Lk 8,22-25 Das Boot im Sturm
GD 20.12.15

Was hat Windows mit U-Booten gemeinsam?
Kaum macht man ein Fenster auf, fangen die Probleme an.

Eine Bootsfahrt mit so einem Teil über den See Genezareth ist bestimmt lustig – so lange kein Sturm aufzieht.

Der See Genezareth ist bis heute berühmt berüchtigt für die plötzlich aufkommenden Fallwinde. Das erlebten auch die Jünger in der der Geschichte, die ich heute mit euch lesen möchte:
Lk 8,22-25
22 Während dieser Zeit geschah es einmal, dass Jesus mit seinen Jüngern in ein Boot stieg und zu ihnen sagte: »Wir fahren ans andere Ufer!« So fuhren sie ab.
23 Unterwegs schlief Jesus ein. Plötzlich kam ein Sturm auf, ein Fallwind von den Bergen. Das Wasser schlug ins Boot und sie waren in großer Gefahr.
24 Die Jünger gingen zu Jesus, weckten ihn und riefen: »Herr, Herr, wir gehen unter!« Jesus stand auf und sprach ein Machtwort zu dem Wind und den Wellen. Da hörten sie auf zu toben und es wurde ganz still.
25 Zu den Jüngern aber sagte er: »Wo ist euer Vertrauen?« Sie waren erschrocken und sehr erstaunt und sagten zueinander: »Wer ist das nur, dass er sogar dem Wind und den Wellen befiehlt, und sie gehorchen ihm!«

Die Geschichte beginnt damit, dass Jesus seinen Jüngern einen scheinbar ganz unspektakulären Auftrag gibt: „Wir fahren an die andere Seite des Sees.“ Am Westufer war Galiläa, die Gegend, in der die meisten Jünger zu Hause waren. Dort wo sie sich auskannten. Aber Jesus wollte an die andere Seite, in das sogenannte „Gebiet der Zehn Städte“ (Dekapolis). Für die Jünger war das so etwas wie eine Auslandsreise.

Wir wissen nicht, ob die Jünger, von denen viele Fischer waren, öfters auf die andere Seite des Sees fuhren. Jedenfalls lesen wir, dass sie die Aufforderung Jesu sofort befolgten. Man kann also von einem gewissen Glaubensgehorsam sprechen. Es scheint so, als hätten die Jünger kein Problem damit.

Auch wir heute erhalten „Glaubensaufträge“ von Jesus. Beispielsweise haben einige von uns, die auf der Konferenz waren, für sich den Auftrag verspürt ein Hoffnungsträger für diese Welt zu sein. Und natürlich kommen wir diesem Auftrag gerne nach. Schließlich ist Jesus „mit an Bord“, was soll da schon schief gehen?

Das haben sich wahrscheinlich auch die Jünger gedacht, ja sie hatten auch kein Problem damit, dass Jesus sich in eine Ecke verkrochen hatte, vielleicht seinen Mantel zu einem Polster zusammenrollte und selenruhig einschlief.
Jesus war und ist nicht nur Gott, er war gleichzeitig auch zu 100% Mensch. Er war hungrig, durstig, kannte Schmerzen, er weinte, er musste auch lernen und er war auch müde.
Er muss sehr müde gewesen sein, denn er schlief auch dann noch tief und fest, als der Sturm schon voll im Gange war. Das Boot wurde von den Wellen hin und her gerissen. Wörtlich heißt es: Das Boot wurde voll mit Wasser. Dazu das Tosen des Sturms, vielleicht ein Segel, das laut im Wind flattert, in Panik schreiende Jünger… aber Jesus schläft.
Die Gegensätze können nicht größer sein. Auch in der Bewertung der Situation. Als die Jünger Jesus aufwecken machen sie eine „Glaubensaussage“: V 24 Die Jünger gingen zu Jesus, weckten ihn und riefen: »Herr, Herr, wir gehen unter!«
Wörtlich: Rabbi, Rabbi, wir kommen um!
Sie haben nicht gesagt: Wenn sich nicht bald etwas ändert, dann werden wir umkommen. Sie waren in dem Moment fest davon überzeugt: Wir kommen um. Unser letztes Stündlein hat geschlagen. Aus, Ende, Feierabend. Das war ihr Ergebnis nach Einschätzung ihrer Lage. Nach menschlichen Ermessen und ihren Erfahrungen als Fischer war diese Einschätzung nicht einmal falsch. Sie waren definitiv in Lebensgefahr.

Stürme gibt es nicht nur auf dem Wasser. Stürme des Lebens kennt jeder von uns. Finanzielle Probleme, Missverständnisse in Ehe und Familie, Streit in der Nachbarschaft, schwere Krankheiten, Stress in der Schule z.B. vor Prüfungen, Herausforderungen im Beruf, Überforderung mit meiner Lebenssituation usw.
Dass es solche Stürme gibt ist unbestritten. Das Christsein bewahrt und nicht davor. Nur weil Jesus mit im Boot der Jünger war, machte der Sturm keinen Bogen um sie.
Auch Jesus wurde in diesem Boot nass. Aber seine Bewertung der Situation war trotzdem eine ganz andere als die der Jünger. Er teilte ihre Überzeugung: „Wir kommen um“, nicht. Er konnte, selbst angesichts dieser dramatischen und lebensbedrohlichen Situation schlafen. Warum?

In Psalm 4 beschreibt David seine Gefühle in einer Zeit in der er verleumdet wurde. Er spricht davon, dass er vor lauter Angst und Bedrängnis kaum noch Atmen konnte. Aber am Ende des Psalms in V 9 schreibt er voller Glauben: Mich quält keine Sorge, wenn ich mich niederlege, ganz ruhig schlafe ich ein; denn du, Herr, hältst die Gegner von mir fern und lässt mich in Sicherheit leben.

Diesen inneren Frieden hatte auch Jesus trotz dieser lebensbedrohlichen Situation.

Jesus saß im gleichen Boot wie die Jünger, die gleichen Wellen schlugen ihm ins Gesicht, sein Leben war auf die gleiche Weise bedroht, aber er kam nicht zu dem Schluss: Wir sind verloren. Er wusste eines ganz sicher: Er kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Gott hat die Kontrolle!
Darauf im Leben und auch im Sterben zu vertrauen, das ist Glaube.
Unser Wort Glaube leitet sich von „geloben“ her. (Angelobung beim Bundesheer als aktiver Gehorsamsschritt).

Heb 11,1 (NL): Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert.

Es ist unsere Hoffnung, dass Gott nicht nur existiert, sondern dass er einen guten Plan für unser Leben – und auch für alle Menschen – hat.
Es ist unsere Hoffnung dass uns alle Dinge zum Besten gereichen müssen.
Und es unsere Hoffnung, dass Gott alles in der Hand hält und wir deshalb ihm in allen, auch in allen Stürmen des Lebens absolut vertrauen können.

Diese Hoffnung hatten letztlich auch die Jünger und in ihrer Not taten sich das einzig richtige: Sie wandten sich an Jesus. Vielleicht instinktiv verspürten sie, dass er der einzige war, der ihnen jetzt noch helfen konnte.
Not lehrt beten.
V24: Jesus stand auf und sprach ein Machtwort zu dem Wind und den Wellen. Da hörten sie auf zu toben und es wurde ganz still.
Das Lied:“ Auge im Sturm“ versucht diese Stimmung zu beschreiben.

Diese Stille und dieser daraus resultierende Frieden ist das, wonach sich viele, grade jetzt in der vermeintlich „stillsten Zeit des Jahres“ sehnen. Diese Zeit, die in Wahrheit die hektischste Zeit überhaupt ist.
Jesus hat die Vollmacht nicht nur die tatsächlichen Stürme zum Schweigen zu bringen, er kann und will auch die Stürme unseres Lebens befrieden.
Seine Hilfe ist nur ein Gebet weit entfernt. Selbst wenn es scheint, als würde er deine Probleme nicht sehen. Selbst wenn du das Gefühl hast, dass er schläft. Er ist trotzdem da. Wenn du ihn in dein Herz eingeladen hast, sitzt er im Boot deines Lebens. Da kannst du dir ganz sicher sein. Und selbst wenn du ihn noch nicht eingeladen hast, ist er nur ein Gebet weit von dir entfernt. Er ist da und er hat die Kontrolle! Egal wie wild der Sturm tobt.
Kinderlied: “With Jesus in my boat I can smile at the storm!”

Als es dann im Boot der Jünger ganz still war stellt Jesus eine wichtige Frage: Wo ist euer Glaube?
Wo ist dein Glaube in den Stürmen deines Lebens?
Diese Frage musst du dir von Jesus gefallen lassen. Diese Frage ist kein Vorwurf, weder an die Jünger damals, noch an uns heute. Es ist die Frage, die wir uns auch immer wieder selber stellen müssen: Wo ist mein Glaube? Gerade in den Stürmen des Lebens wird mein Glaube auf seine Tragfähigkeit geprüft.
Ziel dieser Frage ist es nicht, mich selbst zu verdammen: „Oh nein, schon wieder „zu wenig“ geglaubt. Gott ist unzufrieden mit mir…“
Diese Frage führt mich wieder zurück zum Wesentlichen. Sie hilft mir meinen Blick auf den zu richten, der wirklich helfen kann: Jesus!

Die Reaktion der Jünger auf diese Frage war, dass sie erschrocken und erstaunt über Jesus waren. Mit heutiger Jugendsprache würde man ausdrücken: „Sie waren geflasht“. Ihnen wurde wieder einmal ganz neu bewusst, wer dieser Jesus wirklich ist. Nämlich der Sohn Gottes. Der Mann, dem selbst Wind und Wellen gehorchen. Der Mann, dem nichts unmöglich ist. Der Gott, der Mensch geworden ist, damit wir Menschen bei Gott sein können.
Wenn dieser Jesus in deinem Lebensboot sitzt, dann bist du bestes für den Sturm gerüstet.

Was für ein Mensch – Was für ein Gott!