„Herr Wachtmeister, meine Frau ist verschwunden!“
„Wann haben Sie es bemerkt?“
„Als ich das letzte saubere Hemd aus dem Schrank genommen habe.“

Ich möchte heute über ein sauberes Leben (Reinheit) sprechen.

Predigtserie über Esra und Nehemia.
Zyklus von Segen Gottes, Wohlstand, Sünde und Abfall von Gott, Probleme, Niederlagen, Umkehr und Rettung durch Gott.

Letzte Predigt…
Heute ein sehr herausfordernder Text, der zumindest auf den ersten Blick nicht einfach nach zu vollziehen ist.
Es geht darum, dass die nach Israel zurück gekehrten Juden, Frauen aus den anderen Völkern geheiratet haben. Multi-Kuli.
Dieser Umstand wird von Esra aufs Schärfste kritisiert. Und letztendlich müssen die jüdischen Männer ihre heidnischen Frauen wieder wegschicken. Scheidung auf Anordnung Gottes?
Ist Gott Rassist?
Wie gesagt: Keine leichte Thematik. Aber auch für uns als Gemeinde durchaus relevant, wenn man etwas tiefer in diese Thematik hineingeht.

Als Gott das Volk aus der Sklaverei herausführte, warnte er sie davor, sich mit den heidnischen Völkern zu vermischen, deren Bräuche anzunehmen und vor allem davor, dessen Götter anzubeten.
Und wenn wir uns die Geschichte Israels ansehen, entdecken wir, dass es oft die Ehen mit den heidnischen Frauen waren, die die Israeliten zum Götzendienst gebracht haben.
Könnt ihr euch noch an die Geschichte rund um Bileam erinnern?
4. Mo 25: „Da fing das Volk an zu huren mit den Töchtern Moabs…“
Oder Salomo, der weiseste König der Geschichte. Ihn brachten seine vielen Ehefrauen letztendlich geistlich zu fall.
Oder König Ahab: 1.Kön 16,30-32
30 Noch mehr als seine Vorgänger tat er, was dem HERRN missfiel.
31 Es war noch das wenigste, dass er an dem Götzendienst Jerobeams festhielt. Was viel schlimmer war: Er heiratete Isebel, eine Tochter Etbaals, des Königs der Phönizier, und er ging so weit, dass er dem Gott Baal Opfer darbrachte und sich vor ihm niederwarf.
32 Er baute ihm in Samaria einen Tempel und errichtete dort einen Altar für ihn.
Wie wir wissen, war es Isebel, die versuchte zur Zeit des Propheten Elia den Glauben an JHWH ganz auszurotten. Sie ließ alle Propheten Gottes umbringen (1. Kön 18,4) was ihr aber nicht gelang.

Diese und viele weitere solcher Hintergründe hatte Esra im Kopf, von dem es heißt: Esra 7,10
Esra hatte sich mit ganzem Herzen der Aufgabe gewidmet, das Gesetz des HERRN zu erforschen und zu befolgen und die Israeliten seine Vorschriften zu lehren, damit sie sich in ihrer Lebensführung und Rechtsprechung daran hielten.

Und eben dieser Esra erfuhr, dass die Israeliten, die auf Grund ihrer heidnischen Frauen immer wieder zum Götzendienstes verleitet wurden, damit das Abwenden Gottes immer wieder provozierten, und jetzt seit Jahren im Exil leben mussten auf Grund ihres Ungehorsams, dass eben diese Israeliten schon wieder sich mit heidnischen Frauen eingelassen hatten.

Ihr könnt euch vorstellen, wie „erfreut“ er über diese Nachricht war: Esra 9
3 Als ich das hörte, zerriss ich meine Kleider, das Ober- und das Untergewand, raufte mir die Haare und den Bart und setzte mich starr vor Entsetzen vor dem Tempelhaus nieder.
4 So saß ich bis zur Zeit des Abendopfers. Um mich sammelten sich alle, die Angst hatten vor dem Urteil des Gottes Israels über den Treubruch der Heimgekehrten.

Das ist so, wie wenn du mit einem Alkoholkranken verheiratet bist und du eben erfahren hast, dass er trotz aller Beteuerungen trocken zu bleiben, schon wieder zur Flasche gegriffen hat.

Esra tut daraufhin das einzig richtige, das ein Leiter in so einer Situation tun kann: Er ging ins Gebet: Esra 9,5-15
5 Zur Zeit des Abendopfers erhob ich mich aus meiner Erstarrung, kniete in meinen zerrissenen Kleidern nieder und betete mit ausgebreiteten Armen zum HERRN, meinem Gott.
6 »Mein Gott«, sagte ich, »ich schäme mich und wage nicht, meine Augen zu dir zu erheben; denn die Flut unserer Sünden reicht uns bis an die Kehle, und der Berg unserer Verfehlungen ist bis zum Himmel gewachsen.
7 Von der Zeit unserer Väter bis heute haben wir schweres Unrecht begangen. Wegen unserer Vergehen wurden wir, unsere Könige und unsere Priester in die Gewalt fremder Herrscher gegeben. Man hat uns hingeschlachtet, als Gefangene verschleppt, ausgeplündert und mit Schimpf und Schande überschüttet. So ist es bis heute geblieben.
8 Nun hast du jetzt für eine kurze Zeit Gnade walten lassen, HERR, unser Gott. Du hast einen Rest von uns übriggelassen und uns an deiner heiligen Stätte in Sicherheit gebracht. Unsere Augen konnten wieder aufleuchten, du hast uns ein wenig aufatmen lassen in unserer Sklaverei.
9 Wir sind noch Sklaven; aber doch hast du uns nicht verlassen. Du hast uns die Gunst der Könige von Persien finden lassen, so dass wir deinen Tempel aus den Trümmern wiederaufrichten konnten, und du hast uns in Judäa und Jerusalem eine sichere Wohnstätte gegeben.
10 Aber wie können wir vor dir, unserem Gott, bestehen nach dem, was jetzt vorgefallen ist? Wir haben gegen deine Gebote verstoßen,
11 die du uns einst durch deine Diener, die Propheten, einschärfen ließest. Du hast uns durch sie sagen lassen: ‚Das Land, das ihr in Besitz nehmen werdet, ist unrein durch den Götzendienst seiner Bewohner und die Götzenbilder, mit denen sie es von einem Ende bis zum andern angefüllt haben.
12 Deshalb sollt ihr mit diesen Leuten keine Ehen schließen: Eure Töchter dürft ihr keinem Mann aus diesen Völkern geben und für eure Söhne keine Frau aus diesen Völkern nehmen. Sucht nicht ihre Freundschaft und schließt keine Verträge mit ihnen – für alle Zeiten nicht! Denn ihr sollt selbst stark werden, den Ertrag des Landes genießen und es euren Söhnen vererben als Besitz für alle kommenden Generationen.‘
13 Weil unser Volk dir nicht gehorcht und schwere Schuld auf sich geladen hatte, kam großes Unglück über uns. Und doch hast du, unser Gott, uns nicht so hart gestraft, wie wir es verdient hatten, sondern hast uns, die wir hier sind, übriggelassen.
14 Wie können wir nun wieder anfangen, gegen deine Gebote zu verstoßen und uns mit diesen Götzendienern zu verschwägern? Musst du da nicht so zornig werden, dass du uns ganz vernichtest und es keinen Rest und keine Rettung mehr gibt?
15 HERR, du Gott Israels, du hast Gnade vor Recht ergehen lassen und uns als Rest deines Volkes gerettet, wie unser Hiersein das heute bezeugt. Und nun stehen wir vor dir mit unserer Schuld! Wir wissen: So können wir vor dir nicht bestehen!«

Das ist ehrliche Reue und ein beispielhaftes Fürbittegebet.
Esra tritt als Leiter für sein Volk ein, obwohl er selber unschuldig ist.
Und es gelingt ihm, dass auch die betroffenen Männer ihre Schuld einsehen und umkehren. Sie trennen sich von ihren heidnischen Frauen und schicken sie zurück zu ihren Familien. Sicherlich keine einfache Sache, für keinen der Beteiligten, aber nur so kamen die Israeliten wieder in den Segensfluss Gottes.

Was hat das jetzt für uns heute zu bedeuten, was können wir daraus lernen?

Wie gesagt: ich möchte heute über das Thema „Reinheit“ sprechen.
Das Volk Israel war so lange im Segen Gottes, wie sie „rein“ waren, also so gelebt haben, wie es Gottes Wille entsprach.

Das ist ein geistliches Prinzip und gilt daher auch für uns heute.
So lange wir so leben, wie es Gottes Plan für uns ist, kann uns niemand und nichts den Segen rauben, mit dem er uns überschüttet. Wenn uns ein Segen Gottes entgeht, dann deshalb, weil wir uns selber aus seinem Segensbereich manövriert haben. Durch Schuld, die wir auf uns laden.

Gott sei Dank haben wir durch das, was JC für uns am Kreuz getan hat immer wieder die Möglichkeit Vergebung zu erlangen und begnadigt und befreit sofort wieder zum Vater kommen zu dürfen.
Aber das Wissen um diese Möglichkeit darf niemals ein Freibrief dafür zu werden, die Sache mit der Schuld auf die leichte Schulter zu nehmen. So nach dem Motto: Lasst uns fröhlich sündigen, weil Gott uns ja immer wieder vergibt.

Auch im NT fordert Jesus uns auf, kompromisslos gegen die Bestrebungen in uns vorzugehen, die uns aus der Gegenwart Gottes ziehen wollen. Und solche Bestrebungen in uns kennen wir alle.
Mt 5,29f
Wenn dich dein rechtes Auge verführen will, dann reiß es aus und wirf es weg! …
Und wenn dich deine rechte Hand verführen will, dann hau sie ab und wirf sie weg! Es ist besser für dich, du verlierst eines deiner Glieder, als dass du ganz in die Hölle kommst.

Jesus ist hier sehr drastisch, weil es um ein ernst zu nehmendes Thema geht.
Es geht einfach nicht, dass wir auf der einen Seite Gott anbeten, behaupten dass wir ihm unser Leben zur Verfügung gestellt haben und Jesus nachfolgen wollen – und auf der andere Seite immer noch glauben uns nicht um seine Gebote und Anordnungen kümmern zu müssen.

Mit welchen Dingen verunreinigen wir uns immer wieder?
Eine Ehe ist ein ganz persönliche, ja intime Beziehung. Die beiden Partner prägen einander. Darum ist es gut sich zu überlegen, wen ich heirate, im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinn.
Wo sind so deine Bereiche, wo du dich mit Dingen „eingelassen“ hast, die außerhalb des Segensbereiches Gottes stehen?

Ist es dein „Bauch“? „Hauptsache es fühlt sich gut an“
Sind es Dinge? Statussymbole? Auto, I-Phone, Haus…
Sind es Gedanken, vielleicht Tagträume in denen du in eine andere Welt flüchtest?
Sind das vielleicht irgendwelche Süchte, die dein Leben beherrschen.
Ich meine damit nicht nur die „Klassiker“ wie Drogen, Alkohol, Nikotin, sondern auch, TV, Internet, Pornographie, Kaffee, Schokolade…

Oder ist es vielleicht das übermäßige Befassen mit Dingen, die an und für sich ja gut sind, wie zum Beispiel:
Erfolg, Karriere, oder einfach nur der gute Ruf „fleißig“ zu sein?
Sport, vielleicht ein Verein…?
Gesundheit, die Ernährung und das Wohl befinden?

Diese Liste kann man jetzt sehr lange fort führen. Ich denke jeder von uns kennt so seine Herausforderungen, die es anzupacken gilt.
Und Gott weiß auch, dass wir nicht alles von heute auf morgen ändern können. Er legt seinen Finger nicht gleich in jede „Wunde“ unseres Lebens.
Aber dort wo er seinen Finger hinlegt, in die Bereich wo es dran ist etwas zu ändern müssen wir handeln, sonst sind wir ungehorsam.

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, genauso wenig wie der Tempel in Jerusalem. Aber die Bauleute haben jeden Tag hart gearbeitet um den Bau fertig zu stellen. Und auch an uns liegt es, unser Leben nicht zu vergeuden, sondern an den „Baustellen“ unseres Lebens, unseren charakterlichen Defiziten zu arbeiten, die uns Gott zeigt.

Wenn du ehrlichen Herzens Gott fragst, wird er dir zeigen, in welchen Bereichen deines Lebens aufräumen angesagt ist. Er zeigt dir, wo du noch „unrein“ bist und Buße tun musst.
Aber er hilft dir auch dabei, diese Unreinheit beim Kreuz abzulegen und rein, heil und wieder hergestellt zu werden.
Das wird ein herausfordernder umkämpfter, wahrscheinlich auch schmerzhafter Prozess sein, aber nachher wirst du voller Überzeugung sagen: Es hat sich gelohnt. Ich bin gewachsen. Danke Herr!

Wir als Gemeinde sind die Braut Christi, die er am Ende der Zeit, wenn Jesus für alle sichtbar wieder kommt, zu sich „heim holen“ wird. Bis dahin sollen wir an Schönheit und Reinheit zunehmen und mehr und mehr seine Herrlichkeit wieder geben.

Um schmutzig zu werden musst du dich nicht anstrengen. Das geht von selbst. Aber sich zu reinigen ist ein aktiver Vorgang. Wenn du ihn nicht regelmäßig vornimmst, wist du bald zu stinken beginnen und alle Menschen werden dich meiden. Das gilt im physischen Bereich genauso wie im geistlichen Bereich.
Wir sind durch Jesus ja grundsätzlich gereinigt worden. Als Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte, sagte er zu ihnen:
»Wer vorher gebadet hat, ist am ganzen Körper rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Ihr seid alle rein – bis auf einen.« (Joh 13,10)

Aber trotzdem ist es ein Akt der geistlichen Hygiene sich immer wieder der reinigenden Gegenwart Gottes auszusetzen, bzw. darauf zu achten, dass ich mich nicht mehr als nötig beschmutze.

Eine herausgeputzte Braut wird sich nicht an einer Schlammschlacht beteiligen. Wir als Braut Christi wissen nicht, wann die Hochzeit sein wird. Aber wir sollen jederzeit für den Bräutigam bereit sein. Damit wenn er kommt, er uns ohne Flecken und Runzeln vorfindet.

Also prüf dich selbst, welche Verunreinigung du noch beseitigen musst und erlaube Jesus, dass er dich ganz rein macht.