Ein alter Jude läuft schwerbepackt über einen Bahnhof in einer Kleinstadt und fragt nach längerem Zögern einen seiner Mitreisenden:
„Was halten Sie eigentlich von Juden?“
Darauf erwidert der Mann : “ Ich bin ein großer Bewunderer des jüdischen Volkes.“
Der alte Jude geht weiter und fragt den nächsten die selbe Frage.
Dieser erwidert:“ Ich bin fasziniert von den Leistungen jüdischer Mitmenschen in der Kultur und der Wissenschaft.“
Der Jude bedankt sich für diese Antwort und geht zu einem weiteren Mann.
Dieser erwidert auf die Frage: “ Ich mag Juden nicht besonders und bin froh,
wenn ich nichts mit ihnen zu tun habe.“
Darauf der alte Jude:“ Sie sind ein ehrlicher Mann, könnten Sie bitte mal auf mein Gepäck aufpassen, ich muss in die Toilette“.

Die Geschichte des jüdischen Volks ist eine lange.
Und vor allem im AT taucht ein immer wieder kehrendes Muster auf:
Verheißung und Segen Gottes, Wohlstand, Abkehr von Gott, Probleme, in der Not erinnerten sie sich wieder an Gott und kehrten zu ihm zurück. Schließlich beginnt die ganze Geschichte von vorne…
2.Chr 36
20 Den Rest der Bewohner, die den Kampf überlebt hatten, ließ Nebukadnezzar nach Babylonien wegführen. Dort mussten sie ihm und auch noch seinen Nachkommen als Sklaven dienen, bis die Perser an die Herrschaft kamen.
21 Damit ging in Erfüllung, was der HERR durch den Propheten Jeremia vorausgesagt hatte: »Das Land soll siebzig Jahre lang brachliegen, bis alle Sabbatjahre nachgeholt sind, die Israel nicht eingehalten hat.«

Aber dann passiert etwas, großartiges: Gott selber greift in die Weltgeschichte ein:
22 Im ersten Regierungsjahr des Perserkönigs Kyrus ging in Erfüllung, was der HERR durch den Propheten Jeremia angekündigt hatte. Der HERR gab dem Perserkönig den Gedanken ein, in seinem ganzen Reich ausrufen und auch schriftlich bekanntmachen zu lassen:
23 »Kyrus, der König von Persien, gibt bekannt: Der HERR, der Gott des Himmels, hat alle Königreiche der Erde in meine Gewalt gegeben. Er hat mich beauftragt, ihm in Jerusalem in Judäa einen Tempel zu bauen. Hiermit ordne ich an: Wer von meinen Untertanen zum Volk dieses Gottes gehört, möge im Schutz seines Gottes zurückkehren.«

Bereits 49 Jahre nach dem endgültigen Exil schenkt Gott wieder Gnade und fängt an, sein Volk wieder nach Hause zu bringen.
Aber auch die 70 Jahre bewahrheiten sich. Aber dazu später mehr.

Über diese Ereignisse lesen wir in den letzten beiden Geschichtsbücher im AT: Esra und Nehemia. (Neue Predigtserie)
Nun: Vielleicht denkst du: Was hat das mit uns heute zu tun? Viel mehr als es auf den ersten Blick vielleicht den Anschein hat.
Im Buch Esra geht es vorrangig um den Wideraufbau des Tempels in Jerusalem. Im Herzen des „Heiligen Landes“ liegt die Stadt Jerusalem. Das das Zentrum Jerusalems ist war der Tempel des lebendigen Gottes.
Der erste Tempel wurde von Salomon gebaut und von Nebukadnezzar 587 v.Chr. zerstört.
Der zweite Tempel wurde am Ende der „babylonischen Gefangenschaft“ gebaut, aber auch er wurde zerstört: Um 70 n.Chr. von den Römern.
Jesus sagte das bereits voraus:
Mt 24,1-2
… Da kamen seine Jünger zu ihm und wiesen ihn auf die Prachtbauten der Tempelanlage hin.
Aber Jesus sagte: »Ihr bewundert das alles? Ich sage euch, hier wird kein Stein auf dem andern bleiben. Alles wird bis auf den Grund zerstört werden.«

Joh 2,19
Jesus antwortete ihnen: »Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen!«
Wir wissen, dass Jesus mit dem Aufbau in drei Tagen nicht das Gebäude meinte, sondern er von seinem Tod und seiner Auferstehung sprach. Und davon, dass der neue Tempel nicht mehr aus Steinen besteht, sondern wir, die Gläubigen der Tempel sind, in denen Gott durch seinen HG heute wohnt. (1. Kor 3,16)

Wenn wir uns die Geschichte von Tempel Wiederaufbau heute genauer ansehen, dürfen wir darin mit Recht parallelen zum Aufbau des Reiches Gottes ganz allgemein und zum Gemeindeaufbau im Speziellen entdecken.

Das Buch Esra fängt genau so an, wie das Buch 2. Chr. Aufhört: Mit dem Erlass des Perserkönigs Kyros. (Kyrus; Kores). Der Erlass wird außerdem weiter konkretisiert: Esra 1,3-4
»Wer von meinen Untertanen zum Volk dieses Gottes gehört, möge im Schutz seines Gottes nach Jerusalem in Judäa zurückkehren und dort das Haus des HERRN, des Gottes Israels, bauen; denn er ist der Gott, der in Jerusalem wohnt.
Wer an irgendeinem Ort in meinem Reich vom Volk dieses Gottes übriggeblieben ist, soll dabei von seinen Nachbarn am Ort unterstützt werden. Sie sollen ihm Silber und Gold, Vieh und was er sonst noch braucht, sowie freiwillige Gaben für das Haus dieses Gottes in Jerusalem mitgeben.«

Interessant, wie Gott zu gewissen Zeiten immer wieder Gunst gibt um seine Pläne voran zu bringen.
Gunst beim Volk (Apg 2,47)
Unsere Anfänge in St. Martin. (Pfarrheim, Wöhrer…)

Ihr könnt euch vorstellen, dass es da eine tolle Aufbruchsstimmung und Freude unter den Judäern gab. (Ps 126: Wenn der Herr die Gefangenen befreien wird…)
Esra 2,1
Viele, deren Vorfahren aus der persischen Provinz Judäa stammten, verließen Babylonien und kehrten nach Jerusalem und Judäa zurück, jeder in seinen Heimatort.
Es waren etwa 50.000 Menschen, die zurück in ihre alte Heimat kamen.
Esra 2,68-69
Als die Heimkehrer beim Tempel des HERRN in Jerusalem ankamen, gaben einige der Sippenoberhäupter eine Spende für den Wiederaufbau des Tempels an der alten Stelle.
Sie gaben in die Baukasse, soviel sie geben konnten, insgesamt 61000 Goldmünzen, 5000 Pfund Silber und 100 Priestergewänder.

Apg 2,44-45
Alle, die zum Glauben gekommen waren, bildeten eine enge Gemeinschaft und taten ihren ganzen Besitz zusammen.
Von Fall zu Fall verkauften sie Grundstücke und Wertgegenstände und verteilten den Erlös unter die Bedürftigen in der Gemeinde.

In unserer Gründungszeit als Treffpunkt Leben waren es weniger finanzielle Bedürfnisse, die für uns ein Thema waren. Sehr wohl aber haben alle Beteiligten ihre Zeit und ihre Energie in den Bau der neuen Gemeinde gesteckt. Vor allem die Kinderarbeit war uns allen sehr wichtig und ich heute unser Jugendlichen der Gemeinde sehe, dann freue mich, dass sich das Engagement zu jener Zeit absolut ausgezahlt hat.
Das Wort, dass Gott einen fröhlichen Geber liebt bewahrheitet sich immer wieder. Nicht nur wenn es um das Thema Geld geht. Auch wenn es darum geht meine Zeit, meine Kraft, mein Engagement oder mein Knowhow zu investieren.

Und so war es dann auch nicht überraschend, dass sich auch die ersten „Erfolge“ eingestellt haben.
Bald schon wurde in Jerusalem ein Altar errichtet auf dem die vorgeschriebenen Opfer dargebracht wurden.
Esra 3,3-4
Obwohl die Nachbarvölker sie davon abschrecken wollten, errichteten sie den Altar an seiner alten Stelle und brachten jeden Morgen und Abend dem Herrn ihre Brandopfer.
Auch das Laubhüttenfest feierten sie genau nach der Ordnung des Gesetzes. An jedem der sieben Festtage opferten sie so viele Tiere als Brandopfer, wie für den jeweiligen Tag vorgeschrieben waren.

Eines klingt schon durch: Nicht alle Nachbarn waren glücklich darüber, dass die Israeliten wieder im Land- und entschlossen waren den Tempel wieder auf zu bauen. Schließlich waren die Feste der Juden nicht gerade leise:

Esra 3,10-13
10 Als die Bauleute das Fundament für den Tempel des HERRN gelegt hatten, kamen die Priester in ihrer Amtskleidung und mit ihren Trompeten, dazu von den Leviten die Nachkommen Asafs mit Becken, um den HERRN nach der Weisung Davids, des Königs von Israel, zu preisen.
11 Sie lobten und priesen Gott im Wechselgesang: »Der HERR ist gut zu uns; seine Liebe zu Israel hört niemals auf!« Die Priester und Leviten begannen, und das ganze Volk fiel ein mit lautem Jubel zur Ehre Gottes, weil das Fundament für das Haus des HERRN fertig war.
12 Viele von den Alten – Priester, Leviten und Sippenoberhäupter – hatten den ersten Tempel noch gekannt. Als sie nun sahen, dass das Fundament des neuen Tempels gelegt war, weinten sie laut. Andere aber schrien und jubelten vor Freude,
13 und ihr Jubelgeschrei übertönte das Weinen. Das Volk machte einen solchen Lärm, dass es weithin zu hören war.

Wie gesagt: Es gab auch zu jener Zeit Feinde der Judäer.
Die Samariter waren ein Mischvolk, das von einem früheren Assyrischen König im Land angesiedelt wurde.
Esra 4,2: Sie kamen zu Serubbabel und den Sippenoberhäuptern und schlugen ihnen vor: »Lasst uns gemeinsam bauen! Wir verehren doch denselben Gott wie ihr und bringen ihm unsere Opfer seit der Zeit des Assyrerkönigs Asarhaddon, der uns hier angesiedelt hat.«

Auf den ersten Blick: Super, wir können jede Hilfe gebrauchen!?
Aber die Leiter Israel entschieden sich anders:
Esra 4,3: Aber Serubbabel, Jeschua und die anderen Sippenoberhäupter Israels erwiderten: »Ihr habt kein Recht, zusammen mit uns unserem Gott ein Haus zu bauen! Wir allein dürfen dem HERRN, dem Gott Israels, den Tempel bauen. So hat es uns Kyrus, der König der Perser, befohlen.«

Warum? Waren die Samariter nicht gut genug?
Sie verehrten alle möglichen Götter, und so ganz nebenbei auch den Gott Israels. (1. Gebot!)
Dieser Punkt ist für uns als Gemeinde auch sehr wichtig: Natürlich sind alle Menschen willkommen. Aber aktiv am Bau des Reiches Gottes können nur die Menschen mit arbeiten, die ihr Leben Jesus anvertraut haben. Und das unterscheidet eine Gemeinde von alle menschlichen Bemühungen gutes zu tun, so lobenswert diese auch sein mögen.

Die Samariter wollten beim Bau mitmachen, aber vermutlich nur, um ihren Einfluss auf die „Neuankömmlinge“ geltend zu machen.
Nach dem „negativen Bescheid“ zeigten sie ihr wahres Gesicht:
Esra 4,4-5
4 Von da an unternahmen die Leute im Land alles, um die Heimgekehrten mutlos zu machen und vom Weiterbauen abzuschrecken.
5 Sie bestachen sogar königliche Beamte, deren Pläne zu vereiteln. Diese Politik verfolgten sie von der Zeit des Königs Kyrus bis in die Regierungszeit des Königs Darius hinein.
Das ging so weit, dass die Juden sogar mit Waffengewalt am Weiterbau des Tempels gehindert wurden und der Bau tatsächlich zum Erliegen kam.

Und auch das ist ein Punkt, der für uns nicht neu ist. Wo es Licht gibt, da gibt es auch Schatten.
Die ganze Kirchengeschichte ist voll von Begebenheiten, in denen Gott Aufbrüche und Siege schenkt, aber sich immer wieder Widerstand formiert. Wir brauchen uns nichts vorzumachen. Wir leben in einer gefallenen Welt. Der Herr dieser Welt kämpft gegen Gott und sein Volk. Und er wird nicht ruhen, bis zu dem Tag, an dem Jesus wieder kommt und ihn endgültig besiegt. Deshalb ist für uns die Wiederkunft Jesus kein Tag des Schreckens mehr, sondern ein Tag der Freude, den wir voller Hoffnung erwarten dürfen.

Aber wie gesagt: Bis dieser Tag da ist und Gott Gericht hält, wird der Feind Gottes uns versuchen anzugreifen und zu Fall zu bringen. So wohl uns in unserem persönlichen Glaubensleben, als auch uns als Gemeinde. Um gegen diese Angriffe Stand zu halten müssen wir möglichst nahe bei Jesus bleiben. Auch was unseren Gemeindeaufbau angeht.

Es ist schön, dass wir in der letzten Zeit gewachsen sind, aber das bedeutet auch, dass wir scheinbar ein „lohnenderes“ Ziel für Angriffe werden. Zumindest empfinden wir als GL das derzeit so. Das soll uns aber nicht davon abhalten, konsequent weiter zu gehen und unserem Auftrag treu zu bleiben.
Unser Auftrag ist es Licht für das obere Mühlviertel zu sein. Menschen, die dich sehen, sollen durch dein Leben Jesus durchscheinen sehen und so Vertrauen zu ihm fassen.

Wie gesagt: Der Bau des Tempels wurde von den Feinden Israels zunächst zum Erliegen gebracht.
Aber Gott hat den längeren Atem.
Esra 5,1-2
Damals traten Haggai … und Sacharja, … als Propheten auf. Sie ermutigten die Juden in Judäa und Jerusalem im Auftrag des Gottes Israels, …
Da nahmen Serubbabel, … und Jeschua, …, den Tempelbau wieder auf, und die Propheten Gottes standen ihnen zur Seite und unterstützten sie.

Der Prophet Haggai bringt es auf den Punkt: Hag 1,2-6
»So spricht der HERR, der Herrscher der Welt: ‚Dieses Volk behauptet, es sei noch zu früh, meinen Tempel* wieder aufzubauen.
4 Aber es ist offenbar nicht zu früh, dass sie selbst in prächtigen Häusern wohnen, während mein Haus noch in Trümmern liegt!
5 Achtet doch einmal darauf, wie es euch ergeht!
6 Ihr habt reichlich Samen ausgesät und doch nur eine kümmerliche Ernte eingebracht. Das Korn reicht nicht zum Sattwerden und der Wein nicht für einen ordentlichen Schluck. Ihr müsst frieren, weil ihr nicht genug anzuziehen habt. Und das Geld, das einer für seine Arbeit bekommt, zerrinnt ihm zwischen den Fingern.‘

Kennst du das, dass dir das Geld zwischen den Fingern zerrinnt, obwohl du hart arbeitest?
Vielleicht musst du die Prioritätenliste deines Lebens korrigieren?
Mt 6,33
Sorgt euch zuerst darum, dass ihr euch seiner Herrschaft unterstellt und tut, was er verlangt, dann wird er euch schon mit all dem anderen versorgen.

Als die Juden unter Serubbabel und Jeschua den Tempelbau wieder aufnahmen, ließ der neuerliche Widerstand nicht lange auf sich warten. Aber mit Gottes Hilfe und Weisheit gelang es den neuen König Darius für das Projekt zu gewinnen. So konnte der zweite Tempel doch noch, ziemlich genau 70 Jahre nach der Zerstörung fertig gestellt werden. Auch da hat sich die biblische Voraussage als richtig erwiesen.

Zur Einweihung des Tempels wurde ein riesiges Fest gefeiert.
Auch im Himmel gibt es ein Fest, wenn bildlich gesprochen Gott einen weiteren Tempel beziehen kann, also ein Mensch umkehrt und Jesus auf den Thron seines Herzens sitzen lässt.
Auch das Passahfest wurde wieder gefeiert. Und da habe ich eine sehr ermutigende Stelle gefunden:
Esra 6,21
Nicht nur die heimgekehrten Israeliten aßen das Passamahl, sondern auch alle, die sich von der unreinen Bevölkerung des Landes abgesondert und den Israeliten angeschlossen hatten, um mit ihnen zusammen den HERRN, den Gott Israels, zu verehren.

Also auch schon zur Zeit des AT stand für die Menschen, die ehrlich umkehrten und sich allein JHWH anvertrauten die Tür offen, ein Teil des Volkes Gottes zu werden.
Das ist ja die besondere Gnade, die wir als Christen genießen dürfen. Wir sind Teil des Volkes Gottes, obwohl wir biologisch gesehen nicht von Abraham abstammen.

Wir sehen also: Gott kommt zu seinem Ziel. Er hat dafür gesorgt, dass der Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut wurde und er hat dafür gesorgt, dass der Tempel des HG, also die Gemeinde gebaut wurde und weiterhin gebaut wird.
So wie es Jesus seinen Jüngern aufgetragen hat, hat er selber damit in Jerusalem angefangen, es ging weiter nach Judäa, Samarien und bis ans Ende der Welt. Sogar bis ins obere Mühlviertel! 🙂
Gott selber wird dafür sorgen, dass dieser „Bau“ wunderschön vollendet wird.
Du bist ein wichtiger Baustein darin!