Ein Mann geht in einem Fischgeschäft, verlangt einen Karpfen und fügt dann hinzu:
„Bitte einpacken und dann werfen’s ihn mir zu.“
„Warum soll ich ihn werfen?“ erkundigt sich darauf der Verkäufer.
„Damit ich zu Hause sagen kann, ich hab‘ ihn selber gefangen.“

Um eine Fischergeschichte geht es auch im heutigen Text des Lukasevangeliums:

Lk 5,1-11
1 Eines Tages stand Jesus am Ufer des Sees von Gennesaret. Die Menschen drängten sich um ihn und wollten Gottes Botschaft hören.
2 Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten ihre Netze.
3 Er stieg in das eine, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück vom Ufer abzustoßen. Dann setzte er sich und sprach vom Boot aus zu der Menschenmenge.
4 Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: »Fahr hinaus auf den See und wirf mit deinen Leuten die Netze zum Fang aus!«
5 Simon erwiderte: »Herr, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen.«
6 Sie taten es und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen begannen.
7 Sie mussten die Fischer im anderen Boot zur Hilfe herbeiwinken. Schließlich waren beide Boote so überladen, dass sie fast untergingen.
8 Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus nieder und bat: »Herr, geh fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!«
9 Denn ihn und alle anderen, die bei ihm im Boot waren, hatte die Furcht gepackt, weil sie einen so gewaltigen Fang gemacht hatten.
10 So ging es auch denen aus dem anderen Boot, Jakobus und Johannes, den Söhnen von Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten.
Jesus aber sagte zu Simon: »Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du Menschen fischen!«
11 Da zogen sie die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten Jesus.

Der letzte Satz in diesem Text ist schon bemerkenswert. Da knacken die Fischer einen Jackpot, machen den Fang ihres Lebens, doch das ist auf einmal ohne Bedeutung. Sie ließen alles zurück und folgten Jesus. Was gerade noch ihre wichtigste Aufgabe war ist plötzlich unbedeutend. Vermutlich haben sie die Fische wieder frei gelassen. Sie hatten ja keine Zeit mehr sie am Markt zu verkaufen. Sie sind gleich Jesus nachgefolgt.

Etwas anderes als ihr beruflicher Erfolg ist ihnen plötzlich unendlich wichtiger geworden. Etwas – oder besser gesagt Jemand anderer: Jesus!

Diese Geschichte ist eine Berufungsgeschichte. Die Berufung des Petrus, aber auch des Johannes und Jakobus, vielleicht auch anderer Fischer, die dabei waren, zum Jünger Jesu.

Es gibt so etwas wie eine Jüngerschaftspyramide:
Ganz unten an der Basis sind die Zuhörer Jesu. Das ist eine große Menge. Zu ihnen gehörte auch Petrus. Er war eigentlich zufällig, beruflich gerade dort, wo Jesus war. Andere hatten Jesus gesucht, wollten ihn hören, sind vielleicht von weit her gekommen. Aber Petrus und die anderen Fischer reparierten ihre Netze.
Nicht sie kamen zu Jesus, Jesus kam zu ihnen. Das ist eines der wunderbaren Seiten Gottes.
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“, sagt Jesus in Joh 15,16
Gott geht den Menschen nach, er sucht uns, er wartet nicht darauf, dass wir uns aufmachen und ihn suchen.
Auch unser Gemeindeverständnis soll so sein, dass wir nicht darauf warten, dass Menschen zu uns kommen, damit wir ihnen im Namen Jesu begegnen und dienen können. Wir sollen hinaus gehen um den Menschen mit der Liebe Gottes zu begegnen. Gerade den Menschen, die nicht damit rechnen.

Petrus war zunächst nur einer von den Zuhöreren Jesu. Jesus machte sich den akustischen Vorteil zu Nutze in dem er vom Wasser aus im Boot von Petrus zu den Menschen sprach. Lautsprecher gab es ja noch nicht.

Wir wissen nicht, worüber Jesus sprach, auch nicht, ob und wie Petrus und die anderen Fischer von der Predigt Jesu berührt wurden. Aber irgend einen Eindruck muss die Rede Jesu bei Petrus hinterlassen haben.
Denn als Jesus ihn auffordert noch einmal die Netze auszuwerfen sagt Petrus: (V5)
»Herr, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen.«
LÜ: Auf dein Wort hin…

Worte haben Macht, das Wort aus dem Mund Jesu im Speziellen und das Wort Gottes im Allgemeinen haben die Macht Leben zu verändern. Das Leben des Petrus, aber auch dein und mein Leben.

Petrus beginnt in dem Moment, als er anfängt das Wort Jesu zu befolgen vom Zuhörer zum Jünger Jesu aufzusteigen. Er klettert also in der Jüngerschaftspyramide eine Stufe nach oben. Er fängt an, Jesus zu vertrauen. Auf dein Wort hin…

Ein Jünger Jesu ist ein Mensch, der Jesus nachfolgt, oder weniger fromm ausgedrückt: Jemand, der das tut, was Jesus ihm sagt. Das sind all die, die Jesus in ihr Leben eingeladen haben, dass er auf dem Thron ihres Herzen sitzen darf.

Glauben ist keine bloße Kopfsache, dass ich glaube, dass es irgendwo einen Gott gibt. Glauben hat ganz praktische Auswirkung auf mein Leben. Ein Jünger Jesu zu sein bedeutet, das zu tun, was er durch mich tun will. Glaube und Gehorsam gehören zusammen.

Als Petrus bereit ist, das zu tun, was Jesus von ihm will, obwohl seine Erfahrung als Fischer – und davon hatte er sicher mehr als Jesus – dagegen sprach.
Aber auf dein Wort hin…
Und plötzlich, als Folge des Glaubensgehorsams, erlebt Petrus ein Wunder. So viele Fische sind plötzlich im Netz, dass die Netze zu zerreißen drohten. Und als sie den Fischern im anderen Boot herbeiwinkten um ihnen zu helfen drohten beide Boote zu sinken, so viele Fische hatten sie gefangen.
Gott ist nicht kleinlich. Er schenkt uns ein gerütteltes, gedrücktes, überfließendes Maß voll. Mehr als wir fassen können und weit mehr, als wir verdienen.

In dem Moment wird Petrus bewusst, auf wen er sich da eingelassen hat. Er merkt, dass dieser Jesus mehr ist, als ein begnadeter Wanderprediger. Er spürt, dass ihm der lebendige Gott gegenüber steht. Das führt ihn zu der Aussage: (V8) »Herr, geh fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!«

Er spürt es vielleicht intuitiv, oder weiß es aus seiner jüdischen Erziehung, dass Gott so heilig ist, dass ein sündiger Mensch wie er in Gottes Gegenwart umkommt. Zu große Gegensätze prallen aufeinander. Das heilige reinigende Feuer, das Gott umgibt und unsere Sünde passen nicht zu einander. Im AT wie auch im NT endete diese Begegnung für manchen Sünder tödlich

Aber das Interessante ist, dass wann immer Menschen sich dieser Kluft bewusst sind, egal ob es Gideon, Jesaja oder eben hier Petrus war Gott Gnade schenkt und er diese Person läutert und noch näher zu ihm hin zieht.

Es gibt auch innerhalb der Jüngerschaftspyramide Unterschiede. Es gibt viele Jünger, die Jesus nachfolgen, die eine oder andere Gebetserhörung erleben, in der Bibel lesen, eine Gemeinde besuchen usw. Jesus freut sich über jeden einzelnen dieser Jünger und Jüngerinnen.
In Lk 8 lesen wir von Frauen, die Jesus begleiteten und mit ihrem Vermögen dafür sorgten, dass Jesus und die Apostel materiell versorgt waren. Sie stehen für all die Jünger, die ihre von Gott gegeben Gaben für den Bau seines Reiches einsetzen.
In Lk 10 lesen wir von 72 Jüngern die Jesus aussendet um sie in Dörfer und Städte zu schicken, in die er selbst kommen wollte. Das sind Jünger, die eine spezielle Berufung von Jesus erhalten haben. Nicht dass diese „besser“, oder „geistlicher“ waren als die anderen, aber sie hatten eine besondere Aufgabe.
Der nächst- engere Kreis, waren die 12 Apostel die später Leiter in der ersten Gemeinde waren und selbst innerhalb der 12 gab es drei Apostel, die Jesus zu ganz besonderen Anlässen mitnahm: Z.B. am Berg der Verklärung, bei der Auferweckung der Tochter des Jairus oder im Garten Getsemane.
Diese drei waren Petrus, Johannes und Jakobus.

Es geht mir absolut nicht darum irgend eine Hierarchie auf zu stellen. So nach dem Motto: „Ich als Pastor stehe schon auf einer höheren Stufe als ihr Laien…“
Das würde dem „Priestertum aller Gläubigen“, von dem ich überzeugt bin, dass es ein biblisches Konzept ist, total widersprechen.
Was ich mit dieser Pyramide aufzeigen will, dass es mehr gibt, als „ein braver Christ“ zu sein, der sich einmal bekehrt hat, jetzt sein Christenleben so recht und schlecht vor sich hinlebt und darauf wartet, dass er irgendwann in den Himmel kommt.
Paulus fordert uns auf, dass wir uns nach den „größeren Gaben“ ausstrecken sollen (1. Kor 12,31) und in diesem Sinne möchte ich euch ermutigen nach „mehr von Gott“ auszustrecken. Ein Jünger Jesu zu sein ist keine statische Angelegenheit. Es bedeutet im Glauben zu wachsen und Jesus immer näher zu kommen und ihm immer ähnlicher zu werden.
Natürlich ist es Gottes freie Entscheidung, wem er welche Gaben gibt und wen er mit welchen Aufgaben betraut. Und nochmals, ein Pastor ist in Gottes Augen nicht mehr Wert als jemand, der gerade erst zum Glauben gefunden hat und ein Missionar nicht geistlicher als ein normales Gemeindemitglied.

Aber wenn du dich nicht nach dem „Mehr“ ausstreckst, mit dem Gott dein Leben geistlich bereichern will, dann wird deine geistliche Kraft abnehmen. Stillstand ist in Wahrheit immer ein Rückschritt.
Selbstverständlich ist das Glaubensleben ein Auf- und Ab. Es kann nicht immer alles linear nach oben gehen. Aber auf lange Frist gesehen soll es eine Wellenbewegung nach oben sein.

Bei Petrus folgte dieser Berufung zum Menschenfischer noch viele weitere Höhen und Tiefen, aber wenn man den Petrus hier, mit dem Petrus vergleicht, von dem wir in der Apostelgeschichte lesen, dann sehen wir, dass dieser Mann einen erstaunlichen geistlichen Wachstumsschritt gemacht hat und dass Jesus keinen Fehler gemacht hat, als er diesen einfachen Fischer, der „zufällig“ da war, zum Menschenfischer berief.

Jesus hat auch dich berufen, seine Werke zu tun und er hat dabei auch keinen Fehler gemacht.
Das was du jetzt tun musst (darfst), ist so wie Petrus deine beruflichen, freizeitmäßigen, familiären und sonstigen Ziele nicht zu vergessen, aber hinter die Ziele Jesu für dein Leben zu reihen.
Beginne deinen Tag damit, dass du dich fragst: Was willst du mir heute sagen? Jesus, wofür willst du mich heute gebrauchen? Und wenn Jesus sagt: Wirf deine Netze noch einmal aus, dann antworte ihm: Auf dein Wort hin, will ich es tun.
Und dann staune, was er durch dein Leben tun wird.