Geht ein Rabbi am Sabbat durch sein Städtel und kommt an einem Haus vorbei, in dem er durchs Fenster drei Juden rauchen und Karten spielen sieht. Sofort stürmt er ins Haus und herrscht die drei an: ‚Wisst ihr nicht, was für Sünden ihr da begeht?‘

Meint der Erste: ‚Es stimmt, ich habe große Schuld auf mich geladen, denn ich habe vergessen, dass man am Sabbat nicht Kartenspielen darf.‘

Der Zweite: ‚Aber ich habe noch viel größere Schuld auf mich geladen, weil ich vergessen habe, dass man am Sabbat nicht rauchen darf.‘

Der Dritte: ‚Aber die größte Schuld habe ich, denn ich habe vergessen, DEN VORHANG ZU SCHLIESSEN!!‘

 

Wenn man heute von „Sünde“ spricht, dann denken die meisten Menschen an zu viele Kalorien, an Verkehrssünder, Klimasünder, oder an Modesünden.

Wenn ich keine Frau hätte, die mir gelegentlich sagt: „Das kannst du nicht anziehen“, wäre ich vermutlich der größte Modesünder von allen!

 

Was alles fällt unter Sünde? Bei manchen Taten sind wir bestimmt alle, zu allen Zeiten einig: Mord, Diebstahl, Lüge, Betrug, körperliches- oder seelisches Leid zufügen…

Bei anderen Dingen gibt es kulturelle Unterschiede, was sündig ist und was nicht.

Darf ich als Christ Alkohol trinken, rauchen, tanzen, Lotto spielen?

Wie lang muss/kurz darf der Rock bei einer Frau sein?

Welche Worte darf ich in den Mund nehmen? Sch… F…? „Du Idiot!“

Der ganze Bereich um Ehe(bruch), Scheidung, Sexualität… Heute zu sagen, dass Homosexualität eine Sünde sei, wird seinerseits als Sünde gesehen.

Strukturelle Sünde: Ich nähe meine Kleidung nicht selber…

 

Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, dann müssen wir Paulus zustimmen, wenn er sagt, dass alle gesündigt haben. (Röm 3,23)

 

Auch im Judentum im Islam und in anderen Religionen sieht man das so: jeder Mensch sündigt. Nicht überall ist der Sündenkatalog gleich, aber dass jeder Mensch sündigt, darin sind sich alle einig.

Nur die Humanisten glauben, dass der Mensch gut ist und es die Anderen, oder Umstände sind, die Menschen zu bösen Taten verleiten.

 

Bei den meisten Religionen werde ich meine Sünden dadurch wieder los, indem ich sie durch gute Taten ausgleiche und natürlich Reue zeige.

 

Im AT Judentum mussten gewisse Tiere für bestimmte Sünden geopfert werden. Die Schuld wurde auf das Tier übertragen und somit der Zorn Gottes wieder besänftigt. Am deutlichsten wird das beim „Sündenbock.“

3.Mo 16,21 Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes legen und über ihm alle Schuld der Israeliten und alle ihre Frevel mitsamt all ihrer Sünden bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehenden Mann in die Wüste schicken 22 und der Bock soll alle ihre Sünden mit sich in die Einöde tragen.

Hebr 10,4 Das Blut von Stieren und Böcken ist eben nicht imstande, Sünden wegzunehmen.

Sehr wohl aber ist es möglich, dass jemand anderer die Strafe, die ich auf Grund meiner Sünden verdient hätte, trägt: Das ist genau das, was Jesus für uns am Kreuz getan hat.

 

Wie wir letzten Sonntag gesehen haben, war es eben genau die Mission Jesu, dieses Kreuz für uns auf sich zu nehmen.

 

 

Wir sind heute an der dritten Station unserer Serie über die „Ich bin gekommen um… Worte“ von Jesus angekommen.

Heute möchte ich mit euch eines der zentralsten dieser Worte anzusehen, ein „Ich bin gekommen um… Wort“, das die Mission Jesu sehr exakt beschreibt:

Mt 9,13: Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Jesus ist gekommen um Sünder zu rufen.

 

Dieses Wort ist in eine Begebenheit eingepflanzt, bei der Jesus, wie so oft Anstoß erregte.

Stell dir vor, ein Ortsbekannter Betrüger, der schon so manche Oma um ihr Erspartes gebracht hat, würde in deiner Nachbarschaft wohnen. Alle Leute schimpfen über ihn, und wenn er mit seinem dicken Auto vorfährt, rümpfen alle die Nase. Sein schmieriger Anwalt hat ihn bisher vor dem Gefängnis bewahrt, aber jeder weiß, dass er sein Vermögen nicht mit ehrlicher Arbeit erwirtschaftet hat. Würdest du gerne mit so jemandem auf ein Bier gehen wollen?

 

Genau so jemand ist Matthäus in der folgenden Geschichte:

Mt 9,9-13: Als Jesus weiterging und am Zollhaus vorbeikam, sah er dort einen Mann sitzen; er hieß Matthäus. Jesus sagte zu ihm: »Folge mir nach!« Da stand Matthäus auf und folgte Jesus.

10 Später war Jesus im Haus ´des Matthäus` zu Gast. Viele Zolleinnehmer und andere Leute, die als Sünder galten, waren gekommen und nahmen zusammen mit ihm und seinen Jüngern an dem Essen teil.

11 Als die Pharisäer das sahen, sagten sie zu den Jüngern: »Wie kann euer Meister nur zusammen mit Zolleinnehmern und Sündern essen?«

12 Jesus hörte das und erwiderte: »Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.

13 Geht und denkt einmal darüber nach, was jenes Wort bedeutet: ›Barmherzigkeit will ich und nicht Opfer!‹ Dann versteht ihr, dass ich nicht gekommen bin, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.«

 

Ich bin gekommen, um Sünder zu rufen.

Wenn jemand offensichtlich ein schlechter Mensch ist, würde ich von mir aus, nicht seine Gemeinschaft suchen. Jesus tat das schon. Ich würde intuitiv solche Kontakte meiden, weil ich Angst hätte mich „anzustecken“. Nicht von einer ansteckenden Krankheit, aber von seinem schlechten Verhalten. 1Kor 15,33 Lasst euch nicht verführen! Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.

Jesus hatte diese Angst nicht. Warum nicht? Warum konnte er unvoreingenommen auf Sünder zugehen, mit ihnen essen und Gemeinschaft mit ihnen pflegen, ohne von ihnen „angesteckt“ zu werden? Es heißt ja von ihm, dass er in allem versucht wurde, wie wir, aber ohne Sünde blieb. (Heb 4,15)

 

Jesus wusste genau, wer er war: Der geliebte Sohn des himmlischen Vaters. Er war und ist der Sohn des allmächtigen Gottes.

Wir Menschen beeinflussen einander. Wie bei dem physikalischen Gesetz das das Schwerere sich gegenüber dem Leichteren durchsetzt, so ist es auch unter uns Menschen: Der „Stärkere“ beeinflusst den „Schwächeren“. Stärke hat nicht immer etwas mit Muskelkraft zu tun, sondern sehr oft mit Willenskraft, Intelligenz, Redegewandtheit, Mut, Selbstvertrauen, sehr oft auch mit Autorität.

Autorität kann man sich nicht selber geben, sie wird verliehen und besagt, dass hinter dieser Autoritätsperson eine Macht steht, die größer ist, als die Person selbst.

Bsp.: Ich kann mit meiner Muskelkraft keinen fahrenden LKW anhalten. Eine zierlich gebaute Polizistin kann das sehr wohl. Aber nicht mit ihrer Muskelkraft, sondern mit ihrer Autorität.

 

Jesus hatte, auch während er als Mensch über diese Erde wanderte, die volle Autorität, weil er wusste, dass sein himmlischer Vater immer hinter ihm steht.

Deshalb war er sich sicher, dass nicht er vom sündigen Verhalten, beispielsweise der Zöllner angesteckt worden wäre, sondern, dass die „Ansteckung“ in die andere Richtung verlaufen würde. Die Menschen, die mit ihm in Berührung kamen, wurden von seiner Liebe angesteckt. Die Sünder passten sich seinen Standards an, nicht Jesus den Standards der Sünder.

 

Matthäus war so begeistert von Jesus, dass er gleich eine Party schmiss und seine, ebenfalls mit Sünden beladenen Kumpels, einlud, damit sie gemeinsam Jesus überwältigen und zur Sünde verführen können? Nein! Damit auch sie Jesus kennenlernen und ihr Leben ändern können.

 

Jesus spricht davon, dass er die Sünder zur Umkehr ruft.

Ich denke, die wenigsten Menschen sind stolz auf ihre Sünden. Den meisten sind ihre Sünden peinlich, aber weil wir alle schwache Menschen sind, passieren immer wieder Dinge, die wir bereuen und uns im Nachhinein leid tun.

Jeder von uns kennt Fallen, in die wir immer wieder einmal tappen. Schon wieder ein schlechtes Wort über meine Kollegin, schon wieder meine Kinder angeschrien, schon wieder eine Internetseite geöffnet, die mir nicht gut tut, schon wieder zu schnell mit dem Auto gefahren, schon wieder nicht vergeben, schon wieder…

 

Wenn Jesus der ist, der uns Sünder zur Umkehr ruft und er gleichzeitig der ist, der die Kraft hat, dass sich durch ihn Herzen verändern können, dann kann mir nichts Besseres passieren, als dass ich mich seiner Autorität unterstelle und ihm diese Fallen, in die ich immer wieder tappe, übergebe. Das Prinzip, dass der Stärkere den Schwächeren beeinflusst gilt auch hier. Jesus hat den Feind besiegt. Er ist der Stärkere!

 

Vielleicht denkst du: Große Sünden begehe ich ja eh nicht und die kleinen sind ja nicht so schlimm. Die meiner Meinung nach, beste Bedeutung, für das Wort Sünde ist „Zielverfehlung“. Egal, ob ich knapp, oder weit danebenschieße, ich komme nicht dorthin, wo ich hinkommen will. „Knapp daneben, ist auch vorbei“, sagt man. Gott will das beste für unser Leben, darum gib dich nicht mit dem zufrieden, so halbwegs OK zu sein.

Jesus war nicht halbwegs OK, er war und ist ganz von Gottes Geist, Gottes Gegenwart und Gottes Liebe durchdrungen. Das war es, was ihn ausmachte. Das ist der Grund, warum er auf diese Welt gekommen ist und das ist auch der Grund, warum Millionen Menschen bis heute ihm nachfolgen.

Wenn wir über Sünde sprechen, dann müssen wir erkennen, dass jede Sünde, und sei sie auch noch so klein, uns selber schadet. Nur weil die Welt voller Sünder ist, heißt das noch lange nicht, dass Sünde an sich harmlos ist. Paulus hat gesagt: 1Kor 5,6 Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Der Sauerteig steht für die Sünde.

 

Jesus ist gekommen um nicht nur die groben Sünder, wie Zöllner, Prostituierte, Mörder und Autoverkäufer 😊 zur Umkehr zu rufen, gerade wir, die wir uns seine Jünger nennen, müssen immer wieder seinen Maßstab an unser Leben anlegen. Bei mir entdecke ich täglich Dinge, die noch nicht so sind, wie bei Jesus. Aber daran verzweifle ich nicht, ganz im Gegenteil! Ich weiß, dass er mich trotz meiner Schwächen nicht verdammt, sondern es gut mit mir meint. Deshalb stecke ich mich nach seinen Standards aus. Deshalb suche ich seine Nähe, damit er in mir immer mehr Raum einnimmt und all die sündigen Ansätze vertreibt. Im Vertrauen darauf, dass er stärker ist, als alles das, was mich vom Ziel abbringt, mache ich ihm mein Herz immer weiter auf, bis er auch die letzten, schmutzigen Winkeln darin mit seiner Liebe rein machen kann.

 

 

Leider fehlt vielen Menschen heute diese Erkenntnis. Leider müssen manche Menschen erst wirklich schlimme Sünden begehen und tief fallen, damit sie erkennen, dass sie Hilfe brauchen. Dass sie Jesus brauchen!

Diesen Auftrag, Sünder zu rufen, konnte Jesus klarerweise nicht vollenden. Deshalb hat er diesen Auftrag an uns weitergegeben.

Genauso wie Jesus die Sünder nicht verdammte, sondern sie zu einem Leben aus der Vergebung, und in seine Nachfolge einlud, so ist das heute unser Auftrag.

 

Er will, dass nicht nur wir, sondern alle Menschen, das Leben in Fülle haben. Nur er kann uns dieses Leben geben.

Darum am Ende ein letztes „Ich bin gekommen um… Wort“ von Jesus aus Joh 10,10:

Ich bin gekommen, um ihnen Leben zu bringen – Leben in ganzer Fülle.