Wenn ich zu Leuten sage: „Haut ab“, dann meine ich nicht, dass sie sich abschälen sollen…☺
Obwohl wir manchmal aus der Haut fahren, können wir doch nicht heraus aus der eigenen Haut.

Die Haut ist unser größtes und vielseitigstes Organ.
Sie schützt nicht nur unseren Körper und hält ihn zusammen, mit ihr fühlen wir Hitze, Kälte, Schmerz und nehmen Berührungen wahr. Sie schützt uns vor Umwelteinflüssen und übernimmt wichtige Funktionen im Bereich des Stoffwechsels.

Wenn wir also an diesem wichtigen Organ erkranken, dann hat das weitreichende Konsequenzen für unser Leben.

In der Bibel lesen wir des Öfteren von aussätzigen Menschen. Aussatz in der Bibel ist ein Sammelbegriff für verschiedene Hautkrankheiten, meist ist jedoch Lepra gemeint. Lepra ist eine chronische Hautkrankheit, die durch Bakterien verursacht wird und die heute zwar heilbar und weltweit rückläufig ist, aber dennoch in einigen Ländern auch in Europa vorkommt.
Bei dieser Krankheit sterben die Nerven ab, und die Gefäße der Arterien und Venen verstopfen durch eine Verdickung des Blutes. Die Betroffenen verlieren meist das Gefühl für Kälte, Wärme und auch Schmerz. Ohne Behandlung verletzen die Patienten sich oft unbemerkt und infizieren sich über die Wunden an lebensgefährlichen Krankheiten.

Zu biblischen Zeiten galten aussätzige Menschen als „unrein“ und mussten außerhalb der Zivilisation leben. Noch im Mittelalter mussten Aussätzige einen speziellen Hut tragen und mit einer Ratsche andere davor warnen ihnen zu nahe zu kommen.

Aussätzige hatten also nicht nur ein körperliches Problem, sondern viel mehr noch ein soziales. Sie waren auf Almosen angewiesen und konnten am gesellschaftlichen Leben nicht teilnehmen. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes Ausgestoßene.

In der Bibelstelle, die ich heute mich euch anschauen möchte, geht es um einen Aussätzigen, der zu Jesus kommt:

Lk 5,12-16
12 In einer der Ortschaften traf Jesus einen Mann, der am ganzen Körper den Aussatz hatte. Als er Jesus sah, warf er sich vor ihm nieder, das Gesicht zur Erde, und flehte ihn an: »Herr, wenn du willst, kannst du mich gesund machen!«
13 Jesus streckte die Hand aus und berührte ihn. »Ich will«, sagte er, »sei gesund!« Im selben Augenblick verschwand der Aussatz.
14 Jesus befahl ihm, niemand etwas zu sagen. »Sondern geh zum Priester«, sagte er, »lass dir von ihm deine Heilung bestätigen und bring die Opfer, die Mose zur Wiederherstellung der Reinheit vorgeschrieben hat. So sollen alle erfahren, dass du geheilt worden bist.«
15 Darauf verbreitete sich die Nachricht von Jesus noch mehr. Scharenweise kamen die Menschen, um ihn zu hören und sich von ihren Krankheiten heilen zu lassen.
16 Aber Jesus zog sich zurück und hielt sich in einsamen Gegenden auf, um zu beten.

Wir wissen relativ wenig über diesen Mann, der Jesus begegnete. Wir wissen nicht, wie lange er schon krank war, ob er Menschen hatte, die sich um ihn kümmerten, ob er Jesus suchte, oder zufällig da war, als Jesus vorbei kam. Was wir wissen, dass er von seiner Krankheit schwer betroffen war. Wörtlich heißt es: „er war voller Aussatz.“ Und was wir auch von ihm wissen, dass er von Jesus gehört haben musste, dass dieser Kranke heilte. Er setzte sein Vertrauen auf Jesus, vielleicht war Jesus seine letzte Hoffnung. Als er Jesus sah, warf er sich vor ihm nieder, das Gesicht zur Erde. (V 12)
Sich vor jemanden nieder zu werfen bedeutete ihn als Herrn anzuerkennen, (Mein Leben ist in deiner Hand, ich bin dein Sklave) mehr noch, es bedeutete auch ihn anzubeten. Manche Herrscher ließen sich so verehren und setzten ihre Untertanen auch unter Druck, damit diese ihn huldigen.
Dieser Mann lieferte sich, vermutlich auf Grund seiner Krankheit von sich aus ganz dem Heiland aus. Jesus verlangte es nicht von ihm, obwohl er der einzigen Herrscher auf dieser Erde ist, dem diese Form der Huldigung gebührt. Eines Tages werden sich alle Knie vor ihm beugen, aber bis zu diesem Zeitpunkt ist es ein Privileg der Kinder Gottes diesen Jesus als ihren Herrn zu kennen.

Leider ist es so, dass Menschen oft tief sinken müssen, um ihr Vertrauen auf Gott zu setzen.
Sie probieren zuerst alles Mögliche, nur um erkenne zu müssen: Das ist es auch nicht, das mir echtes Leben gibt.

„Du bist der Sinn und der Halt meines Lebens, darum setze ich all mein Vertrauen auf dich“, heißt es in einem Lied. Wie glücklich sind die Menschen, die das erkennen, bevor sie ganz am Boden zerstört sind.
„Wer auf dich hofft, der hofft niemals vergebens“, heißt es in diesem Lied weiter. „Du bist gut Herr!“

Gott ist nicht nur so ein bisschen, ab und zu gut, er ist durch und durch gut. Er ist die Güte und die Liebe in Person. Er wird uns niemals enttäuschen, wenn wir uns ihm anvertrauen. Deshalb lohnt es sich immer, ihm zu vertrauen, sich vor ihm nieder zu werfen und ihm zu sagen: Sei mein Herr. Ich will deine Pläne in meinem Leben verwirklichen, deine Ziele sind meine Ziele.

Der Aussätzige stellt sich unter den Willen Jesu: „Wenn du willst, kannst du mich gesund machen.“
Es ist und bleibt dem Willen Gottes vorbehalten, jemanden zu heilen, oder vielleicht (noch) nicht. Aber dieses Souveränität Gottes soll uns niemals davon abhalten, ihn um Heilung für die Kranken zu bitten, mit denen wir zu tun haben. Wenn dieser Mann Jesus nicht gebeten hätte ihn zu heilen, hätte es Jesus vermutlich auch nicht getan. So aber antwortet Jesus mit den Worten, die wir normalerweise bei einer Hochzeit hören: „Ich will!“
Jesus will Menschen berühren und heilen. Das war und ist bis heute einer seiner Aufträge hier auf Erden. Er heilt diesen Aussätzigen nicht so ganz nebenbei, er wendet sich ihm ganz zu, er berührt diesen unreinen und daher eigentlich unberührbaren Menschen. Er wendet sich ihm ganz zu und schenkt ihm seine volle Aufmerksamkeit und Liebe.

Das ist das, was wir von Jesus lernen können. Wir sind heute in seinem Auftrag unterwegs um das Werk, das er auf dieser Erde begonnen hat fort zu führen. Ich meine nicht sein Erlösungswerk, dass er am Kreuz für uns gestorben und wieder auferstanden ist. Da hat er selber gesagt: Es ist vollbracht. Aber es war und ist bis heute Teil seines Werkes Menschen die Liebe des Vaters ganz konkret und praktisch erleben zu lassen.
Er berührt Unberührbare, er heilt und er verändert Menschen. Er tut dies heute durch seine Jünger, Menschen, die ihm vertrauen, die sich bildlich gesprochen vor ihm nieder werfen und ihn Herr in ihrem Leben sein lassen.

So wie Jesus die Menschen nicht egal waren, die mit ihren Sorgen, Nöten und Krankheiten zu ihm gekommen sind, so dürfen auch uns diese Menschen nicht egal sein.

„Ich will, sei gesund.“ Diese wenigen Worte Jesu genügten um den Aussätzigen zu heilen.
Es braucht manchmal weniger als wir glauben um Menschen zu helfen. Manchmal reichen ein paar Worte der Bestätigung oder des Mitgefühls, manchmal hilft eine Umarmung mehr als Medizin, manchmal ist einfach ein offenes Ohr das, was die „Aussätzigen“ unserer Zeit brauchen.

Die Aussätzigen von heute sind eher die psychisch Kranken als die Hautkranken. Menschen, die in unserer Leistungsgesellschaft nicht mehr mitkommen. Menschen, die auf Grund von Ablehnung, mangelnder Zuwendung der Eltern oder sonstiger erlebter Defizite nicht mehr mit ihrem Leben zurecht kommen, keine Perspektive und keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen. Nicht nur unsere Nervenheilanstalten sind voll von solchen Menschen, du findest sie überall.
Natürlich sind solche „verhaltensoriginellen“ Menschen anstrengend. Aber es sind Menschen, die Jesus liebt. Deshalb sollen auch wir sie lieben, so gut wir eben können.

Bist du bereit zu sagen „ich will…“ Ich will dir zuhören, ich will dich in die Arme nehmen, ich will dir ganz praktisch helfen, ich will dir etwas leihen und wenn ich es nicht mehr zurück bekomme ist es auch OK, ich will für dich beten…
Bist du bereit deinen Willen Gott zur Verfügung zu stellen?

Wenn wir Jesus in unser Leben einladen, ist das auch so eine Art Hochzeit. Da sagen wir: Ja, Jesus, ich will, dass du in mein Leben kommst, ich will, dass du meine Sünden vergibst, ich will dir nachfolgen, ich will dir immer ähnlicher werden…
Unser Wille ist und bleibt frei, Gott lässt uns in jeder Situation frei entscheiden, ob wir uns seinem Willen unter ordnen, oder nicht. Er verfügt nicht über unseren Willen.

Oft jedoch haben wir selber das Gefühl, dass wir mit unserem eigenen Alltag so zu kämpfen haben, dass wir nichts mehr geben können…
Auch Jesus war nicht immer nur am Geben. Immer mehr Menschen wollten ihn sehen und hören und vor allem von ihm geheilt werden. Am Ende dieses Bibelabschnitts heißt es aber: (V16) Jesus zog sich zurück und hielt sich in einsamen Gegenden auf, um zu beten.
Hier ist nicht von einer einsamen Gegend sondern von einsamen Gegenden die Rede. Er zog sich nicht nur schnell einmal fünf Minuten oder auch eine Stunde oder zwei zurück um zu beten. Ich denke er suchte für Tage oder vielleicht sogar Wochen die Stille und die Einsamkeit um ungestörte Zeit mit seinem Vater zu verbringen. Kontemplation (sich besinnen) und Aktion (Taten der Liebe) müssen ausgewogen sein, damit wir im Dienst für und mit Jesus nicht ausbrennen.

Jesu Dienst war es unter anderem auch, dass er Menschen heilte, sein primärer Dienst war aber nicht der eines Heilungspredigers, sondern der eines „Missionars“. Ein Missionar ist ein Gesandter. Ich möchte den Missionar mit einem Handy vergleichen. Wenn ein Handy keinen Kontakt mehr zum Sender hat (Funkloch), ist es als Telefon nicht zu gebrauchen. Jesus als Gesandter achtete sehr darauf, dass die Verbindung zu seinem Vater stets erhalten blieb und er nahm sich Zeit um aufzutanken.

Solch eine Tankstelle soll und kann der Gottesdienst sein, aber der allein kann persönliche Zeiten der Stille, des Bibellesens und des Gebets nicht ersetzen. So wie wir uns im natürlichen ausgewogen ernähren sollen, so gilt das auch für unsere geistliche Speise. Wir brauchen Lobpreis, Lehre, Gebet für- und miteinander, Gemeinschaft, Spaß, aber eben auch Stille, hörendes Gebet und Bibelstudium. All das erfordert Disziplin.

Wenn du weißt, was schlechte Ernährung deinem Körper antut und welche schmerzhaften Spätfolgen ein ungesunder Lebensstil haben kann bist du am ehesten bereit ungesunde Gewohnheiten (Rauchen, keine Bewegung, übermäßiger Alkohol- oder Schokoladekonsum…) abzulegen und durch gesündere zu ersetzen.
Das gleiche gilt für dein geistliches Leben. Wenn du eine Sicht dafür entwickelst, welche positiven geistlichen Auswirkungen es für dich bringt, wenn du dich dem Wort Gottes, dem Gebet, der Stille usw. aussetzt, dann wird es dir leichter fallen, dich in diesen Bereichen in Disziplin zu üben.
Wenn es dir in diesen Bereichen noch an Erkenntnis fehlt, dann geh nach dem Gottesdienst auf jemanden aus dem Gebetsteam zu und bitte Gott darum, dass er dir Einsicht schenkt.
Jak 1,5: Wenn jemand von euch die Einsicht fehlt, um richtige Entscheidungen treffen zu können, dann soll er Gott um diese Weisheit bitten. Er wird sie ihm ohne weiteres geben und ihm deshalb keine Vorwürfe machen, denn er gibt allen gern.

Zusammenfassung:
Jesus heilte vor 2000 Jahren Menschen, weil er Menschen liebte. Er wandte sich den Ausgestoßenen und Unberührbaren ganz zu.
Wir als seine Jünger dürfen sein Werk fortführen.
Aber Jesus zog sich auch regelmäßig zurück um in der Gemeinschaft mit seinem Vater wieder aufzutanken.
Er lebte in dieser Balance, die sein Leben einzigartig und seinen Dienst so erfolgreich machte.
Er lebt heute in uns!