Ein Schlagerstar wird von einem Mann aufgehalten: „Ach gut, dass ich Sie treffe! Seit Monaten verfolge ich alle ihre Konzerte. Die sind ziemlich schlecht besucht, oder?“
„Keineswegs. Alle ausgebucht!“
„Aber ihre letzte CD war doch ein Flop, oder?“
„Keineswegs. Über eine Million Mal verkauft! Aber warum fragen Sie als Fan so komische Sachen?“
„Fan? Ich bearbeite beim Finanzamt ihre letzte Steuerklärung!“

Es gibt Menschen, die können mit Schlagermusik nicht viel anfangen, trotzdem sind einige Schlagermusiker sehr erfolgreich und ziehen Massen von Menschen an.
Ein „Altmeister“ dieser Zunft ist Hansi Hinterseer. Nicht nur zu seinen Konzerten, auch bei seinen Wanderungen begleiten ihn hunderte Fans.

Jesus war zwar nicht blond, hatte keine „bärigen“ Fellstiefel an und war auch nicht durch seine Sangeskünste berühmt geworden. Trotzdem liefen ihm unendlich viele Menschen nach.
Das was Jesus bekannt machte, waren zum einen seine Reden und vor allem natürlich seine Wunder. Viele Kranke wurden geheilt, er befreite Menschen, die von bösen Geistern besessen waren, machte mit 5 Broten und 2 Fischen 5000 Menschen satt, ging auf dem Wasser und war der lebendige Beweis dafür, dass bei Gott wirklich alle Dinge möglich sind.
Es war nicht so, dass Jesus um dieser Popularität willen alle diese Wunder vollbrachte. Ganz im Gegenteil: Manchmal verbot er den Geheilten beispielsweise über dieses Wunder zu sprechen. All das änderte jedoch nichts daran, dass ihm die Leute in Scharen nachliefen.

Als er einmal mit einer großen Gruppe unterwegs waren, trafen sie auf eine ganz andere Gruppe: Einen Trauerzug. Der Herr des Lebens trifft auf den Tod. Eine spannende Begegnung:

Lk 7,11-17
11 Bald darauf zog Jesus mit seinen Jüngern weiter zur Stadt Nain. Eine große Menschenmenge folgte ihnen.
12 Als er sich der Stadt näherte, kam ihm ein Trauerzug entgegen. Der Tote war der einzige Sohn einer Witwe gewesen, und viele trauerten mit ihr.
13 Als der Herr sie sah, empfand er großes Mitleid mit ihr. »Weine nicht!«, sagte er.
14 Und er ging hinüber zur Bahre und berührte sie. Die Träger blieben stehen. »Ich sage dir«, sprach Jesus, »steh auf!«
15 Da setzte sich der Verstorbene auf und fing an zu sprechen! So gab Jesus ihn seiner Mutter zurück.
16 Angst und Ehrfurcht erfassten die ganze Menge. Sie lobten Gott und sagten: »Ein mächtiger Prophet ist zu uns gekommen. Heute hat Gott sein Volk besucht.«
17 Berichte über diese Tat verbreiteten sich in ganz Judäa und bis über die Grenzen des Landes hinaus.

In dieser Geschichte wird neben den beiden Personengruppen, der Anhängerschaft Jesu (große Volksmenge) und dem Trauerzug (zahlreiche Volksmenge), das Augenmerk auf drei Personen gelenkt: JC, der Witwe und dem Verstorbenen.
In den älteren Bibel-Übersetzungen trägt diese Geschichte die Überschrift „Die Auferweckung des Jünglings von Nain“.
Als Jüngling bezeichnete man bis ins 19. Jh. einen jungen Mann, der kein Kind mehr, aber auch noch kein Mann (noch nicht verheiratet) war. Heute würde man ihn vermutlich als Teenager oder jungen Erwachsenen bezeichnen. Ein Jüngling war das entsprechende Gegenstück zur Jungfrau.
Von diesem Jüngling erfahren wir nicht viel, nur dass er der einzige Sohn seiner Mutter war. Wir wissen nicht woran er gestorben ist, auch nicht ob er „fromm und gottesfürchtig“ war, oder seiner Mutter bereits zu Lebzeiten mit seinem Lebenswandel Kummer bereitete. Als alleinerziehende Mutter eines Teenagers war es damals bestimmt nicht einfacher als heute. Von ihm wird sonst nur berichtet, dass er tot auf der Bahre lag.
Nach jüdischer Sitte wurden Tote außerhalb der Stadtmauer begraben. Der Tote lag in ein Tuch gewickelt, aber mit unverhülltem Gesicht auf einer Bahre, die von vier Männern getragen wurde.
Vor dem Zug gingen die „Klageweiber“, zusammen mit den Flöten- und Zimbelspielern. Die Witwe ging vor der Bahre, die Freunde Bekannten bildeten den Schluss des Zuges.

Als Jesus die Bahre berührte, blieb der Zug stehen. Wenn man diese Szene heute filmisch darstellen würde, würde der Regisseur vermutlich diesen Moment einfrieren. Ein ganz besonderer Moment. Die Zeit steht still. Der Jüngling, dessen Seele schon im Jenseits war, wird plötzlich angesprochen. Er wird zurückbeordert in unser Raum- und Zeitgefüge.
Jesus spricht ein Wort des Lebens: „Steh auf!“

Bereits im AT gibt es zwei Geschichten in denen einmal der Prophet Elia und dann später sein Nachfolger Elisa einen toten Jungen wieder zum Leben erweckt und dessen Mutter zurückgibt. (1. Kön 17; 2. Kön 4)
In beiden Fällen müssen die Männer Gottes sich mächtig ins Zeug hauen, im Gebet den Himmel bestürmen und sich sogar auf das tote Kind legen, bis es wieder ins Leben zurückkehrt.

Bei Jesus genügt das schlichte: „Steh auf!“ Im Griechen ist das ein Wort.
Letzter Sonntag: „Sprich nur ein Wort…“
Das Wort Gottes im Allgemeinen und das Wort Jesu im Speziellen bringen Leben. Selbst dort, wo es kein Leben mehr gibt und alle Hoffnung dahin ist. Das Wort Jesu ist stärker als der Tod.
Jesus sagt von sich: „Ich bin die Auferstehung und das Leben!“ (Joh 11,25)
Joh 6,68 Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

Die Stimme Jesu wird von dem jungen Mann gehört und er kehrt tatsächlich wieder ins Leben zurück. Es heißt da in V15: Da setzte sich der Verstorbene auf und fing an zu sprechen!
Genau genommen sind das zwei Wunder auf einmal. Meine Frau beklagt sich gelegentlich über die „Sprachlosigkeit“ unserer Söhne. 

Jesus gibt den jungen Mann seiner Mutter zurück. Was für ein Geschenk, für eine Frau, die schwer vom Leben gezeichnet war.
Ein Todesfall in der Familie ist immer ein großer Schock. Einen geliebten Menschen zu verlieren, löst eine tiefe Trauer aus. Das ist zwar ganz normal, aber deshalb auch nicht leichter zu verkraften für den oder die Betroffene. Die hier betroffene Frau war schon Witwe, das heißt, dass sie bereits ihren Mann verloren hatte. Das war jetzt der zweite Todesfall in der engsten Familie, den sie verkraften musste…
Ich denke auch, dass es leichter fällt die Großeltern oder Eltern beerdigen zu müssen, zumindest dann, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben und ihr Tod absehbar war. Aber ein eigenes Kind zu Grabe zu tragen, stelle ich mir ungemein schwer vor. „Das kann unmöglich Gottes Wille gewesen sein“, hat sich diese Witwe vielleicht gedacht, oder vielleicht: „Was habe ich angestellt, dass mich Gott derart hart bestraft?“
Der Umstand, dass ihr Sohn noch jung war, lässt darauf schließen, dass sie selber erst so zwischen Ende 30 und Mitte 50 war, also eine relativ junge Witwe.
Aber was die ganze Sache für sie unerträglich machte, war die Tatsache, dass er ihr einziger Sohn war. Frauen waren in der damaligen Gesellschaft auf ihre Männer angewiesen. Sie alleine waren Rechtlos, Machtlos und Mittellos. Sie hatten beispielsweise kaum eine Möglichkeit Geld zu verdienen. Wenn der Ehemann, nicht mehr für Frau sorgen konnte, weil er krank oder eben gestorben war, dann war es die Aufgabe der Söhne für ihre Mütter zu sorgen.
Der einzige Sohn dieser Frau lag nun auf der Bahre und wurde zur Stadt hinaus getragen. Könnt ihr euch ihren Schmerz und ihren Kummer vorstellen. Sie wusste buchstäblich nicht mehr, wie es weiter gehen sollte.

Als Jesus diese Szene sah wurde er tief vom Leid dieser Frau bewegt. Das war mehr, als so ein bisschen Mitleid mit jemandem, dem es gerade nicht so gut geht. Er sah die ganze Not dieser Frau und ich weiß, er sieht auch heute deine Not. Ganz egal, wie groß sie auch sein mag. Aber Jesus zeigt nicht nur Mitgefühl, er handelt!
Er ging zu der Witwe und tröstete sie mit den Worten: Weine nicht!
Natürlich bedeutet das nicht, dass wir als Christen nie weinen sollen oder brauchen. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden, sagt Paulus in Röm 12,15
Weinen kann manchmal hilfreich, ja sogar heilsam sein. Auch Jesus schämte sich seiner Tränen nicht. (Joh 11,35)
Tränen reinigen die Seele.

Aber diese Witwe würde bald keinen Grund mehr zu Weinen haben.
Jesus wusste, dass er der Herr über Leben und Tod ist, dass seine Worte Leben hervorbringen konnten, selbst wenn es nach menschlicher Einschätzung nichts mehr zu hoffen gab. Jesus wusste, dass für Gott der Tod nur eine Art von Schlaf ist, aus der er jeden Verstorbenen wieder aufwecken kann.
Deshalb konnte JC zu der Frau sagen: „Weine nicht.“ Du denkst vielleicht, dass Gott dich bestraft, aber die Wahrheit ist, dass Gott dich segnet und dich reich beschenken will.

Ist Jesus nicht wunderbar?
Er sieht dich in deiner Not. Er kennt deine Probleme. Er weiß um deine Schwierigkeiten. Wer, wenn nicht er kann dir dabei heraushelfen. Für ihn ist kein Berg zu steil, egal ob es ein Problemberg, ein Schuldenberg, oder Krankheitsberg ist. Für den Mann, für den selbst der Tod keine unüberwindbare Grenze darstellte, ist nichts unmöglich.
Voll Vertrauen dürfen wir uns an ihn wenden.
Er wird alle unsere Tränen abwischen und unseren Mund wieder voll Lachen, Dankbarkeit und Lobpreis machen.

Uns so ist auch die Reaktion der Leute, die Zeugen dieser wunderbaren Geschichte wurden absolut nachvollziehbar.
16 Angst und Ehrfurcht erfassten die ganze Menge. Sie lobten Gott und sagten: »Ein mächtiger Prophet ist zu uns gekommen. Heute hat Gott sein Volk besucht.«

Ehrfurcht ist durchaus angebracht, wenn man der Größe, der Schönheit und vor allem der Heiligkeit Gottes begegnet. Ebenso ist spontaner, von Herzen kommender Lobpreis eine „ganz normale“ Reaktion, wenn der Himmel so wie hier die Erde berührt.
In der Aussage »Ein mächtiger Prophet ist zu uns gekommen. Heute hat Gott sein Volk besucht.« bestätigen die Leute das, was die Propheten Simeon und Hanna in Lk 2 über Jesus gesagt hatten.

Mit dem letzten Vers in diesem Bibelabschnitt schließt sich der Kreis wieder. Er hat damit begonnen, dass eine große Volksmenge Jesus nachfolgte. Eben deshalb, weil er auf Grund der Wunder, die er tat, so bekannt war. Durch dieses Wunder war er wieder Gesprächsthema Nr.1 in der ganzen Region und über die Grenzen des Landes hinaus.
Das ist auch unsere Vision: Wir wollen Jesus bekannt machen. In St. Martin, im ganzen Mühlviertel, in Österreich und bis ans Ende der Welt.
Heb 13,8: Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.
Je mehr Raum wir ihm geben, dass er seine Wunder unter uns tut, desto eher wird dieses Ziel erreicht werden.
Dabei geht es nicht vordergründig um die Wunder an sich, sondern darum, dass Menschen ihn kennen lernen, ihm Vertrauen und seine Freunde werden.