In der Öffentlichkeit nackt zu sein ist sehr beschämend. Deshalb wird es von bösen Menschen bewusst eingesetzt um beispielsweise Verdächtige, oder Gefangene unter Druck zu setzen und zu erniedrigen.

Z.B. bei Verhören, Folterungen oder KZ Insassen.

Auch Jesus wurde bei seiner Kreuzigung nackt ausgezogen. Aus Pietätsgründen wird er am Kreuz meist mit umgebunden Tuch dargestellt. Aber die meisten Historiker sind sich einig, dass er ganz nackt am Kreuz hing. Das war eine zusätzliche Schmach, neben der körperlichen, seelischen und geistlichen Grausamkeiten, die er für uns ertrug.

 

Scham hat etwas mit dem Sündenfall zu tun. Wie wir wissen, schämten sich Adam und Eva vor dem Sündenfall nicht, weil sie nackt waren.

Nacktheit im körperlichen Sinn hat eine Parallele zu „aufgedeckt werden“ im Sinne von: Meine innersten Gedanken, Haltungen und Motive, die nicht immer die allerbesten sind, werden sichtbar. Das was ich bestenfalls einem sehr vertrauten Menschen „beichte“, wird für alle sichtbar. Schrecklich!

 

Und doch wissen wir aus der Bibel, dass wenn wir, am Ende dieses irdischen Lebens, vor Gott unseren Schöpfer und Richter treten müssen, alle unsere verborgenen Taten, unsere schlimmsten Gedanken und Beweggründe offenbar werden.

  1. Kor 4,5 Wenn Christus kommt, wird er alles ans Licht bringen, was jetzt noch verborgen ist, auch unsere geheimsten Wünsche und Gedanken.

 

Paulus umschreibt diese Angst, nackt vor Gott treten müssen dann in 2. Kor 5 indem er darauf hinweist, dass wir als Kinder Gottes, eine berechtigte Hoffnung haben, dass genau das nicht passiert.

1 Wir wissen ja: Wenn das irdische Zelt, in dem wir jetzt leben, nämlich unser Körper, abgebrochen wird, hat Gott eine andere Behausung für uns bereit: ein Haus im Himmel, das nicht von Menschen gebaut ist und das in Ewigkeit bestehen bleibt.

2 Weil wir das wissen, stöhnen wir und sehnen uns danach, mit dieser himmlischen Behausung umkleidet zu werden;

3 denn wir wollen ja nicht nackt dastehen, wenn wir den irdischen Körper ablegen müssen.

 

Es mag vielleicht ein bisschen verwirrend klingen, dass Paulus mehrere Bilder miteinander verbindet und einmal vom Haus, dann vom Zelt und schließlich von Kleidung redet. Gemeint ist aber immer die Hülle, die uns vor dem „Nacktsein“ im umfassendsten Sinn schützt.

Woher kommt diese berechtige Hoffnung, dass wir mit einem neuen, himmlischen Gewandt umkleidet werden, wenn unsere jetziges „Zelt“ also unser Körper vergeht?

Woher haben Christen diese Hoffnung, dass sie nicht „bloßgestellt“ werden? Es liegt nicht daran, dass Gott, wenn es darauf ankommt, ohnehin so „lieb“ ist, dass er über all die Ablehnung von uns Menschen ihm gegenüber, großzügig hinwegsieht! Gott ist ein gerechter Richter.

Die Bibel ist sagt sehr klar und unmissverständlich, welches Urteil wir alle verdient haben:

Röm 3, 23 Denn alle Menschen haben gesündigt und das Leben in der Herrlichkeit Gottes verloren.

Röm 6, 23 Der Lohn, den die Sünde auszahlt, ist der Tod.

 

Aber: Die Gute Nachricht ist, dass Jesus diese Konsequenz (den Lohn) unserer Sünde auf sich genommen hat, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben!

 

An Jesus glauben bedeutet, ihm in allen Lebenslagen und Lebensfragen zu vertrauen und nachzufolgen. Das ist mehr, als seine Existenz für wahr zu halten.

Nicht unser Bemühen, auch nicht unsere guten Taten, oder das Unterlassen von bösen Taten helfen uns beim jüngsten Gericht, nicht nackt vor Gott stehen zu müssen. Es ist das Vertrauen auf Jesus, das uns rettet.

 

All das Alte, die alten Forderungen dieses Lebens: Du musst erfolgreich sein, du must eine gute Ausbildung und einen guten Job haben, du musst dich gut verkaufen können, du musst auf dich schauen, du musst dich bei deinen guten Taten filmen lassen um es in einem sozialen Netzwerk posten zu können… Alle diese Dinge machen mein Leben hier auf Erden vielleicht etwas angenehmer. Aber wenn ich meine letzte Reise antrete, ist nichts von alledem dabei, was mich kleidet.

All das gehört zu einem alten, auf diese Erde fixieren Leben.

Jesus ermöglicht uns aber ein neues Leben. Und das nicht erst, wenn dieses Leben hier zu Ende geht, sondern jetzt, hier und heute, ab dem Moment, wo du Jesus einlädst und ihn zu deinem Herrn machst.

 

Deshalb schreibt Paulus dann auch weiter in 2. Kor 5:

17 Gehört also jemand zu Christus, dann ist er ein neuer Mensch. Was vorher war, ist vergangen, etwas völlig Neues hat begonnen.

 

In der Taufe feiern wir heute, dass Gabi ein neuer Mensch geworden ist. Sie gehört zu Christus, sie folgt ihm nach. Das heißt nicht, dass es für sie ab sofort keine Probleme und Herausforderungen in dieser Welt gibt. Aber das bedeutet, dass sie, seit sie Jesus kennt und ihn ihren Herrn nennt, sie eine Vertrauensperson, ja einen Anker und einen Freund hat, der ihr in all den Stürmen dieses Lebens zur Seite steht und dass sie jemanden hat, der ihr eine himmlische Wohnung bereitet, wenn ihr irdisches Zelt seine Funktion verliert. Sie wird sich nicht schämen müssen, wenn sie vor Gottes Thron steht. Ganz im Gegenteil, sie wird sich freuen, weil Jesus selbst sie umkleidet.

 

Dieses „sich von Jesus umkleiden lassen“ ist ein Prozess, den es für dich und für uns alle jetzt zu entdecken gilt. Wie ich in einer meiner vorigen Predigten gesagt habe, ist der alte Mensch zwar tot, die alte Gabi wird heute ersäuft, aber wie ein Gespenst versucht das alte Herz immer wieder an seinen alten Platz zurückzukehren. Der Bibellehrer Roy Hession hat einmal gesagt: „Das einzig schöne am Kind Gottes ist Jesus“. Alles andere: mein altes Herz, mein Ego, mein Bemühen selber gut zu sein muss- und wird letztendlich auch sterben. Je früher das Alte stirbt, desto mehr Platz ist für das Neue.

Je mehr von Jesus in deinem und in unserem Leben sichtbar wird, desto schöner und ewigkeitstauglicher werden wir.

 

In der Taufe vollziehen wir heute vor der geistlichen- aber auch vor der sichtbaren Welt, was mit ihr im Inneren bereits geschehen ist: Durch das Untertauchen stirbt die alte Gabi. Sie wird in den Tod Jesu getauft. Jenen Tod, den er stellvertretend für sie und für uns alle am Kreuz erlitten hat. Aber so wie Jesus auf wundersame Weise vom Vater im Himmel wieder zu neuem, ewigen leben auferweckt wurde, so wird auch sie als neuer Mensch, der ganz Jesus gehört aus dem Wasser herauskommen.

 

Die Taufe ist deshalb einerseits eine Verabschiedung und sogar ein Begräbnis, auf der anderen Seite eine Neugeburt. Und solche Ereignisse müssen gefeiert werden.

 

Jesus hat selbst gesagt, dass jedes Mal, wenn ein Mensch umkehrt ein Fest im Himmel gefeiert wird. Die Freude im Himmel ist riesengroß über deinen Gehorsamsschritt. Wir hier auf der Erde können in diese Jubelstimmung mit einstimmen. Schön, dass du heute da bist um diesen besonderen Tag gemeinsam mit Gabi zu begehen.

 

Du bist eingeladen, jetzt gleich nach dem Gottesdienst mit uns zum Pesenbach zu fahren. Dort werden wir die Taufe vollziehen und mit einem fröhlichen Picknick feiern.