Vor einer Schule ist für die Autofahrer ein Warnzeichen angebracht: „Überfahren Sie die Schulkinder nicht!“

Darunter steht: „Warten Sie lieber auf die Lehrer!“

 

 

Warten ist nicht immer lustig, aber manchmal unausweichlich. Immer wenn ich auf etwas warte, dann habe ich auch ganz konkrete „Erwartungen“. Ich habe mehr, oder weniger genaue Vorstellungen von dem, was mich erwartet.

Kinder haben ganz konkrete Vorstellungen und Wünsche, womit Beispielsweise das Osternest gefüllt sein wird. Aber auch wir Erwachsene haben da meist recht konkrete Vorstellungen über die Dinge, die wir erwarten.

Bsp.: Neuer Job, bevorstehender Urlaub…

Je nachdem, ob meine Erwartungen erfüllt werden, oder auch nicht, bin ich danach erfreut, oder auch enttäuscht.

 

 

Ich bin davon überzeugt, dass Gott jedem einzelnen von uns, aber auch uns als Gemeinde mehr anvertrauen möchte. Dass es geistliches Wachstum geben wird und wir Gott besser hören, erleben und wahrnehmen können, als wir es bisher tun.

In diesem Bereich große Erwartungen zu haben, sehe ich als geistlich gesund an. Mit diesen Erwartungen gehen meist auch recht konkrete Vorstellungen einher, wie das genau aussehen wird.

 

Uns geht es da nicht anders als den ersten Jüngern, die Jesus noch mit ihren irdischen Augen gesehen haben. Auch sie hatten gewisse Vorstellungen, gewisse Erwartungen an den Messias. Geschürt wurden diese Erwartungen durch das, was sie in den „Propheten und Schriften“ (AT) gehört und gelesen hatten, oder ihnen, beispielsweise von Lehrern in der Synagoge über den Messias überliefert wurde.

 

Israel war zu dieser Zeit ja nicht frei, sondern von den Römern besetzt. Deshalb hatten viele im Volk Israel die Erwartung an den Messias, dass dieser, ähnlich wie die Richter, oder König David, als starker militärischer Führer auftreten, und das Volk aus der Hand ihrer Besatzer befreien, und ein starkes, selbständiges Reich wieder herstellen würde.

Römer raus – Israel zuerst!

 

Jesus war aber so ganz anders, als viele es erwarteten. Er sagte, dass sein Reich nicht von dieser Welt sei, er predigte über die Feindesliebe und er verzichtete darauf sich als König verehren zu lassen, obwohl er eigentlich der König aller Könige und der Herr aller Herrn war und ist.

 

Recht deutlich wird das auch bei seinem Einzug in Jerusalem, an den wir heute, am Palmsonntag gedenken.

 

Lk 19, 28-40

28 Nachdem er dieses Gleichnis erzählt hatte, setzte Jesus seinen Weg nach Jerusalem fort. Er ging vor seinen Jüngern her.

29 Als sie die Orte Betfage und Betanien erreichten, die in der Nähe des Ölbergs liegen, schickte er zwei Jünger voraus.

30 »Geht in den Ort vor euch«, sagte er. »Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Eselsfohlen angebunden sehen, das noch nie geritten wurde. Bindet es los und bringt es mir.

31 Wenn euch jemand fragt, was ihr da tut, dann sagt einfach: `Der Herr braucht es.´«

32 Sie gingen und fanden das Eselsfohlen genau so, wie Jesus es gesagt hatte.

33 Und als sie es losbanden, fragten die Besitzer tatsächlich: »Warum bindet ihr unser Eselsfohlen los?«

34 Die Jünger antworteten: »Der Herr braucht es.«

35 So brachten sie Jesus das Fohlen und warfen ihre Mäntel darüber, damit er darauf reiten konnte.

36 Die Menschen breiteten ihre Mäntel vor Jesus auf der Straße aus.

37 Als sie die Stelle erreichten, an der der Weg den Ölberg hinabführte, fingen alle seine Anhänger an, Gott mit lautem Jubel für die großen Wunder zu loben, die sie gesehen hatten.

38 »Gepriesen sei der König, der im Namen des Herrn kommt! Friede in der Höhe und Ehre im höchsten Himmel!«

39 Einige der Pharisäer in der Menge forderten ihn auf: »Meister, rufe deine Jünger zur Vernunft!«

40 Doch er entgegnete ihnen: »Würden sie schweigen, dann würden die Steine schreien!«

 

Es war bekannt, dass der Messias ein König, ein Nachfahre Davids sein würde. Ein König reitet auf einem stolzen Pferd, aber nicht auf einem Esel. Es wäre ungefähr so, wie wenn der Bundespräsident ein klappriges Moped, statt einer Limousine als Dienstfahrzeug bekommen würde.

Statt dem roten Teppich schreitet Jesus über die Mäntel seiner Jünger und statt hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Religion, sind es die einfachen, und zum Großteil ungebildeten Jünger, die Jesus begleiten und ihm einen lautstarken Empfang in Jerusalem bereiten.

Die Stimmung war sicher eher mit der, bei einem Fußballspiel zu vergleichen, als mit der feierlichen Stimmung bei einem Staatsempfang, das nach einem strengen Zeremoniell abläuft. (Blasmusik, Ehrengarde und Salutschüssen)

Aber die Worte, mit denen die Jünger Jesus umjubelten, waren durchaus prophetischer Natur.

38 »Gepriesen sei der König, der im Namen des Herrn kommt! Friede in der Höhe und Ehre im höchsten Himmel!«

Wörtlich: Im Himmel Frieden und Ehre in den Höhen. Der Ruf ist ein Gegenstück zu dem Ruf der Engel bei der Geburt Jesu in 2,14, wo es heißt: Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf Erden.

In prophetischer Vorausschau wird das bereits verkündet, was unmittelbar bevorsteht: Gott bereitet Israel und der Welt das Heil (Frieden), indem er Jesus durch Tod und Auferstehung hindurch zum König an seiner rechten Seite einsetzt.

Das hebräische Wort „Hosanna“, oder „Hosianna“, das in den anderen Evangelien mit überliefert wurde stammt aus Ps 118,25. Es ist ein Hilferuf an den König und bedeutet schlicht „Hilf doch!“ Zum einen wurde Jesus damit als König angesprochen, zum anderen machte die Schar der Jünger deutlich, von wem sie ihre Hilfe und Rettung erwarteten.

 

Aber mit Hilfe und Rettung meinten viele eben, dass Jesus jetzt die Römer rausschmeißen würde.

Das ist auch der Grund, warum die Pharisäer Jesus aufforderten seine Jünger zur Vernunft zu bringen. Sie befürchteten das, was 70 n.Chr. dann tatsächlich eintrat: Die Zerstörung des Tempels und die Vertreibung der Juden aus ihrem Land durch die Römer.

 

Aber wenn jemand von Gott begeistert ist, so wie es die Jünger damals waren, kann man ihn nicht zum Schweigen bringen. Jesus sagte: Würden sie schweigen, dann würden die Steine schreien!

Es kommt der Tag, an dem alle bekennen müssen, dass Jesus der Herr ist, an dem es kein Halten mehr gibt.

Ich wünschte, dass wir heute noch viel mehr von Jesus so begeistert wären, dass wir gar nicht anders könnten, als bei jeder Gelegenheit darüber zu reden, wer Jesus für mich ist und was er tut.

Apg 4,20: Wir können nicht aufhören, von dem zu erzählen, was wir gesehen und gehört haben.

 

Jesus wird gelobt, so, oder so. Wenn wir es nicht tun, dann werden die Steine schreien!

 

Was können wir heute daraus lernen?

Wir als Christen glauben, dass Jesus tatsächlich dieser, von Gott eingesetzte Messias war. Er ist der König, der das Volk Gottes, als Nachkomme Davids in alle Ewigkeit regiert. Und er zieht auch bei uns ein, jeden Tag aufs Neue, wenn wir das zulassen.

Aber er kommt zu uns oft anders, als wir es uns vorstellen.

Wenn es in den 10 Geboten heißt: „Du sollst dir kein Götterbild machen“, dann geht es weniger darum, Künstlern zu verbieten, Gott in irgendeiner Weise darzustellen, sondern darum, dass wir ihn nicht „einkasteln“ sollen. Uns nicht darauf fixieren dürfen, wie Gott handelt, wie er uns begegnet, was er tun darf, und was nicht…

Und natürlich will uns dieses Gebot auch davor bewahren, etwas von Menschenhand geschaffenes anzubeten.

 

Es heißt zwar einerseits in Heb 13,8 „Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit“, aber gleichzeitig handelt er und zeigt er sich uns immer wieder anders, sodass es mit ihm nie langweilig wird.

Er will, dass wir ihn immer wieder neu suchen, uns aufmachen und nicht bequem zurücklehnen und sagen können: Ich weiß alles über Gott, ich kenne mich aus.

Gott ist lebendig. Alles was lebt, bleibt auch ein Stück weit unberechenbar.

Gott ist Liebe und Liebe ist immer wieder Kreativ. Das beste Wienerschnitzel wird dir irgendwann einmal nicht mehr schmecken, wenn du es jeden Tag vorgesetzt bekommst. Einem geliebten Menschen etwas zu schenken ist eine schöne Sache, aber wenn das Schenken zur Routine wird, kann sich der Beschenkte irgendwann einmal nicht mehr darüber freuen.

 

Gott tut nichts aus Routine heraus, weil er es schon immer so gemacht hat. Er liebt es dich zu überraschen, deshalb ändert er regelmäßig die Art, wie er dir seine Liebe zeigt.

Und deshalb müssen wir und immer wieder aufmachen, ihn von neuem suchen und uns darauf einlassen, dass er „anders“ ist, als wir denken.

 

Was aber immer gleich bleibt, ist die Tatsache, dass er es gut meint mit dir, dass er nur das Beste für dich im Sinn hat, selbst dann, wenn er dich herausfordert.

 

 

Auch wenn es darum geht, Gemeinde zu bauen und Gemeinde zu sein: Natürlich haben wir einen missionarischen Auftrag und es ist uns wichtig, Menschen anzusprechen, Menschen zu gewinnen und zu Jüngern zu machen. Aber der primäre Zweck einer Gemeinde ist nicht Menschen anzuziehen, sondern Gottes Nähe zu suchen.

Unsere erste Berufung ist es, ein Kind Gottes zu SEIN! Erst aus dem Sein heraus folgt das Tun.

 

In allen Religionen geht es darum, die Menschen zu einem Gott, wie auch immer dieser gesehen wird, zu bringen. Durch Werke, fromme Leistungen, Rituale usw.

Jesus ist der einzige Gott, der von sich aus den umgekehrten Weg gegangen ist: Er wurde Mensch.

Er zog sanftmütig, als dieser König des Friedens, auf einem Esel reitend in Jerusalem ein. Er ist es auch, der den ersten Schritt auf uns zugemacht hat, an deine Herzenstür geklopft hat und so (hoffentlich) in dein Leben eingezogen ist.

 

Unsere Gemeinde ist zu allererst ein Ort, an dem wir diesen Jesus willkommen heißen, und wir uns darüber freuen, was er schon getan hat und was er noch tun wird. Darüber wollen wir reden.

Wenn wir einmal verstanden haben, wie sehr er uns liebt, können wir gar nicht anders, als darüber zu reden, ihm freudig zuzusingen und voller Begeisterung das zu tun, was er von uns möchte.

 

Nicht aus Angst, dass Gott sonst mit uns Böse wäre, nicht aus einem falsch verstandenem Pflichtgefühl, sondern weil es uns ein inneres Bedürfnis ist. Weil wir erkennen, dass wir Seite an Seite mit unserem Herrn unsere Welt jeden Tag ein Stückchen heller, schöner und lebenswerter machen können. Letztendlich ist er es, der all das vollbringt.

 

Hosanna, du bist unser König, Jesus! Du regierst hier und heute. Wir erwarten alles von dir und folgen dir, wohin du gehst.

Hosianna!