Der junge Mann zur Verkäuferin: „Ich möchte genau so ein Hemd, wie ich es anhabe.“

„Tut mir leid, wir führen nur saubere Hemden.“

 

Werbeslogan für Waschmittel: Nicht nur Sauber, sondern rein!

 

Sauberkeit steht eher für Äußeres, Reinheit kann auch innere Werte beinhalten.

Reinheit steht für:

  • Ergebnis des Putzens/Waschens;
  • Stoffreinheit, Mengenanteil eines erwünschten Stoffs am Gesamtgemisch (reines Gold)
  • Qualitätsmerkmal eines Diamanten;
  • Religiöses Konzept: Rituelle Reinheit,

 

Da wir uns in diesem Arbeitsjahr mit den Themen Reinigung und Heiligung befassen wollen, möchte ich heute ein paar Grundlegende Dinge zum Thema Reinigung und Reinheit sagen.

 

Dieses Thema ist, wenn wir es vom geistlichen Aspekt her betrachten, kein speziell jüdisch/christliches, sondern es wird in allen großen Religionen behandelt. Auch bereits in der griechischen Mythologie war es ein Thema, über das man sich unterhielt.

 

Mir als Bibelleser kommen da als allererstes die vielen Reinheitsvorschriften aus dem AT in den Sinn und auch, dass dieses Thema immer wieder ein Streitpunkt zwischen JC und den Parisäern war. Darauf möchte ich später eingehen.

 

Naturgemäß gibt es zwischen den einzelnen Religionen oft große Unterschiede, was als Rein- und was als Unrein gilt.

Ein gläubiger Hindu verunreinigt sich, wenn er Menschen aus einer niedrigeren Kaste nur berührt.

Im Zen-Buddhismus spricht man von Reinheit, wenn jemand unbetroffen und frei von äußeren Einflüssen agiert. Dort ist Reinheit ein sehr stark innerer Wert.

Im Islam gilt man nach einem Samenerguss, oder nach der Menstruation als rituell unrein und muss sich nach genau vorgeschriebenen Regeln waschen. Überhaupt gibt es im Islam genau festgelegte Waschungen, die beispielsweise vor dem Freitagsgebet durchgeführt werden müssen um als Gereinigter daran teilnehmen zu dürfen.

 

Im Judentum werden Tiere in rein und unrein unterteilt, außerdem gibt es Krankheiten, die Unrein machen. (Aussatz)

Für gläubige Juden drehen sich ganz viele alltägliche Dinge um dieses Thema. (Koscher)

Eine Käsekrainer ist das Letzte, das ein Jude essen würde.

 

Im Christentum wurde dieses Thema sehr stark verinnerlicht. Wir essen Schweinefleisch und Blutwurst, wir verunreinigen uns im religiösen Sinn nicht einmal, wenn wir Leichen, oder Kot berühren. Unsere Reinheitsvorschriften haben, wenn überhaupt, nichts mit Religion, sondern allein mit Hygienebestimmungen zu tun.

Jesus hat gesagt: Mt 15,11 Nicht was zum Mund hineingeht, macht den Menschen unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein.

 

Genauso unterschiedlich wie die Arten sich zu verunreinigen, sind auch die Wege, die Reinheit vor Gott wieder zu erlangen.

Es ist naheliegend, dass die Religionen, die eine Gefahr der Verunreinigung von außen fürchten, sich auch wieder äußerlich (z.B. durch Waschungen) reinigen müssen.

Ein „Bad“ am inwendigen Menschen ist da schon etwas schwieriger.

In der RKK gibt es dafür die Beichte. Und tatsächlich ist es so, dass ich mich innerlich durch die Sünde verunreinige. Und wir wissen auch, dass es hilfreich ist, konkrete Sünden beim Namen zu nennen und auszusprechen, damit sie mir vergeben werden.

1.Joh 1,9 Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.

 

Wenn allerdings die Beichte zu einem Ritual verkommt, dass ein braver Katholik mindestens einmal im Jahr absolvieren muss um seine religiöse Pflicht zu erfüllen, dann führt das meiner Meinung nach nicht zum gewünschten Ergebnis: Der Reinheit vor Gott.

 

Deshalb möchte ich genauer hinschauen, wie Jesus diesen Begriff der Reinheit gebraucht hat und was das für uns heute bedeutet.

 

Den Schlüsseltext schlechthin zu diesem Thema finden wir in Mt 15,1-20

1 Einige Pharisäer und Schriftgelehrte kamen aus Jerusalem, um Jesus zur Rede zu stellen.

2 »Warum halten deine Jünger sich nicht an unsere uralten Überlieferungen?«, fragten sie. »Sie missachten unsere Vorschrift, sich vor dem Essen die Hände zu waschen.«

3 Jesus erwiderte: »Und warum verstoßt ihr mit euren Überlieferungen gegen Gottes Gebote?

4 Gott sagt zum Beispiel: `Ehre Vater und Mutter´ und `Wer Vater oder Mutter verflucht, soll mit dem Tod bestraft werden.´

5 Ihr sagt jedoch: `Man muss seine Eltern nicht dadurch ehren, dass man für sie sorgt, wenn man stattdessen Gott das Geld gibt.´

6 So setzt ihr durch eure eigene Überlieferung das Gebot Gottes außer Kraft.

7 Ihr Heuchler! Jesaja hat euch gemeint, als er sagte:

8 `Diese Menschen ehren mich mit ihren Worten, aber nicht mit ihrem Herzen.

9 Ihre Anbetung ist nutzlos, denn sie ersetzen die Gebote Gottes durch ihre eigenen Lehren.´«

10 Danach rief Jesus die Menschen zu sich und sagte: »Hört gut zu, was ich euch jetzt sage, und versucht, es zu verstehen.

11 Ihr werdet nicht durch das unrein, was ihr esst; ihr werdet unrein durch das, was ihr sagt und tut.«

 

15 Da sagte Petrus: »Erkläre uns doch, was du damit meinst, dass man nicht durch das unrein wird, was man isst.«

16 »Habt ihr es denn immer noch nicht begriffen?«, fragte Jesus ihn.

17 »Alles, was ihr esst, geht durch den Magen und verlässt dann wieder den Körper.

18 Böse Worte aber kommen aus einem bösen Herzen und machen den Menschen, aus dessen Mund sie kommen, unrein.

19 Aus dem Herzen kommen böse Gedanken wie zum Beispiel Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Lüge und Verleumdung.

20 Das macht unrein. Wer aber mit ungewaschenen Händen isst, wird davon nicht unrein!«

 

Jesus verlagerte das Augenmerk unserer Reinigungsbemühungen von außen nach innen. Weg von den Händen, hin zum Herz.

Eigentlich waren diese Gedanken auch für die Pharisäer nicht neu:

Schon David schrieb: Ps 51,12 Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist.

 

Aber was heißt das jetzt konkret, und vor allem: Wie bekomme ich dieses reine Herz?

 

Wie eigenglich alles im Reich Gottes ist es auch mit dem reinen Herzen so, dass ich es mir nicht verdienen kann. Es ist zu kostbar, als dass ich es, in welcher Währung auch immer bezahlen könnte. Ich muss es mir, genauso wie das ewige Leben von Gott schenken lassen.

Aber natürlich habe ich dabei auch einen Part zu erfüllen.

Beim ewigen Leben ist es so, dass ich dieses Geschenk in rechter Weise annehme, indem ich Jesus von ganzem Herzen vertraue und ihm erlaube, dass von nun an am Steuer meines Lebens sitzt. Jesus sagte in diesem Zusammenhang: Tut Buße (Kehrt um, erneuert euer Denken) und glaubt. (Vertraut mir in allen Bereichen eures Lebens).

 

Und auch beim reinen Herzen ist es so, dass es zwar unbezahlbar ist, aber mich trotzdem alles kostet. Es kostet mich die Bereitschaft, dass er in alle Bereiche meines Herzens vordringen darf um dort sauber zu machen. Bis ins letzte Winckerl. Auch in die Bereiche, die ich aus gutem Grund lieber verschlossen halten würde.

 

In den meisten Haushalten gibt es ein „Wurfzimmer“, oder eine Rumpelkammer. Es ist überall schön aufgeräumt, aber da dürfen Gäste normalerweise nicht hineinschauen. Solche Rumpelkammern gibt es auch in unseren Herzen. Da kommen alle Dinge rein, die ich nicht so gern von mir herzeige.

 

Dieses Bild hinkt insofern, dass ich meine Rumpelkammer zuhause sehr wohl gelegentlich betrete (um noch was hineinzustellen) und vor allem ziemlich genau weiß, wie es dort drin aussieht.

Bei meinem Herzen ist es nicht so, dass ich diese Bereiche gern ansehe, wenn sie mir überhaupt bewusst sind. Viele unserer Charakterdefizite und Marotten bekommen wir selber überhaupt nicht mit. Wir sind betriebsblind. Aber unsere Umwelt leidet darunter.

Es gibt Menschen, die sind so betriebsblind, dass selbst wenn man sie auf ihre Defizite aufmerksam macht, sie nicht wissen, wovon der andere gerade spricht.

 

Stell dir selber einmal die Frage: Darf Jesus wirklich in die dunkelsten Ecken meines Herzens vordringen um darin sauber zu machen?

 

Es kann gut sein, dass es eine zunächst schmerzhafte Erfahrung mit sich bringt, wenn du ihm das erlaubst. Aber ich kann dir versichern, dass sich dieser Schmerz auszahlt und dass die Heilung, die darauf folgt viel tiefgreifender und befreiender ist, als du dir das vorstellen kannst.

 

Es ist nämlich so, dass wenn diese Dinge nicht entfernt werden und mein Herz von diesen schmutzigen Dingen nicht befreit wird, dann diese Sachen zu eitern anfangen und immer mehr Bereiche meines Herzens davon betroffen sind. Es ist dann wie bei einem Krebsgeschwür, dass sich unkontrolliert im Körper ausbreitet, bis immer mehr lebenswichtige Organe befallen sind und der Tod unausweichlich ist.

Dann ist das Resümee des Arztes womöglich: „Bei einer rechtzeitigen Entfernung des Krebsherdes hätte ein kleiner chirurgischer Eingriff das Leben des Patienten noch retten können, aber jetzt ist es zu spät…“

 

Auch bei unseren Herzen ist es so, dass je länger ich diese Rumpelkammern unter Verschluss halte, desto langwieriger, herausfordernder und vor allem schmerzhafter wird die Reinigung. Bei Gott ist kein Ding unmöglich, aber je früher ich ihn bei mir „putzen“ lasse, desto einfacher und besser ist es. Für mich und für alle anderen.

 

Jesus zählt eine ganze Liste mit Gerümpel in unserem Herzen auf, von denen du vermutlich im ersten Augenblick sagst: Bei mir gibt es diese Dinge aber nicht:

Böse Gedanken, Mord, Ehebruch, sexuelle Unmoral, Diebstahl, Lüge und Verleumdung.

Bist du dir sicher? Auch wenn ich noch keinen Mord, Ehebruch, oder Banküberfall begangen habe, wenn ich ehrlich zu mir selber bin, dann ertappe ich mich schon beim ersten, das Jesus aufzählt: Böse Gedanken.

 

Die gute Nachricht ist: Gott schenkt dir gern ein neues Herz. Dass dieses neue Herz leider immer wieder schmutzig wird, ist leider kaum zu vermeiden, aber auch da ist die gute Nachricht, dass Gott gern darin putzt. Regelmäßig.

Er putzt aber nicht mit Staubsauger und Wischmop, sondern mit seinem Wort. Jesus sagt zu seinen Jüngern in Joh 15,3: Ihr seid schon rein geworden durch das Wort, das ich euch verkündet habe.

Das, womit ich mein Herz füttere, wird es prägen. Wenn ich ständig Gedanken nachhänge, was ich alles nicht bekommen habe im Leben, wird mein Herz traurig werden. Wenn ich mir Pornofilme reinziehe, wird mein Herz mit Lust gefüllt, aber nicht mit Liebe. Wenn ich Neid, Groll, Bitterkeit usw. hege und pflege, wird das tiefe Spuren in meinem Herzen hinterlassen. Wenn ich meine Sorgen nicht, so wie es mir das Wort Gottes empfiehlt, auf Jesus werfe, sondern sie mir behalte, weil ich glaube alles selber lösen zu müssen, dann wird mein Herz immer schwerer werden, sodass ich es nicht mehr (er)tragen kann.

 

Wenn ich aber mein Herz regelmäßig mit Gottes Wahrheit, seiner Liebe und Freundlichkeit fülle, dann haben böse Gedanken immer weniger Platz. Und wenn ich es seiner reinigenden und heilenden Gegenwart aussetze, dann wird mein Herz immer mehr in Reinheit und Schönheit erstrahlen.

 

Ein letzter Gedanke:

Im Herzen rein zu sein und rein zu bleiben hat nichts damit zu tun, dass ich mich von der Welt distanzieren, oder gar abschotten muss. Vom Geist und vom Wesen dieser Welt: Ja! Aber nicht von den Menschen, die in dieser Welt leben.

Wir als Gemeinde, als „Gemeinschaft der Heiligen“, wie wir im apostolischen Glaubensbekenntnis bezeichnet werden, sind keine Insel der Seligen, die versuchen jeden Kontakt mit der „bösen Welt“ da draußen zu vermeiden, um sich ja nicht zu verunreinigen.

Wir sind in diese Welt hinein ausgesandt um dort Salz und Licht zu sein, wo es Schmutz gibt. Mit dem Licht erkennen wir, wo es schmutzig ist und das Salz hat eine reinigende Wirkung auf unsere Umwelt.

Wenn du an deinem Arbeitsplatz vielleicht der/die einzige Gläubige bist, dann hab keine Angst davor „anders“ zu sein. Wenn deine Kollegen merken, dass du beispielsweise nicht über den Chef herziehst, dann wird der eine, oder andere darüber nachdenken, warum du das nicht tust. Und ich bin überzeugt davon, dass es mehr Kollegen gibt, die das zumindest heimlich bewundern, als solche, die das stört.

 

Wenn junge, verliebte Pärchen nicht bei der ersten Gelegenheit miteinander ins Bett gehen, sondern warten können und sich für einander aufbewahren, bis sie einen Bund fürs Leben eingegangen sind, dann stößt das bei vielen heute auf Unverständnis und Kopfschütteln. Die Wahrheit ist aber, dass dieses „Rein halten“ eines der besten Voraussetzungen für das Gelingen einer Ehe ist. Welches Hochzeitspaar will nicht, dass die Ehe ein ganzes Leben lang hält?

 

Gott liebt Reinheit in unseren Herzen. Er tut beständig alles dafür, damit wir mit einem reinen Herzen leben können. Seine „Reinigungsfirma“ arbeitet rund um die Uhr. Aber er kann nur dort „putzen“ wo wir es ihm erlauben. Er drängt sich auch bei diesem Thema nicht auf.

 

Aber Jesus hat uns verheißen:

Mt 5,8 Glücklich sind die, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen.