Was hört man, wenn man an einer Muschel lauscht?

Meeresrauschen.

Und was hört man, wenn man an einem Döner lauscht?

Das Schweigen der Lämmer.

 

Wir sind letzten Sonntag, bei unserem Gang durch die Off, bis zum sechsten Siegel gekommen. Heute können wir gespannt darauf sein, was passiert, wenn Jesus, das Lamm das siebte Siegel aufbricht und somit endgültig die Herrschaft antritt.

Man denkt sich: So, jetzt gibt es noch einmal ein finales Feuerwerk der Größe, Schönheit und Allmacht Gottes, aber ganz etwas Anderes geschieht:

Off 8,1: Als das Lamm das siebte Siegel aufbrach, wurde es im Himmel ganz still, etwa eine halbe Stunde lang.

Ich hab mir gedacht, ich nehme mir das zum Vorbild und werde „als Predigt“ auch eine halbe Stunde lang schweigen. 🙂

 

Wörtlich: Es geschah ein Schweigen im Himmel. Ein interessantes Paradox: Was „geschieht“ beim Schweigen?

 

Zunächst ist man versucht an eine „Ruhe vor dem Sturm“ zu denken. Immerhin wissen wir, dass die Off nicht mit diesem Schweigen endet, sondern noch einige Kapitel vor uns liegen.

Aber hinter diesem Schweigen steht noch viel mehr:

Am Anfang der Bibel lesen wir, dass die ganze Schöpfung durch das Reden Gottes entstanden ist. „Und Gott sprach…“

Dieses Reden Gottes hat bis heute nicht aufgehört.

Heb 1,1-3:

1 In der Vergangenheit hat Gott in vielfältigster Weise durch die Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen.

2 Aber jetzt, am Ende der Zeit, hat er zu uns gesprochen durch den Sohn. …

3 … Durch sein [Jesu] machtvolles Wort sichert er den Bestand des Weltalls.

Was passiert, wenn er sein lebenserhaltendes Wort zurückzieht? Das Gleiche, wie wenn man bei einem Komapatienten die Herz-Lungenmaschine abschaltet. Unsere Welt ist ohne sein Wort nicht lebensfähig. Am Anfang schuf Gott aus dem Chaos den Kosmos, dann, wenn er schweigt, wird als dem Kosmos wieder Chaos.

 

Aber dieses Schweigen ist noch nicht Endgültig, sondern es dauert „eine halbe Stunde“, also eine bestimmte, gemessene Zeit.

Aber danach geht es Schlag auf Schlag. Jeder Vers in Kap 8 und die meisten in Kap 9 beginnen mit dem Wort „und“: Und ich sah; und ein Engel; und der Rauch; und der Erste posaunte…

 

2 Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und ihnen wurden sieben Posaunen gegeben.

 

Diese 7 Engel sind dem Johannes offenbar bisher noch nicht aufgefallen. (4 Gestalten, 24 Älteste, 7 Fackeln…)

Die meisten Ausleger sehen darin die 7 Erzengel, die sowohl im Judentum, als auch im Christentum bekannt sind.

 

In Kap 8+9 lesen wir von den ersten 6 der sieben Posaunen.

Die Dinge, die darin beschrieben sind, ähneln zum Teil den ägyptischen Plagen aus dem Buch Exodus.

Das Blasen der Posaunen (Signaltrompeten) erinnert an die Trompeten von Jericho. Das Ertönen dieses Instrumentes bedeutete: Aufbruch, Mobilmachung, oder Angriff.

Der „Tag des Herrn“, von dem wir letzte Woche gehört haben, wird in der Bibel auch „Tag der Posaune“ (z.B. Zef 1,15) genannt.

 

Bevor jedoch die Engel in ihre Posaunen blasen, passiert noch etwas Anderes und Entscheidendes:

3 Ein anderer Engel kam mit einer goldenen Räucherpfanne und stellte sich an den Altar. Er erhielt eine große Menge Weihrauch, um ihn auf dem goldenen Altar vor Gottes Thron als Opfer darzubringen, zusammen mit den Gebeten aller Menschen in Gottes heiligem Volk.

4 Aus der Hand des Engels, der vor Gott stand, stieg der Weihrauch in die Höhe, zusammen mit den Gebeten der Menschen.

5 Dann nahm der Engel die Räucherpfanne, füllte sie mit Feuer vom Altar und warf es auf die Erde. Da blitzte und donnerte und dröhnte es heftig, und die Erde bebte.

6 Darauf machten sich die sieben Engel bereit, die sieben Posaunen zu blasen.

 

Bevor die Posaunen erschallen und Gottes Gericht über diese Erde hereinbricht, nimmt er sich Zeit, um auf unsere Gebete zu hören. Das Gebet der „Heiligen“ hat großes Gewicht vor Gott. Ja, man kann sogar sagen, dass das Gebet ein Geschichts- beeinflussender Faktor ist.

 

Diese Gebete finden ihr Vorbild in dem „zu Gott schreien“ der Israeliten in ihrer Zeit der Sklaverei in Ägypten. „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ (Ps 50,15)

Wenn Jemand in seiner Not zu Gott schreit, dann ist das weder eine Sackgasse, noch eine Einbahnstraße. Diese Gebete werden von Gott beantwortet. Zwar nicht immer sofort, und auch nicht immer genau so, wie wir es uns vorstellen, aber wir können sicher sein, dass zu seiner Zeit Gott allen Recht verschafft, die Unterdrückung oder Verfolgung erleiden. Deshalb können wir auch den Menschen vergeben, die uns unrecht tun. Weil wir wissen, dass Gott der gerechte Richter ist und er sich darum kümmern wird, dass die Übeltäter ihre gerechte Strafe erhalten.

Unser Gebet soll sein: Dein Reich komme! Dein Wille soll geschehen! Deine Gerechtigkeit, deine Liebe, dein Geist komme! Oder, wie es am Ende der Off, in dem auf ein einziges Wort komprimiertes Gebet heißt: „Komm!“

Wenn du Jesus da bist, ist alles gut.

Dieses Gebet steigt auf, direkt zum Thron Gottes. Zu seiner Zeit wird er es auf seine Weise beantworten.

 

Hier, in diesem Text lesen wir dann weiter davon, dass der Engel die Räucherpfanne mit dem Feuer des Altars füllt und diese auf die Erde schleudert.

Dieses Werfen ist eindeutig ein Gerichtsakt und das Feuer symbolisiert die reinigende Kraft Gottes, das alles verbrennt, was vor Gott unwürdig ist. Auch wir wären vor Gott unwürdig, wenn uns nicht, so wie wir das letzten Sonntag gehört haben, das Blut Jesus von aller Schuld gereinigt hätte.

Dass dieses beginnende Gericht Gottes mit Blitz, Donner, Lärm und Erdbeben einhergeht, zeigt die Allmacht und Heiligkeit Gottes.

Und dann folgen wie gesagt diese Trompetenstöße, oder das Schmettern der Posaunen.

 

Ich will mich nicht in den einzelnen Posaunenstößen verlieren, sondern nur einen kurzen Überblick weitergeben.

Bei den ersten vier Posaunen wird den Menschen jeweils 1/3 ihrer Lebensgrundlage entzogen: Grünfläche, Meer, Süßwasser, Licht.

Stell dir vor, du müsstest von heute auf morgen mit einem Drittel weniger Geld auskommen. Das würde dich nicht umbringen, aber vor ziemliche Herausforderungen stellen.

 

Im neunten Kapitel werden die fünfte und sechste Posaune geblasen.

Der Fall des Sterns, von dem bei der fünften Posaune berichtet wird erinnert an den Fall Satans aus dem Himmel, wie er in Jes 14 beschrieben ist. Das Ziel der Armee aus Heuschrecken, die daraufhin aus dem Untergrund heraufsteigen ist es, die Menschen zu quälen. Diese Heuschrecken haben Stacheln sie Skorpione heißt es im Text. Der Stich eines Skorpions gilt als sehr schmerzhaft, aber nur wenige Skorpion Arten haben ein tödliches Gift. V6: In dieser Zeit werden sich die Menschen verzweifelt den Tod wünschen, aber er wird sie nicht erlösen. Sie wollen nur noch sterben, aber der Tod wird vor ihnen fliehen.

Es heißt aber auch: V4: Sie sollten nur die Menschen quälen, die nicht das Siegel Gottes auf ihrer Stirn trugen.

 

Wenn die sechste Posaune geblasen wird, werden die 4 Engel, die am Euphrat gefangen gehalten werden, frei gelassen. Es handelt sich dabei offensichtlich um gefallene Engel:

15 Die vier Engel wurden freigelassen. Sie waren auf das Jahr, den Monat, den Tag und die Stunde genau für diesen Zeitpunkt dazu bereitgestellt, ein Drittel der Menschheit zu töten.

16 Man nannte mir die Anzahl ihrer berittenen Truppen; es waren Millionen und Abermillionen.

Wörtlich: 2 mal 10000-mal 10000. Zehntausend (= 1 Myriade) ist im Griechischen das höchste Zahlwort; es handelt sich also um eine unermessliche Menge.

 

Diese gefallenen Engel waren also schon seit dem Sündenfall auf der Erde. Der Euphrat ist für jüdisches Denken die ideelle Ostgrenze des verheißenen Landes. Viele Feinde Israels kamen aus dem Osten.

Auch heute noch ist es geistlich gesehen sicher kein Zufall, dass der Iran Israel nicht anerkennt.

Der Einfall des feindlichen Heeres vom Osten her ist vielleicht eine Anspielung auf den Ansturm der von den Römern gefürchteten Partherheere.

 

Welche Macht diese Engel haben und was für Plagen sie auslösen werden könnt ihr in Kap 9 selber nachlesen.

 

Am Ende des Kap 9 folgen die Verse, die den Vater im Himmel unendlich traurig machen. Sie gehören meiner Meinung nach zu den deprimierendsten Versen in der Bibel:

20 Aber die Menschen, die nicht durch diese Katastrophen getötet wurden, änderten sich nicht. Sie hörten nicht auf, die Dämonen und die Götzen aus Gold, Silber, Bronze, Stein und Holz anzubeten, diese selbst gemachten Götter, die weder sehen noch hören noch gehen können.

21 Nein, sie änderten sich nicht; sie hörten nicht auf zu morden, Zauberei und Unzucht zu treiben und zu stehlen.

 

Echt traurig. Gleichzeitig wird durch diese Verse ein Stück vom Herzen Gottes sichtbar. Warum lässt er all die Plagen, all das Unheil und all die Schmerzen zu?

  1. Tim 2,4: Er [Gott] will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden.

Der Mensch ist ein Schmerzlerner. Leider ist es so, dass es vielen Menschen erst einmal schlecht gehen muss, damit sie anfangen nach dem Sinn des Lebens und nach Gott zu fragen. Wenn das offensichtlich der einzige Weg für viele zum Leben ist, dann geht Gott diesen Weg. Er selber ist diesen Weg des Leides gegangen. Niemand kann sagen: Jesus versteht meinen Schmerz nicht.

Aber ändern kann und wird sich ein Mensch erst dann, wenn er ein neues Herz bekommt. Ein Herz, in das die Liebe des Vaters eingegossen wird, das ihn erkennt und eine Beziehung mit ihm pflegt.

 

Hast du dieses neue Herz? Oder gehörst du zu den Menschen, die Götzendienst betreiben, in welcher Form auch immer. Die ganze Offenbarung kommt immer wieder auf die eine, alles entscheidende Frage zu sprechen: Wen oder was beten wir an? Dinge (Haus, Auto, Geld…), Nichtmaterielles (Karriere, Familie, Freizeit, Ansehen…), Ego (Hauptsache mir geht es gut), oder ist es Jesus?

Beantworte die folgende Frage ganz ehrlich für dich selber und dir wird klar, wen du in Wahrheit anbetest:

Wofür verwendest du deine meiste Zeit, deine Gedanken und dein Geld?

 

Alles, was du anbetest und nicht Jesus heißt, wird dich enttäuschen!

Es wird dich dazu bringen, wie es hier heißt zu morden, Zauberei und Unzucht zu treiben und zu stehlen. Und noch viele weitere schlimme Dinge zu tun. Mehr als alles andere behüte dein Herz, denn es bestimmt über dein Leben. (Spr 4,23)

 

Auch wenn viele Menschen nicht umkehren wollen und sich der Botschaft Gottes verschließen, so dürfen wir dennoch nicht müde werden, denen die „Gute Nachricht“ zu bringen, deren Herzen bereit und offen ist. Das ist unsere primäre Aufgabe als Gemeinde in dieser Welt.

Jeder Mensch ist Gott wichtig!