Wir leben in einer außergewöhnlichen Zeit. Lockdown, Masken, Angst, Begrenzungen, Krankheit, Einsamkeit, Dinge scheinen außerhalb unserer Kontrolle zu sein oder zumindest leicht geraten zu können.

Wir machen uns Gedanken, vielleicht sogar Sorgen, wie es mit uns weiter geht, wie es mit der Kirche weltweit, mit unserer Gemeinde vorort weitergehen kann. Wie können wir Gemeinde bauen in so einer herausfordernden Zeit? In einer Zeit, wo wir keine Menschen einladen dürfen, wo wir überhaupt Abstand halten sollen. Wie können wir Nähe vermitteln mit Masken? Frust ist sicher oben an der Skala der Gefühle. Oder sogar das Gefühl des Aufgebens, der Resignation. Da kann man halt nichts machen.

Ich möchte ganz kurz und wirklich nur in einem groben Überblick den Weg der Gemeinde Jesu bis jetzt anschauen.

Vor dem 4. Jhdt. war die Christenheit eine kleine, unbedeutende Schar. Sie wurde verfolgt. Es war eine komische Gruppe von Fanatikern, die dem Tod fröhlich ins Auge sahen, weil sie behaupteten, dass sie dadurch einen Gewinn im Leben hätten. Von den Juden als Kult abgetan, von den Römern verfolgt, von vielen ausgelacht, vermehrten sie sich dennoch rapide.

Im Jahr 313 hat Kaiser Konstantin mit Kaiser Licinius den sogenannten Mailänder Vertrag abgeschlossen. Dieser Vertrag garantierte Religionsfreiheit und erhob das Christentum aus der Ecke des Verbots in das Rampenlicht. Also wirklich eine 100 % Veränderung. Es wurde den Gemeinden konfisziertes Kapital zurückgegeben, sie durften aus dem Untergrund kommen, und sie bekamen Entschädigungen.

Alles war auf einmal für die Christen. Die Hochzeit zwischen Kirche und Staat war geboren. Alles wurde von dem christlichen Gedankengut geprägt und durchdrungen. Vom Familienleben bis zur Stadtplanung. Die Kirche wurde immer mehr zu einer religiösen Institution, die bald sogar Macht über den Staat besaß. Es kam zu massivem Machtmissbrauch, wir wissen das alle.

Diese Entwicklung hatte natürlich auch ihre Unterbrechungen. Es gab da Bewegungen wie die Täufer, die Reformation und Gegenreformation, immer wieder lokale Erweckungen.

Wie ist es heute?

Man kann sagen, dass die Welt in den letzten Jahrhunderten gegen diese Macht der Kirche reagiert hat, und es in der Gesellschaft immer mehr zum sogenannten Säkularismus, zum Humanismus und zum humanistischen Atheismus, oder zur Technikgläubigkeit gekommen ist. Es gibt im Grunde kein geltendes Konzept mehr, keinen Maßstab. Alles ist möglich, alles ist denkbar.

Unser Glaube wird heute wieder getestet! Ist er wahr? Hat er Kraft? Oder ist er nur theoretisch? Wissen wir bestimmt, was wir glauben, und können wir das auch zeigen? Oder haben wir ein Konzept nur im Kopf, Worte, die nicht viel bewirken? Das ist jetzt und heute die Frage an uns alle, die wir Gemeinde sind: Hat unser Glaube die selbe Kraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat?

Und die andere Frage, die sich uns stellt: Können wir denn in dieser Zeit jetzt leben, mit all den Hindernissen und Verwirrungen, und trotzdem unseren Glauben erfolgreich bezeugen?

Ich glaube, dass wir prinzipiell immer alles, was wir für unsere Berufung brauchen, von Gott mitbekommen. Wenn Gott dich und mich in dieser Zeit leben lässt, in dieser Zeit sagt, wir sollen ihn bezeugen, dann gibt er uns auch die Ausrüstung dazu. Und ich glaube, dass du und ich in einer Zeit wie dieser leben, weil das einen Grund hat, weil gerade wir einen Unterschied machen.

Ich glaube, dass alles, was wir bis jetzt in unserem Leben erfahren haben, sei es uns noch so unwichtig erschienen, kein Zufall ist, sondern dass wir das brauchen, um in einer Zeit wie dieser unseren Herrn zu bezeugen. Er hat uns zubereitet für diesen Moment. Er verwendet deine und meine Lebenserfahrungen!

Am Donnerstag hat Beata Widmann aus ihrem Leben erzählt. Viele von uns waren dabei, und es war sehr bewegend, wie Gott sie aus einer aussichtslosen Situation herausgerettet hat. Weißt du, ich hab mir gedacht, dass Gott am Donnerstag genau diese Ohnmacht, diese Verzweiflung in ihrem Leben damals benützt hat, um uns zu helfen, um uns zu zeigen: es ist nichts umsonst, nichts aussichtslos! Ich liebe dich, egal was, und ich liebe alle Menschen, egal was! Und egal was du für falsche Entscheidungen getroffen hast, ich kann alles zum Guten verwenden. (Übrigens: wenn du den Bericht von Beata nachhören möchtest, wende dich an die Erika, die kann dir da helfen.)

Warum ist das so? In Matthäus 16/18 sagt Jesus: …auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und selbst die Macht des Todes wird sie nicht besiegen können.

Niemand anderer als Jesus selbst baut seine Gemeinde! Die Gemeinde Jesu hat alle Kriege überdauert, alle weltlichen und geistigen Strömungen, alle Verfolgung, alle Diktaturen. Im Gegenteil. Je mehr Druck desto schöner strahlt die Braut Christi.

Wir Christen haben eine Hoffnung in jeder Lebenslage. Eine Zukunft. Wir wissen, wohin wir gehen. Wir haben eine Berufung, in die der Hl. Geist uns übernatürlich führt. Wir bewegen uns in eine wunderbare Richtung. Wir haben einen Grund, warum wir leben. Und wir haben einen allmächtigen Gott, der uns auf unserem Weg begleitet.

Je mehr der Teufel versucht, die Kirche Jesu zu zerstören, desto mehr wächst sie, gedeiht sie. Warum?

Weil Jesus seine Gemeinde baut! Und das tollste ist, dass Kirche sogar inmitten von schlechter oder falscher Theologie wächst! Habt ihr das bemerkt?

Das befreit unheimlich. Ich brauche Christen, die eine andere Theologie haben als ich, nicht zurechtweisen oder belehren. Denn Jesus wird trotzdem seine Kirche bauen! Weil nicht irgend wer baut, sondern Jesus, unser allmächtiger König.

1. Kor. 2/4,5 sagt Paulus: Was ich euch sagte und predigte, geschah nicht mit ausgeklügelter Überredungskunst; durch mich sprach Gottes Geist und wirkte seine Kraft. Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.

Gottes rettende Kraft, der Hl. Geist. Wenn er durch uns spricht und seine Kraft durch uns wirkt, werden wir erfolgreich sein, egal welche Situation. Das ist der Schlüssel zu einem fruchtbaren Leben im Glauben.

Wenn es dir so geht, dass du manchmal nicht weißt, ob du was sagen sollst, oder auch was du sagen sollst, dann bist du in bester Gesellschaft. Paulus berichtet hier in den Versen vorher, dass er schwach und elend war und vor Angst zitterte. Kennst du das auch oder nur ich?

Ohne die Kraft des Hl. Geistes wird aber nichts passieren. Paulus brauchte diese Kraft im Reden. Wie redet man in der Kraft? Das ist das Gegenteil davon, in der Weisheit der Welt zu reden. Also für mich heißt das, dass ich mit niemandem über Jesus diskutieren brauche. Diskutieren nützt nichts, sondern nur bezeugen. Bezeugen heißt, dass ich das erzähle was ich mit dem Hl. Geist, in der Kraft, erlebe oder erlebt habe.

Wenn wir die Evangelien anschauen, dann bemerken wir, wie Jesus in der Kraft geredet hat. Er hat selten eine Frage direkt beantwortet. Er hat meistens etwas beantwortet, was sein Gegenüber wohl nicht einmal gewusst hat, dass er das eigentlich meint. Lest einmal das Evangelium, indem ihr auf die Reden Jesu achtet.

Z.B. bei der Stelle im Johannesevangelium, die Frau am Jakobsbrunnen. Jesus bittet sie um Wasser. Bei dem drauffolgenden Gespräch fordert Jesus sie heraus, ihn zu bitten um das lebendige Wasser. Er hat im Geist gewusst, dass sie dürstet, dass sie Sehnsucht hat nach Liebe. Er sagt ihr Worte der Erkenntnis, die der Hl. Geist ihm sagt. In weiterer Folge kommt die ganze Stadt zu Jesus, weil die Frau berichtet, bezeugt. Also Jesus hat aus dem Geist geredet, nicht diskutiert!

Wenn wir jemandem zuhören und auf seine Nöte eingehen, indem uns der Hl. Geist in einer Offenbarung (Wort der Erkenntnis) zeigt, was das Problem wirklich ist, dann haben wir etwas zum Sagen.

Ganz zu schweigen von den Zeichen und Wundern oder Heilungen! Wenn jemand ein Problem hat, an Jesus zu glauben, und er wird gesund, glaubst du, dass er unglücklich ist darüber? Oder wird ihn das vielleicht in Gottes Arme treiben? Manchmal nicht. Das weiß ich. Aber meistens schon. Das ist die Kraft des Evangeliums.

Das Evangelium ist die Frohe Botschaft, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist, und dass Gott ihn auferweckt hat. Die Kraft des Evangeliums ist diese Auferstehungskraft! In unseren Worten, in unseren Taten. Auch in den Taten und Worten der Vaterliebe. Die Welt horcht auf, wenn wir etwas sagen oder tun, das anders ist, und nicht in ihr Geiz-Neid-Scham-Schema passt.

Hast du, habe ich diese Kraft? Leben wir in dieser Kraft? Oder in anderen Worten: Bin ich „On Fire“? Sind wir erfasst in unserem Herzen von der Liebe Jesu? Brennt der Hl. Geist in uns?

Wichtig ist, dass wir unter den Menschen sind, in der Welt, wie die Bibel das bezeichnet. Dass wir nicht isoliert in einem Türmchen sitzen und Einsiedler sind. Sondern wir gehören unter die Menschen! Wir können nur scheinen, wenn wir in der Dunkelheit sind. Wir können nur Salz sein, wenn wir aus dem Salzstreuer hinausgehen und uns in die Welt mischen.

Das ist die größte Falle, die fast allen Christen gestellt wird, besonders wenn jemand grad zum Glauben gekommen ist. Wie weit kann ich mich jetzt noch mit meinen Freunden, mit meiner Familie, mit meinen Kollegen einlassen? Misch dich drunter! Ja, aber die trinken! Du brauchst nicht trinken, aber sei dabei! Ja, aber die reißen Witze, die für mich nicht mehr witzig sind! Ja. Das ist nicht lustig, aber kannst du sie trotzdem lieben? Nicht mit einem sauren Gesicht, aber einfach sie selber als Person lieben! Nicht das was sie tun, sondern das, wer sie sind.

Wenn dir das schwer fällt, dann bitte doch den Hl. Geist, dass er dir zeigt, wie er diese Menschen sieht. Und bitte ihn, dass er dir eine Tür zu ihnen öffnet! Halte Ausschau nach so einer Gelegenheit, und dann, wenn auf einmal in einer späten Stunde herauskommt, dass dein Freund doch ein Problem hat, und es gar nicht so lustig in seinem Herzen ausschaut, wie er gerne allen glaubhaft machen würde, dann kannst du ihm antworten auf seine wirklichen Fragen, die dir der Hl. Geist sagt. Also dann redest du in der Kraft und nicht in der Weisheit dieser Welt.

Und da komme ich jetzt zu den 3 letzten, wichtigen Punkten meiner Predigt.

  1. Gemeinde ist nicht ein Gebäude. Gemeinde ist jeder von uns. Wenn Jesus Christus dein Herr ist, dann gehörst du zu seiner Gemeinde. Und wenn 2 oder 3 zusammen sind, so wie z.B. im TT oder einem Hauskreis, dann ist da Ecclesia. Das ist ein Wort, das Jesus aus dem Griechischen genommen hat und heißt Volksversammlung. Jesus hat in dem Zusammenhang gesagt, dass er mitten dabei ist. Also wenn 2 oder 3 seiner Leute eine Versammlung abhalten – und in diesen Versammlungen sind damals Beschlüsse gefasst worden – dann ist er dabei! Dann unterstützt und setzt er diese Beschlüsse durch!

Was heißt das jetzt für uns: Es ist zwar bequem, wenn wir uns beim Wöhrer treffen können – obwohl in letzter Zeit war es nicht mehr so angenehm, mit den Masken,… – aber wir sind nicht nur beim Wöhrer Kirche sondern immer. Treffen wir uns halt anders! Rufen wir einander an! Treffen wir uns in kleiner Gruppe per Zoom, so wie jetzt! Gehen wir spazieren! Jesus ist mitten dabei. Er ist bei uns – wir sind die Gemeinde, die er baut!

  1. Wir, die Gemeinde, gehen auf eine Hochzeit zu. Wir, Jesu Braut, werden vorbereitet! Jesus bereitet seine Braut zu und sie wird immer schöner! Die Kirche, die Gemeinde wird nicht versagen und untergehen sondern ganz im Gegenteil. Jesus Christus, unser König, baut sie, und du und ich gehören dazu. Wenn du noch nicht dazu gehörst und das aber gerne möchtest, wenn du Jesus Christus als deinen Herrn in dein Leben einladen möchtest, dann kannst du nach dem GD um Gebet bitten. Martin schreibt dich auf und wir rufen dich an. Lass diese Zeit nicht vorbei gehen! Mach dein Leben fix mit Jesus Christus. Gehöre dazu zu seiner Braut!

 

  1. In Jesaja 40/13 steht: »Wer kann die Gedanken des Herrn erkennen, oder wer könnte gar Gottes Ratgeber sein?« Ist doch klar, oder? „Niemand!“ ist die Antwort. Oder vielleicht doch nicht? Diese Stelle aus Jesaja zitiert Paulus hier im 1. Kor. 2/16. Und er setzt diese Aussage fort mit unglaublichen Worten. Man hat fast den Eindruck, das kann man doch nicht sagen! Aber hier steht der 2. Teil des Verses 16: Nun, wir haben den Geist von Christus, dem Herrn, empfangen und können seine Gedanken verstehen.

Ich bitte euch, dass ihr darüber wirklich zu Hause in Ruhe nachdenkt. Denn das ist eine ungeheure Aussage. Sollte jemand unter uns sein, der glaubt, dass er nichts wert ist, oder dass er Gott einfach nicht verstehen kann oder dass immer nur die anderen…Bitte meditiert über diesen Vers. Was heißt es, dass wir den Geist von Christus haben? Dass wir Gottes Gedanken verstehen können? Das ist enorm. Wir haben den Geist von Christus. Wir denken wie Christus, wenn wir unseren Geist seinem unterordnen. Also es geht darum, mit welchen Gedanken wir eine Partnerschaft eingehen, mit unseren eigenen oder mit denen von Christus. Wir haben den Geist Christi empfangen. Es gibt keine Ausrede. Wir können uns nicht auf die faule Haut legen und sagen, dass wir Gott nicht verstehen.

Für mich ist das eines der größten Geheimnisse, wie sehr uns Gott liebt. Unser Vater hat sich uns so sehr geöffnet, dass er uns sogar Zugang zu seinen Gedanken gegeben hat! Wir dürfen tatsächlich auf seinen Schoß klettern und ihn bitten, dass er uns erklärt, was er da alles vor hat und tut und meint… Und ich denke, er wartet auf uns, dass wir das auch tun, denn warum hätte er uns den Zugang zu seinen Gedanken geöffnet, wenn er das nicht wollte?

Also zusammengefasst möchte ich uns in die nächste Woche des Lockdowns mitgeben:

  • Jesus Christus baut seine Gemeinde!
  • Wenn wir im Hl. Geist sind, reden und handeln wir mit der selben Kraft, die Jesus Christus von den Toten auferweckt hat!
  • Wir passen als Jesus-Nachfolger nicht mehr in das Geiz-Neid-Scham-Schema!
  • Wir müssen uns von Gott aus dem Salzstreuer hinaus senden lassen
  • Gemeinde, Ecclesia, bist du und ich, und Jesus ist immer mitten unter uns und bestärkt unsere Beschlüsse!
  • Seine Braut wird immer schöner, denn wir gehen auf eine Hochzeit zu!
  • Wir haben den Geist von Christus und können Gottes Gedanken verstehen!

 

Ich bete:

Heiliger Papa im Himmel! Danke, dass wir so eingebettet sind in dir! Danke, dass wir Zugang haben zu deiner Liebe und zu deinen Gedanken, und dass du dich gerne mit uns unterhältst!

  • Papa, was hältst du von dieser Welt, von dieser Situation der Pandemie?
  • Papa, wie geht es dir dabei? Was muss ich wissen?

Jesus, bitte mach uns alle fruchtbar! Lass uns teilhaben am Bau deines Königreiches!

Hl. Geist, bitte gib mir Zugang zu deiner Kraft. Wenn ich mit jemandem rede, oder auch wenn ich deine Gaben austeile und einsetze.

Danke, Papa, für all deine Liebe zu uns Menschen, und dass du nicht willst, dass auch nur einer verloren geht!

Amen.