Letzten Montag gab es einen sehr kontroversiellen Film im TV: „Er ist wieder da!“ In dem Film taucht Adolf Hitler plötzlich im heutigen Deutschland wieder auf. Es geht darum, wie die Menschen heute auf ihn reagieren würden. Ich fand diesen Gedanken und auch die nachfolgende Diskussionssendung sehr interessant.

 

Passend dazu der heutige Witz:

Was sind 90 Nazis in einem Eck? Ein rechter Winkel!

 

Nachdem ich diesen Film gesehen hatte, kam mir ein anderer Film in den Sinn: „Der Besuch“, nach dem gleichnamigen Buch von Adrian Plass. In diesem Film wird eine ähnliche Geschichte erzählt: Nur, dass nicht Hitler wieder auftaucht, sondern JC.

Was würde geschehen?

Wie würde er sich verhalten?

Mit welchen Menschen würde er sich umgeben?

Was würde er zu aktuellen Problemen, wie Migration, Klimawandel oder der Arbeitszeitflexibilisierung sagen?

Wie würde er Muslimen, die es ja zu seiner Zeit noch nicht gegeben hat, begegnen?

Von WWJD zu „Was würde Jesus heute tun?“

 

Advent ist die Zeit, in der wir auf das Kommen Christi warten. Natürlich wissen wir aus der Bibel, dass er bei seiner Wiederkunft als Richter über die Menschen kommen wird, dass er alles vollendet und danach ein neuer Himmel und eine neue Erde entsteht.

Aber mal angenommen, er käme noch einmal so wie beim ersten Kommen als Mensch: Eben noch nicht als Richter, sondern als die liebevoll ausgesteckte Hand Gottes, die das Verlorene sucht, die dem Einzelnen nachgeht und die Gottes Liebe sichtbar macht.

Wie wäre dieser Jesus?

 

Ich möchte mit euch in den nächsten Wochen bis Weihnachten über diese Fragen nachdenken. Sozusagen ein etwas anderer Adventkalender, bei dem wir verschiedene Türen in den Evangelien aufmachen um zu sehen, was Jesus uns, und vor allem dieser Welt schenken wird. (Nicht nur schenken möchte, sondern wird!)

 

In der Vorbereitung für diese Predigtserie bin ich über eine Formulierung Jesu gestolpert, die er immer wieder verwendet hat:

Ich bin gekommen, um…

 

Als Jesus zum ersten Mal als Mensch auf diese Erde kam, hatte er eine klare Vision und einen klaren Auftrag. Sein Ziel war es, die Menschen mit dem Vater im Himmel zu versöhnen. Dazu zeigte er allen, die bereit waren, wie der Vater im Himmel wirklich ist.

 

Bei seiner Antrittspredigt legte er die Worte des Propheten Jesaja so aus, dass sie für ihn uns sein Kommen gelten:

Lk 4, 18 »Der Geist des Herrn ruht auf mir, weil er mich berufen und bevollmächtigt hat. Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen. Ich rufe Freiheit aus für die Gefangenen, den Blinden sage ich, dass sie sehen werden, und den Unterdrückten, dass sie von jeder Gewalt befreit sein sollen.

19 Ich verkünde ihnen ein Jahr, in dem der Herr seine Gnade zeigt.«

 

Neben seinen berühmten „Ich bin Worten“ (gute Hirte, Tür, Weg, Wahrheit und Leben…) gibt es auch eine Reihe von „Ich bin gekommen, um…“ Worte. Manche dieser Ansagen Jesu sind in guter hebräischer Tradition, doppelt Formuliert, einmal negativ, einmal positiv:

Mt 5,17: Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.

Mt 9,13: Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Joh 12,47: denn ich bin nicht gekommen, dass ich die Welt richte, sondern dass ich die Welt rette.

 

Viele dieser „Ich bin gekommen um… Worte“ sind sehr ermutigend, tröstlich und finden sich auch als Kalendersprüche wieder.

 

Es gibt aber auch die eine, oder andere „Ich bin gekommen um…“ Aussage, mit der ich mir Schwer tue. Es sind diese Bibelstellen, die man gerne überliest, oder sich fragt, warum diese Stellen in der Bibel stehen.

 

Ein Wort, das so gar nicht in unser Jesus Bild passt steht in Lk 12, 49-52 Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!

50 Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist.

51 Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung.

52 Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei;

 

Warum sagt er so etwas? Ist er nicht als der Friedefürst im AT angekündigt worden? Haben nicht die Engel bei seiner Geburt: „Ehre sei Gott und Friede den Menschen“ gesungen?

Ist Jesus der, der Spaltung und Zwietracht bringt? Passt das zusammen mit einem Gott der Liebe?

Was können wir von diesem Wort lernen?

 

Dieses Wort für sich alleine zu betrachten ist gefährlich. Jede Aussage der Bibel muss immer im Kontext betrachtet werden.

Jesus sprich hier nicht zu einer größeren Menge, sondern es ist ein Gespräch unter Freunden. Er teilt sich hier seinem Jüngerkreis mit. Er deutet in diesem Zusammenhang auch seinen Tod an. Er spricht von der Taufe (Symbol für den Tod), die an ihm vollzogen werden muss. (V50)

 

Diesen Tod stirbt Jesus für uns. Er trägt die Konsequenzen unserer Sünde und Schuld am Kreuz, damit wir Heilung, Freiheit und ewiges Leben erfahren. Das ist die Eine Seite.

Durchgeführt wird diese Tötung Jesu aber nicht direkt durch die Hand Gottes, sondern durch die Hand derer, die sich gegen Gott stellen. Jesus macht uns Gläubige mehrfach darauf aufmerksam, dass wenn wir ihm vertrauen, nicht nur auf Gegenliebe stoßen werden.

Die Welt ist in der Hand des Feindes. Dieser Feind tut alles um uns, die Kinder des Lichts zu bekämpfen.

Mt 10,22 Alle Welt wird euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt.

 

Das sind unangenehme Wahrheiten, vor allem für so harmoniebedürftige Menschen wir mich. Ich freue mich immer darüber, wenn alle gut miteinander auskommen. Ich mag es überhaupt nicht, wenn es Streit, oder Zwietracht gibt.

Aber auf der anderen Seite, sind nicht wir für diejenigen, die die Urheber der Feindschaft sind. Die Welt wird euch hassen. Wir sollen die Welt, genauer gesagt die Menschen, die in dieser Welt leben, lieben. In Joh 3,16 heißt es, dass Gott die Welt so sehr geliebt hat…

Gemeint sind die Menschen, die in diesem „System der Welt“ leben.

 

Bsp.: Plakatständer für Evangelisation verschwunden.

 

Der einzige Weg für uns, diesem Hass der Welt zu entgehen wäre, sich der Welt anzupassen und ein Teil von ihnen zu werden. Aber dafür wäre mir der Preis viel zu hoch. Dafür müsste ich meinen Glauben verläugnen. Das geht gar nicht. Dann lieber den Hass der Welt und die daraus resultierende Spaltung aushalten.

 

Viele von uns erleben diese Spaltung, die wie Jesus dann weiter ausführt, oft quer durch die Familien geht. Viele von uns haben Familienangehörige, die „auf der gegenüberliegenden Seite“ des Reiches Gottes stehen. Menschen, die das Friedensangebot Gottes für ihr Leben noch nicht angenommen haben. Und die uns deshalb vielleicht nur belächeln, oder auch für religiöse Spinner halten, vielleicht aber auch offen bekämpfen. Das ist unangenehm, aber gleichzeitig auch eine riesengroße Chance für das Evangelium.

 

Wenn du zu den Menschen lieb und nett bist, die dich auch mögen, ist das nicht falsch, aber nichts Besonderes. Wenn du aber dir entgegengebrachten Hass mit Liebe beantwortest, dann machst du die Tür auf für ein Wunder Gottes. Dann passiert bei dem einen, oder anderen Menschen, der noch im System dieser Welt gefangen ist, ein Umdenken.

 

Es heißt: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche.“ Auch wenn kein Blut im eigentlichen Sinn fließt, kann eine liebevolle Reaktion auf eine feindselige Haltung großes Bewirken. Vielleicht ist es der einzige Weg, der zum Herzen dieses Menschen führt.

 

Franziska ist eine junge Frau, die es nicht immer leicht hatte im Leben. Schon in der Schule hat sie sich schwer getan, Freunde zu finden. Weil sie nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprach, und ihre alleinerziehende Mutter ihr keine teuren Klamotten kaufen konnte, war sie in der Clique der begehrten Mädels einfach nicht dabei.

Sie war auch keine besonders gute Schülerin und schaffte mit Müh und Not einen Hauptschulabschluss.

Sie begann in einer Reinigungsfirma zu arbeiten, weil es der einzige Job war, bei dem sie angenommen wurde.

In dieser Firma wurde sie die Kollegin von Lea. Lea hat eine leichte Behinderung, und eher naiv. Auch sie hat es nicht immer leicht gehabt, aber ihr Glaube an Jesus halfen ihr. Sie erfuhr Wertschätzung und Annahme durch ihre Familie und ihre Gemeinde.

Für Franziska wurde Lea zum Segen, aber anders, als sie es sich zunächst gedacht hatte. Zuerst freute sich, dass sie nicht mehr die Letzte in der Hierarchie war. Endlich jemand auf den sie hinabsehen konnte, sowie es ihre früheren Schulkolleginnen mit ihr gemacht hatten. Franziska ließ es Lea deutlich spüren, dass sie sich besser als sie fühlte und ließ kaum eine Gelegenheit aus, auf Lea hinzuhacken. Sie genoss es förmlich, dass sich die anderen Kollegen nicht mehr über sie, sondern eben jetzt über Lea lustig machten.

Bis sie eines Tages gemeinsam eingeteilt wurde, ein Büro in der Stadt zu putzen. Dort wollte sie Lea extra einen bösen Streich spielen.

Während Lea die Toiletten putze, schlich Franziska sich von hinten an und schüttete einen halben Kübel mit Schmutzwasser über Lea. Die ganze Aktion filmte sie mit ihrem Handy um am nächsten Tag vor den Kollegen damit angeben zu können.

Aber Lea drehte sich um und begann lauthals zu lachen. Franziska war auf diese Reaktion nicht gefasst. Sie rechnete damit, dass Lea zu weinen beginnen, oder sie vielleicht wüst beschimpfen würde. Aber Lea lachte so herzlich und so ansteckend, dass sie selber irgendwann mitlachen musste. Irgendwann sagte Lea: „Danke Franzi, für den Spaß den wir bei der Arbeit haben. Ich mag dich einfach und ich wäre gerne deine Freundin, weil ich sehe, dass du im Herzen sehr einsam bist.“ Dieses Angebot traf Franziska tief ins Herz und sie konnte nach ein paar zögerlichen Momenten gar nicht anders, als ihre neue Freundin zu umarmen, auch wenn diese klitschnass war.

Gemeinsam wischten sie die Sauerei wieder auf, die Franziska angerichtet hatte. Das Handyvideo zeigte sie niemandem in der Firma.

 

 

Röm 12,20 Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt.

 

In diesem Zusammenhang macht es durchaus Sinn, wenn Jesus sagt: Lk 12,49: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!

 

Er ist gekommen um die Verlorenen zu retten. Die Verlorenen, die ihn damals, und heute uns hassen. Aber er ließ sich von diesem Hass nicht von seiner Mission abbringen. Dieses Werk, das er begonnen hat, dürfen wir heute fortsetzen. So lange bis er wiederkommt. So lange ist noch Advent. So lange gibt es noch die Chance für die Menschen, die noch im System dieser Welt gefangen sind, ihn kennen zu lernen und in sein Licht zu kommen.