Kommt ein junger Mann in eine Bar. Lässig legt er seine Autoschlüssel mit Ferrari-Emblem auf die Theke. Schon lächelt ihm ein hübsches Mädchen zu.
Da flüstert der Barkeeper: „Sie haben vergessen, Ihre Fahrradklammern von der Hose zu nehmen!“

Eine Klammer hält etwas zusammen.
Manchmal finden wir so etwas wie ein Klammer auch in der Bibel.
Letzten Sonntag haben wir die Geschichte gelesen, wie Jesus aus dem Wenigen, das die Jünger hatten so viel machte, dass es genug für alle war, einschließlich eines Lunchpakets für die Jünger.

Die Verse vor und nach diesem Bibelabschnitt bilden so etwas wie eine Klammer um diese Geschichte, sie drehen sich um die gleiche Frage: Wer ist dieser Jesus?

Diese Frage wird auch beim Alphakurs gestellt, weil sie eine ganz wichtige Frage ist, wenn wir über unser Christsein nachdenken.
Wer ist dieser Jesus?

Hier in diesem Abschnitt der Bibel wird diese Frage von ganz unterschiedlichen Menschen gestellt, unter anderem fragt Jesus selber, was die Leute denken, wer er sei.

Lk 9:
7 Herodes Antipas, der Fürst in jenem Teil des Landes, hörte von all diesen Vorgängen. Er wusste nicht, was er davon halten sollte. Denn manche Leute sagten: »Der Täufer Johannes ist vom Tod auferweckt worden.«
8 Andere meinten, Elija sei aus dem Himmel zurückgekommen, und wieder andere, einer der alten Propheten sei auferstanden.
9 Herodes aber sagte: »Johannes habe ich doch selber den Kopf abschlagen lassen. Wer ist dann der, von dem ich solche Dinge höre?« Darum wollte Herodes Jesus kennen lernen.

18 Einmal hatte sich Jesus zum Gebet zurückgezogen und nur seine Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: »Für wen halten mich eigentlich die Leute?«
19 Die Jünger gaben zur Antwort: »Einige halten dich für den wieder auferstandenen Täufer Johannes, andere für den wiedergekommenen Elija, und wieder andere meinen, einer der alten Propheten sei auferstanden.«
20 »Und ihr«, wollte Jesus wissen, »für wen haltet ihr mich?« Petrus antwortete: »Für Christus, den von Gott versprochenen Retter!«
21 Da verbot er ihnen streng, es irgendjemand zu sagen,
22 und fügte hinzu: »Der Menschensohn muss vieles erleiden und muss von den Ratsältesten, den führenden Priestern und den Gesetzeslehrern verworfen werden, er muss getötet und am dritten Tag auferweckt werden.«

Wer ist Jesus für dich?
(Auf Flipchart zusammentragen)

Herr, Erlöser, Heiland, lebendiges Wort, Freund, Bruder, Gott…

Was bedeutet das ganz konkret für dein Leben, wenn er dein Heiland, Bruder, Herr… ist?

Vielleicht wundert ihr euch, warum viele in Israel dachten, dass Jesus der wieder auferstandene Johannes der Täufer sei, oder Elia, oder einer von den Propheten.
In den letzten Versen des AT wird das Kommen des Elia als Vorboten des Messias angekündigt:
Mal 3,23 Ich sende euch den Propheten Elija, bevor der große und schreckliche Tag kommt, an dem ich, der Herr, Gericht halte.
24 Er wird das Herz der Eltern den Kindern zuwenden und das Herz der Kinder den Eltern.

Daraus entwickelte sich ein gewisser „Hype“. Wann immer Menschen in Israel sich von Gott besonders gebrauchen ließen, wie es zum Beispiel bei Johannes dem Täufer der Fall war, dann meinten die Menschen, dass das dieser jetzt der, von Gott angekündigte Vorbote für den Messias ist. Wir wissen aus dem Mund von Jesus, dass Johannes tatsächlich diese Aufgabe hatte.
Interessanter Weise glaubten offensichtlich viele Menschen, dass auch Jesus ein Vorbote für den Messias war. Es war offensichtlich, dass er von Gott gesandt war, aber dass er DER Messias war, und nicht nur ein Vorbote für den Messias, das blieb den Menschen verborgen.

Schließlich fragt Jesus seine Jünger selber, für wen sie ihn halten. Für Petrus ist klar: „Du bist Christus!“ (= Messias)
Du bist der, auf den das Volk Israel schon so lange wartet.
Du bist der, der bereits im AT mehrfach angekündigt wird.
Du bist der Christus (Messias) Gottes!
Aus dem Matthäusevangelium erfahren wir, dass Petrus diese Erkenntnis nicht seiner Beobachtungsgabe oder seiner Intelligenz zu verdanken hatte, sondern er sie vom Vater im Himmel bekommen hatte.

Eigentlich müsste man meinen, dass Jesus daraufhin sagt: „Endlich habt ihr es kapiert und jetzt geht hinaus in alle Welt und erzählt allen davon, was ihr erkannt habt.“
Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Jesus verbietet den Jüngern mit irgendjemand darüber zu sprechen. Warum?
Er war doch schon in die Welt gekommen, er hat sich durch viele Zeichen und Wunder als der Messias ausgewiesen. Er wurde als solcher zumindest jetzt von seinen Jüngern erkannt. Warum muss diese großartige göttliche Geheimnis, zumindest noch vorläufig geheim bleiben?
Die Antwort darauf finden wir im nächsten Vers: (22)
»Der Menschensohn muss vieles erleiden und muss von den Ratsältesten, den führenden Priestern und den Gesetzeslehrern verworfen werden, er muss getötet und am dritten Tag auferweckt werden.«

Ja, Jesus war bereits zu diesem Zeitpunkt der Messias, er war und ist zu jeder Zeit der Sohn Gottes. Aber das Werk, weswegen er auf diese Erde kam, so zu sagen der ultimative Höhepunkt, lag noch vor ihm.
Bereits die erste Ankündigung seines Leidens, seines Sterbens und seiner Auferstehung ist ganz klar. Zwei weitere dieser Ankündigungen werden noch folgen und trotzdem verstanden die Jünger erst, als sich das alles erfüllte, was er meinte.

So geht es bis heute vielen Menschen, die nichts mit dem Kreuz Christi anfangen können. Sie haben es bereits unzählige Male gehört, gesehen, gelesen oder sonst irgendwie mitbekommen. Aber das Kreuz macht für sie keinen Sinn.
Alles hängt mit der sehr persönlichen Frage zusammen: Wer ist dieser Jesus für dich?
War er ein besonderer Mensch, der viel Gutes tat und uns in vielen Bereichen ein Vorbild ist bis heute?
Ist er ein Freund, der immer für dich da ist, zu dem du beten kannst und der dir in allen möglichen Situationen hilft. Der dich begeistert und inspiriert, den du im Lobpreis feierst, weil er so gut ist?
Ist er der Heiler deiner inneren und äußeren Krankheiten?
Ist er dein Bruder, weil du Gottes Kind geworden bist und du somit Erbe einer himmlischen Wohnung und auch Erbe der himmlischen Herrlichkeit bist?
All das ist nicht falsch, ganz im Gegenteil.
Aber wenn wir Jesus auf diese „Rollen“, dass er ein Vorbild, der Heiland für unsere Seele, unser Freund und Bruder ist, beschränken, dann fehlt etwas ganz Entscheidendes. Dann kennen wir ihn noch nicht wirklich.

Seine Aufgabe als Messias war es nicht uns ein unbeschwertes Leben auf dieser Erde zu ermöglichen. Er hat für uns gelitten, er ist für uns gestorben und er ist auferstanden, damit wir in ein neues Reich kommen und ein neues Leben haben können. Ein Leben in der Nachfolge Jesu.
Was das genau bedeutet, mit dem werden wir uns nächste Woche ausführlicher befassen.
Für heute nur so viel: Wenn Jesus für dich ganz persönlich nur dein Freund und Bruder, dein Heiland und Erlöser ist, der der für dich da ist und der dir bei Problemen hilft, aber nicht auch dein Herr und Meister, der, der dich herausfordern darf und der auch Anspruch auf dein Leben hat, dann kennst du nur den halben Jesus.
Unser Bild von ihm ist begrenzt.

Es kann natürlich auch sein, dass jemand auf der anderen Seite vom Pferd fällt. Es gibt Christen, die sehen in Jesus den Heiligen, den Unerreichbaren, den, der mit mir nie zufrieden sein kann, weil ich unvollkommen und schwach – eben ein Sünder bin.
Ja, Jesus ist heilig, er ist gerecht und er wird am Ende der Zeit als Richter auf diese Erde zurückkommen. Wenn du sündigst, dann drückt er nicht beide Augen zu, weil er uns ja alle so lieb hat.
Aber er ist auch voller Barmherzigkeit und Liebe.
Der größte Fehler, den wir machen können, ist diese beiden Seiten Jesu gegeneinander auszuspielen, oder nur eine Seite so zu betonen, dass die Andere nicht mehr sichtbar ist.

Erlaube ihm, dass er dein Bild von ihm korrigiert. Lass ihn heraus aus der gedanklichen Schublade und erlaube ihm, dass er dich überrascht.

Wer ist Jesus für dich? Heiland? Richter? Freund? Herr? Der Heilige? Der Liebende?
Er ist alles!