Altes Mütterchen zum Friedhofswärter: „Wo bitte ist Reihe 10, Grab Nr. 7?“

Er: „So so, heimlich aus dem Grab kraxeln und dann den Heimweg nicht mehr finden!“

 

Nicht nur Zombiefilme wie „Fluch der Karibik“, beschäftigen sich mit der Frage: Was ist, wenn jemand stirbt, aber trotzdem weiterlebt?

Ich will heute keine Gruselpredigt halten, aber dieses Phänomen, dass jemand eigentlich tot ist, aber trotzdem mein Leben mitprägt, begegnet gerade uns Christen jeden Tag. Und zwar geht es um unseren alten Menschen, bzw. um die Sünde. Es ist eine geistliche Tatsache, dass in dem Moment, in dem wir Jesus unser Leben anvertrauen, ihm den ganzen Müll unseres sündigen Lebens hinwerfen, Vergebung empfangen und ihn dann in unser Herz einladen, er nicht in unser altes Herz einzieht, sondern uns ein neues, lebendiges (fleischernes) Herz schenkt. Das alles passiert bei unserer Bekehrung. In dem Moment löse ich mein Ticket für den Himmel.

Aber wir alle wissen, dass das erst der Anfang eines lebenslangen Prozesses ist und mit diesem ersten Schritt „nur“ ein Grundstein gelegt wurde, auf den es jetzt aufzubauen gilt.

 

Was passiert mit meinem alten (steinernen) Herzen, was ist mit dem alten „Adam“, wenn ich dieser neue Mensch in Christus werde?

Bei der Taufe wird ja bekanntlich der alte Mensch ersäuft und ein neuer Mensch ersteht im Glauben mit Christus aus dem Wasser auf.

Luther meinte dazu: „Wir ersäufen zwar den alten Adam, aber das Biest kann schwimmen!“

Und tatsächlich zeigt es die Lebenserfahrung von jedem, der länger als ein paar Minuten von neuem geboren ist, dass die Sünde zwar gekreuzigt wurde, aber plötzlich wieder, so wie die „Untoten“ im Film „Fluch der Karibik“, als eine Plage mein Leben erschwert.

 

Um es mit den Worten von Paulus zu sagen:

Röm 7,21- 14

21 Ich mache also ständig dieselbe Erfahrung: Das Gute will ich tun, aber ich tue unausweichlich das Böse.

22 Ich stimme Gottes Gesetz aus tiefster Überzeugung und mit Freude zu. 23 Dennoch handle ich nach einem anderen Gesetz, das in mir wohnt. Dieses Gesetz kämpft gegen das, was ich innerlich als richtig erkannt habe, und macht mich zu seinem Gefangenen. Es ist das Gesetz der Sünde, das mein Handeln bestimmt.

24 Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich jemals aus dieser tödlichen Gefangenschaft befreien?

 

 

Wir sind gerade in einer Predigtserie zum Thema Jüngerschaft.

Was einen Jünger Jesu ebenfalls ausmacht, ist das er gelernt hat (bzw. dabei ist immer mehr zu lernen) sich nicht mehr von der Sünde im Leben beherrschen zu lassen.

Zugegeben: Dies ist ein mühseliges, hartes und leidvolles Thema, aber ein unendlich Wichtiges. Unser Herz ist Schauplatz eines erbitterten Kampfes. Die gute Nachricht ist, dass dieser Kampf nicht aussichtslos ist, ganz im Gegenteil. Im Grunde ist dieser Kampf längst entschieden!

 

Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz nicht nur den Teufel mit allen seinen Helfern besiegt, er hat auch alle unsere Sünde, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf sich genommen, damit wir frei sein können. Das bedeutet aber nicht, dass wir jetzt fröhlich darauf weitersündigen können, weil Jesus ja ohnehin alles getragen hat. Die Sünde ist es ja, die uns „Das Leben“ raubt! Bei der Sünde geht es ja nicht primär darum, dass wir einzelne Taten tun, die Gott verboten hat, sondern es geht darum, dass wir das gute und vollkommene Ziel, das Gott für unser Leben bereithält, verpassen, weil wir glauben klüger zu sein als er und lieber unsere eigenen Wege gehen wollen. Aber statt dem erhofften Leben bringt uns die Sünde am Ende den Tod!

Das sagt nicht nur die Bibel in aller Deutlichkeit, auch unsere Lebenserfahrung lehrt uns das immer wieder.

 

 

Wie kämpfe ich gegen diese alte, sündige Natur in mir, die erst dann Ruhe gibt, wenn mein Körper zu Grabe getragen wird? Wie besiege ich diesem „Zombie“? Mit Knoblauch geht es nicht! 😊

 

Röm 6,1-14 (Hfa)

1 Was bedeutet das nun für uns? Sollen wir etwa weiter sündigen, damit Gott Gelegenheit hat, uns seine Gnade in ihrer ganzen Größe zu zeigen?

2 Natürlich nicht! Als Christen sind wir für die Sünde tot. Wie könnten wir da noch länger mit ihr leben?

3 Ihr wisst doch, was bei der Taufe geschehen ist: Wir sind auf den Namen von Jesus Christus getauft worden und haben damit auch Anteil an seinem Tod.

4 Durch die Taufe sind wir also mit Christus gestorben und begraben. Und wie Christus durch die Herrlichkeit und Macht seines Vaters von den Toten auferweckt wurde, so haben auch wir ein neues Leben empfangen und sollen nun so handeln, wie es diesem neuen Leben entspricht.

5 Denn wie wir seinen Tod mit ihm geteilt haben, so haben wir auch Anteil an seiner Auferstehung.

6 Letztlich geht es doch darum: Unser früheres Leben endete mit Christus am Kreuz. Unser von der Sünde beherrschtes Wesen ist damit vernichtet, und wir müssen nicht länger der Sünde dienen.

7 Denn wer gestorben ist, kann nicht mehr von der Sünde beherrscht werden.

8 Sind wir aber mit Christus gestorben, dann werden wir auch mit ihm leben – davon sind wir überzeugt.

9 Wir wissen ja, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist und nie wieder sterben wird. Der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

10 Mit seinem Tod hat Christus ein für alle Mal beglichen, was die Sünde fordern konnte. Jetzt aber lebt er, und er lebt für Gott.

11 Das gilt genauso für euch, und daran müsst ihr festhalten: Ihr seid tot für die Sünde und lebt nun für Gott, der euch durch Jesus Christus das neue Leben gegeben hat.

12 Achtet darauf, dass euer vergänglicher Körper nicht von der Sünde beherrscht wird und ihr seinen Begierden nicht nachgebt.

13 Nichts, keinen einzigen Teil eures Körpers, sollt ihr der Sünde als Werkzeug für das Unrecht zur Verfügung stellen. Dient vielmehr Gott mit allem, was ihr seid und habt. Als Menschen, die ohne Christus tot waren, aber durch ihn neues Leben bekommen haben, sollt ihr jetzt Werkzeuge in Gottes Hand sein, damit er euch für seine Ziele einsetzen kann.

14 Die Sünde hat ihre Macht über euch verloren. Denn ihr seid nicht länger an das Gesetz gebunden, sondern ihr lebt von der Gnade Gottes.

 

 

Wie kann es sein, dass ein Toter, so viel Macht auf die Lebenden ausübt? Hätte Gott nicht dafür sorgen können, dass der alte Mensch wirklich stirbt und wir, ab dem Augenblick unserer Bekehrung tatsächlich unfähig werden zu sündigen? Wäre das nicht ein eindeutiger Beweis, dass es Gott nicht nur gibt, sondern er uns ein neues Leben schenkt?

 

In der Kirchengeschichte gab es immer wieder Versuche, diese Spannung aufzulösen.

Bereits in den ersten Jahrhunderten gab es einige theologische Strömungen, die unter anderem von den griechischen Philosophen stark inspiriert waren. Sie lehrten einen „Leib – Geist“ Dualismus. „Nur der Geist ist gut, der Leib ist Böse!“ Das führte dazu, dass entweder der Leib geknechtet wurde (Askese, Selbstverstümmelungen…), oder aber man zu dem Schluss kam, dass es ohnehin unwichtig sei, was der Leib macht. Folglich kann der Mensch bedenkenlos ins Bordell gehen, bei Fress- und Saufgelagen mitmachen usw., weil der Körper ohnehin weltlich und damit vergänglich sei und das eigentlich Wichtige, der Geist ist.

 

Die Bibel lehrt aber, dass wir eine Einheit sind aus Geist, Seele und Leib. Und dass diese Drei sehr wohl Einfluss aufeinander haben. Ich kann nicht sagen, dass nur mein Körper sündigt, aber mein Geist nicht. Natürlich bietet der Körper mit seinen Bedürfnissen (Sinnlichkeit) und in seiner Vergänglichkeit eine große Angriffsfläche für die Sünde. Dieser Körper gehört zu dieser Erde. Deshalb werden wir auch krank und müssen sterben. Und wie gesagt, erst wenn dieser Körper aufhört zu leben, hört auch der Kampf um mein Herz auf.

 

Aber Gott lässt es ganz offensichtlich zu, dass wir diesen Kampf auf dieser Erde, noch in diesem irdischen Körper kämpfen müssen. Ich denke, dass er einen guten Grund dafür hat:

Er möchte, dass wir lernen geistlich zu leben und zu kämpfen. Unser irdisches Dasein wird somit zu einer Vorbereitung, einem Training auf unser himmlisches Leben. Im Himmel wird es keineswegs so sein, dass wir auf irgendeiner Wolke sitzen und den ganzen Tag Halleluja singen müssen, so wie der vielzitierte Münchner im Himmel.

Wir werden dort natürlich Gott anbeten, aber wir werden auch über die neue Erde herrschen, Seite an Seite mit unserem Herrn. Ein Herrscher, der sich selbst nicht beherrschen kann, ist kein guter Herrscher.

 

Gott hat uns dieses neue Leben und das neue Herz gegeben, also alle Voraussetzungen dafür, dass wir ein Leben in seinem Sinn führen können. Jetzt ist es unsere Aufgabe, dieses Leben, das aus seiner Kraft und aus der Beziehung mit ihm kommt, einzuüben. Das geht nicht von heute auf morgen und das geht auch nicht von selbst. Trotz des neuen Herzens gibt es noch sehr viel Hartherzigkeit unter Christen.

 

Aber es gibt auch viele Christen, die sich von Gott umformen lassen. Die nicht nur einmal „Ja“ zu ihm gesagt haben, weil Angst davor haben, sonst in die Hölle zu kommen, sondern die ihn wirklich von Herzen lieben und deshalb dieses neue Herz mehr und mehr mit seiner Liebe und seinen Gedanken füllen lassen.

Umso mehr Raum Gott in meinem Herzen und in meinem Leben einnehmen darf, desto weniger Angriffsfläche biete ich dem Teufel und der Sünde. Natürlich gilt auch, dass der Feind noch vehementer angreift, je fester wir stehen, aber gleichzeitig mit jedem Angriff haben wir die Möglichkeit stärker zu werden. Ein Baum, der nie großen Belastungen ausgesetzt ist, wird zwar vielleicht schön gerade wachsen und vielleicht recht groß werden, aber es sind die sturmgebeutelten Hochgebirgsbäume, die das beste Holz hervorbringen (z.B.: für Geigen) und die so schnell nichts umwirft.

 

Als Jünger müssen wir erkennen, dass wir neue Menschen sind und deshalb die Sünde kein Anrecht mehr auf uns hat.

Paulus schreibt in Kol 3: Darum tötet alles, was an euch noch irdisch ist: Unzucht, Ausschweifung, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht.

…Zorn und Aufbrausen, Boshaftigkeit, Beleidigung und Verleumdung.

Belügt einander nicht mehr!

 

Der alte Adam ist tot, aber seine Gesinnung in uns muss von uns jeden Tag aufs Neue umgebracht werden. Radikal. Wenn wir die Sünde nicht beherrschen, wird die Sünde das Kommando übernehmen und uns erbarmungslos beherrschen. Das ist eine geistliche Gesetzmäßigkeit.

Schon zu Kain sagte Gott: Wenn du jedoch Böses planst, dann lauert die Sünde schon vor deiner Tür. Sie will dich zu Fall bringen, du aber beherrsche sie! (Gen 4,7)

Das sagte Gott zu Kain bevor er seinen Bruder erschlug.

 

Wenn Gott dem ersten Mörder der Geschichte zutraute, dass er die Sünde beherrschen kann, wieviel eher müssten wir dann, die wir seinen Heiligen Geist haben „Nein“ sagen können.

 

Wenn du im festen Glauben bist, dass dein altes Wesen tot ist, hat die Sünde kein Anrecht auf dich. Du bist ihr nicht wehrlos ausgeliefert! Du bist dazu bestimmt über die Sünde zu herrschen. Wenn wir das einmal gelernt haben, kann uns Gott wirklich großes anvertrauen.

Aber selbst wenn wir fallen, bekommen wir von Gott wieder eine neue Chance. Bei ihm gibt es kein „Durchfallen“, nur ein „Wiederholen“. Allerdings dürfen wir diese Möglichkeit nicht ausnutzen. Sonst werden wir geistlich nicht vorwärtskommen.

 

Jesus hat uns vorgelebt, dass es möglich ist, nicht zu sündigen. Natürlich ist er Gottes Sohn, aber auf Erden legte er all seine Göttlichkeit ab (Phil 2,6+7) und er wurde, so wie wir versucht, aber er sündigte nicht. (Heb 4,15)

Dieser Jesus lebt nun in dir. Er steht dir in diesem Kampf bei. Wann immer die Sünde dich zu Fall bringen will, flieh zu Jesus hin.

Er rettet!