Intro:

Der Mathematikprofessor erzählt einen Witz: „Es gibt drei Sorten von Mathematikern; solche, die bis drei zählen können, und solche, die nicht bis drei zählen können.“

Ja, alle guten Dinge sind drei, heißt es: im letzten und im vorletzten Gottesdienst haben Karin und Peter über Sabbat und „Leben aus Gottes Ruhe“ gepredigt und heute bin ich an der Reihe, euch die dritte und letzte Predigt zum Thema „Ruhe“ zu bringen. Hmmm – es wird jetzt schwierig, das dritte „gute Ding“ genauso gut zu machen, wie die ersten beiden „guten Dinge“, dachte ich mir, als ich versuchte, mit meinen Vorbereitungen für heute anzufangen, und da bin ich einfach nicht vom Fleck gekommen. Bis Vater Gott auf Seine typisch liebevolle und auch humorvolle Weise eingegriffen hat und mir gleich zu Beginn meiner Vorbereitungen – dem Thema entsprechend – so viel „Ruhe“ geschenkt hat, dass ich mich auf der Stelle am Sofa neben dem Schreibtisch hinlegen musste und eine Runde schlafen! Und beim Schlafen habe ich von Ihm in einer Art Traum diese Verse vom Hebräerbrief bekommen:

 

Part 1:

Hebr. 4:1-3 À
«Aber die Zusage Gottes, Menschen in seine Ruhe aufzunehmen, gilt weiter. Darum wollen wir nicht leichtfertig sein, sondern darauf achten, dass keiner dieses Geschenk verscherzt. Genau wie die Leute in der Wüste haben wir die Botschaft von der Ruhe Gottes gehört. Aber denen hat diese Botschaft nichts genützt. Denn es genügt nicht, die Zusage Gottes zu hören, man muss sie auch ernst nehmen. Nur wenn wir treu bleiben, werden wir in die Ruhe Gottes hineinkommen.»

Die „Leute in der Wüste“ waren die Israeliten, die Gott mit vielen Zeichen und Wundern aus der Sklaverei in Ägypten gerettet hatte. Er hatte ihnen versprochen, dass Er bei ihnen bleiben und sie in ein Land der Verheißung und der Ruhe hineinführen wird. Aber dann sind sie mürrisch und rebellisch geworden und haben das Geschenk verscherzt. Darüber wird im 2. Teil von Psalm 95 berichtet:

Ps.95:8-11 Á
« Hört, was Er euch sagt:
„Seid doch nicht so starrsinnig wie eure Vorfahren damals in Meriba oder an dem Tag von Massa in der Wüste!
Sie haben mich dort herausgefordert, mich haben sie auf die Probe gestellt und hatten doch meine Taten selber gesehen! Angewidert haben sie mich, die ganze Generation, vierzig lange Jahre! Schließlich musste ich mir sagen: ›Alles, was sie wollen, ist verkehrt; nach meinem Willen haben sie nie gefragt.‹ Darum habe ich geschworen in meinem Zorn: ›Niemals werden sie das Land betreten, wo ich ihnen Ruhe geben wollte!‹ »

Vierzig lange Jahre noch sollten die Israeliten auf der Sinai-Halbinsel herumziehen, bis alle, die zu dem Zeitpunkt schon über 20 Jahre alt waren, ausgestorben wären (ausgenommen Caleb und Josua, die eine andere Haltung hatten – die Geschichte könnt ihr in 4.Mose Kap. 13 und 14 nachlesen). Durch ihren Ungehorsam haben sich die Israeliten um ganz schön viel „Ruhe“ gebracht.

 

Part 2:

Wie hätte denn diese Ruhe ausgeschaut? Was heißt denn „Gottes Ruhe“ überhaupt? Für die Israeliten in unserer Bibelgeschichte hätte das geheißen, ins gelobte Land einzuziehen; für sie und im erweiterten Sinn auch für uns heißt das auch: an deinem von Gott gewollten Bestimmungsort ankommen, in deine Bestimmung hineinkommen, mit Vater Gott am richtigen Platz sein.

Wahre Ruhe – d.h. in Gott ruhen – heißt für mich:

  • dass ich aus Liebe handele und nicht für Liebe
  • dass ich aus der Gewissheit heraus handele, dass ich bereits angenommen bin, und nicht handele, um Annahme zu bekommen
  • dass ich aus Gottes Zustimmung heraus handele, und nicht, weil ich diese Zustimmung erarbeiten will
  • dass ich aus meiner gottgegebenen Identität heraus handele, und nicht, um eine Identität erst mal zu bekommen

Das habe ich aber nicht immer so gesehen. Früher habe ich das institutionelle bzw. kirchliche Christentum entweder als so ruhelos, leistungsorientiert und aktivitätenversessen erlebt, dass allein das Durchblättern vom Gemeinde-Wocheninfoblatt bei mir fast Erschöpfungszustände verursacht hat, oder als so ruhevoll, dass es direkt einschläfernd war – hier ein kurzes Beispiel als Video  zu eurer Ermunterung!

Ich glaube, dass beide Einstellungen zum Thema Ruhe falsch sind und an den Worten Jesu im Matt. 11:28-30 vorbeigehen Ã:
« Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben. Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben. »

In Gottes Ruhe zu leben ist:

  • kein „Quick-Fix“
  • kein Nirwana
  • ist nicht antriebslos oder passiv
  • ist kein Kopf-in-den-Sand-Stecken vor der Realität des Alltages
  • ist nicht selbstzentriert sondern Gott-zentriert
  • ist nicht an deinen äußeren Umständen gekoppelt sondern hat viel mit einem dankbaren Herzen zu tun Ä (1.Thessalonicher 5:18 – „Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch“)
  • ist letztlich etwas übernatürliches; das können wir nicht selber erzeugen, es ist einfach ein Geschenk von Gott: „Ich werde euch Ruhe geben“, verspricht uns Jesus.

 

Part 3:

In Gottes Ruhe zu kommen und Gottes Ruhe zu genießen hat auch mit Gehorsam zu tun, wie wir im ersten Bibelabschnitt aus dem Hebräerbrief gehört haben: Å

« Aber denen hat diese Botschaft (die Botschaft von der Ruhe Gottes) nichts genützt. Denn es genügt nicht, die Zusage Gottes zu hören, man muss sie auch ernst nehmen. Nur wenn wir treu bleiben, werden wir in die Ruhe Gottes hineinkommen. »

Ungehorsam muss gar nicht heißen, dass du dich offen gegen Gott stellst und rebellierst. Meist schaut er bei uns so aus, dass wir noch immer versuchen, „zwei Herren zu dienen“, wie Jesus es einmal sagte – ein bisschen Gottvertrauen und Christusnachfolge hier, ein bisschen Mitmachen mit der säkularen Gesellschaft da…. zweigleisig fahren, also. Und wie jeder Eisenbahnexperte (Heinz?) sicher bestätigen wird, ist Zweigleisig fahren eine ziemlich holprige und unrunde Sache! Unruhig, also. Und wenn die zwei Gleise zu weit auseinandergeraten, zerreißt’s uns irgendwann.

Zum Gehorsam gehört auch, wachsam zu sein und kritisch gegenüber den Einflüssen, die auf dich von Gesellschaft und Medien einwirken oder die du an dich selbst heranlässt. Verlass dich auf den Heiligen Geist in dir, dass Er dir hilft, „die Geister zu prüfen, ob sie von Gott sind“, wie es im 1. Johannesbrief 4:1 steht; ob sie „wahr, anständig, gerecht, rein, liebenswert und bewundernswürdig sind und Auszeichnung und Lob verdienen“ (Phil.4:8).

Manchmal heißt Gehorsam, dass wir dem Zeitgeist bewusst trotzen. Zum Beispiel wenn es um die Einstellung zu Ruhe und Rast geht: unsere westliche Gesellschaft verherrlicht Aktion, Erlebnis, Leistung, Konnektivität 24/7. Mit einem Wort: Rastlosigkeit. Noch nie in der Menschengeschichte wurde so wenig geschlafen wie heutzutage. Was macht das mit den Menschen? Was macht es mit dir? Nicht nur psychisch und körperlich sondern vor allem geistlich? Fördert Schlafmangel dein geistliches Leben? Deine Beziehung zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist? Dein Gebetsleben? Deine Fähigkeit, Dinge und Situationen durch Gottes Augen zu sehen? Deine Sicht von dir selber? Oder fördert er Negativität, Trübsinn oder sogar Depression? Bringt er dich in Gottes Nähe oder treibt er dich von Ihm weg? Die Antworten auf diese Fragen weiß ich aus persönlicher Erfahrung allzu genau! Jeder von uns wahrscheinlich auch. Dazu möchte ich folgendes von mir berichten: meinem Himmlischem Vater habe ich mehr zu verdanken, als ich jemals in Worte fassen könnte, aber eines möchte ich hier erwähnen: ich bin Ihm zutiefst dankbar, dass Er mir eine Frau zur Seite gestellt hat, die jahrzehntelang immer wieder, als ich um 9 oder 10 auf der Nacht oder noch viel später hundsmüde vom Büro in die Wohnung oder gleich ins Schlafzimmer heraufkam und zum Jammern begonnen habe, dass ich trotzdem zu wenig geschafft habe und Angst habe, ob ich die Liefertermine einhalten kann und mich überhaupt nutzlos und deprimiert fühle usw. usf., immer wieder auf Gottes Sicht von mir und von der Situation zurückgebracht hat und auf Ihn hingewiesen hat.

 

Part 4:

Æ « Seid still und erkennt, dass ich Gott bin! » (Psalm 46:10). Das ist kein gutgemeinter aber unverbindlicher Ratschlag, sondern ein Befehl von unserem Himmlischen Vater! Er befiehlt uns das nicht, weil Er will, dass wir lästige Bengel endlich mit unserem Lärm aufhören und „a Ruh’ geb’n“ und Ihm seinem Ego schmeicheln, sondern weil Er weiß, dass wir es dringend nötig haben, still zu werden und zu erkennen, wer Er ist. Kein Wunder also, wenn der Feind darauf aus ist, dass wir eben nicht zur Ruhe kommen, und alles daran setzt, uns seine Lügen einzureden: „Vielleicht entgeht dir was!“ oder: „Andere Leute tun und erleben viel mehr als du und darum leben sie ein viel erfüllteres und interessantes Leben als du“ oder: „Wenn du zur Ruhe kommst, bist du nicht fleißig und wenn du nicht fleißig bist, bist du nichts wert“ oder: „Wenn du zur Ruhe kommst, fängst du zum Nachdenken an und kommst dann darauf, was du für ein schlechter Christ bist“, und endlose weitere solche Varianten, solche Angriffe kennt sicher jeder von uns und je müder und ruheloser wir werden, desto anfälliger werden wir dafür.

Was tun? Lerne, diese Dinge für das zu erkennen, was sie auch sind: feindliche Angriffe. Der Heilige Geist gibt dir dazu die Gabe der Unterscheidung – bitte Ihn darum! Und die Angriffe nicht nur erkennen, sondern berufe dich auf deine Autorität als ein Nachfolger von Jesus und schicke sie in Seinem Namen weg: Jakobus 4 v.7: Ç « Widersteht dem Teufel, und er wird vor euch fliehen ». Und dann immer denjenigen um die Wahrheit bitten, der selbst „…der Weg und die Wahrheit und das Leben“ ist – Jesus Christus den Herrn. Frage Ihn einfach: Jesus, wie ist das wirklich? Wie siehst du das? Zeig mir deine Wahrheit!

Unruhe und Rastlosigkeit sind das Wesen vom Teufel; schließlich ist er ein gefallener, vom Himmel herausgeschmissener Engel, der „wie ein brüllender Löwe umherzieht“, wie es im 1.Petrusbrief 5:8 steht. Gottes Wesen ist dagegen Ruhe und Stetigkeit; Er ruht in sich: „Ich bin“ einfach. Gottes Ruhe erleben wir auch in seiner stetigen, unerschütterlichen, unerschöpflichen Liebe. Achte also auf deine Ruhe, dass du in dieser Liebe von Vater Gott ruhst und dort deinen Halt und deinen Mittelpunkt hast. Wenn du in Ihm einfach „ruhst“, siehst du die Dinge immer mehr aus Seiner Sicht und aus Seinen Augen; du weißt, wer du in Ihm bist, du weißt, dass du „im Weinstock bleibst“, du in Ihm und Er in dir; du weißt, Wem du gehörst; du weißt, wozu du da bist und was im Leben wirklich zählt. Und das weißt du alles, und das hast du alles, wegen all dem, was Jesus Christus bereits für dich am Kreuz erkauft hat: Er hat die Schwerarbeit für uns getan, damit wir uns die Liebe, Annahme und Zustimmung durch unseren Himmlischen Vater sicher sein können, so dass wir diese Schwerarbeit nicht mehr machen müssen. „Es ist vollbracht“ (die letzten Worte von Jesus am Kreuz, Johannes 19:30). Das heißt nicht, dass wir nicht arbeiten, dienen und uns nach dem Besten ausstrecken. Ganz im Gegenteil, diese Gnade gibt uns die Kraft, mehr und besser zu arbeiten, mehr zu erreichen und treuer zu dienen, aber ohne Strebsamkeit, weil wir nicht mehr mit dem Ziel handeln, Gottes Zustimmung zu bekommen – in Jesus, und dank Jesus, haben wir sie schon.

È Eph. 2:8-9: « Es ist tatsächlich reine Gnade, dass ihr gerettet seid. Ihr selbst könnt nichts dazu tun, als im Vertrauen anzunehmen, was Gott euch schenkt. Ihr habt es nicht durch irgendein Tun verdient; denn Gott will nicht, dass sich jemand von ihm auf seine eigenen Leistungen berufen kann. » Ja, es geht um Vertrauen! In 1.Joh 4:18 steht É: „Angst ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Angst aus“. Ich habe in unserer schwierigen Zeit lernen müssen, dass Angst und Vertrauen sich gegenseitig ausschließen. Entweder ich vertraue, dann haben Angst und Unruhe keinen Platz, oder ich habe Angst und keine Ruhe, dann fehlt es am Vertrauen. „Vertraut euch meiner Leitung an“, fordert uns Jesus auf … „wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben …. Ich werde euch Ruhe geben.“ Das ist das Versprechen unseres Herrn Jesus, und Er hält, was Er verspricht.

Amen

 

Schluss bzw. Nachwort

Somit wäre die Predigt eigentlich zu Ende. Ich möchte aber einen kleinen „Nachsatz“ anhängen, quasi als Lackmustest, ob wir als Gemeinde diese Sache mit „Leben und Wirken aus Gottes Ruhe“ jetzt ganz praktisch ernst nehmen können. Ich freue mich darüber und danke Gott, dass es jetzt möglich ist – wie wir im letzten Gemeinderundbrief von vor ca. 1 Monat erfahren haben – die Teilzeitanstellung von unserem Pastor Peter von 14 auf 18 Wochenstunden auszuweiten. Das ist eine ganz tolle Entwicklung! Jetzt frage ich, auch als Anregung zum Nachdenken und zum darüber beten: Würden wir’s als Gemeinde begrüßen, wenn Peter diese zusätzlichen Stunden nicht nur für „messbare“ zusätzliche Aktivitäten verwendet sondern auch für zusätzliche „Ruhestunden“ – Stunden, die er mit Gott verbringt, in denen er mehr lesen kann, in Gottes Wort forschen, Gottes Willen für die Gemeinde suchen, sich vom Heiligen Geist Dinge sagen lassen, die wir am Sonntag in der Predigt hören sollen? Ich glaube schon!