Bei Familie Schaf klingelt es an der Tür. Draußen steht ein Polizist mit zwei kleinen Lämmchen.
Sagt der Polizist zu Mama Schaf: „Zwei Ihrer Kinder sind ausgebüxt. Wir haben sie im Park gefunden. Haben Sie denn nicht gemerkt, dass zwei fehlen?“
Antwortet Mama Schaf: „Ich versuche ja immer alle durchzuzählen, aber ich schlafe immer mittendrin ein!“

Es gibt so einen Moment, unmittelbar nach dem Aufwachen, da ist man wie „zwischen den Welten“. Das Geträumte ist noch präsent und doch merkt man, dass alles nur ein Traum war. Wenn man nicht gerade einen Albtraum hatte, dann möchte man das gerade erlebte festhalten, aber viel zu schnell wird man von der Realität des Tages eingeholt.

So etwas in dieser Art erlebten die Jünger auch, nur mit dem Unterschied, dass das was sie erlebten und sahen nicht geträumt haben, sondern sich diese wunderbare Szene tatsächlich vor ihren Augen abspielte.

Lk 9,28-36
28 Etwa acht Tage später nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen Berg, um zu beten. 29 Während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichts, und seine Kleider wurden strahlend weiß.
30 Dann erschienen zwei Männer, Mose und Elia, und begannen mit Jesus zu sprechen. 31 Auch sie waren von herrlichem Glanz umgeben. Sie sprachen darüber, wie er bald in Jerusalem sterben würde, um damit seinen Auftrag zu erfüllen.
32 Petrus und die anderen Jünger waren sehr müde gewesen und eingeschlafen. Nun wachten sie auf und sahen den strahlenden Anblick von Jesus und den beiden Männern, die neben ihm standen.
33 Als Mose und Elia sie verlassen wollten, rief Petrus schnell – und ohne zu wissen, was er sagte: »Meister, wie wunderbar ist das! Lass uns drei Hütten bauen – eine für dich, eine für Mose und eine für Elia.«
34 Doch er hatte kaum ausgeredet, da zog eine Wolke auf; und als die Wolke sie einhüllte, hatten sie große Angst.
35 Aus der Wolke drang eine Stimme: »Dies ist mein Sohn, mein Auserwählter. Hört auf ihn.«
36 Als die Stimme verhallt war, stand Jesus wieder allein da. Lange Zeit erzählten sie niemandem, was sie gesehen hatten.

Kennst du den Film „Wie im Himmel“. Diesen Titel könnte man auch hier als Überschrift über diese Textpassage wählen. Diesen Zustand in der herrlichen Gegenwart Gottes
Gott ist ja eigentlich immer da, aber wir erfahren seine Gegenwart meist nur in besonderen Situationen. Auch für Jesus war diese Begegnung etwas Besonderes. Er suchte zwar regelmäßig den Kontakt zu seinem Vater und zog sich oft zum Gebet zurück, aber so wie wir es hier gelesen haben, mit leuchtenden Kleidern (keine Waschmittelwerbung ), Begegnung mit alttestamentlichen Glaubenshelden und einer Stimme aus einer Wolke, das war selbst für Jesus eine besonderer Moment.

Aber ob diese Begebenheit für Jesus so „himmlisch“ war, wage ich zu bezweifeln. Schließlich unterhielt er sich mit Mose und Elia über das, was ihn in Jerusalem erwarten sollte: seinen bevorstehenden Tod am Kreuz.
Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum hier ausgerechnet Mose und Elia erschienen sind? Warum nicht Adam, Hennoch, Abraham, Hiob, Jesaja oder David?
Wenn im NT vom AT gesprochen wird, dann wird das AT meist mit der Formulierung „Das Gesetz und die Propheten“ bezeichnet.
Mt 5,17
»Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Weisungen der Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um sie außer Kraft zu setzen, sondern um sie zu erfüllen und ihnen volle Geltung zu verschaffen.
Mt 7,12
»Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt – das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.«
Lk 24,44
Dann sagte er zu ihnen: »Als ich noch mit euch zusammen war, habe ich euch gesagt: ›Alles, was im Gesetz, in den Schriften der Propheten und in den Psalmen über mich steht, muss in Erfüllung gehen.‹«
Joh 1,45
Philippus wiederum traf Natanaël und sagte zu ihm: »Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz geschrieben hat und den die Propheten angekündigt haben.

Der Vertreter des Gesetzes war eindeutig Mose und als Vertreter der Propheten wurde Elia gesehen.
Wenn sich Jesus hier auf dem Berg mit Mose und Elia traf, dann wird für uns ganz klar, dass Jesus eben der ist, der über die Jahrhunderte von Gott im Voraus – im Gesetz und in den Propheten – angekündigt wurde.

Das Gesprächsthema war wie gesagt kein Smalltalk über das Wetter. Die bevorstehende Passion Jesu war offensichtlich das Thema, das den Himmel bewegte.
(KISI Stück „Eine himmlische Aufregung“)
Und ich bin davon überzeugt, dass das was Jesus am Kreuz auf sich nahm, nach wie vor das Thema ist, das alles im Himmel überstrahlt.
In der Offenbarung des Johannes dürfen wir ja den einen oder anderen Blick in den Himmel werfen:
Off 5, 9-10
9 Sie [Die Engel und die 24 Ältesten] sangen ein neues Lied: »Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel aufzubrechen! Denn du wurdest als Opfer geschlachtet, und mit deinem vergossenen Blut hast du Menschen für Gott erworben, Menschen aus allen Sprachen und Stämmen, aus allen Völkern und Nationen.
10 Zu Königen hast du sie gemacht und zu Priestern für unseren Gott; und sie werden über die Erde herrschen.«

Könnt ihr euch die ganze Spannung, die in dieser Situation steckt vorstellen. Die Schönheit, der Glanz und die Herrlichkeit des Himmels strahlen und gleichzeitig geht es um Leid, Schmerz und Tod, den Jesus vor sich hat. Es ist diese Spannung, die nicht nur das ganze Leben Jesu begleitet und sich wie ein roter Faden durch die Bibel zieht, es ist gleichzeitig auch die Spannung, die wir als Christen auf dieser Erde erleben und mit der wir umgehen lernen müssen.

Jesus hielt trotz seiner himmlischen Herkunft und trotz dieser wunderbaren Verklärung an seiner Mission fest. Er verlor bei all der Herrlichkeit nicht aus den Augen, wofür er auf dieser Erde war.

Gleichzeitig war Jesus auch ganz Mensch und in allem versucht wie wir. Sehr deutlich wird das, wie er später im Gebet mit dem Vater ringt:
Mt 26,39:
»Mein Vater! Wenn es möglich ist, lass den Kelch des Leides an mir vorübergehen. Doch ich will deinen Willen tun, nicht meinen.«

Bereits hier, am Berg der Verklärung wusste Jesus, was ihm bevorstand und ich bin mir sicher, dass er auch hier schon in seinem Herzen mit dem Vater gerungen hat.
Und der Vater antwortet, indem er seinen Sohn bestätigt.
V 35: »Dies ist mein Sohn, mein Auserwählter. Hört auf ihn.«
Ähnlich, aber doch anders, als bei der Taufe Jesu: Damals sprach der Vater den Sohn direkt an: (Lk 3,22) »Du bist mein Sohn, dir gilt meine Liebe, dich habe ich erwählt.«
Was für Jesus, in seiner Zeit auf der Erde und somit in seiner Mission am allerwichtigsten war, war das Wissen, wer er ist: Der geliebte Sohn des Vaters im Himmel. Das war die Basis für seinen Dienst und auch die Kraftquelle, all das Leid, das ihm bevorstand zu ertragen.

Nicky Gumbel: „Der schlimmste Teil seines Leidens waren nicht die körperlichen Schmerzen, die Folter oder die Kreuzigung, nicht einmal der seelische Schmerz, von der Welt verstoßen und von seinen Freunden im Stich gelassen zu sein; es war die geistliche Qual, von seinem Vater getrennt zu sein, als er unsere Sünden auf sich nahm.“

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“, das zu erleben brachte ihn buchstäblich um.

Was hat das alles jetzt mit uns zu tun? Was können wir uns aus diesem Bericht mitnehmen?

Auch wir sind Kinder des Vaters im Himmel. Auch wir dürfen immer wieder einmal Gottes Herrlichkeit sehen und erleben. Wenn wir im Lobpreis auf seinen Schoß klettern, oder auch in der Natur über seine Liebe zum Detail ins stauen kommen. Wenn wir uns in der Stille aufmachen, seine Stimme zu hören, oder auch, wenn wir erleben, wie Gott unsere Gebete erhört.

Aber der Berg der Verklärung kommt nicht zu uns, wir müssen uns aufmachen und vielleicht Mühen und Anstrengung auf uns nehmen, so wie die Jünger, die oben gleich einmal eingeschlafen sind.
Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Jesus nicht alle 12 Jünger mitnahm, sondern nur die drei, die zu seinen engsten Freunden gehörten und die später auch die Säulen der ersten Gemeinde wurden.

Solche ganz heilige Momente sind zwar nicht häufig, aber immer wieder erleben Menschen eben solche.
Paulus beschreibt so ein Erlebnis in 2. Kor 12

So wichtig und erbaulich solche Momente auch sind, sie sind nicht der Alltag, auch nicht für uns als Kinder Gottes. Wir surfen nicht von einer begeisternden Welle zur nächsten.
Geistliche Intimität mit Gott ist wichtig. Es sind Geschenke der Ermutigung und des Zuspruchs, damit wir im Alltag ihn nicht aus den Augen verlieren und in Zeiten, in denen wir ihn nicht so nah empfinden, von diesen Erfahrungen zehren können.
Als Christen bleibt es uns nicht erspart, dass wir Leid, Rückschläge, Schmerzen und Enttäuschungen erleben.
Wir leben nicht nur in einer gefallenen Welt, sondern in einer Welt, die vom Feind Gottes beherrscht wird. Hier herrscht das Recht des Stärkeren, hier ist der Rücksichtslose zumindest kurzfristig erfolgreich, hier wird Gutmütigkeit oftmals schamlos ausgenutzt.

Aber durch einen Blick in den Himmel, bekommen wir die Kraft, all das zu überwinden. Durch diesen Einblick, werden wir wieder daran erinnert, wer wir in Jesus Christus sind: Geliebte Kinder des besten Vaters, den es gibt! Dieses Wissen, wer er war und der Ausblick, die Herrlichkeit des Himmels wieder vor sich zu haben gab Jesus die Kraft, all das Schwere, das ihn erwarten würde zu tragen.

Bist du bereit Jesus nachzufolgen? Er wird dich vielleicht auch das eine oder andere Mal seine Herrlichkeit sehen lassen. Genieße diese Momente, aber versuche sie nicht festzuhalten, in dem Sinn, dass du dein Leben als Christ nur noch nach solchen Highlights ausrichtest und in schwereren Zeiten abtauchst und hoffst, dass bald wieder so ein himmlischer Berg kommt.

Jesus hatte eine Mission und er verlor sie auch auf dem Berg der Verklärung nicht aus den Augen. Er hat auch uns eine Mission gegeben: Als seine Kinder in dieser Welt zu leben und so ein Licht für all die Menschen zu sein, die Gott noch nicht kennen. Auch wir dürfen diese Mission nicht aus den Augen verlieren, nicht in Zeiten der Not, aber auch nicht in Zeiten in denen wir „wie im Himmel“ sind.
Der Himmel ist sowieso unsere Heimat, die auf uns wartet. Lasst und danach trachten, möglichst viele Menschen dorthin mitzunehmen!