Zum Thema Jüngerschaft haben wir bisher gehört, dass ein Jünger jemand ist, der von Jesus lernt.

Ganz praktisch geht es dabei um drei Bereiche:

Er ist jemand, der Gottes Wort tut, in ehrlicher Gemeinschaft mit anderen Jüngern lebt und:

Ein Jünger ist jemand, der allen Menschen in Liebe dient.

Das klingt jetzt ziemlich großspurig und ist leider auch nicht selbstverständlich. Aber wenn wir Jesus beim Wort nehmen, dann sehen wir, dass ihm dieses Thema sehr wichtig war.

 

Als Jesus seinen Jüngern vor seinem letzten Abendmahl die Füße gewaschen hatte, waren diese ziemlich peinlich berührt. Schließlich war das der Dienst des niedrigsten Sklaven.

Als JC zu Petrus kam sagte dieser: (Joh 13,8) Niemals sollst du mir die Füße waschen!

Ihr kennt die Geschichte und auch die Begründung, warum JC diesen Dienst getan hatte: Joh 13, 12-17

12 Nachdem Jesus ihnen die Füße gewaschen hatte, zog er sein Obergewand wieder an, kehrte zu seinem Platz am Tisch zurück und fragte seine Jünger: »Versteht ihr, was ich eben getan habe?

13 Ihr nennt mich Lehrer und Herr. Das ist auch richtig so, denn ich bin es.

14 Wenn schon ich, euer Lehrer und Herr, euch die Füße gewaschen habe, dann sollt auch ihr euch gegenseitig die Füße waschen.

15 Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Handelt ebenso!

16 Ich sage euch die Wahrheit: Ein Diener steht niemals höher als sein Herr, und ein Botschafter untersteht dem, der ihn gesandt hat.

17 Jetzt wisst ihr das und könnt euch glücklich schätzen, wenn ihr auch danach handelt.

 

In der Katholischen Kirche wurde diese Fußwaschung am Gründonnerstag zum Liturgischen Element, mit genau festgelegten Regeln, wer wem die Füße zu waschen hat. Ich denke nicht, dass Jesus das ausschließlich so gemeint hat, als er sagte (V15): Ich habe euch damit ein Beispiel gegeben, dem ihr folgen sollt. Aber immerhin hat Papst Franziskus diese strenge Regel gelockert und Häftlingen, statt Bischöfen die Füße gewaschen. Ich denke, dieser Mann hat sehr gut erkannt, was Jesus mit diesem Beispiel eigentlich sagen wollte.

 

Er, der Meister kam als Diener.

Mk 10,45: Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen hinzugeben.

 

Wenn es unser Wille ist, als Jünger Jesu ihm nachzufolgen und so zu werden wir er, dann können wir gar nicht anders, als auch zu Dienern zu werden. Und zwar ganz gleich, ob uns die Menschen, denen wir dienen sympathisch sind, oder nicht, ob sie unseren Dienst dankbar annehmen, oder vielleicht nicht einmal wahrnehmen. Es kann auch nicht sein, dass wir nur dann Menschen dienen, wenn wir dann als „Gegenleistung“ von ihnen erwarten, dass sie irgendwann in unsere Gemeinde kommen, oder zumindest gläubig werden.

Wir dienen nicht, um unsere eigenen Ziele zu erreichen, sondern weil es Jesus uns vorgelebt hat und es daher Teil unserer DNA geworden ist.

 

Allerdings können wir uns nicht zerteilen und den Nöten aller Menschen gleichzeitig begegnen. Nicht einmal Jesus konnte das. Er ließ sich auch nicht unmittelbar von den Nöten, die vielleicht vor seinen Augen waren zum Handeln treiben, sondern er tat das, was er den Vater im Himmel tun sah. Nicht die Not der Menschen war seine Motivation, sondern die Liebe zu seinem Vater im Himmel.

Und darin liegt auch für uns das Geheimnis, wie echter Dienst aussieht und wie wir dienen können, ohne dabei auszubrennen.

 

Es geht nicht darum mehr zu tun, sondern das zu tun, was Jesus tun will. Wir sollen nicht für ihn dienen, sondern mit ihm zusammenarbeiten. Das ist ein riesengroßer Unterschied!

 

Natürlich bedeutet das genauso, dass wir aus unserer Komfortzone raus müssen. Jesus hätte 1000 Gründe dafür aufführen können, warum er an den Abenden, an denen man die Kranken der ganzen Stadt zu ihm brachte, nicht mehr heilen könne. Es war ein langer Tag, er hat schon genug Wunder getan, er möchte auch mit seinen Jüngern einmal alleine sein, er müsse sich auch einmal Zeit nehmen zum Schlafen…

 

Aber noch einmal: Raus aus der Komfortzone heißt nicht: „Dienen bis zur Erschöpfung, ausruhen können wir uns im Himmel!“

Sehr wohl aber, dass ich Dinge tun darf und soll, die ich zum Beispiel noch nie getan habe, oder die mich Überwindung kosten. Es kann auch sein, dass ich mich in Situationen begebe, in denen ich riskiere, für einen christlichen Spinner gehalten zu werden.

 

Wenn es darum geht, anderen im Namen Jesu zu dienen, dann muss ich mit meinem geistlichen Ohr ganz nah beim „Auftraggeber“ sein.

Wenn ich dann einen „Dienstauftrag“ von Jesus erhalte, dann würde ich mich selber um eine reiche Erfahrung und um sehr viel Segen bringen, wenn ich aus Bequemlichkeit, oder aus Angst nicht diene. Angst zu versagen, Angst: Was werden die Leute von mir denken…

 

Jesus will uns ja nicht in seinen Dienst mit hineinnehmen, damit er selber früher Feierabend machen kann, sondern weil er uns dabeihaben will, wenn er etwas tut und wir dadurch viel für unser geistliches Leben lernen können.

 

 

Wie sieht das jetzt ganz praktisch aus?

Der Übertitel über meine Predigtserie heißt: „Jüngerschaft praktisch“

Es geht mir nicht darum, dass euer Kopf mit einer weiteren Information gefüttert wird, was Jüngerschaft alles beinhaltet. Ich will, dass uns allen (mich eingeschlossen) diese Jüngerschaftsprinzipien im wahrsten Sinne des Wortes in Fleisch und Blut übergehen. Dass wir diese Dinge selbstverständlich in unserem Leben umsetzen. Genauso selbstverständlich wie wir morgens Zähne putzen, oder einkaufen gehen, wenn wir etwas brauchen.

 

Etwas, das ich persönlich derzeit von Jesus lernen möchte, ist mich unterbrechen zu lassen. Mein Leben wird von Terminen bestimmt:

Um 5.45 läutet der Wecker.

Um 7.00 muss ich in der Arbeit sein.

Um 12h ist Mittagspause.

Um 16.30 ist Feierabend.

Um 19.55 beginnt der Sport im TV…

 

Jesus hatte auch einen vollen Terminkalender. Er war überall gefragt als Redner, als Heiler und als Jemand, mit dem man diskutieren konnte.

Einmal war er in Jericho. Als er die Stadt wieder verließ, folgte ihm eine große Menschenmenge.

Plötzlich hört er, dass Jemand ihn ruft: »Jesus, du Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!« (Mk 10,47)

Wie hättest du reagiert? Ich hätte vermutlich gesagt: „Alle anderen wollen auch was von mir! Stell dich hinten an.“ Oder: „Ich bin jetzt so beschäftigt, du passt überhaupt nicht in meinen vollen Terminkalender.“

 

V49 Als Jesus ihn hörte, blieb er stehen.

 

Jesus ließ sich unterbrechen, er folgten nicht stur seinem geplanten Tagesablauf, sondern war offen für das Reden Gottes in jeder Situation. Das ist etwas, was ich noch viel mehr lernen möchte.

 

Wenn du von Gott benutzt werden willst, dann musst du bereit sein, dich unterbrechen zu lassen. Bleib stehen!

Beinahe immer, wenn Jesus diente, war es, weil er bereit war, sich unterbrechen zu lassen.

 

Sprüche 3,28: „Wenn ein Mitmensch Hilfe braucht und du ihm helfen kannst, dann weigere dich nicht, es zu tun. Und wenn du ihm sofort helfen kannst, dann sage nicht, er soll morgen wiederkommen“ (GN).

 

Menschen, die ein dienendes Herz haben, warten nicht bis morgen. Sie sind spontan, sie sind sensibel für die Bedürfnisse anderer Menschen, und sie sagen: „Okay, ich mach’s!“

Kennst du das Motto von John Wesley? (engl. Erweckungsprediger; 1703-1791)

Tu so viel Gutes wie möglich, mit allen Mitteln, die du hast, auf jede erdenkliche Weise, an allen möglichen Orten, zu allen möglichen Zeiten, so vielen Menschen wie möglich und so lange es irgend geht.

 

Dieser Mann hat verstanden, was es bedeutet, von Gott zum Dienst erschaffen worden zu sein.

 

Überhaupt: Dieses sensibel sein, für die Bedürfnisse der Menschen, die mich umgeben, ist etwas, das ich noch viel mehr lernen möchte.

Natürlich gibt es auf der anderen Seite auch hochsensible Menschen, auch in unserer Gemeinde. Sie müssen lernen, sich nicht von der Not, die sie wahrnehmen, erdrücken zu lassen. Genauso wie für die nicht so sensiblen Menschen gilt für sie: Der Schlüssel zum richtigen Maß, liegt darin, mir vom HG zeigen zu lassen, was ER tun will, nicht was ein Hilfebedürftiger ausstrahlt.

 

Ich glaube, dass dieses Thema des „richtigen“ Dienstes nicht nur einzelne Christen betrifft, sondern uns auch als ganze Gemeinde.

Wenn Gemeinden eine Antwort finden auf die Not, die in einer Stadt, oder einer Region herrscht, dann sind diese Menschen meist auch offen für die Botschaft, die diese Gemeinde verkündet.

 

Wenn eine Gemeinde viele Menschen erreicht, dann hat das oft damit zu tun, dass diese Gemeinde die Bedürfnisse der Menschen vor Ort erkannt- und eine Antwort darauf gefunden hat.

Zum Beispiel, wenn es in einer Stadt Armut gibt und Christen dieser Armut beispielsweise mit einem Ausspeisungsprogramm begegnen, dann werden viele Menschen das Evangelium gerne annehmen.

 

Bei uns würde eine Suppenküche für Obdachlose vermutlich nicht viel bringen, weil die Menschen im Mühlviertel meist andere Nöte haben.

 

Ich denke, es sind zwei Themenbereiche, in denen es einen „Hunger“ in unserer Region gibt:

  • Körperliche Gesundheit.
  • Ehrliche Beziehungen.

Für beide Themenfelder haben wir Antworten zu geben, auch wenn wir da vielleicht erst am Anfang stehen.

Aber mit jedem Gebet um Heilung, mit jeder „Typisch Gott Geschichte“, wächst unser Glaube, dass Gott nicht nur etwas tun kann, sondern etwas tun wird und somit unserer Kompetenz.

 

In knapp einem Monat werde wir unseren ersten Heilungsgottesdienst anbieten. Ich bin schon gespannt darauf, was Jesus alles tun wird. Aber noch einmal: Es geht nicht darum, die Bude hier voll zu kriegen, oder Aufmerksamkeit zu erregen. Unsere Motivation dafür muss sein, dass wir den Menschen, die kommen werden, im Namen Jesu dienen wollen. Er ist ja DER Heiland, im umfassendsten Sinn des Wortes.

 

Und was die ehrlichen Beziehungen angeht, so habe ich schon bei meiner letzten Predigt festgestellt, dass wir da eine echte Stärke haben. Lasst uns darauf Acht haben, dass wir nicht nur untereinander liebevoll miteinander umgehen, sondern allen Menschen, mit denen wir zu tun haben, mit Achtung, Ehre, Respekt und Freundlichkeit begegnen. Keine gespielte Freundlichkeit, sondern eine, die von Herzen kommt. Die Menschen merken diesen Unterschied sehr wohl.

 

In Apg 5 bekommen wir einen kleinen Einblick in die Urgemeinde in Jerusalem: 12b Die ganze Gemeinde traf sich immer wieder im Tempel in der Halle Salomos, fest vereint im Glauben.

13 Die anderen, die nicht zur Gemeinde gehörten, wagten nicht, sich ihnen anzuschließen; sie sprachen aber mit Hochachtung von ihnen.

14 Immer mehr glaubten an Jesus, den Herrn, viele Männer und Frauen

 

Die Gemeinde in Jerusalem hatte einen guten Ruf. Das machte sie interessant. Selbst wenn manche Menschen, aus welchem Grund auch immer, Angst davor hatten, selbst ein Jünger Jesu zu werden, so war doch dieser Glaube an Jesus sehr attraktiv.

 

Die Attraktivität Jesu ist bis heute unverändert. Wenn die Menschen, die uns beobachten sehen, wie wir miteinander, aber auch mit den Menschen umgehen, die nicht zur Gemeinde gehören, und sie darin das Gesicht Jesu entdecken, ist das das schönste Kompliment, das wir bekommen können. Dieses „Jesus in uns sehen“ führt dazu, dass diese Menschen nicht nur uns, sondern vor allem Jesus näher kennen lernen wollen. Dass auch sie ihm nachfolgen wollen und seine Jünger werden.

 

Schließlich hat Jesus auch gesagt, dass man uns daran als seine Jünger erkennen wird: An der Liebe zueinander. Diese Liebe drückt sich eben in gesunden, lebendigen Beziehungen aus.

In Beziehungen, die davon geprägt sind, dass wir allen Menschen in Liebe dienen.