Zwei Arbeiter unterhalten sich:
„Ich arbeite bei BMW am Band!“
„Ich arbeite bei Audi, aber wir dürfen frei herumlaufen.“

Unsere Freiheit ist ein sehr hohes Gut. Ich bin froh in einem Land zu leben, in dem wir uns so wie heute frei versammeln können. Trotzdem gibt es auch bei uns Gefangene aller Art. Einerseits natürlich Menschen, die zu Recht im Gefängnis sitzen, weil sie ein Verbrechen begangen haben. Andererseits gibt es aber viele Menschen, die in unsichtbaren Gefängnissen und goldenen Käfigen sitzen und nicht wissen, wie sie da heraus kommen sollen.

Letzte Woche haben wir von Frank gehört, wie aus dem vorlauten Typen namens Simon ein echter Mann Gottes wurde, den Jesus gebrauchen konnte. Auch er war ein Stück weit ein Gefangener seiner eigenen Vorstellungen und seines Selbstbildes, bis Jesus ihn herausrief, einen Weg mit ihm ging und Petrus schließlich der Fels wurde, den Jesus in ihm bereits von Anfang an sah.

In einer meiner letzten Predigten habe ich euch von der Begebenheit erzählt, wie Petrus und die anderen Jünger auf dem See Genezareth, auf Grund eines Sturms in Seenot geraten sind und Jesus diesen Sturm stillte.
Heute möchte ich da anknüpfen. Am gegenüberliegenden Ufer erwartete Jesus und seine Jünger wieder eine nicht alltägliche Begebenheit.

Lk 8,26-39 (NL)
26 So kamen sie ins Gebiet der Gerasener auf der anderen Seite vom See Genezareth.
27 Als Jesus aus dem Boot stieg, lief ihm ein Mann entgegen, der von Dämonen besessen war. Nackt und ohne Obdach fristete er sein Dasein schon seit langer Zeit in den Grabhöhlen.
28 Als er Jesus sah, warf er sich mit einem schrillen Schrei vor ihm auf den Boden und rief laut: »Warum bedrängst du mich, Jesus, Sohn des höchsten Gottes? Ich flehe dich an, quäle mich nicht!«
29 Denn Jesus hatte dem bösen Geist schon geboten, aus dem Mann auszufahren. Schon seit langem hatte der Dämon den Mann völlig in seiner Gewalt. Auch wenn man ihn in Ketten legte, riss er sich los und wurde von dem bösen Geist in die Wildnis gehetzt.
30 »Wie heißt du?«, fragte Jesus. »Legion«, antwortete er – denn der Mann war von zahlreichen Dämonen besessen.
31 Diese flehten Jesus an, sie nicht in den Abgrund zu schicken.
32 Auf den umliegenden Hügeln weidete eine riesige Schweineherde. Die Dämonen baten Jesus, sie in die Schweine fahren zu lassen. Jesus gestattete es ihnen.
33 Da fuhren die Dämonen aus dem Mann in die Schweine, und die ganze Herde stürzte den Abhang hinunter in den See und ertrank.
34 Als die Hirten das sahen, flohen sie in den nahe gelegenen Ort und in das Hügelland der Umgebung und verbreiteten die Neuigkeit überall.
35 Bald war Jesus von Menschen umringt, die selbst sehen wollten, was geschehen war. Als sie den Mann, der von Dämonen besessen gewesen war, bekleidet und völlig bei Verstand friedlich zu Füßen von Jesus sitzen sahen, überkam sie Furcht.
36 Diejenigen, die alles mit eigenen Augen gesehen hatten, erzählten ihnen, wie der Besessene geheilt worden war.
37 Da drängten sie Jesus, zu gehen und sie in Ruhe zu lassen, so groß war ihre Angst. Jesus stieg daraufhin wieder in das Boot und fuhr zurück auf die andere Seite des Sees.
38 Der Mann, der von Dämonen besessen gewesen war, wollte unbedingt mit ihm gehen, doch Jesus sagte zu ihm:
39 »Nein, geh zu deiner Familie zurück und erzähle ihnen von dem Wunderbaren, das Gott für dich getan hat.« Da ging er durch die ganze Stadt und erzählte, was Jesus für ihn getan hatte.

Eine schräge Geschichte. Aber auch, wenn es nicht in unser aufgeklärtes Weltbild hineinpasst: Dämonen und Menschen, die von dunklen Mächten beherrscht werden gibt es nach wie vor. In der Bibel wird des Öfteren von solchen Menschen berichtet. In manchen Bibelübersetzungen ist dann gelegentlich auch von epileptischen Anfällen oder ähnlichem zu lesen. Hier bei dieser Begebenheit wird sehr deutlich klar, dass dieser Mann keine Fehlfunktion im Gehirn hatte, sondern dass teuflische Mächte ihn quälten.

Auch der Zusammenhang mit der vorhergegangenen Geschichte ist nicht zufällig: Gerade noch hatte Jesus sich als Herr über Wind und Wellen seinen Jüngern gezeigt, da kommt bereits die nächste Herausforderung auf ihn zu.

Wie ist es euch unmittelbar nach der Gemeindefreizeit ergangen? Meine Erfahrung ist, dass wenn immer ich so eine tolle Zeit mit Gott erlebe, der Feind kommt und versucht mir das „neu gewonnene Land“ wieder streitig zu machen. Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Zweifel…

Ihr müsst euch diese Situation bildlich vorstellen: Jesus steigt aus dem Boot, da läuft dieser wilde, nackte Mann laut schreiend auf ihn zu. Offensichtlich wollten die Dämonen ihr Revier verteidigen. Und das, obwohl sie genau wussten, wer Jesus war.

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten und umso heller das Licht ist, desto klarer werden auch die Schatten sichtbar. Wenn Gottes Licht in dir leuchtet, dann ist es „normal“, dass du auf Widerstand stößt. Lass dich davon nicht einschüchtern. Der, der in dir lebt, ist stärker, als der, der in dieser Welt ist. (1. Joh 4,4)

Bei seiner Antrittspredigt, die wir in u.a. in Lk 4 lesen können, sagt Jesus, dass er gekommen ist die Gefangenen zu befreien. Dies tat er nicht nur bei dieser Gelegenheit, die wir gerade gelesen haben, das tut er bis heute. Er befreit Menschen von Süchten, Abhängigkeiten, Krankheiten, aber vor allem auch aus unsichtbaren Gefängnissen von Angst, Schuld und nicht zuletzt dämonischen Bindungen. Diese Bindungen können ganz unterschiedlich aussehen.

In dieser biblischen Geschichte begegnet uns ein Mann, der von einer Legion Dämonen gequält wurde. Eine Legion der römischen Armee bestand aus 3000-6000 Soldaten. Welche Auswirkung diese dämonischen Mächte auf das Leben dieses Mannes hatten, haben wir ja vorhin gelesen.
Natürlich wäre es falsch, alle geistigen Krankheiten und mentalen Probleme auf dämonische Ursachen zurück zu führen. Aber umgekehrt, diese Dinge als mittelalterlich abzutun und diese Patienten mit Psychopharmaka ruhig zu stellen ist auch keine Lösung.

Jesus verspricht Befreiung und er tritt auch den Beweis an, dass er die Vollmacht hat, es selbst mit einer Legion Dämonen aufzunehmen. Sie müssen dem Befehl Jesu gehorchen und diesen Mann verlassen.
Plötzlich ist dieser Mann wieder „normal“. Er schrie nicht mehr herum, war ordentlich angezogen, war ruhig und hörte Jesus zu.

Jesus ist der Selbe, gestern heute und in alle Ewigkeit! Auch heute kann und will er Menschen befreien, ganz egal wie groß oder klein ihre Bindungen sind, egal ob es geistige Gefängnisse oder dämonische Ketten sind, die Menschen gefangen halten. Jesus kann und will Menschen in die Freiheit führen. „Wen der Sohn Gottes frei macht, der ist wirklich frei“, heißt es in Joh 8,36.

Das wirklich erstaunliche an dieser Geschichte ist aber nicht die Befreiung des Besessenen, sondern die Reaktion der Leute in dieser Gegend. Dass es diesen wilden Verrückten unter ihnen gab, der wie ein Zombie in Grabhöhlen lebte, nackt herumlief, schrie, sich wahrscheinlich immer wieder selbst verletzte, Schaum vor dem Mund hatte…, all das war für die Menschen dieser Gegend offensichtlich kein Problem mehr. Sie hatten sich damit abgefunden, dass der halt so ist.
Aber jetzt, wo dieser Mann befreit war und sich so verhielt wie alle anderen auch, bekamen sie Angst. Nicht Angst vor dem Befreiten, aber Angst vor Jesus. Jesus war ihnen unheimlich.
37 Da drängten sie Jesus, zu gehen und sie in Ruhe zu lassen, so groß war ihre Angst.

Auch wenn uns diese Angst auf den ersten Blick vielleicht unverständlich erscheint, sie begegnet uns tagtäglich. Ich glaube jeder von uns kennt Menschen, die Jesus schon einmal in ihrem Leben begegnet sind. Sie haben vielleicht eine Gebetserhörung erlebt, wurden im Lobpreis, oder auch in der Natur in ihrem Innersten von Gott berührt, oder haben durch euer Leben und euer Zeugnis erkannt: Ja, Gott gibt es und er will, dass ich mein Leben mit ihm teile.
Aber dann ist da plötzlich diese Angst: Wenn ich Gott mein Leben anvertraue, was ist dann? Dann hätte das gravierende Auswirkung auf mein Leben. Dann kann ich nicht mehr so weiter machen wie bisher. Dann muss ich mich der Schuld meines Lebens stellen und davor habe ich Angst.
Wisst ihr was das Gegenteil von Liebe ist? Angst! Und auch umgekehrt gilt: Nur die Liebe, wird diese Angst überwinden.

Vor knapp zwei Wochen gab es in St. Martin einen Informationsabend über die Flüchtlingsunterkunft, die bei uns gebaut werden soll. Es war unvorstellbar, welche irrationalen und zum Großteil unbegründeten Ängste bei diesem Vorhaben zu Tage gekommen sind.

Jesus schenkt uns seine Liebe, diese Liebe hilft uns dabei unsere Ängste zu überwinden. Unser Glaube gibt uns Hoffnung und Mut. Mut bedeutet ja nicht keine Angst zu haben, sondern trotz meiner Angst richtig zu handeln. (Bsp.: Abfahrt in Kitzbühel)

Der Mann, der von Jesus befreit wurde, bekam diesen Mut. Er erkannte in Jesus die Liebe selbst und wollte nur noch ganz bei ihm sein und bleiben. Aber Jesus gab ihm einen Auftrag: Er machte ihn zum Missionar (= Gesandter). Dieser Mann hatte keine Bibelschule, war nicht, so wie die anderen Jünger drei Jahre Tag und Nacht mit Jesus zusammen um von ihm zu lernen, Jesus verlangte keinen Beweis von ihm, dass sich sein Leben auch nachhaltig geändert hatte, er schickte ihn sofort zu seinen eigenen Leuten um davon zu berichten, wie Gott ihm geholfen hatte. Das tat er auch. Als Jesus später wieder in diese Gegend kam (z.B.: Mk 7,31ff) hatten bereits viele Menschen dort Vertrauen zu ihm.

Jesus wirkt heute genauso unter uns, wie damals. Er ist da und er hat uns, seinen Jüngern den Auftrag und die Vollmacht gegeben, sein Werk fortzuführen. Das gilt auch für die Befreiung von Menschen, die von dämonischen Mächten gequält werden. Das ist zwar keine lustige Nebenbeschäftigung, aber auch nichts, was nur ganz wenige hoch begabte Christen tun könnten.
Dämonische Bindungen zeigen sich auch nicht immer so massiv und offensichtlich, wie es bei diesem Mann war. Meist kommt man erst im seelsorgerlichen Gespräch dahinter, woher manche Probleme rühren. Du brauchst keine Angst zu haben, falls du in so eine Situation kommst. Stell dich im Gebet unter den Schutz Gottes und höre auf die Stimme des Heiligen Geistes. Er hat versprochen uns in alle Wahrheit zu leiten.
Wir haben in unserer Gemeinde sehr gute und geschulte Seelsorger, die in schwierigen Fällen weiter helfen können. Aber selbst wenn du erst seit kurzem gläubig bist, hat dein Gebet um Heilung und Befreiung großes geistliches Gewicht.
Es ist ohnehin nicht deine Leistung, wenn Jesus einen Menschen befreit und umgekehrt auch nicht dein Versagen, wenn er es noch nicht tut.
Auch und gerade, wenn wir für Menschen beten, die möglicherweise dämonisch belastet sind, ist Angst ein schlechter Ratgeber. Wir können fest darauf vertrauen, dass Jesus ein solches Gespräch lenkt und dass er in jedem Fall Herr der Lage bleibt. Wenn du seine Liebe der betreffenden Person weiter gibst, kannst du gar nichts falsch machen.

Wie gesagt: ER heilt, ER befreit und ER befähigt auch dich!