In der Kaserne war bereits Zapfenstreich. Aber auf Stube 155 ist noch Lärm.
Wütend kommt der Spieß in die Stube. „Wenn ‚Gute Nacht‘ gesagt worden ist, dann bedeutet das ‚Schnauze halten‘! Kapiert?“
„Jawohl“, antworten die Rekruten, „und ‚Gute Nacht‘!“

Einige von uns Männern hatten das „Vergnügen“ beim Bundesheer zu dienen. Nicht nur das Österreichische Bundesheer, alle Armeen auf dieser Welt funktionieren auf ziemlich die gleiche Weise: Entscheidend ist nicht was du im Kopf hast, sondern auf der Schulter. Es gibt eine sehr klar gegliederte Hierarchie, vom einfachen Rekruten über die Chargen, Unteroffiziere, Offiziere bis zum General. Darüber stehen nur noch der Verteidigungsminister und der Bundespräsident. Der Ranghöhere hat das Kommando. Dessen Befehle müssen befolgt werden, auch wenn sie noch so unsinnig sind.

Diese Militärische Ordnung gibt es nicht erst seit den Weltkriegen, bereits die Römer hatten ein bestens organisiertes Heer. Dieses war die Voraussetzung für die Schaffung des damaligen Weltreiches.

Auch in Israel war das römische Heer präsent. Die Römer waren als Besatzer bei der Bevölkerung verhasst. Deshalb ist es sehr erstaunenswert, wenn das NT einen römischen Hauptmann sehr positiv darstellt. So wie in Lk 7,1-10:
1 Nachdem Jesus das alles vor den Ohren des versammelten Volkes gesagt und seine Rede beendet hatte, ging er nach Kafarnaum.
2 Dort lebte ein Hauptmann, ein Nichtjude. Er hatte einen Diener, den er sehr schätzte; der war schwer krank und lag im Sterben.
3 Als der Hauptmann von Jesus hörte, schickte er einige von den jüdischen Ortsvorstehern zu ihm. Sie sollten ihn bitten, zu kommen und seinem Diener das Leben zu retten.
4 Die Männer kamen zu Jesus und baten ihn dringend: »Der Mann ist es wert, dass du ihm hilfst.
5 Er liebt unser Volk. Er hat uns sogar die Synagoge gebaut.«
6 Jesus ging mit ihnen. Als er nicht mehr weit vom Haus entfernt war, schickte der Hauptmann ihm Freunde entgegen und ließ ihm ausrichten: »Herr, bemühe dich doch nicht! Ich weiß, dass ich dir, einem Juden, nicht zumuten kann, mein Haus zu betreten.
7 Deshalb hielt ich mich auch nicht für würdig, selbst zu dir zu kommen. Sag nur ein Wort und mein Diener wird gesund!
8 Auch ich unterstehe höherem Befehl und kann meinen Soldaten Befehle erteilen. Wenn ich zu einem sage: ›Geh!‹, dann geht er; wenn ich zu einem andern sage: ›Komm!‹, dann kommt er; und wenn ich meinem Diener befehle: ›Tu das!‹, dann tut er’s.«
9 Als Jesus das hörte, wunderte er sich über ihn. Er drehte sich um und sagte zu der Menge, die ihm folgte: »Wahrhaftig, solch ein Vertrauen habe ich nicht einmal in Israel gefunden!«
10 Als die Boten des Hauptmanns in das Haus zurückkamen, war der Diener gesund.

Dieser römische Hauptmann liebte also das Volk Israel. Das war nicht gerade groß im Mode. Die Juden im römischen Reich waren weit verbreitet, nur ein Viertel lebte in Israel, drei Viertel lebten über das ganze römische Reich verteilt. Diese Minderheit machte etwa 7% der römischen Gesamtbevölkerung aus und war für ihre Geschäftstüchtigkeit bekannt, aber auch für ihre hartnäckige Abgrenzung gegenüber den „Heiden“. Diese wiederum machten die Juden zur Zielscheibe ihres Spotts. Es gab viele Witze über das Verbot des Schweinefleisch essens bzw. über das Halten des Sabbats. Überliefert ist beispielsweise ein Ausspruch von Kaiser Augustus, der meinte er würde lieber das Schwein von König Herodes sein, als dessen Sohn, in Anlehnung an dessen Auftrag nach der Geburt Jesu alle Buben unter zwei Jahren umbringen zu lassen.
Für die gebildeten Römer waren die Juden die verächtlichsten aller Sklavenvölker.
Umgekehrt wurden die Heiden von den Juden Hunde genannt und standen in ihren Augen auf einer Stufe mit Prostituierten, Verrätern und Verbrechern. Nicht die besten Voraussetzungen für ein friedliches Zusammenleben. Damals wie heute.

Aber es gab auch die so genannten „Proselyten“. Das waren Heiden, die zum Judentum konvertierten.
Da gab es solche, die Jahwe verehrten und ihr Leben nach den jüdischen Regeln lebten, wie eben jener römische Hauptmann.
Es gab auch Proselyten, die sich taufen und beschneiden ließen. Diese wurden als vollwertige Juden gesehen und den Israeliten gleich gestellt.

Der Hauptmann hatte einen Diener (Sklaven), den er sehr schätzte und der todkrank war. Offensichtlich hatte der Hauptmann von Jesus gehört, und dass dieser Kranke heilen konnte. So schickte er Gesandte zu Jesus. Nicht irgendwen, sondern Älteste, die angesehensten Männer, die er kannte. Diese erzählen Jesus von der Liebe des Hauptmanns zu den Juden, was wie wir gehört haben außergewöhnlich war. Interessant ist, dass sie sagen: Er ist es wert, dass du ihm hilfst. Der Hauptmann sagt von sich selber: „Ich bin es nicht wert, dass du zu mir kommst!“ Der Hauptmann war also trotz seiner guten Stellung ein demütiger Mann. Vor allem wusste er, was Autorität war, wo er selber Autorität hatte und wo diese endete.
Seine Autorität galt im Bereich der Soldaten, die unter seinem Kommando standen. Aber er wusste genau, dass seine Autorität im geistlichen Bereich und wenn es um Krankheiten und um den Tod ging, zu Ende war. Deshalb wandte er sich an Jesus, von dem er glaubte, dass er eben diese Autorität hatte, die ihm fehlte.

Und genau darum geht es in dieser Geschichte: Um Autorität

Unser deutsches Wort Autorität leitet sich vom lateinischen Auctoritas ab.
Auctoritas ist ein römischer Wertbegriff und spielte in der Politik der römischen Republik eine bedeutende Rolle. Die beste Umschreibung ist „Würde“, „Ansehen“, „Einfluss“. Die Auctoritas wirkte überall dort als regulierende Entscheidungsgrundlage, wo keine juristischen Vorschriften vorhanden waren. (Wikipedia)
Mit anderen Worten, überall dort, wo es keine klaren gesetzlichen Regelungen gab, wurde auf Grund von Autorität entschieden.

Heute verwenden wir den Begriff meist um eine Macht zu beschreiben, die hinter einer Person steht.
Ein Polizist hat Autorität, weil die Staatsgewalt hinter ihm steht. Er darf Einfluss auf mein Leben nehmen und mich beispielsweise anhalten und sogar bestrafen, wenn ich mit dem Handy am Steuer telefoniere.

Es gibt aber auch Autorität, die von Natur aus da ist. Beispielsweise haben Eltern ganz natürlich Autorität über ihre Kinder. Ich denke das ist eine von Gott eingesetzte natürliche Ordnung.
Als ich in der Vorbereitung für diese Predigt im Internet unter dem Begriff „Autorität“ gesucht habe, bin ich sehr oft auf Erziehungsartikel gestoßen. Mittlerweile hat sich Gott sei Dank die Erkenntnis durchgesetzt, dass die in den 70 er und 80er Jahren geforderte „Antiautoritäre Erziehung“ als nicht hilfreich gezeigt hat. Kinder als gleichwertige Partner zu sehen stellt für sie eher eine Überforderung dar als das es ein Ausdruck von Liebe wäre.

Autorität an sich ist nichts Schlechtes oder Verwerfliches, es kommt immer auf die dahinter stehende Macht an und darauf wie ich die mir verliehene Autorität einsetze.

Wenn beispielsweise ein Herrscher autoritär regiert, dann zeigt das, dass er nicht das Wohl des Volkes im Auge hat, sondern es ihm primär um die Erhaltung seiner eigenen Macht geht. Das was ihn antreibt, ist die Angst, diese Macht zu verlieren. Angst ist immer ein ganz schlechter und destruktiver Antrieb.

Jesus hatte diese gesunde Autorität, weil er wusste, wer er war. Der Vater im Himmel sicherte es ihm, beispielsweise bei seiner Taufe, aber ich glaube auch immer wenn er sich zum Gebet zurückzog zu: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen!“ Er wusste um die Macht des Vaters, der hinter ihm stand und er wusste, dass für seinen Vater kein Ding unmöglich ist.

Dieser römische Hauptmann, von dem wir vorhin gelesen haben vertraute Jesus. Er vertraute ihm, weil er sich wie gesagt mit Autorität auskannte und weil er Jesus die Autorität über Leben und Tod zutraute. Wie sich gezeigt hat, wurde sein Vertrauen in Jesus belohnt. Sein Diener, den er so sehr schätzte wurde gesund. Ganz ohne, dass Jesus zu ihm kommen musste, ihm seine Hand auflegte oder sonst eine Handlung setzte. Jesus sprach nicht einmal ein langes Gebet oder ähnliches.
„Sprich nur ein Wort…“ Worte haben Macht, das Wort Gottes ganz im besonderen Maß!

Mit diesem Satz: „Herr ich bin nicht würdig… aber sprich nur ein Wort…“ sind Katholiken sehr vertraut. Wenn sie das nicht nur herunterleiern, sondern erst meinen, dann kann Jesus sehr viel für einen so betenden Menschen tun.

Jesus verließ den Himmel um ganz Mensch zu werden. Er ist uns auch darin ein Vorbild, was es heißt als Mensch auf dieser Erde zu leben. Als Mensch, der Gott kennt, ja der in Gott einen Vater im Himmel hat, genauso, wie Jesus.
Das bedeutet, dass Gott die gleiche Autorität, die er seinem Sohn verliehen hat auch uns verleihen will.
Die Autorität ist mit einer Kreditkarte vergleichbar. Ich kann mit der Kreditkarte so lange bezahlen, wie das Konto dahinter gedeckt ist. Ist kein Geld mehr am Konto und der eventuelle Überziehungsrahmen ausgeschöpft, dann ist die Karte nur ein Stück Plastik.

Mit der Autorität, die Gott seinen Kindern verleiht haben wir Zugang zur „Bank des Himmels“. Das ist die einzige Bank, die ganz sicher nie Pleite gehen wird.

In Ps 8 heißt es:
5 Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt

Mit anderen Worten: Gott hat uns Menschen mit Autorität ausgestattet. Er will, dass wir diese einsetzen und gemäß seinen Vorstellungen unsere Erde und vor allem unser Leben gestalten.

Der Schlüssel für unsere Autorität, ist dass wir wissen, wer wir in Jesus Christus sind.
Joh 1,12
Allen, die ihn aufnahmen und ihm Glauben schenkten, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden.
Statt Recht kann man auch Macht oder Vollmacht einsetzen. Diese Vollmacht verleiht uns Autorität.
Und natürlich wurde diese Autorität schon sehr oft missbraucht. Nicht zur Ehre Gottes sondern zur Befriedigung eigener Ansprüche eingesetzt. Aber das bedeutet nicht, dass die Autorität, mit der Gott die Menschen ganz allgemein und seine Kinder im Besonderen ausstattet schlecht wäre.

Ein letzter Gedanke zum Abschluss:
Jesus war überrascht als er den festen Glauben dieses Hauptmannes sah. Auch hier scheint seine Menschlichkeit durch. Er wusste eben nicht alles schon im Vornhinein. Er wurde sowohl positiv, wie auch negativ überrascht. Hier wurde er positiv von einem Mann überrascht, der eigentlich nicht zum Volk Gottes gehörte aber weit mehr Glauben besaß, als die Menschen, die stolz darauf waren Abrahams Kinder zu sein.
Kann es sein, dass Jesus darauf wartet, dass du ihn überraschst?
Dass du ihm so viel Vertrauen entgegen bringst, dass er über dich staunt? Und dass du deine von ihm gegebene Autorität dazu einsetzt unsere Welt ein Stück mehr zu dem Ort zu machen, den Gott im Sinn hatte, als er die Erde schuf.
Das wär mal was!?!