, blöken, schreien … Es ist, als ob von oben ein Fels ins Wasser fällt und nach allen Richtungen breitet sich die Welle aus. So drückt es quasi die Menschen und Tiere aus dem Tempelbezirk. Panik ist ansteckend und ergreift einen – es ist etwas Irrationales. Alle rennen nur noch davon und um ihr Leben! Manche, die weiter weg waren in den Vorhöfen oder Säulengängen, haben vielleicht gar nicht mitgekriegt, was genau geschehen ist – aber sie rennen zur Vorsicht auch davon – Kettenreaktion halt.
ZORN Jesus ist zornig: Wann wird Gott zornig?
Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins. „Wenn jetzt Jesus zornig war, war also auch der Vater zornig. WARUM?
Wenn man die Bibel liest gibt es immer denselben Grund: Die Leute erwarten sich von vielen Dingen und Göttern ihre Erfüllung und ihr Heil, nur nicht von Gott! Die Bibel nennt das Götzendienst.
Wenn die Menschen gegen das 1. Gebot verstoßen, wenn sie sich auf tote Dinge usw. mehr verlassen als auf Gott und es nicht mehr um Gott den Vater allein geht, dann wird er zornig. Aber auch nicht gleich, sondern erst nach einer langen Zeit, in der er durch Propheten zu den Menschen spricht und sie zur Umkehr bewegen will. Wenn das nichts hilft, greift er zu drastischeren Mitteln, z. B. dass andere Völker sie überfallen, viele getötet werden bzw. gefangen genommen werden. D. h. Nicht mit Gott zu gehen, ihm nicht folgen, ist gleichbedeutend mit Gefangenschaft und auch mit Tod. Keine schönen Aussichten.
In diesem Fall richtet sich Jesu Zorn gegen die Händler. Wahrscheinlich haben sie Wucherpreise verlangt um zu den Feiertagen die Leute so richtig abzocken zu können. Jesus wirft ihnen vor, aus dem Tempel eine Räuberhöhle gemacht zu haben. Räuber nehmen die Leute aus – sie bringen sie um ihr Letztes.
Die Händler haben also das Gesetz Gottes als Vorwand genommen, um sich selbst zu bereichern. D. h. der Mammon hat durch diese Einstellung im Tempel Einzug gehalten! Jesus sagt selbst, dass man nicht Gott und dem Mammon gleichzeitig dienen kann.
Also muss einer gehen – und das ist sicher nicht Gott, der in diesem Haus wohnt!!!
Gleichzeitig geben sich die Käufer aber auch zufrieden damit, schnell ein Opfer zu bringen und dann wieder in ihr gewohntes Leben zurück zu kehren. Anstatt Anbetung, Lob, Reden mit Gott, Selbsterkenntnis und echter Umkehr gibt es Lärm, Feilschen und Getöse. Und: sie bleiben weiter Gefangene ihrer Sünden!
Das Interessante dabei ist jedoch, dass die Priester, die Kraft ihres Amtes einschreiten hätten können, es nicht getan haben und dieses Treiben zugelassen haben. Sie haben zugelassen, dass die Leute ausgenommen werden. Beim Passahfest erinnern die Juden sich ja daran, dass das Blut eines Lammes sie vor dem Tod bewahrt hat, bevor sie aus Ägypten fliehen konnten. Das ist die zentrale Botschaft dieses Festes! Aber so wie es hier ausschaut, haben die Priester es zugelassen, dass daraus eine religiöse Übung wird, die auch noch viel Geld kostet!
Merkt ihr den Unterschied? Gottes guter Plan wird pervertiert und die, die es wissen müssten, helfen auch noch dabei!
Durch sein Handeln steigt Jesus den Hohepriestern also gewaltig auf den Schlips und entlarvt sie als Heuchler!

VOLLMACHT UND AUTORITÄT
Es dauert gar nicht lange, dass die Priester ihn zur Rede stellen. Sie wollen wissen mit welchem Recht er die Händler verjagt hat. Es ist die Frage nach Jesu Vollmacht und Autorität. Doch diese Frage ist eigentlich rein rhetorisch. Denn dass Jesus mit Vollmacht und Autorität gehandelt hat, war ja augenscheinlich!
Dazu müssen wir uns anschauen, was vor der Tempelreinigung geschehen ist.
Da ist Jesus auf dem Esel in Jerusalem eingezogen und die Leute haben ihn geehrt und gefeiert! Sie rufen ihm Hosianna zu, was ursprünglich ein „Hilferuf“ war: nämlich „Hilf mir, König!“ Gleichzeitig aber hatten die Leute Gewissheit, dass sie Hilfe von Jesus bekommen würden – deshalb war es auch ein „Heilruf“.
Gleichzeitig sangen sie und lobten ihn auch wegen der Taten, die sie selbst gesehen hatten, und bezeichneten ihn als den, der da kommt im Namen des Herrn, also als Messias.
Die Pharisäer forderten ihn daraufhin auf, das den Leuten zu verbieten. Doch er sagte: „Wenn diese schweigen, dann werden die Steine schreien.“
Nach seinem Einzug in Jerusalem am Nachmittag, ging Jesus in den Tempel, schaute sich alles an und übernachtete dann aber in Bethanien. Erst am nächsten Tag erfolgte die Tempelreinigung und er selbst bestätigte bewusst damit seine Position als Messias.
Er kam zu Hilfe, aber diesmal als strafender Richter und nicht als heilender Arzt!!! Er liebt sein Volk, sagt aber durch diese Tat: „So geht das nicht!“
Er wird zum Angreifer, der Entscheidungen herausfordert und sich mit Eifer für das Haus seines Vaters einsetzt. Der Tempel war nach Gottes Anweisungen gebaut worden und Gott wohnte wirklich dort. Trotzdem kannten die Juden Gott nicht. Durch diese Tat der Tempelreinigung als gezielten Akt provoziert er eine Reaktion. Das Interessante ist ja, dass es keiner wagt, einzuschreiten und ihn aufzuhalten. Wahrscheinlich wissen sie es im tiefsten Inneren ganz genau, dass es im Tempel schon längst nicht mehr um Gott geht, sondern nur noch um den Menschen und seine Belange.
Erst nachher kommen sie und verlangen eine Antwort und ein Zeichen. Deshalb ist die Frage der Pharisäer, mit welchem Recht und aus welcher Vollmacht heraus er die Händler verjagt hat, eigentlich eine Frechheit, denn sie hätten zumindest am Schluss erkennen müssen, wer er ist. Alles, was sich ereignet hat, wird genauso von den Propheten vorhergesagt – und die Pharisäer kannten die Schriften auswendig! Sie haben bewusst weggeschaut und weggehört, so wie ein kleines Kind, das genau weiß, was die Eltern von ihm wollen und trotzdem so tut, als hätte niemand etwas gesagt.
Wer hat Jesus die Vollmacht ausgestellt? – Volxbibel vorlesen.
DER NEUE TEMPEL
Was Jesus in diesem Text angekündigt hat, ist tatsächlich geschehen. Der Tempel als Gebäude wurde von den Römern zerstört und trotzdem gibt es wieder einen Tempel! Jesus sagt von sich, dass er der neue Tempel ist – und weil er durch seinen Geist in uns lebt, sind wir, und somit die Gemeinde, der Tempel Gottes!
So wie der Herr im Tempel in Jerusalem im Allerheiligsten wohnte, wohnt er jetzt in jedem von uns und in der Gemeinde. Nun ist jeder von uns und die Gemeinde an sich jener Ort, wo man Gott antrifft, wo man ihm begegnen kann. Nur dass man keine Opfertiere mehr erwerben muss zur Sündenvergebung.
Paulus schreibt dazu in Eph. 2, 20 – 22:

Aber auch hier gilt: Mein Herz muss bereit sein und sich für Jesus öffnen, um Gottes Gegenwart zu erleben. Bloße Pflichterfüllung, z. B. Absitzen des Godis, oder Bibel lesen, ohne Jesus wirklich kennen lernen zu wollen, bringt gar nichts. Dann ist es so wie im Jerusalemer Tempel, Gott wird in seinem eigenen Haus ignoriert.
Und da gibt es auch ein festes Wort von Paulus im 1.Korintherbrief 3, 16 + 17:
Für mich bedeutet das, dass Jesus jetzt auch noch als Richter zur Tempelreinigung in der Gemeinde oder bei jedem von uns erscheint!
Gott ist eifersüchtig und wenn er merkt, dass wir mit Dingen liebäugeln, die uns wichtiger werden als er und wir Warnungen in den Wind schlagen, dann wird Gericht kommen. Denn Jesus weiß immer Bescheid, wie ein Mensch innerlich so drauf ist.
Vielleicht hast du selbst auch noch irgendwelche Händler in deinem Herz sitzen, die dir einreden, dass du für ein glückliches und erfülltes Leben halt viel arbeiten musst. Oder dass du dafür gewisse Statussymbole brauchst, ohne die du sonst niemand bist. Oder dass du immer alles für andere geben musst, um Liebe zu bekommen, oder dass du meinst, du hältst es nicht aus, wenn du nicht zweimal im Jahr fortfliegen kannst, usw. Also alles, was dir „Heil“ und „Wohlergehen“ anbietet und Gott außen vor lässt!
Lass ihn diese „Händler“ aus deinem Herz vertreiben bzw. schick sie selbst weg! Und lass ihn dann den ersten Platz in deinem Leben einnehmen!
Jesus aber will immer das Leben für uns! Götzen können uns nicht helfen, denn sie sind tot. Sie verführen uns aber zu einem Leben ohne den Herrn – und das bringt uns dann letzten Endes auch den Tod.
Also ist Gericht und Reinigung besser, weil sie zum wahren Leben in Fülle führen! D. h., dass nicht alles, was wir Anstrengendes und Unerfreuliches erleben, unbedingt ein Angriff des Feindes Gottes auf uns ist. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass es sich um eine persönliche oder auch gemeindliche Tempelreinigung handelt!
Da kann es sein, dass man sich dann leer fühlt und dass ungewohnte Stille herrscht, wo sonst innere und vielleicht sogar äußere Betriebsamkeit waren. In dieser Ruhe kannst du dann Gott begegnen und er spricht mit dir. Viele, die so etwas durch machten, erzählten, dass sie Gott noch nie so nah erlebt hatten, wie in dieser schweren Zeit. Man kann also sagen, dass die gute Frucht aus so einer Prozedur neue Intimität mit Gott ist und er den richtigen Platz als Herr und Erlöser im persönlichen Leben, in der Gemeinde, in der Welt einnimmt.
Das mit der Welt dauert noch, aber dass Gerichtszeit über der Welt ist, ist offensichtlich. Gott bereitet sein Kommen vor und will die Menschen zur Umkehr zu ihm bewegen. So wie Jesus nicht mehr geredet, sondern gehandelt hat, erleben wir es nun auch. Ein Ereignis jagt das nächste und die Menschen sind herausgefordert auch zu handeln.
Eine Nachrichtenmeldung diesbezüglich hat mich sehr bewegt:
Hochwasser in Bosnien; die Ethnien, die sich bekämpft haben und so misstrauisch gegeneinander bis vor einigen Wochen waren, haben begonnen, einander zu helfen. Egal welche Religion, welches Volk…

So wie Jesus in Jerusalem zum Ziel gekommen ist, kommt er auch in dieser Zeit an sein Ziel mit uns.

Vertraust du diesem knallharten und in diesem Fall kompromisslosen Jesus?
Seine Entschlossenheit und wie er seinen Weg in vollem Bewusstsein dessen, was noch kommen wird, weiter geht, um uns aus der Gefangenschaft der Sünde zu befreien, begeistert und bewegt mich und nimmt mich für ihn ein. AMEN! Danke Herr!