Lk 3,1-14 Joh d.T.
GD 25.Jän 15

Treffen sich eine blinde Maus und eine blinde Schlange.
Beide begrüßen sich und erzählen, dass sie blind sind, dann beschließen sie, sich gegenseitig zu betasten, um rauszufinden, was sie sind. Die Schlange fängt an:
„Du hast kleine Ohren, eine spitze Nase und kurze Beine. Du bist eine Maus!“
Die Maus freut und fängt dann bei der Schlange an:“Hmmm, du hast keine Haare und keine Ohren. Bist du Niki Lauda ?“

Mit einer Schlange verbinden die wenigsten von uns positive Assoziationen.
Stellt euch vor, ich würde meine Predigt nicht mit einem Witz, oder mit den sonst üblichen Worten „Liebe Gemeinde“ beginnen, sondern euch mit „Ihr Giftschlangenbrut“ anreden. Ich stünde damit in guter biblischer Tradition. Nicht nur Jesus, auch Johannes der Täufer hat seine Predigt so begonnen.
Überhaupt war dieser Johannes ein sehr merkwürdiger Typ.
Nachdem aber auch das Mühlviertel mit dem Slogan wirbt ein „merkwürdiges Land“ zu sein, möchte ich euch heute mit diesem Täufer Johannes und dessen Predigt konfrontieren.

Bei unserem Gang durch das Lukasevangelium schlagen wir heute ein neues Kapitel auf und damit meine ich nicht nur die biblische Zählung.
Was Lukas in den ersten beiden Kapiteln berichtete, geschah eher im verborgenen, nur wenige (auserwählte) Menschen waren beteiligt. Aber jetzt, ab dem dritten Kapitel im Lukasevangelium tritt zunächst Johannes und dann bald auch Jesus in aller Öffentlichkeit auf.

Lk 3,1-14:
Es war im fünfzehnten Regierungsjahr des Kaisers Tiberius. Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Antipas regierte in Galiläa, sein Bruder Philippus in Ituräa und Trachonitis, Lysanias regierte in Abilene.
2 Die Obersten Priester waren Hannas und Kajaphas. Johannes, der Sohn von Zacharias, hielt sich noch in der Wüste auf. Dort erging an ihn der Ruf Gottes.
3 Da machte er sich auf, durchzog die ganze Gegend am Jordan und verkündete: »Kehrt um und lasst euch taufen, denn Gott will euch eure Schuld vergeben!«
4 Schon im Buch des Propheten Jesaja steht: »In der Wüste ruft einer: ›Macht den Weg bereit, auf dem der Herr kommt! Ebnet ihm die Straßen!
5 Füllt alle Täler auf, tragt Berge und Hügel ab, beseitigt die Windungen und räumt die Hindernisse aus dem Weg!
6 Dann wird alle Welt sehen, wie Gott die Rettung bringt.‹«
7 Die Menschen kamen in Scharen zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. Er hielt ihnen vor: »Ihr Schlangenbrut, wer hat euch gesagt, dass ihr dem bevorstehenden Gericht Gottes entgeht?
8 Zeigt durch eure Taten, dass ihr es mit der Umkehr ernst meint! Ihr bildet euch ein, dass euch nichts geschehen kann, weil Abraham euer Stammvater ist. Aber das sage ich euch: Gott kann Abraham aus diesen Steinen hier neue Nachkommen schaffen!
9 Die Axt ist auch schon angelegt, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen.«
10 Die Menschen fragten Johannes: »Was sollen wir denn tun?«
11 Seine Antwort war: »Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.«
12 Auch Zolleinnehmer kamen und wollten sich taufen lassen; sie fragten ihn: »Lehrer, was sollen wir tun?«
13 Seine Antwort war: »Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist!«
14 Auch Soldaten fragten ihn: »Was sollen denn wir tun?« Die Antwort war: »Beraubt und erpresst niemand, sondern gebt euch mit eurem Sold zufrieden!«

Dieser Bibelabschnitt beginnt mit einer sehr genauen und ausführlichen Datumsangabe. Ich war zunächst schon versucht, die ersten beiden Verse zu überspringen, weil da einige schwer auszusprechende Namen und Ortsbezeichnungen vorkommen, aber in der Bibel werden diese Dinge ja nicht zufällig erwähnt. Alles hat seinen Sinn.
Für uns ergibt sich daraus nicht nur die Möglichkeit diese Ereignisse genau zu datieren, sondern vor allem ein Einblick in die damaligen politischen, sozialen und religiösen Verhältnisse.
Pontius Pilatus ist uns allen, zumindest vom Glaubensbekenntnis her ein Begriff, er steht für die römische Militärherrschaft, die Israel zu dieser Zeit kontrollierte und dementsprechend unbeliebt war.
Daneben werden noch drei Fürsten erwähnt, von denen zwei (Herodes Antipas und Philippus) Söhne des grausamen „Herodes des Großen“ (Kindermord in Bethlehem) waren. Von ihm berichten Geschichtsschreiber, dass er herrschsüchtig, prunksüchtig und unsittlich war. Unter all seinen Söhnen aus seinen 10 Ehen glich ihm sein oben erwähnter Sohn „Herodes Antipas“ am meisten.
Und: erstaunlich ist auch, dass Lukas zwei Hohepriester erwähnt, obwohl nach dem mosaischen Gesetz eigentlich immer nur ein Hohepriester im Amt sein durfte. Allerdings hatte der Vorgänger von Pilatus den damaligen Hohepriester Hannas abgesetzt und durch einen, ihm ergebenen Mann namens Kajaphas ersetzt. Trotzdem blieb Hannas in den Augen des Volkes und auf Grund des Gesetzes der wahre Hohepriester.
Diese Umstande geben uns einen kleinen Einblick in die Zerfallserscheinungen der politischen und vor allem religiösen Gesellschaft. Eine Zeit, in der große Unzufriedenheit herrscht ist auch eine Zeit, in der Menschen bereit sind, gegen Unterdrückung und für ein besseres Leben aufzustehen und zu kämpfen. Und die Erwartung an jemanden, der „es wieder richtet“, die Erwartung an einen „Retter“ war groß. Auch da gibt es viele Parallelen zu unserer Zeit heute.

Johannes der Täufer war eben so eine Figur, auf den viele ihre Hoffnung setzten, aber bevor er öffentlich auftrat, schickt ihn Gott buchstäblich in die Wüste. Diese Wüstenzeit ist typisch für viele Männer und Frauen Gottes, sogar auch für das Volk Gottes als Ganzes. Auch sie mussten 40 Jahre lang durch die Wüste gehen, bis sie endlich ins gelobte Land kamen.
Die Wüste ist ein lebensfeindlicher Ort, an dem wir auf das Wesentliche reduziert werden. In der Wüster lernen wir zu unterscheiden zwischen dem was wirklich wichtig ist und dem Luxus, der zum Ballast in unserem Leben wird. Wenn du flüchten müsstest, und nur das mitnehmen kannst, was du tragen kannst, was würdest du mitnehmen? Stell dir diese Frage immer wieder einmal!

Es kann sein, dass Gott auch dich einmal „in die Wüste schickt“. Aber nicht um dir etwas zu nehmen, sondern um dich auf eine wichtige Aufgabe vor zu bereiten. Wir wissen nicht wann Johannes in die Wüste ging, wir wissen nur, dass er sich dort von Heuschrecken und Honig von wilden Bienen ernährte und einen Mantel aus Kamelhaaren trug. Richard Rohr beschreibt ihn in seinem gleichnamigen Buch als Urbild eines „Wilden Mannes“.
Zu ihm „geschah“ das Wort des Herrn in der Wüste.

Vermutlich musste Gott ihn in der Wüste auf seine schwere Aufgabe vorbereiten: Bußprediger sein. Die meisten Prediger heute, und da will ich mich selber gar nicht ausnehmen, predigen viel lieber von der Liebe Gottes, von dem guten Plan der er für uns alle hat, davon, dass er uns annimmt und heilt usw. Das ist zwar nicht falsch, aber das ist nur eine Seite Gottes.
Gott ist Liebe, aber er ist auch gerecht und heilig.

Wenn Gott Johannes damit beauftragt Buße zu predigen, dann nicht um einem frustrierten, durchgeknallten Mann in der Wüste ein Ventil zukommen zu lassen, durch das er seinen Frust über die miese Situation ablassen kann, sondern weil Gott voraussieht, dass unser Leben nicht zu seinem Ziel mit uns führt, was das Beste für uns wäre.

Manchmal sind harte Worte notwendig um jemanden vor einem großen Unglück zu bewahren. Diese harten Worte müssen sogar laut und unangenehm sein, sonst würden sie nicht gehört werden.
Wenn wir kleinen Kindern verbieten Horrorfilme zu schauen, dann ja nicht, weil wir ihnen den „Spaß“ nicht gönnen, sondern weil wir wissen, dass das nicht gut für sie wäre.

Die Bußpredigt des Johannes ist auch keine „einseitige“ Bußpredigt, in der er alleine die Schlechtigkeit der Menschen anprangert.
Wörtlich heißt es in V3:
Er predigte eine Taufe des Umdenkens zur Vergebung der Sünden.
Umkehr (Buße), oder wie es wörtlich sehr treffend heißt Umdenken und Vergebung zu empfangen hängt zusammen.

Johannes forderte seine Zuhörer auf, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen (Wir sind Abrahams Nachkommen), sondern gute Früchte zu bringen.
Da drängt sich naturgemäß die Frage auf: Haben die Katholiken, dass wir gute Werke tun müssen um in den Himmel zu kommen doch recht? Die Antwort darauf ist ein schmaler Grat zwischen Werksgerechtigkeit, also dass ich fromme Werke tue, damit Gott mit mir zufrieden ist, und der falsch verstandenen, oft „billigen Gnade“, die im Protestantismus sehr weit verbreitet ist. Das von Luther geprägte „Allein die Gnade“ (solo grazie) meint nicht, dass ich mich nur einmal bekehren muss, und dann ist die Sache ein für alle mal geritzt. Dass ich dann weiter machen kann, was ich will, Gott wird mich schon nicht verurteilen. In diesem Fall würde ich nicht von einer „Bekehrung“ sprechen, sondern von einem nicht ernst gemeinten Gebet, einem Lippenbekenntnis, dem keine wirkliche Entscheidung vorangegangen ist.
Bekehrung bedeutet, wie der Name schon sagt, dass ich umkehre von meinem bisherigen Weg und einen neuen Weg einschlage. Oder wie es Johannes gepredigt hat: Eine Taufe des Umdenkens.

„Es ist leichter ein Haus zu bauen, als einen neuen Gedanken zu denken.“ Aber genau darum geht es in der Predigt des Johannes. Wir brauchen neue, von Gott inspirierte, gereinigte, geheiligte Gedanken. Spr. 4,23: Achte auf deine Gedanken und Gefühle, denn sie beeinflussen dein ganzes Leben!

Aus gereinigten Gedanken (wörtlich Herz) fließen ganz von selbst gute Taten, kommt automatisch gute Frucht, die Gott erfreut und die Johannes hier einfordert.
Mit dieser Erneuerung des Denkens einher geht die Vergebung der Sünden. Das ist die Frohe Botschaft in der Predigt des Johannes. Mein Teil der Buße ist es, Gott mein Herz, mein Innerstes, meine Gedanken zu geben und ihm zu erlauben, dass er mich mit seinem Geist ganz neu füllt. Dass ich bereit zur „Taufe des Umdenkens“ bin.
Sein Teil, und da ist er treu und gerecht ist es, mir zu vergeben, wenn wir ohne Hintergedanken, ehrlich zu ihm kommen.

Dieses Umdenken hat dann ganz praktische Auswirkungen. Wenn mein Denken wirklich erneuert ist, bleibt das Ganze kein abstraktes Gedankengebäude in dem irgendwelche philosophischen Ideen behandelt werden. Ein von Gott erneuertes Denken führt dazu, dass wir die Welt als ganzes, aber vor allem die Menschen, die mir begegnen aus Gottes Perspektive sehe. Als Mensch, der eine Geschichte hat, der Ängste, Zweifel, Nöte mit sich herumträgt und vor allem der geliebt und angenommen sein will.

10 Die Menschen fragten Johannes: »Was sollen wir denn tun?«
11 Seine Antwort war: »Wer zwei Hemden hat, soll dem eins geben, der keines hat. Und wer etwas zu essen hat, soll es mit jemand teilen, der hungert.«
Was braucht dein Mitmensch? Essen, Trinken, Kleidung, Geld, Zeit, ein offenes Ohr, praktische Hilfe…
Johannes hat auch gesagt: „Wer zwei Hemden hat…“ Wir können ohnehin nur das geben, was wir haben.
Er verlangte von den Zöllnern nicht, dass sie ihren „unehrenhaften“ Beruf aufgeben, oder den Soldaten, dass sie ihre Waffen niederlegen müssen. Aber dass sie zufrieden und dankbar sein sollen mit dem, was sie haben und nicht versuchen mehr zu bekommen, als recht ist.

Umdenken bedeutet auch, dass ich Lebenslügen, die ich über mich selbst geglaubt habe: „Ich bin nichts wert“, „ich kann das nicht“, „ich werde mich nie ändern können“, „ich bin unerwünscht“… ans Kreuz bringe und mir von Jesus sagen lasse, was er über mich denkt:
„Ich habe dich immer schon geliebt, du bist mein Kind.“
„Ich lasse dich nie im Stich!“

Ps 8, 4-6:
Ich blicke zum Himmel und sehe, was deine Hände geschaffen haben; den Mond und die Sterne – allen hast du ihre Bahnen vorgezeichnet. Was ist da schon der Mensch, dass du an ihn denkst? Wie klein und unbedeutend ist er, und doch kümmerst du dich um ihn. Ja, du hast ihm eine hohe Stellung gegeben – nur wenig niedriger als die Engel. Mit Ruhm und Ehre hast du ihn gekrönt.

Der erste Gedanke, der mir da in den Sinn kommt ist: „Danke Herr!“
Und das ist ein guter Gedanke.