Ede fragt seinen Zellengenossen: „Warum sitzt du?“

„Weil ich farbenblind bin!“

„Das ist doch kein Verbrechen!“

„Doch, ich habe rote 100 Euroscheine gedruckt.“

 

In Joh 9 lesen wir die Geschichte, wie Jesus einen Blindgeborenen heilt. Im anschließenden Streitgespräch mit den Pharisäern, sagte er, dass er gekommen sei um die Blinden sehen zu machen. Dann hielt Jesus ihnen ihre geistliche Blindheit vor und sagte ihnen zum Schluss: Ihr bleibt schuldig, weil ihr behauptet sehen zu können. (Joh 9,41)

 

Sinngemäß hat Jesus gesagt: Wenn du erkennst, dass du blind bist, kann ich dir helfen. Aber wenn du der Meinung bist, dass eh alles in Ordnung ist, dann bist du entweder ein Heuchler, oder du lügst dich selber an.

 

Die Pharisäer waren in Jesu Augen deshalb blind, weil sie zwar wussten, was gut und richtig ist, weil sie das Gesetz ganz genau kannten, aber ihr Leben nur Äußerlich danach ausrichteten.

Gott hat aber denen, die ihm vertrauen nicht deshalb ein neues Herz geschenkt, damit sie wissen, was richtig und was falsch ist, sondern dass sie so leben, wie Gott es sich vorgestellt hat, als er uns Menschen schuf.

 

Petrus schreibt in seinem zweiten Brief ebenfalls über geistliche Blindheit. Zuvor zählt er eine lange Liste auf, anhand der wir feststellen können, wie „blind“, oder wie sehend wir sind. Diese Liste möchte ich heute mit euch durchgehen:

 

  1. Petr 1,3-11 (Hfa)

3 Jesus Christus hat uns in seiner göttlichen Macht alles geschenkt, was wir brauchen, um so zu leben, wie es ihm gefällt. Denn wir haben ihn kennen gelernt; er hat uns durch seine Kraft und Herrlichkeit zu einem neuen Leben berufen.

4 Durch sie hat er uns das Größte und Wertvollste überhaupt geschenkt: Er hat euch zugesagt, dass ihr an seinem ewigen Wesen und Leben Anteil habt. Denn ihr seid dem Verderben entronnen, das durch die menschlichen Leidenschaften und Begierden in die Welt gekommen ist.

5 Deshalb setzt alles daran, dass euer Glaube sich in einem vorbildlichen Leben auswirkt. Ein solches Leben wird dazu führen, dass ihr Gott immer besser kennen lernt.

6 Daraus entsteht immer größere Selbstbeherrschung, die zu wachsender Ausdauer führt, und aus der wiederum erwächst wahre Liebe zu Gott.

7 Wer Gott liebt, wird auch seine Brüder und Schwestern lieben, und schließlich werden alle Menschen diese Liebe zu spüren bekommen.

8 Wenn all das euer Leben zunehmend bestimmt, wird euer Glaube nicht leer und wirkungslos bleiben, sondern ihr werdet unseren Herrn Jesus Christus immer besser kennen lernen.

9 Wer aber sein Leben nicht davon prägen lässt, der tappt wie ein Blinder im Dunkeln, denn er hat vergessen, dass er von seiner Schuld befreit wurde.

10 Deshalb, meine lieben Brüder und Schwestern, sollt ihr euch mit aller Kraft in dem bewähren, wozu Gott euch berufen und auserwählt hat. Dann werdet ihr nicht vom richtigen Weg abkommen,

11 und die Tür zum ewigen Reich unseres Herrn und Retters Jesus Christus wird euch weit offen stehen.

 

Gleicher Text in der Übersetzung der „Basisbibel“

3 Seiner göttlichen Macht verdanken wir alles,

was wir zum Leben

und zur Ausübung des Glaubens benötigen.

Wir haben es erhalten,

weil wir ihn erkannt haben –

unseren Herrn Jesus,

der uns aus seiner eigenen Herrlichkeit und Kraft berufen hat.

4 In all dem werden uns

wertvolle und unüberbietbare Zusagen geschenkt.

Denn dadurch sollt ihr Anteil bekommen

an der göttlichen Natur.

Aber zuvor müsst ihr dem Verderben entkommen,

das durch die Begierde in dieser Welt verursacht wird.

5 Bemüht euch deshalb nach all euren Kräften,

dass zu eurem Glauben

das richtige Verhalten kommt.

Zum richtigen Verhalten die Erkenntnis,

6 zur Erkenntnis die Selbstbeherrschung,

zur Selbstbeherrschung die Standhaftigkeit.

Zur Standhaftigkeit die Ausübung des Glaubens,

7 zur Ausübung des Glaubens die geschwisterliche Liebe.

Und zur geschwisterlichen Liebe schließlich die Liebe überhaupt.

8 Seht zu,

dass diese Dinge bei euch vorhanden sind

und immer weiter zunehmen.

Dann werden sie

auch für die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus

nicht nutzlos und fruchtlos bleiben.

9 Dagegen ist der, bei dem sie nicht vorhanden sind,

blind und kurzsichtig.

Er hat vergessen,

dass er von seiner früheren Schuld gereinigt worden ist.

10 Bemüht euch deshalb nach Kräften,

liebe Brüder und Schwestern,

dass eure Berufung und Erwählung Bestand haben.

Wenn ihr das tut,

werdet ihr niemals zu Fall kommen.

11 Entsprechend bereitet euch Gott

einen prunkvollen Einzug in das ewige Reich

unseres Herrn und Retters Jesus Christus.

 

Da steckt sehr viel Information in diesen Versen und man ist versucht so einfach darüber hinweg zu lesen. Mir zumindest geht es so, dass ich oft über solche Texte hinweglese, dem Ganzen zwar innerlich zustimme, aber am Ende dann nicht mehr genau weiß, was ich da genau gelesen habe.

Deshalb möchte ich versuchen, diesen Text möglichst knapp, mit eigenen Worten widerzugeben:

 

Zuvor möchte ich das Augenmerk auf ein wichtiges Wort legen:

In der sehr genauen, möglichst wortgetreuen Elberfelder Übersetzung fängt dieser Abschnitt mit dem Wort „Da“ an. Da Gott uns alles geschenkt hat…

Was folgt daraus?

Meine, mir logisch erscheinende Fortsetzung dieses Satzes wäre: …kann und brauche ich gar nichts mehr zu tun.

Es ist ja ein Geschenk. Gott ist gnädig und in seiner Gnade hat er uns alles geschenkt. Seine Gnade ist unser Geschenk!

 

Wie würdest du diesen Satz vervollständigen?

Elb.: Da seine (Christi) göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat…

 

 

Ehrlich gesagt: Ich war überrascht, als ich gelesen habe, wie dieser Gedankengang in V5 weitergeht:

Elb.: Eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf…

BB: Bemüht euch deshalb nach all euren Kräften,

 

Also: Meine kurze, prägnante Wiedergabe dieses Textes lautet: Weil Gott dir alles geschenkt hat, streng dich an!

 

Ist das nicht ein Widerspruch?

Das ist diese interessante Spannung, die im Evangelium drinnen steckt: Jesus war ganz Gott und wurde doch zu 100% Mensch. Die Ersten werden die Letzten sein. Jesus starb, und doch lebt er in Ewigkeit.

 

Diese Spannung zeigt sich auch hier:

Jesus hat alles getan, was zu unserer Rettung und zu einem Leben nach Gottes Plan für uns notwendig ist. Er hat den ganzen Preis bezahlt. „Allein durch Gnade steh ich hier“, haben wir heute gesungen. Wir können uns den Himmel, also die Gemeinschaft mit Gott, gar nicht verdienen.

Es ist Gnade, ein unverdientes Geschenk, das Gott uns macht. Aber gerade, weil diese Gnade unbezahlbar für uns ist, kostet sie dich buchstäblich alles. Dein ganzes Leben. Es sind nicht die guten Werke, die uns in den Himmel bringen, soviel steht fest.

Aber wenn jemand zum Glauben kommt, jedoch sein Leben sich trotzdem nicht grundlegend verändert, dann ist die Frage berechtigt: Was ist das für ein Glaube? Zum Glauben gehört die Buße, also die Umkehr, untrennbar dazu.

 

Nochmals: Es geht nicht um fromme Leistungen, die wir für Gott tun. Es geht vielmehr darum, dass dein und mein Charakter immer mehr die Eigenschaften Jesu widerspiegelt. Gott hat dir ein neues Herz gegeben, damit dieses allein für ihn schlägt, nicht mehr für das, was uns früher wichtig war, bevor wir Gott kennen gelernt hatten.

 

Die Liste, anhand der Petrus unser „Sehvermögen“ testet, besteht aus lauter Charaktereigenschaften, die irgendwann für uns selbstverständlich sein sollten, Dinge, die im Leben eines Jüngers Jesu sichtbar werden müssen, sonst stellt sich die Frage, wem diese Person überhaupt nachfolgt?

Und diese Charaktereigenschaften entstehen nicht allein dadurch, dass ich den Gottesdienst besuche. Uns ist eine unvorstellbare Gnade geschenkt, aber das Leben, das aus dieser Gnade geführt wird, muss ich erst einüben. Die Bereitschaft dafür ist die erste und wichtigste Eigenschaft die ein Jünger Jesu braucht.

 

Deshalb ist die zwar nach menschlichem Ermessen vielleicht nicht logische, dafür aber göttliche Schlussfolgerung aus V3+4 folgende:

Weil dir alles geschenkt ist…

5 Bemüht euch deshalb nach all euren Kräften,

 

dass zu eurem Glauben das richtige Verhalten kommt.

Zum richtigen Verhalten die Erkenntnis,

6 zur Erkenntnis die Selbstbeherrschung,

zur Selbstbeherrschung die Standhaftigkeit.

Zur Standhaftigkeit die Ausübung des Glaubens,

7 zur Ausübung des Glaubens die geschwisterliche Liebe.

Und zur geschwisterlichen Liebe schließlich die Liebe überhaupt.

 

Darin zeigt sich ganz praktisch, wie das Leben aus der Gnade Gestalt gewinnt.

 

Diese Liste im Detail:

  • richtiges Verhalten (Vorbildliches Leben, Tugend) Das was du von anderen, dir gegenüber erwartest. Goldene Regel: Mt 7,12
  • Erkenntnis (Den Herrn immer besser kennen lernen) Geht nur, wenn ich wertvolle Zeit mit ihm verbringe.
  • Selbstbeherrschung (Enthaltsamkeit) Bin ich triebgesteuert, oder von Jesus gesteuert?
  • Standhaftigkeit (Geduld, Ausharren) Gerade wenn es um die Entwicklung des eigenen Charakters geht, besonders wichtig!
  • Ausübung des Glaubens (Gottesfurcht, Frömmigkeit) Wenn ich mein Gebetsleben nicht pflege, darf ich mich nicht wundern, dass ich Gottes Stimme nicht mehr höre… Disciple kommt von Disziplin!
  • Geschwisterliche Liebe (Bruderliebe, Liebe zu allen Gläubigen) 1.Joh 4,20 Sollte nun jemand behaupten: »Ich liebe Gott«, und dabei seinen Bruder oder seine Schwester hassen, dann ist er ein Lügner. Wenn er schon seine Geschwister nicht liebt, die er sehen kann, wie will er dann Gott lieben, den er nicht sieht?
  • Liebe zu allen Menschen. Unsere Aufgabe in der Wert!

 

Wie gesagt, sollten diese Eigenschaften in jedem Christen vorhanden sein und zunehmen!

Christen, bei denen das nicht passiert bezeichnet Petrus als blind, oder zumindest kurzsichtig.

 

Die Gute Nachricht ist, dass wir zwar gefordert sind aus unserer Komfortzone herauszukommen, unser Bestes zu geben um im Glaubensleben zu wachsen, aber wir dabei nicht alleine sind. Jesus hat uns zu einer Gemeinschaft zusammengestellt, damit wir uns auf diesem Weg der Charakterentwicklung gegenseitig unterstützen, anfeuern und wo immer jemand fällt, wieder aufhelfen. Das ist ein wesentlicher Auftrag innerhalb der Gemeinde.

Lasst uns nicht eine Gemeinde sein, in der wir nur darauf warten, dass andere einen Fehler machen, damit wir dann besser dastehen. So eine Haltung ist der Gemeinde Jesu nicht würdig. Jeder kann fallen, keiner von uns ist perfekt. Wir können einen Unterschied machen, indem wir gefallenen Geschwistern in Liebe aufhelfen und uns gegenseitig ermutigen und unterstützen, gemeinsam das Ziel des Glaubens zu erreichen.

 

Vor allem aber haben wir einen liebevollen Vater im Himmel, der für uns ist, wir haben Jesus an unserer Seite, der mit uns ist und wir haben den Heiligen Geist in uns, der uns dabei hilft, dieses lohnende Ziel zu erreichen.

 

Das ist auch das Geheimnis bei einem Leben aus der Gnade.

Eph 2,10 Denn wir sind Gottes Schöpfung. Er hat uns in Christus Jesus neu geschaffen, damit wir zu guten Taten fähig sind, wie er es für unser Leben schon immer vorgesehen hat.

Ja, wir sollen und wollen uns anstrengen und unser Bestes geben, aber letztendlich ist es Jesus in uns, der all das Gute hervorbringt.

 

 

Es gibt ein Lied von „Wolfmut“ in dem es heißt: „Christen sind nicht besser, sie sind nur besser dran.“

Leider stimmt das viel zu oft, aber Gottes Plan mit dir ist ein anderer. Wenn dein Glaube zu keinem Wachstum bei dir führt, musst du Jesus bitten, deine Blindheit zu heilen. Dieses Gebet erhört er sicher gerne.

In der Bergpredigt warnt Jesus uns: Mt 5, 20 Ich warne euch: Wenn ihr den Willen Gottes nicht besser erfüllt als die Schriftgelehrten und Pharisäer, kommt ihr ganz sicher nicht in Gottes himmlisches Reich.

 

Jedoch, wie bei der ganzen Bergpredigt gilt: Aus eigener Anstrengung werden wir dem Anspruch Jesu niemals gerecht werden, aber er in uns kann und wird uns ans Ziel bringen, wenn wir ihm den Raum in unserem Leben geben, der ihm gebührt.