Fragt Fritzchen: „Papa hast du Angst vor einem großen Hund?“

„Natürlich nicht“

„Auch nicht vor einem wilden Löwen?“

„Nein!“

„Aha, dann nur vor der Mama!“

 

 

Zur eigenen Mutter haben fast alle Menschen eine ganz besondere, meist lebenslange Beziehung. Nicht nur, weil sie uns genährt und versorgt hat, sondern weil sie der erste Mensch ist, zudem wir überhaupt eine Beziehung aufgebaut haben. Diese Beziehung begann schon vor unserer Geburt. Wir lernen Vertrauen, eines der wichtigsten Voraussetzungen für Beziehungen überhaupt.

Versuche einmal einen einzigen Tag zu leben, an dem du niemandem vertraust. Das ist unmöglich.

 

Wir Menschen sind Beziehungswesen. Das hängt mit unserer Ebenbildlichkeit Gottes zusammen. Gottes Trinität ist ja eine gelebte Beziehung.

Ohne Beziehungen können wir nicht überleben.

 

 

Jeder von uns hat unterschiedlichste Beziehungen zu unterschiedlichsten Menschen. In der Familie, im Beruf, in der Nachbarschaft, im Verein usw. Leider sind alle unsere Beziehungen nicht automatisch auch gute und gesunde Beziehungen. Je enger eine Beziehung wird, desto mehr kann auch eine Beziehung herausfordernd werden.

 

Wir sind in einer Themenreihe über Jüngerschaft.

Ein Jünger Jesu ist jemand, der das Evangelium verstanden hat und es auch verständlich weitergeben kann. Er/Sie (künftig beziehen sich „Er-Aussagen“ immer auf beide Geschlechter) hat gelernt, sich geistlich gesund zu ernähren und er schafft es immer besser, gegen die Sünde in seinem Leben anzukämpfen.

Heute möchte ich die Beziehungsseite eines Jüngers Jesu beleuchten und behaupte: Ein Jünger ist jemand, der positive, vorbildliche und gesunde Beziehungen pflegt.

Und er ist jemand, der zur Verbesserung von Beziehungen beiträgt, also ein Friedensstifter im umfassendsten Sinn des Wortes.

 

Ich möchte mit euch dazu ein paar Verse aus Röm 12 lesen:

1 Weil Gott so barmherzig ist, fordere ich euch nun auf, liebe Brüder, euch mit eurem ganzen Leben für Gott einzusetzen. Es soll ein lebendiges und heiliges Opfer sein – ein Opfer, an dem Gott Freude hat. Das ist ein Gottesdienst, wie er sein soll.

2 Deshalb orientiert euch nicht am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt, sondern lasst euch von Gott durch Veränderung eurer Denkweise in neue Menschen verwandeln. Dann werdet ihr wissen, was Gott von euch will: Es ist das, was gut ist und ihn freut und seinem Willen vollkommen entspricht.

 

Diese beiden Verse möchte ich bewusst mit hineinnehmen, weil sie gewissermaßen die Grundlage für gelingende Beziehungen legen: Voraussetzung ist zu allererst die Barmherzigkeit Gottes. Wenn ich seine Liebe, Annahme und Vergebung in meinem Leben noch nicht erfahren habe, wird alles Bemühen um gute Beziehungen auf der Ebene des „Menschenmöglichen“ bleiben.

Ich muss mich anstrengen, ich muss es leisten. Natürlich gibt es auch gute menschliche Ansätze und Techniken, die ich trainieren kann um beziehungsfähiger zu werden, aber letztendlich sind alle diese Anstrengungen ermüdend, weil ich alleine die Kraft dafür aufbringen muss.

Wenn ich aber Gottes Barmherzigkeit und Liebe in meinem Leben erfahren habe, wenn mein Liebestank mit seiner Liebe, bis an den Rand gefüllt ist, dann geht es nicht mehr darum, wie sehr ich mich anstrenge um ein liebender Mensch zu werden, sondern ich darf aus der Beziehung zu Jesus heraus, im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Vollen schöpfen“.

Genau das passiert, wenn ich, so wie Paulus hier schreibt, mich nicht am Verhalten und an den Gewohnheiten dieser Welt orientiere, sondern mich von Gott durch die Veränderung meiner Denkweise in einen neuen Menschen verwandeln lasse.

Das griechische Wort, das hier für Veränderung (umgestalten lassen) steht ist „Metamorphose“. Kennen wir noch aus dem Biologieunterricht, wenn aus einer hässlichen, gefräßigen Raupe, plötzlich ein wunderschöner Schmetterling wird. Dieses Bild trifft es sehr gut. So wie sich die Raupe verpuppen muss, so geschieht unsere Metamorphose durch die Veränderung meiner Denkweise. (Erneuerung meines Sinnes). Es geschieht zwar nicht von selbst, dass sich meine Denkweise ändert, ganz im Gegenteil, aber meine Gedanken sind der Schlüssel zu meinem Leben.

Spr. 4,23 Mehr als alles, was man sonst bewahrt, behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens.

HfA: Achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben!

 

Wenn ich Gott erlaube, meine Gedanken zu prägen, dann wird sich ganz automatisch auch mein Leben in seinem Sinne ändern.

Also umgekehrt gesagt: wenn ich den HG erlaube Herr in meinem zu sein, heißt das, dass er zu allererst meine Gedankenwelt prägen darf. Wenn meine Gedanken erneuert sind, wird sich mein Leben ganz automatisch ändern. Wenn ich Gottes Gedanken habe, kommt mir gar nicht in den Sinn zu sündigen, oder andere Menschen lieblos zu behandeln. Der HG ist jemand, der das Beste für jeden von uns im Sinn hat, daher werden auch deine Beziehungen verbessern, wenn der HG deinen Sinn bestimmen darf.

 

 

Jetzt zu den weiteren, ganz praktischen Versen in Röm 12:

9 Täuscht nicht nur vor, andere zu lieben, sondern liebt sie wirklich. Hasst alles Böse und stellt euch auf die Seite des Guten.

10 Liebt einander mit aufrichtiger Zuneigung und habt Freude daran, euch gegenseitig Achtung zu erweisen.

11 Werdet nicht nachlässig, sondern lasst euch ganz vom Geist erfüllen und setzt euch für den Herrn ein.

12 Freut euch auf alles, was Gott für euch bereithält. Seid geduldig, wenn ihr schwere Zeiten durchmacht, und hört niemals auf zu beten.

13 Wenn andere Gläubige in Not geraten, steht ihnen zur Seite und helft ihnen. Seid gastfreundlich und öffnet für Gäste euer Haus.

14 Wenn ihr verfolgt werdet, weil ihr zu Christus gehört, dann verflucht eure Verfolger nicht, sondern erbittet den Segen Gottes für sie.

15 Sind andere Menschen glücklich, dann freut euch mit ihnen. Sind sie traurig, dann begleitet sie in ihrem Kummer.

16 Lebt in Frieden miteinander. Versucht nicht, euch wichtig zu machen, sondern wendet euch denen zu, die weniger angesehen sind. Und bildet euch nicht ein, alles zu wissen!

17 Vergeltet anderen Menschen nicht Böses mit Bösem, sondern bemüht euch allen gegenüber um das Gute.

18 Tragt euren Teil dazu bei, mit anderen in Frieden zu leben, so weit es möglich ist!

19 Liebe Freunde, rächt euch niemals selbst, sondern überlasst die Rache dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: »Ich allein will Rache nehmen; ich will das Unrecht vergelten«, spricht der Herr.

20 Handelt stattdessen so, wie es in der Schrift heißt: »Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken, und er wird beschämt darüber sein, was er dir angetan hat.« [wörtl.: wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln]

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!

 

Eine ganze Liste von praktischen Dingen, die ich tun kann, um Beziehungen positiv zu gestalten, bzw. zu verbessern. Es sind lauter Dinge, die der HG in deinem Leben hervorbringen wird, wenn er Herr in deinem Leben ist.

 

Jesus hat uns zu seinen Botschaftern auf dieser Erde gemacht. Wir sollen sein Friedensreich verkünden, wir sind also Friedensstifter, alleine dadurch, weil Jesus der Friedensfürst ist, auf den die ganze Menschheit wartet. (Jes 9,5!)

Gott bietet allen Menschen seinen tiefen, dauerhaften Frieden an. Das ist die Botschaft, die wir nicht nur verkünden, sondern auch vorleben sollen. Das heißt nicht, dass wir uns alles gefallen lassen müssen, oder jedem Konflikt, um des lieben Friedens willen aus dem Weg gehen sollen. Aber das heißt, dass, wo immer es uns möglich ist, wir dafür sorgen sollen und auch sorgen können, dass der Friede Gottes in alle unsere Beziehungen einkehrt.

 

Als Schlüssel für gelingende, positive Beziehungen gelten Liebe, Annahme und Vergebung.

Liebe hat nicht primär etwas mit meinen Gefühlen für eine Person zu tun, sondern sie ist in erster Linie die Entscheidung zum Besten des Anderen zu handeln.

Wenn ich Menschen bedingungslos annehme, dann muss ich vielleicht meine Vorurteile, die ich gegenüber einer Person hege über Bord werfen, oder noch besser: Ans Kreuz, zu Jesu Füßen bringen. Erst wenn sich eine Person angenommen fühlt, wird sie bereit sein dir zuzuhören, was du über Jesus zu sagen hast.

Vergebung gehört zu den Grundtugenden, die ein Jünger Jesu beherrschen muss. Vergeben heißt nicht einfach vergessen – Schwamm drüber. Vergeben kann ich nur, wenn ich zuvor anklage und mich dem Schmerz stelle. Wenn ich mir bewusst mache und gegebenenfalls auch ausspreche: „Ja, das war Unrecht“. Aber dann eben zu der Entscheidung komme: Ich werde keine Rache üben, sondern vergeben.

Vergebung bedeutet auch noch nicht automatisch Versöhnung. Das sind zwei verschiedene Dinge. Versöhnung setzt die Vergebung voraus, aber ich kann bereits vergeben, selbst wenn die Aussicht auf Versöhnung nicht gegeben ist.

Die für mich hilfreichste Definition von Vergebung lautet: Ich gebe mein Recht auf Rache, an Gott ab. V19 Liebe Freunde, rächt euch niemals selbst, sondern überlasst die Rache dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: »Ich allein will Rache nehmen; ich will das Unrecht vergelten«, spricht der Herr.

Jesus forderte diese Vergebungsbereitschaft immer wieder ein. (Bergpredigt, Schalksknecht, Frage des Petrus…)

 

Wenn du weißt, wieviel dir vergeben wurde, dann kannst du eigentlich gar nicht mehr anders, als denen zu vergeben, die dir unrecht getan haben. Ohne Vergebung wird es auf Dauer keine gelingenden Beziehungen geben.

 

Paulus schließt diesen Text mit diesem eindrücklichen Bild aus den Sprüchen ab: V20 »Wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln«

Hast du das schon einmal gemacht? Ich meine nicht das mit den Kohlen im wörtlichen Sinn! Hast du schon einmal jemanden gesegnet, der dich beleidigt hat? Hast du jemanden etwas Gutes getan, nachdem er dir etwas Böses angetan hat?

Auf diese Weise kanns du die Macht des Feindes brechen, der ja bekanntlich nur gekommen ist um zu rauben, zu stehen und zu morden. Du aber, als Jünger Jesu, als Diener des Höchsten und als Kind Gottes hast die Möglichkeit, dieses Böse in etwas Gutes umzuwandeln, Hass in Liebe, Feindschaft in Freundschaft, einen ausweglosen Streit in eine gute Beziehung. Der HG in dir kann und will genau das immer wieder tun.

 

Wenn deine Beziehung zu ihm gut ist, werden deine Beziehungen zu deinen Mitmenschen besser.