Die Geschichte von den drei Männern, die Steine klopfen:
Der erste schaut missmutig vor sich hin. Und als er gefragt wird, was er da macht, sagt er freudlos: „Na, das siehst du doch, ich klopfe Steine.“
Der zweite schaut schon ein bisschen freudiger und sagt: „Ich haue Steine für eine Säule.“
Der dritte pfeift fröhlich ein Liedchen beim Steine klopfen und antwortet stolz: „Ich baue eine Kathedrale.“

Predigtserie über Esra und Nehemia

Situation in Jerusalem:
Tempel unter Esra wieder aufgebaut, aber: Neh 1,3
»Die Menschen in der Provinz Juda, die der Verschleppung entgangen sind, leben in großer Not und Schande. Die Stadtmauer Jerusalems liegt in Trümmern, die Tore sind durch Feuer zerstört.«

Wir sind es fast schon gewohnt mit schlechten Nachrichten konfrontiert zu sein. Journalistischer Grundsatz: Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Bsp.: Zeitung

Es ist zwar schon einiges geschehen in Jerusalem (Tempelbau unter Esra) aber die Stadt selber (vor allem die Mauer) liegt noch in Trümmern.
Eine Mauer ist oft negativ belegt durch die Berliner Mauer.
Aber die Aufgabe einer Mauer ist es Schutz und Halt zu geben. Auch ein Haus besteht aus Mauern.

Die Reaktion Nehemias ist verständlich : Neh 1,4
Als ich das hörte, setzte ich mich nieder und weinte. Tagelang trauerte ich, fastete und flehte den Gott des Himmels an.
Er fühlte sich wie die Brasilianischen Fußballfans nach dem 1:7…

Nehemia war weder Priester, noch sonst eine „wichtige“ Person, er war Mundschenk bei König Artaxerxes von Persien.
Er hätte sich sagen können: Jerusalem ist weit weg. Natürlich ist das ganze traurig, aber was kann ich schon tun?
Aber er fühlt sich von Gott berufen, diese Situation nicht einfach hin zu nehmen.

Das erste was er tut: Er geht ins Gebet und demütigt sich vor Gott. Neh 1,7-9
7 Wir haben große Schuld auf uns geladen: Wir haben die Gebote und Gesetze missachtet, die du uns durch Mose, deinen Diener und Bevollmächtigten, gegeben hast.
8 Aber denk doch daran, dass du ausdrücklich zu deinem Diener Mose gesagt hast: ‚Wenn ihr mir untreu werdet, will ich euch unter die fremden Völker zerstreuen;
9 wenn ihr aber zu mir zurückkehrt, auf meine Gebote achtet und sie befolgt, werde ich sogar die, die ich bis ans äußerste Ende der Erde verstoßen habe, von dort zurückholen. Ich will sie heimbringen an den Ort, den ich erwählt und zum Wohnsitz meines Namens bestimmt habe.‘ So hast du gesagt –

Und Gott erhört das Gebet des Nehemia.
Etwa vier Monate nach diesem Gebet fällt dem König auf, dass Nehemia bedrückt ist und fragt ihn nach dem Grund. Neh 2,2-5
2 Der König sagte zu mir: »Warum siehst du so schlecht aus? Du bist doch nicht etwa krank? Nein, das ist es nicht – irgend etwas macht dir das Herz schwer!«
Der Schreck fuhr mir in die Glieder.
3 Dann antwortete ich: »Der König möge ewig leben! Kann ich denn fröhlich aussehen? Die Stadt, in der meine Vorfahren begraben sind, ist verwüstet, und ihre Tore sind vom Feuer zerstört.«
4 Darauf fragte mich der König: »Und was ist deine Bitte?«
Ich schickte ein Stoßgebet zum Gott des Himmels
5 und sagte zum König: »Mein König, wenn es dir gut erscheint und wenn du deinem Diener Vertrauen schenkst, dann lass mich doch nach Judäa gehen in die Stadt, in der meine Vorfahren begraben sind, damit ich sie wieder aufbauen kann!«

Und tatsächlich erfüllt der König die Bitte Nehemias.

Als Nehemia in Jerusalem ankommt, macht er zuerst eine Bestandsaufnahme von der Situation. Bei Nacht und Nebel reitet er um die kaputte Mauer und schaut, was alles gemacht werden muss.

Wie schon bei der letzten Predigt erwähnt, gibt es einige Parallelen zwischen dem Wiederaufbau Jerusalems und dem Gemeindebau.
Wenn wir über Gemeindeaufbau nachdenken, dann müssen wir auch immer wieder reflektieren: Was war gut, was hat Gott unter uns bereits getan, welche Gaben hat er uns geschenkt usw.
Aber wir müssen auch ganz genau schauen, wo unsere Baustellen sind.
In einer Gemeinde wird es immer wieder Baustellen geben. Wir werden uns nie zurücklehnen können und sagen: So, jetzt haben wir es geschafft, die Gemeinde ist fertig, Jesus du kannst jetzt wieder kommen!

Nach der Bestandsaufnahme macht Nehemia etwas sehr wichtiges: Er trommelt die führenden Männer Jerusalems zusammen und gewinnt sie für sein „Projekt“. Neh 2,17-18
»Ihr seht selbst die trostlose Lage, in der wir stecken. Jerusalem ist ein Trümmerhaufen, und die Stadttore sind verbrannt. Kommt, lasst uns die Mauer wieder aufbauen, damit diese Schande aus der Welt geschafft wird!«
Ich erzählte ihnen auch, wie die gütige Hand meines Gottes mir geholfen und was der König mir gewährt hatte.
Da sagten sie: »Ja, ans Werk, bauen wir sie auf!« Und sie machten sich mit Eifer an die Vorbereitungen zu dem wichtigen Unternehmen.

In der Fachliteratur nennt man das was Nehemia da getan hat: Visionsvermittlung.
Eine von Gott gegebene Vision ist etwas großartiges. Aber sie wird erst dann anfangen Realität zu werden, wenn der, der die Vision hat, diese anderen gewinnend vermitteln kann.

Die Vision von Sabine und mir ist es eine gesunde, lebendige Gemeinde im Bezirk Rohrbach aufzubauen, die ein Licht für alle Menschen hier ist.
Das erste, was wir gemacht haben war, dass wir Menschen gesucht haben, mit denen wir diese Vision teilen können. Sonst würden wir noch heute in unserem Wohnzimmer sitzen und davon träumen, dass es so eine Gemeinde gibt.
Ihr, die ihr hier sitzt seid Teil dieser Vision, ja mehr noch. Ich freue mich darüber, dass diese Vision auch eure Vision geworden ist.
Aber natürlich sind wir noch lange nicht am Ziel. Es gibt noch viele Menschen im Bezirk – und darüber hinaus – die Gott noch nicht wirklich kennen gelernt haben. Die noch nicht die Gelegenheit hatten Vergebung zu erlangen, Frieden mit Gott zu schließen und seine Freunde zu werden.

Wie wir das schon bei Esra gesehen haben, als es um den Tempelbau ging, so ist es auch bei Nehemia so, dass dort wo Gott etwas tut, sich plötzlich Wiederstand regt. Nur dass bei Nehemias Mauerbau es nicht nur Wiederstand von Außen gibt; sie werden beispielsweise von den Arabern und Ammonitern verspottet: Neh 3,35
»Sie sollen nur bauen! Wenn ein Fuchs an ihre Mauer springt, dann stürzt die ganze Herrlichkeit zusammen!«

Was für Nehemia sicherlich schmerzlicher war, dass er verleumdet wurde. Man unterstellte ihm zum Beispiel, dass es ihm nur darum ging, selber König von Israel zu werden.
Aber ganz besonders schlimm für ihn muss es gewesen sein, dass er von seinen eigenen Leuten angegriffen wurde. (Neh 6,17-19)

Auch das kennen wir aus eigener Erfahrung, dass nicht nur Menschen von außen unsere Gemeinde und unseren Glauben belächeln oder schlecht reden wollen. Auch das Menschen, in die wir viel Zeit und Liebe investiert haben, sie Teil dieser Gemeinde waren, gegangen sind und dann noch versucht haben der Gemeinde zu schaden.

Nehemia hat all das nicht aus der Bahn geworfen oder davon abhalten können seine Vision um zu setzen.
Als die Feinde einen militärischen Angriff planen, organisiert Nehemia Wächter, die die Stadt mit ihrer noch nicht fertigen Mauer bewachen.

Solche Wächter brauchen wir heute auch. Wir kämpfen nicht gegen Fleisch und Blut (Eph 6,12), sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen. Unsere Wächter heute sind die Fürbitter, die geistliche Schlachten schlagen. Ich bin sehr froh über unseren Gebetskreis, aber ich denke, angesichts der Tatsache, dass wir als Gemeinde offensichtlich gefährlicher geworden sind für den Feind, dass wir unsere „Verteidigung“ verstärken müssen. Ich glaube, dass wir noch viel mehr Fürbitter brauchen, die bereit sind im Gebet wirklich zu kämpfen.
Und auch jeder einzelne Mitarbeiter muss bereit sein, seinen Platz geistlich gesehen zu verteidigen: Neh 4,10-12
Von dem Tag an arbeitete nur noch die Hälfte meiner Leute beim Mauerbau mit, während die andere Hälfte Wache stand, ausgerüstet mit Speeren, Schilden, Bogen und Rüstungen. Die führenden Männer standen hinter den Leuten von Juda, die am Mauerbau arbeiteten. Die Träger trugen mit der einen Hand die Last, in der andern hielten sie eine Waffe.
Alle Bauleute hatten während der Arbeit das Schwert umgeschnallt.

Dieses Bild müssen wir uns beständig vor Augen halten, wenn es um den Gemeindebau geht. Wir haben eine Maurerkelle in der einen und ein Schwert in der andern Hand. Wir lieben Menschen und dienen ihnen mit unsern Gaben und gleichzeitig kämpfen wir im Gebet und wehren die Angriffe des Feindes ab. Das klingt nicht nur anstrengend, das ist es auch. Genauso wie für die Männer die Steine klopfen aus der Geschichte am Anfang.
Die Frage ist also: Bist du der, der einfach nur Steine klopft, oder bist du der, der eine Kathedrale baut?
Erledigst du deinen Job in der Gemeinde weil man das halt macht als Christ, oder bist du ein wichtiger Mitarbeiter am größten, schönsten und besten Bau mit, der je auf dieser Erde gebaut wurde? Ein Bau der die ganze Herrlichkeit Gottes wieder spiegelt: Der Gemeinde Jesu Christi!

Der Bau Nehemia, die Mauer von Jerusalem wurde nach 52 Tagen fertig gestellt. Ganz so schnell geht der Gemeindebau nicht von Statten. Aber die Mauer von Jerusalem hielt nur ca. 500 Jahre. Die Gemeinde führt hinein in die Ewigkeit.

Offb 21,10-26
10 Der Geist … zeigte mir die Heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott aus dem Himmel herabkam.
11 Sie strahlte die Herrlichkeit Gottes aus und glänzte wie ein kostbarer Stein, wie ein kristallklarer Jaspis.
12 Sie war von einer sehr hohen Mauer mit zwölf Toren umgeben. Die Tore wurden von zwölf Engeln bewacht, und die Namen der zwölf Stämme Israels waren an die Tore geschrieben.
14 Die Stadtmauer war auf zwölf Grundsteinen errichtet, auf denen die Namen der zwölf Apostel des Lammes standen.
18 Die Mauer bestand aus Jaspis. Die Stadt selbst war aus reinem Gold erbaut, das so durchsichtig war wie Glas.
23 Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, damit es hell in ihr wird. Die Herrlichkeit Gottes strahlt in ihr, und das Lamm ist ihre Leuchte.
24 In dem Licht, das von der Stadt ausgeht, werden die Völker leben. Die Könige der Erde werden ihren Reichtum in die Stadt tragen.
25 Ihre Tore werden den ganzen Tag offenstehen, mehr noch: Sie werden nie geschlossen, weil es dort keine Nacht gibt.
26 Pracht und Reichtum der Völker werden in diese Stadt gebracht.

Glaubst du nicht auch, dass es sich absolut auszahlt an diesem Bau beteiligt zu sein? Dass es sich lohnt dafür jetzt die eine oder andere Anfeindung, Benachteiligung oder auch Anstrengung in Kauf zu nehmen?

Ich möchte mithelfen, diese „Mauer Gottes“ für das himmlische Jerusalem mit zu bauen.
Ich habe die Vision, dass Gott noch viele Menschen im Mühlviertel als Mitarbeiter engagieren wird.
Ich bin bereit das Schwert umzuschnallen und die Maurerkelle in die Hand zu nehmen.
Und du? Baust du auch mit?