Der Jockey beendet das Rennen als Erster. Trotzdem kommt der Manager zu ihm und schimpft ihn an: Sie hätten doch noch viel schneller im Ziel sein können!

Antwortet der Jockey: „Klar hätte ich das, aber ich musste doch beim Pferd bleiben!“

 

Als unsere Kinder noch klein waren, genügte die Frage: „Wer ist der Erste im Bett?“, um sie dorthin zu bringen.

 

Jeder möchte irgendwann, in irgendeinem Bereich der Erste sein.

Wer ist „Der Erste“? Egal, wie die Frage lautet, Jesus ist die richtige Antwort! 😊

 

In unserer Predigtserie über die Jüngerschaft möchte ich heute über das Thema: „Das Wesen Jesu kennen“ sprechen.

Als Jünger Jesu ist es unerlässlich für uns, den so gut es geht zu kennen, dem wir nachfolgen.

 

Ein wesentlicher Wesenszug Jesu ist es, dass er der Erste ist.

Kol 1, 15-18

15 Er [Christus] ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der erstgeborene Sohn des Vaters, aller Schöpfung voraus und ihr weit überlegen.

16 Denn in ihm ist alles erschaffen worden, was im Himmel und auf der Erde lebt, die sichtbaren Geschöpfe auf der Erde und die unsichtbaren im Himmel – die Thronenden, die Herrschenden, die Mächte, die Gewalten. Alles hat Gott durch ihn geschaffen, und alles findet in ihm sein letztes Ziel.

17 Er steht über allem, und alles besteht durch ihn.

18 Er ist das Haupt des Leibes, das heißt: der Gemeinde. Er ist der Anfang der neuen Schöpfung, der Erstgeborene aller Toten, der zuerst zum neuen Leben gelangt ist, damit er in jeder Hinsicht der Erste sei.

 

Vergesst Olympiasieger, Weltmeister und sonstige Champions;

Jesus ist der Erste, in jeder Hinsicht! Er könnte mit Recht jeden Tag in Champagner baden, ihm gehören alle Pokale, Meisterteller und Goldmedaillen. Mehr noch: Er ist Gott von Ewigkeit. Ihn umgibt eine Herrlichkeit, die wir uns nicht vorstellen können.

Im Lied: „Mutig komm ich vor den Thron“, heißt es: All unser Lob reicht niemals aus, ihn so zu ehren, wie es ihm gebührt!

 

Wenn ich in der Bibel die Stellen lese, die uns einen Blick in den Himmel werfen lassen, dann erfüllt mich das mit einer tiefen Ehrfurcht. Vor allem, weil ich weiß, dass alle diese Beschreibungen, nur ein Abglanz, ein Schatten von der Herrlichkeit ist, die dort tatsächlich vorherrscht. All unsere Beschreibungen reichen niemals aus das in Worte zu fassen, wie es im Himmel ist. Der Grund für diese Herrlichkeit ist nicht der Himmel an sich, sondern der Himmel ist so schön und so herrlich, weil der dreieinige Gott dort ist. Überall, wo er ist, ist Himmel.

Christus ist Gott.

 

Er ist der, der das letzte Wort hat. Wir dürfen diesem Sieger, dem Ersten in jeder Hinsicht, nachfolgen. Nicht nur als seine Diener, oder Sklaven. Er hat uns zu seinen Freunden und seinen Geschwistern gemacht.

 

Stell dir vor, du würdest einen berühmten Sportler persönlich kennen. Du hättest die Telefonnummer von diesem Sportler und würdest ihn regelmäßig treffen, vielleicht sogar mit ihm gemeinsam auf Urlaub fahren… Es gäbe viele Leute die dich darum beneiden würden.

 

Wenn du Jesus kennst, hast du nicht nur seine Telefonnummer, er ist jederzeit für dich nicht nur erreichbar, er ist einfach da. Für dich ganz persönlich. Egal ob du eine Sorge hast, ein Problem, oder ein freudiges Ereignis, das du mit ihm teilen willst. Das ist ein riesiges Privileg, das wir als Kinder Gottes genießen.

 

Ein weiteres Privileg ist, dass du ihn nicht nur kennst und er für dich da ist, du bekommst Anteil an seinem Sieg, an seinem Ruhm und an seiner Herrlichkeit, wenn du, so wie er es für dich vorgesehen hat, ihm immer ähnlicher wirst. Nachfolge beinhaltet das „in sein Ebenbild verwandelt werden“.

 

Ähnlich wie das Paradox, das wir letzte Woche festgestellt haben: Weil wir den HG haben, brauchen wir mehr von ihm, so ist es auch mit dem Kennen von Jesus. Weil wir Jesus kennen, dürfen und sollen wir ihn noch viel näher und besser kennen lernen. Die Beziehung zu ihm soll tiefer, reifer und inniger werden, und das jeden Tag!

 

Je näher ich Christus komme, desto mehr steigt in mir der Wunsch, so zu werden wie er. Und auch da gibt es ein interessantes Spannungsfeld: Wenn ich so werden will, wie Christus, der ja Gott ist, heißt das, das ich so werden will, wie Gott. Das wiederum verführte die ersten Menschen zur Sünde. Deshalb möchte ich das etwas präzisieren, was Adam und Eva meinten, als sie so sein wollten, wie Gott und was das NT meint, wenn es davon spricht, dass wir so werden sollen, wie Christus.

 

Das sein wollen wie Gott, das uns Menschen zum Fallstrick wurde und bis heute wird, ist eine Haltung die sagt: Gott, ich will mit dir auf Augenhöhe stehen, ich will mich dir nicht unterordnen, weil ich selber weiß, was gut und schlecht ist. Ich brauche dich nicht, um mein Leben zu meistern.

Wenn uns hingegen das NT dazu anspornt so zu werden wie Christus, dann meint es damit, die Gesinnung Jesu die unsere werden zu lassen. Dass also seine Charakterzüge mehr und mehr in meinem Leben sichtbar werden. Dienende, bedingungslose Liebe, herzliches Erbarmen, echte Demut, ungeheuchelte Freundlichkeit, ein Leben in Aufrichtigkeit und Wahrheit usw.

 

Wenn du so werden willst wie Jesus, dann sagst du damit auch aus, dass Jesus der Erste ist. Er ist bereits an dem Ziel, das es für uns zu erreichen gilt.

Jesus ist also der Erste in allen Belangen. Er hält alles zusammen. Durch ihn und für ihn und zu ihm hin ist die ganze Schöpfung entstanden. Er hätte das Recht, sich in alle Ewigkeit feiern zu lassen. Aber er ging einen anderen Weg. Dieser, im wahrsten Sinn des Wortes „steile“ Weg (es ging steil bergab!) wird im berühmten „Christushymnus“ in Phil 2 beschrieben:

 

6 Obwohl er in jeder Hinsicht Gott gleich war, hielt er nicht selbstsüchtig daran fest, wie Gott zu sein.

7 Nein, er verzichtete darauf und wurde einem Sklaven gleich: Er wurde wie jeder andere Mensch geboren und war in allem ein Mensch wie wir.

8 Er erniedrigte sich selbst noch tiefer und war Gott gehorsam bis zum Tod, ja, bis zum schändlichen Tod am Kreuz.

 

Wie kommt jemand dazu, der alles hat, der der Erste von allen ist, sich so erniedrigen zu lassen? Wie kann jemand, der der Erste ist, freiwillig letzter zu werden?

Warum tat Jesus das?

 

Entweder war Jesus verrückt, oder der, der die größte Liebe gezeigt hat. Getrieben von einer Liebe die sagt: Egal, was mit mir passiert, ich will, dass für dich das Bestmögliche dabei herausschaut. Ich liebe dich so sehr, ich werde alles für dich tun.

Jesus nahm unsere Krankheiten auf sich, damit wir Heilung erfahren. Er trug unsere Sünden, damit wir rein vor Gott stehen können. Er wurde arm, damit wir über die Maßen reich werden. Er gab buchstäblich alles für uns. Er starb, damit wir leben können.

 

Das Ziel dieser Liebe ist, dass sie uns ansteckt. Wenn du weißt, wie sehr du geliebt bist, „muss“ dein Herz ebenfalls förmlich übergehen. Die Liebe hat ihr Ziel noch nicht erreicht, wenn bei dir kein Liebesfluss in Gang kommt, der deinen Nächsten erreicht.

Darum muss sich jeder von uns fragen: Nehme ich diese Liebe von Jesus an? Antworte ich auf diese Liebe? Liebe ich auch Jesus? Liebe ich ihn so sehr, dass dieser Liebesfluss meinen Nächsten erreicht?

  1. Joh 4,20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.

 

Nachfolge heißt, ich will so werden wie Jesus. Ich will auch so lieben, wie Jesus es tat.

Das heißt weiters, ich werde, so wie Jesus, diesen Weg des Gehorsams gehen. Jesus wusste, wer er war, und er wusste auch, wer der Vater im Himmel ist. Deshalb konnte er seinem Vater bis zum Äußersten vertrauen und diesen Weg des Gehorsams gehen.

Wenn du weißt, wer du in Jesus bist, wenn du die Güte und die Liebe des Vaters kennst, dann wird es auch dir möglich sein den Weg zu gehen, den Gott für dich vorgesehen hat.

Auch auf deinem Weg wird es Tiefen geben. Es wird Momente geben, die du nicht verstehst. Als Jesus kurz vor der Kreuzigung stand betete er: „Lass diesen bitteren Kelch des Leidens an mir vorübergehen. Aber nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen.“ (Mk 14,36)

 

Dieser vorhin erwähnte Christushymnus aus Phil 2 geht dann weiter mit den Worten:

9 Deshalb hat Gott ihn in den Himmel gehoben und ihm einen Namen gegeben, der höher ist als alle anderen Namen.

10 Vor diesem Namen sollen sich die Knie aller beugen, die im Himmel und auf der Erde und unter der Erde sind.

11 Und zur Ehre Gottes, des Vaters, werden alle bekennen, dass Jesus Christus Herr ist.

 

Ich bin mir sicher: Es war keine gut kalkulierte Rechnung von Jesus, so nach dem Motto: Ich leide jetzt halt ein bisschen, damit ich nachher die fette Belohnung abholen kann. Das würde nicht zur Gesinnung Jesu passen.

Natürlich, der Lohn, den Jesus für sein Tun erhielt war die logische Folge vom Gehorsam, den er zuvor leistete, aber das war nicht der Antrieb für seinen Gehorsam. Der Antrieb war einzig und allein seine Liebe zu seinem Vater und seine Liebe zu uns.

 

Je mehr ich diesen Jesus kenne, desto mehr liebe ich ihn. Und je mehr ich ihn liebe, desto mehr wünsche ich mir, dass ich ihm ähnlicher werde. Dass seine Gesinnung mehr und mehr die meine wird.

 

Es ist schön und ermutigend, dass ich auf diesem Weg nicht alleine bin. Dass er uns in eine Gemeinschaft gestellt hat und ich diesen Weg, der wie gesagt nicht immer leicht ist, Seite an Seite mit ihm, aber auch Seite an Seite mit euch gehen kann.

Gemeinde zu leben bedeutet, dass wir gemeinsam uns helfen, damit jeder ans Ziel kommt und wir alle, so wie Jesus, Erster werden.