Predigtserie: Einen Gang durchs Lukasevangelium

Vorbemerkungen:
Lukas: Einer der drei „Synoptiker“.
Lukas war Arzt (Kol 4,14), Heidenchrist (Kol 4,10f), Begleiter des Paulus ab der zweiten Missionsreise. (Wir-Berichte in Apg)
Seit dem 2. Jhdt. unbestrittener Verfasser des Ev. und der Apg.
Verfassungszeit (auch Apg) wahrscheinlich noch vor 70 n.Chr.

Besonderheit im Vergleich zu den anderen Evangelien:
HG wird sehr häufig erwähnt.
Ebenso das Wort „Heiland“ [sotaer] (kommt sonst nur selten in Joh vor)
Dieser Titel wurde eigentlich römischen Kaisern gegeben, von denen man sich ein goldenes Zeitalter erwartete.
Auch „Heil Hitler“!

In dieser Haltung der zu erwartenden Heilszeit wird Jesus als der „Sotaer“ vorgestellt. Im Unterschied zu den diversen Machthabern der Geschichte trägt er diesen Titel zurecht.
Lukas = Evangelium der „Freude.“
Viel „Sondergut“ z.B.: Der 12jährige Jesus, der barmherzige Samariter, der verlorene Sohn…

Ich möchte die ersten 1 ½ Kapitel überspringen (Geburt von Joh d.T. und Weihnachtsgeschichte) und gleich zu Lk 2,21-40 kommen. Die Geschichte wie Jesus am achten Tag, nach jüdischer Tradition beschnitten wurde und seine Eltern das vorgeschriebene Opfer im Tempel dargebracht haben.

21 Nach acht Tagen war es Zeit, das Kind beschneiden zu lassen. Es bekam den Namen Jesus – so wie es der Engel des Herrn angeordnet hatte, noch ehe Maria das Kind empfing.
22 Vierzig Tage nach der Geburt war die Zeit der Unreinheit für Mutter und Kind vorüber, die im Gesetz Moses festgelegt ist. Da brachten die Eltern das Kind in den Tempel nach Jerusalem, um es Gott zu weihen.
23 Denn im Gesetz des Herrn heißt es: »Wenn das erste Kind, das eine Frau zur Welt bringt, ein Sohn ist, soll es Gott gehören.«
24 Zugleich brachten sie das Reinigungsopfer, wie es im Gesetz des Herrn vorgeschrieben ist: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
25 Damals lebte in Jerusalem ein Mann namens Simeon. Er war fromm, hielt sich treu an Gottes Gesetz und wartete auf die Rettung Israels. Er war vom Geist Gottes erfüllt, 26 und der hatte ihm die Gewissheit gegeben, er werde nicht sterben, bevor er den von Gott versprochenen Retter mit eigenen Augen gesehen habe.
27 Simeon folgte einer Eingebung des Heiligen Geistes und ging in den Tempel. Als die Eltern das Kind Jesus dorthin brachten und es Gott weihen wollten, wie es nach dem Gesetz üblich war, 28 nahm Simeon das Kind auf die Arme, pries Gott und sagte:
29 »Herr, nun kann ich in Frieden sterben,
denn du hast dein Versprechen eingelöst!
30-31 Mit eigenen Augen habe ich es gesehen:
Du hast dein rettendes Werk begonnen,
und alle Welt wird es erfahren.
32 Allen Völkern sendest du das Licht,
und dein Volk Israel bringst du zu Ehren.«
33 Der Vater von Jesus und seine Mutter wunderten sich über das, was Simeon von dem Kind sagte.
34-35 Simeon segnete sie und sagte zur Mutter Maria: »Dieses Kind ist von Gott dazu bestimmt, viele in Israel zu Fall zu bringen und viele aufzurichten. Es wird ein Zeichen Gottes sein, gegen das sich viele auflehnen werden, damit so ihre innersten Gedanken an den Tag kommen. Dich aber wird der Kummer um dein Kind wie ein scharfes Schwert durchbohren.«
36 In Jerusalem lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls aus dem Stamm Ascher. Sie war schon sehr alt. Sieben Jahre war sie verheiratet gewesen, 37 und seit vierundachtzig Jahren war sie Witwe. Sie verließ den Tempel nicht mehr und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
38 Auch sie kam jetzt hinzu und pries Gott. Sie sprach über das Kind zu allen, die auf die Rettung Jerusalems warteten.
39 Als Maria und Josef alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie mit Jesus nach Galiläa in ihre Heimatstadt Nazaret zurück.
40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig. Es hatte ein ungewöhnliches Verständnis für den Willen Gottes, und Gottes Liebe ruhte sichtbar auf ihm.

Die Beschneidung ist bis heute das äußere Zeichen der Zugehörigkeit zum Volk Israel. Der Eingangswitz deshalb erst hier:
Ein katholischer Priester, ein evangelischer Pastor und ein jüdischer Rabbi wohnen nebeneinander in einer Straße. Eines Tages hat der katholische ein funkelnagelneues Auto vor der Tür stehen.
„Donnerwetter“, denkt sich der evangelische, „das kann ich auch“, und hat am nächsten Tag auch einen neuen Wagen vor der Tür.
Der Rabbi sieht’s und hat ebenfalls tags drauf ein neues Auto. Am nächsten Wochenende sieht der evangelische Pastor, wie der katholische mit einem Eimer Wasser zu seinem Auto geht und ihn drüber gießt. „Klar“, denkt er sich, „muss sein.“ Also geht auch er mit einem Eimer Wasser zu seinem Auto und gießt ihn drüber.
Nachdem der Rabbi das alles gesehen hat, denkt er kurz nach, holt eine Eisensäge, geht zu seinem Auto und sägt ein Stück vom Auspuff ab…

Jesus wurde also beschnitten und stand somit auch unter dem Gesetz. Als wahrer Gott stand er zwar eigentlich über dem Gesetzt aber als wahrer Mensch stellte er sich darunter. Jesus sagte selbst, dass er nicht gekommen sei um das Gesetz abzuschaffen, sonder ihm volle Geltung zu verschaffen.

Im Gesetz Mose war klar festgelegt, 2.Mose 13,11-16
»Wenn der HERR euch nun in das Land der Kanaaniter … dann sollt ihr jede Erstgeburt dem HERRN als Eigentum übergeben.
14 Wenn eure Söhne euch künftig fragen werden, warum ihr diesen Brauch befolgt, dann sagt ihnen: ‚Dieser Brauch geht zurück auf die Zeit, als der HERR uns mit starker Hand aus Ägypten, wo wir Sklaven waren, herausgeführt hat.
15 Damals weigerte sich der Pharao hartnäckig, uns ziehen zu lassen, und deshalb tötete der HERR alle Erstgeborenen in Ägypten, unter den Menschen wie unter dem Vieh. Deshalb opfern wir dem HERRN jede männliche Erstgeburt; unsere erstgeborenen Söhne aber kaufen wir durch ein Ersatzopfer frei.‘
16 Dieser Brauch hat für euch dieselbe Bedeutung wie die Zeichen am Arm und auf der Stirn; denn mit starker Hand hat der HERR uns aus Ägypten herausgeführt.«

Der jungen Familie (Josef, Maria und Jesus) begegnen im Tempel zwei interessante ältere Menschen:
Simeon
Er wird als fromm und gottesfürchtig beschrieben. Das klingt im ersten Moment fast wie das selbe, aber das ist es nicht ganz. Fromm stammt vom Mittelhochdeutschen Wort „vrum“ ab und bedeutet soviel wie nützlich oder brauchbar sein. Frömmigkeit bezieht sich eher auf das was ich tue. Gottesfürchtig zu sein ist mehr eine Haltung des Herzens.
Ich kann also fromm sein, ohne gottesfürchtig zu sein, aber nicht umgekehrt.

Noch zwei Dinge sagt der Text über Simeon aus: Der Heilige Geist war mit ihm und er war voller Erwartung auf die Ankunft des Heilandes.
Er lebte heilsgeschichtlich betrachte zwar noch im AT, trotzdem kannte er den HG schon. Im AT kam der HG in besonderen Situationen auf besondere Menschen zur Erfüllung besonderer Aufgaben. (Richter, Könige, Propheten…)
Aber mit der Ankunft Jesu auf Erden kommt der HG immer wieder auf Menschen über das AT Maß hinaus. Z.B. Elisabeth als ihr die schwangere Maria begegnet. (Lk 1,41)

Als Simeon, gedrängt durch den HG in den Tempel geht und dort dem Baby Jesus begegnet, setzt er zu einem recht eigenwilligen Lobpreis an: Er dankt Gott dafür, dass er jetzt in Frieden sterben kann. Wir erfahren zwar nichts über sein Alter, aber offensichtlich war er nicht mehr der Jüngste, sondern hatte den Großteil seines vielleicht erfüllten Lebens hinter sich. Doch dieses eine Highlight wollte er unbedingt noch erleben: Den von Gott versprochenen Heiland sehen. Jetzt ist es so weit und er darf Jesus in Händen halten. Könnt ihr euch sein Glück und das Leuchten in seinen Augen vorstellen?
Es ist alles getan, er hat seien Shalom mit und bei Gott gefunden.
Bei Hiob heißt es am Schluss: Er starb alt und lebenssatt. So möchte ich auch einmal sterben.

Es gibt das Sprichwort: „Einmal Rom sehen – und dann sterben!“
Ich möchte euch eine wahre Geschichte von einem Gärtner namens Kurt Peipe erzählen, der 2008 mit 65 Jahren die Diagnose „unheilbarer Krebs“ erhielt.
Er sagte sich: Mit jammern ist kein Blumentopf zu gewinnen und beschloss von Flensburg an der dänischen Grenze, zu Fuß nach Rom zu wandern.
Auf seinem Weg kämpft er nicht nur gegen die Schmerzen, gegen unwirtliches Wetter und seine knappe Kasse an, sondern auch gegen alle Bedenken. Aber bei diesem Mann, der kaum Kontakt zur Kirche hatte, wächst mit jedem Schritt das Gottvertrauen. Wie eine schützende Hand. Unter dem weiten Himmelszelt fühlt er sich zuhause und lernt sich selber und auch Gott kennen.
Er schafft die Strecke und kehrt verändert zurück. Erfüllt. „Wichtig war“, schreibt er danach, „dass ich losging. Dass ich den ersten Schritt machte. Und den zweiten. Und den nächsten.“ An dem Tag, an dem sein Buch über diese große Reise erscheint, stirbt er. Ohne Angst. „Es ist unendlich tröstlich zu wissen, dass wir getragen sind. Geführt. Wenn wir es zulassen… loslassen.“
„Herr, nun kann ich in Frieden sterben,
denn du hast dein Versprechen eingelöst!“ sagt Simeon.
Offensichtlich war er auch ein Prophet, denn er erkannte Jesus bereits als den Heiland, als das Licht für die Heiden und den Ruhm für Israel. (V32)
Und er segnete die Eltern, sagte ihnen aber auch, dass dieser Jesus für manche Menschen der Retter, für andere jedoch der Richter sein wird. „Viele werden sich ihm leidenschaftlich widersetzen und dadurch zeigen, dass sie gegen Gott sind“, sagte er zu Maria und dass der Schmerz darüber ihr Herz durchbohren wird.
Also keine, nach menschlichen Ermessen nur positive und angenehme Prophetie, aber eine, die sich bewahrheiten wird und bis heute aktuell ist.

Dieser Jesus scheidet bis heute die Geister: Viele widersetzten sich ihm, manche aktiv, andere lassen ihn links liegen. Er wird ihr Richter werden, ob sie das wahr haben wollen, oder nicht.
Für die, die ihm vertrauen, ist er bereits zum Retter geworden. Diese Menschen, so sagt Jesus haben das Gericht bereits hinter sich gelassen. Er ist entweder unser Richter, oder unser Retter.
Am Pfingstmontag wird in Linz am Hauptplatz der Christustag begangen werden. Eine Woche nach dem medialen Großereignis in Wien, dem Song Contest. Es gibt die Idee in Anspielung dazu T-Shirts zu drucken mit der Aufschrift: „Jesus ist mir nicht Wurst“

Und dann taucht auch noch eine Prophetin auf. Eine sehr alte Frau namens Hanna. In manchen Übersetzungen steht, dass sie seit 84 Jahren Witwe ist, dann müsste sie über 100 gewesen sein, in manchen Übersetzungen steht, dass sie sehr lange Witwe – und zu diesem Zeitpunkt 84 war.
Egal, was sie auszeichnete, war dass sie ständig die Gegenwart Gottes im Tempel suchte und ihm Tag und Nacht mit fasten und beten diente. Das heißt nicht, dass sie gar nichts aß oder schlief, aber dass sie ein Leben der vollkommen Hingabe lebte.

Auch sie stimmt in den Lobpreis Simeons mit ein und erzählte die wunderbare Neuigkeit allen, die auf die Erlösung warteten. Sie ist somit eine Evangelistin.

Gehörst du auch zu denen, die darauf warten, dass Gott Erlösung schenkt? Vielleicht weil du in einer schwierigen, oder sogar scheinbar ausweglosen Situation feststeckst? Seit 84 Jahren?
Oder kennst du Menschen, die auf ihre Rettung warten? Die ihr „Heil“ in allem Möglichen suchen und es nicht finden?

Mit Jesus kam der „Erlöser“, der „Heiland“ dieser Welt. Auch wenn viele das noch nicht sehen oder glauben können. Er ist jetzt da!
Lasst uns diese frohe Botschaft all denen weiter sagen, die auf diese Nachricht gewartet haben.
Jetzt ist die Zeit des Heils. Jesus begegnet den Menschen. Alle, die ihm vertrauen dürfen diesen „Shalom“ bei Gott und mit Gott finden. Sie sind angekommen.
Das ist die „Frohe Botschaft“, die es zu verkündigen gilt, wenn es sein muss auch mit Worten um Franz von Assisi zu zitieren.

Jesus ist da!
Ihn wollen wir – nicht nur, aber ganz besonders – in den kommenden Sonntagen durch das Lukasevangelium begleiten.
Er schenkt allen, die ihm vertrauen seinen Heiligen Geist.
Er ist der Heiland.
Darüber können wir uns unendlich freuen!