Zwei Spinnen treffen sich.
Erste Spinne: „Mein Gott, bist Du mager geworden.“
Zweite Spinne: „Ja, es ist bald aus mit mir, ich kann ja keiner Fliege was zu leide tun!“

Essen ist ja etwas ganz wichtiges und unentbehrliches. Bei uns gibt es eher das Problem dass es zu viel, als zu wenig zu Essen gibt. Daher entdecken einige Menschen das Fasten ganz neu für sich.
Früher hatte das Fasten weniger wegen der Figur oder der Gesundheit Bedeutung, sondern war ausschließlich eine religiöse Übung.
Und zwar mit ziemlich langer Tradition.
Bereits im AT gab es gewisse Fasttage.

Zur Zeit Jesu: Pharisäer fasteten 2x pro Woche:
Do: Mose auf Sinai
Mo: Mose wieder herunter

Aber die Jünger Jesu nahmen das offensichtlich nicht so streng.

Lk 5,33-39 (NL):
33 Die führenden Männer des Judentums kritisierten Jesus, weil seine Jünger aßen und tranken statt zu fasten. »Die Jünger von Johannes dem Täufer fasten und beten häufig«, erklärten sie, »und die Jünger der Pharisäer genauso. Wie kommt es, dass deine Jünger nicht fasten, sondern essen und trinken?«
34 Jesus fragte zurück: »Fasten etwa die Hochzeitsgäste, während sie mit dem Bräutigam feiern?
35 Eines Tages wird er ihnen weggenommen werden, und dann werden sie fasten.«
36 Und er gab ihnen folgendes Beispiel: »Niemand reißt ein Stück Stoff aus einem neuen Kleid, um damit ein altes zu flicken. Denn das neue Kleid wäre zerrissen und der Flicken würde nicht zu dem alten passen.
37 Und niemand füllt neuen Wein in alte Weinschläuche. Der neue Wein würde die alten Weinschläuche platzen lassen, der Wein würde verschüttet und die Schläuche wären verdorben.
38 Neuer Wein gehört in neue Weinschläuche.
39 Aber keiner, der alten Wein trinkt, scheint neuen Wein zu wollen, denn er sagt: `Der alte ist besser.´«

Judentum nach Exil: Sehr starke Veräußerlichung des Fastens:
Sackkleider
Asche auf Kopf
Waschungen unterlassen.

Botschaft: Schaut auf mich, ich faste!
Auch in der Kirche diese Tendenz sehr schnell.

JC: Es geht beim Fasten weder um das Einhalten gewisser Vorschriften:
Lk 5,34: Jesus antwortete: Ihr könnt doch nicht verlangen, dass die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam da ist.
Noch darum gesehen zu werden. Mt 6,16
Wenn ihr fastet, dann setzt keine Leidensmiene auf wie die Scheinheiligen. Sie machen ein saures Gesicht, damit alle Welt merkt, dass sie fasten. Ich versichere euch: Sie haben ihren Lohn schon kassiert.

Jesus ist nicht gegen das Fasten an sich, sondern gegen die reine Veräußerlichung von religiösen Übungen.

Fazit: Fasten um des Fasten willens hat keinen Wert.

Das Fasten als religiöse Übung ist bei uns Protestanten sehr aus der Mode gekommen.

Protestantismus: (Wieder-) Entdeckung der christlichen Freiheit.
Befreiungsschlag vom Joch der Gesetzlichkeit der Kirche.
Endlich wieder eine Wurstsemmel am Freitag.
Fasten = Werksgerechtigkeit

Paulus als Schirmherr für die Freiheit.
Allerdings Paulus nicht ganz verstanden.
Wie so oft bei Pendelschlag: Auf der anderen Seite vom Pferd gefallen.

Fasten kein Thema.
Auch ich bin so aufgewachsen.
In der Lehrzeit wusste ich nicht warum die Kollegen am Aschermittwoch eine Käsesemmel statt einer Wurstsemmel aßen. (Sie wussten es auch oft nicht so genau)
Fasten in Vergessenheit geraten.

Jesus stand nie in der Gefahr etwas zu tun, nur weil es alle tun. Weil sie es gewohnt waren, so Brauch oder Tradition war.
Natürlich müssen wir unser Leben ganz allgemein und unser Glaubensleben im Speziellen irgendwie gestalten. Und da ist es durchaus hilfreich Gewohnheiten zu entwickeln, ja sogar Traditionen können gut sein, so lange Form und Inhalt zusammen passen.

Traditionen bergen aber immer die Gefahr in sich, dass sie sich verselbständigen und dann zu einer Art ungeschriebenen Gesetz werden, ohne dass das was ursprünglich gemeint war, noch zur Geltung kommt.
Wenn sich z.B. Katholiken bekreuzigen, hatte das ursprünglich den Sinn, sich bewusst unter das Kreuz Jesu zu stellen. Oder der Ausruf „Oh Gott“, war eigentlich als Gebet gemeint…
Wenn charismatische Prediger nach jedem zweiten Satz Halleluja, oder Amen sagen, dann kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sie das jedes Mal aus so meinen, wie sie es sagen.

Wir brauchen uns nichts vor zu machen: Auch wir haben Traditionen, auch wenn es unsere Gemeinde erst seit 15 Jahren gibt.
Welche fallen euch ein?
Ihr seht schon, ich breche gerade mit der Tradition, dass bei der Predigt immer ich spreche. 

Jesus hat gesagt: Neuer Wein muss in neue Schläuche.
Das Leben mit Jesus ist so radikal anders, als das Leben das uns diese Welt vorgibt, dass wir ständig herausgefordert sind.
Und das Leben mit Jesus ist davon geprägt, dass es sich ständig erneuert.

Jesus gebraucht hier 3 Gleichnisse um zu verdeutlichen, wie Altes und Neues zu einander stehen.
In den ersten beiden Gleichnissen macht er deutlich, wie sinnlos es ist, zu versuchen das Alte nur mit dem Neuen zu übertünchen. Sozusagen einen neuen Anstrich drüber.
Hauptsache es sieht nach außen hin gut aus. (Rostiges Auto neu lackiert)

Quer durch das NT wird deutlich, dass es zwei Arten zu leben gibt:
Leben nach dem alten Muster: Gesetz.
Ich muss versuchen gut zu sein.
Himmel verdienen.
Regel, Vorschriften, Verhaltenskodex…
Wenn ich mich an alles halte bin ich OK!
Aber in Wirklichkeit es ist nie genug!

JC lädt uns aber zu einem neuen Leben ein: Leben in der Nachfolge.
Beziehung zu ihm.
Nicht Regeln, sondern Vertrauen bestimmen dieses Leben.
Nicht die 6000 Punkte für den Himmel verdienen, sondern mir schenken lassen.
Gal 2,20
Darum lebe nun nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Das Leben, das ich jetzt noch in diesem vergänglichen Körper lebe, lebe ich im Vertrauen auf den Sohn Gottes, der mir seine Liebe erwiesen und sein Leben für mich gegeben hat.

JC macht mit seinen Gleichnisse ganz deutlich, dass das alte Leben (Gesetz) mit dem neuen Leben, das er schenkt nicht zusammen passt. (Nicht kompatibel)
Das Bsp. mit dem Kleid bezieht sich auf die Außenseite, das Gleichnis vom Wein auf die Innenseite.
Wenn ich im inneren vom neuem geboren bin und mit dem HG (neuer Wein) erfüllt bin, dann wird das auch nach außen hin sichtbar.
Das neue Leben sprengt die alten Formen.
Dann kann ich nicht mehr nur in die Kirche rennen um gesehen zu werden, dann besuche ich den Godi, weil ich die Gemeinschaft mit Gott und Geschwistern liebe.
Dann spende ich nicht um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, sondern weil mit die Not des Nächsten wirklich zu Herzen geht.
Dann kann ich mit ruhigem Gewissen am Karfreitag eine Wurstsemmel essen, aber auch mich jederzeit zum Gebet und Fasten zurückziehen.
Es ist mir nicht mehr so wichtig, was andere Menschen über mich denken, wichtig ist mir, dass ich Gott Freude mache.

Das dritte Gleichnis (lieber den alten Wein) bezieht sich auf Menschen, die Veränderungen gerne vermeiden, aus dem Weg gehen, oder einfach nicht wahr haben wollen.
„Es war schon immer so und soll auch so bleiben“
Die gute alte Zeit…

Vollmer: „Es ist leichter ein neues Haus zu bauen, als einen neuen Gedanken zu denken!“
Es ist bequem im alten, gewohnten Geleisen bleiben.
Aber das Leben ist nicht so!
Weder innerhalb des christlichen Lebens (Lieder, Gebetsformen, Bibelübersetzungen…), und schon gar nicht außerhalb.

Natürlich ist nicht alles Alte automatisch schlecht und nur das Neue gut.
Aber das Leben verändert sich, keiner kann sich dem entziehen.

HG begegnet uns immer wieder neu. (Herausforderung)

In Joh 3 spricht JC davon, dass wir von neuem geboren sein müssen um dieses neue Leben zu erhalten.
2.Kor 5,17
Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon »neue Schöpfung«. Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen.

Diese »neue Schöpfung«, der neue Mensch, der ich mit JC sein darf, braucht sich nicht mehr krampfhaft an alten und vertrauten Dingen und Verhaltensweisen festhalten. Er darf den Kopf voller Vertrauen heben und den neuen Zeiten entgegensehen.

Wir als Christen haben drei riesengroße Vorteile, wenn es darum geht, mit einem sich verändernden Leben auseinander zu setzen:

1. JC hat einen Plan.

Heute: Navi; Früher Stadtplan lesen
JC hat einen Plan(Navi) für dein Leben. (Frag ihn danach!)
Regelmäßiges Update.
Plan (Bibel) lesen.
Bestätigung, Ermutigung, Führung…
Jer 29,11
Denn mein Plan mit euch steht fest: Ich will euer Glück und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr sie erhofft. Das sage ich, der HERR.

2. JC kennt und begleitet deinen Weg

Nachfolge = unterwegs sein = Veränderung
In Apg 9,2 u.a. werden Christen wörtlich als „solche, die von dem Weg sind.“ Bezeichnet.
Gemeinde Unterwegs, „Church on the way”…

Er geht mit dir, du bist nicht allein.
Egal, ob es durch dunkle Täler oder sonnige Höhen geht.

Ps 23,2-4
Er bringt mich auf saftige Weiden,
lässt mich ruhen am frischen Wasser
und gibt mir neue Kraft.
Auf sicheren Wegen leitet er mich,
dafür bürgt er mit seinem Namen.
Und muss ich auch durchs finstere Tal –
ich fürchte kein Unheil!
Du, HERR, bist ja bei mir;
du schützt mich und führst mich,
das macht mir Mut.

Mit diesem Wegbegleiter lässt es sich gut durchs Leben gehen.

3. JC ist das Ziel

Er ist der, auf den die ganze Geschichte hinaus läuft. (Off lesen!)
Deshalb brauchen wir keine Angst vor Neuem haben.
Wir dürfen wissen, es wird letztendlich keine bösen Überraschungen geben.
Er ist das Ziel auf den alles hinausläuft.
Off 21,5
Dann sagte der, der auf dem Thron saß: »Jetzt mache ich alles neu!«

Egal wie viele Veränderungen es noch geben wird, wie vielen Herausforderungen wir uns noch stellen müssen, wie tief unser „christliches Abendland“ auch immer sinken wird, das alles ist nicht das Ende.
Am Ende der Zeit werden sich alle Knie vor JC beugen müssen. Er ist der Sieger.

Natürlich heißt das nicht, dass wir bis dahin uns verkriechen sollen und warten, bis es endlich so weit ist.
Aber es lässt uns voller Zuversicht in die Zukunft schauen.

Freuen wir uns auf den „Neuen Wein“, den unser Herr ausgießen wird. Auch wenn er ganz anders aussehen und schmecken wird, als alles, was wir bisher gesehen und gekannt haben.
Vielleicht wird es neue Formen von Lobpreis geben, neue Arten Gott anzubeten, neue Gemeinden, die ganz anders „funktionieren“, als unsere „traditionelle“ freikirchliche Gemeinde.
Wir brauchen keine Angst davor zu haben.
Ganz im Gegenteil! Der Bräutigam kommt. Bald ist die Hochzeit.
Dann wird gefeiert und alles Fasten, alle Übungen, alle Traditionen und alle Mühen haben ein Ende.