Itzek steht in seinem Garten, schmeißt eine Handvoll Münzen in die Luft und ruft: „Herr, mach dass ich gewinn die Lotterie“ – Nichts geschieht.
Das wiederholt er einige Wochen.
Nach zwei Monaten tut sich plötzlich der Himmel auf und eine mächtige Stimme erschallt: „Itzek, gib mir a Chance, kauf dir a Los“

In Israel, auch noch im NT war es üblich Gott durch das Los zu befragen. Z.B.: Wahl des 12. Apostel nach Judas (Apg 1,26)

Das „Losungsbuch“ wird seit 1731 von der „Herrnhuter Brüdergemeinde“ herausgegeben.
Jahreslosung für 2015: Röm 15,7 LÜ:
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

NeÜ: Deshalb nehmt euch gegenseitig an, wie auch Christus euch angenommen hat, damit Gott geehrt wird!

An wen ist dieser Vers adressiert?
An die Christen in Rom?
An alle Christen?
An alle Menschen?
Gottes Wort gilt allen Menschen, auch wenn sie es nicht kennen, aber profitieren würden alle davon.

Wenn ich jemanden nicht annehme hat das meist etwas mit mangelnder Sympathie zu tun, sehr oft aber auch mit Angst.
Bsp.: Bewegung in Deutschland „PEGIDA“ (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes)

Wenn es hier in diesem Text der Jahreslosung heißt, dass wir uns gegenseitig annehmen sollen, bezieht sich das nicht nur auf die Christen unter einander. Obwohl das auch manchmal schon schwer genug ist.
Aber gerade die Gemeinde ist ein Ort, an dem Menschen Gottes Liebe und Annahme erfahren sollen und dürfen. Ein Ort, an dem Menschen wieder in Gottes Gegenwart hinein geliebt werden und heil werden dürfen.
Da geht es dann nicht, dass wir uns nicht annehmen und uns in Streitereien verzetteln.

In der Gemeinde in Rom gab es Christen, die für sich eine die große Freiheit, die wir in Christus haben entdeckten und diese Freiheit auch „auslebten“. Sie waren stolz auf ihre Erkenntnis, dass sie das Fleisch, das eigentlich für Götzen geopfert wurde, als Christen bedenkenlos essen konnten. Damit hatten andere Christen, die das anders sahen naturgemäß ein Problem und es kam zu Streitigkeiten.

Auch unter den Christen heute gibt es sehr unterschiedliche Ansichten über Fragen, ob ich als Christ Alkohol trinken, oder rauche darf, wie ich mit der Homöopathie umgehen soll, oder welchen Stellenwert gesunde Ernährung bei uns haben soll usw.
In Gemeinden streiten Vegetarier gegen Fleischgenießer, Pazifisten gegen Soldaten, Menschen, die beim Lobpreis aufstehen und die Hände heben „müssen“ gegen die, die sitzen bleiben wollen, Gepiercte und Tätowierte gegen Andere, die das abstoßend finden, von den verschiedenen Musikgeschmäckern ganz zu schweigen.

Christsein heißt nicht, dass wir alle immer einer Meinung sein müssen, oder den gleichen Geschmack haben müssen.
Jemanden anzunehmen, der gleich wie ich tickt, ist keine Kunst, das kann jeder. Dieser Text fordert uns dazu auf, einander anzunehmen trotz unserer Unterschiede und unterschiedlichen Vorlieben. Trotz der nicht immer einfachen und guten Eigenschaften, die wir an den Tag legen.
Die Gemeinde ist kein Club von Menschen, die sich sympathisch sind, sondern eine Weggemeinschaft von Menschen, die gelernt haben einander zu lieben, zu vertrauen und einander anzunehmen. Und das spüren Menschen, die das nicht erleben. So eine Gemeinde ist attraktiv, egal ob sie ein tolles Programm, schöne Räumlichkeiten, eine coole Lobpreisband haben oder auch nicht.

Der Text offenbart uns aber auch etwas ganz wesentliches: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.
Bevor wir selber dazu fähig werden, andere wirklich anzunehmen, müssen wir selbst das „Angenommen sein“ erfahren. Wenn ich mich selbst nicht angenommen fühle, dann ist es schwer andere anzunehmen. Dann werde ich immer versuchen mich selber „wichtig“ zu machen um diese Anerkennung und Annahme zu erhalten. Und wenn ich immer auf mich schaue, kann ich den anderen nicht annehmen.

Jesus liebt dich und er nimmt dich an, egal ob du geistlich sehr reif bist, viel in der Bibel liest, ein reiches Gebetsleben führst, in der Gemeinde mitarbeitest, den Zehnten und sogar noch darüber hinaus gibst, oder ob du immer wieder mit den gleichen Sünden kämpfst, du das Gefühl hast immer wieder geistlich zu versagen und du weit davon entfernt bist für andere ein Vorbild zu sein.

Annahme, das ist Liebe in Aktion. Wenn ich jemanden annehme, obwohl er schräg ist und viele Menschen ihn nicht für liebenswürdig halten, dann erfährt dieser Mensch etwas von der Liebe Gottes, die ja in unsere Herzen ausgegossen ist. Diese Liebe, die primär nicht für unsere eigene Auferbauung ausgegossen ist, sondern dafür, dass sie durch uns die Menschen erreicht, denen wir tagtäglich begegnen.

Hast du schon einmal überlegt, wen Jesus alles bedingungslos angenommen hat? Das waren Menschen mit schlimmen, ansteckenden Krankheiten, das waren Ehebrecher, Mörder, Prostituierte, Verräter usw.
Da war auch dieser Zöllner Zachäus, der nicht nur auf Grund seiner Körpergröße von seinen Mitmenschen abgelehnt wurde. Er war ein Betrüger (Zöllner), der noch dazu mit dem Feind (Römer) kooperierte. So jemanden wollte niemand in seinem Umfeld haben. Und Jesus – dieser Jesus erweist ihm höchste Ehre indem er sein Gast wird. Er nimmt Zachäus an, bedingungslos, obwohl er es nach unseren Maßstäben nicht verdient hat.
Kein Wunder, dass sich die Menschen von Jericho sich über Jesus ärgerten.

Warum geht ein Mann mit Alkoholproblemen ins Wirtshaus? Am Stammtisch hört ihm wenigstens wer zu. Er erfährt zwar keine Hilfe, aber er fühlt sich angenommen.
Ich glaube, wir sollten an unserem Ruf als Gemeinde arbeiten. Ich meine nicht den Ruf, dass wir „gute Menschen“ sind, die sich an die Gebote Gottes halten und recht fromm sind. Sondern ich denke an den Ruf, dass wir dafür bekannt sind, dass Menschen mit Problemen zu uns kommen können und sie in jedem Fall Liebe und Annahme erfahren. Und wir ihnen vielleicht sogar helfen können. Das letztere können wir nicht immer, aber Liebe und Annahme können wir jedem Menschen geben. Egal ob sie ein Alkoholproblem, Schwierigkeiten in der Partnerschaft, ein psychisches oder sonst ein Problem haben. Wenn wir wollen, dass suchende Menschen aus unserer Region Gott kennen lernen und sie seine Freunde werden, dann müssen wir sie lieben und sie annehmen, so wie sie sind. Egal was sie getan haben, oder vielleicht noch immer tun, egal ob sie unsympathisch und anstrengend sind, ob sie stinken oder vielleicht sogar kriminell.
Wenn sie für Jesus „annehmbar“ sind müssen sie auch für uns annehmbar werden.

Annahme heißt aber nicht Billigung. Jemanden anzunehmen heißt, ihn als Person anzunehmen. Deshalb muss ich sein Verhalten nicht gutheißen.
Das was uns von einem Stammtisch unterscheidet, ist dass wir einen Weg gefunden haben mit den negativen Dingen unseres Lebens fertig zu werden. Wir haben eine „Sondermülldeponie“ an der wir den Schmutz unseres Lebens abladen können: Das Kreuz Jesu.
Aber bevor ein Mensch dazu bereit wird, zu dieser Sondermülldeponie zu gehen, muss er Liebe und Annahme erfahren. Erst dann wird er schrittweise dahin kommen, auch in seinem Leben aufräumen zu können.

Einem „Messie“ hilft ein Apell, er soll seine Wohnung aufräumen nicht viel. Er ist gefangen in seiner Unordnung. Das einzige, das ihm hilft, ist die Perspektive auf ein neues, anderes, sauberes Leben.
So ist es auch mit all den „Sündern“ die zu uns kommen. Das kontraproduktivste wäre eine Verurteilung: „Was, du rauchst?“ „Ihr lebt unverheiratet zusammen?“ „Du hast abgetrieben“…
Erst wenn die Menschen wissen, dass sie geliebt und angenommen sind, werden sie in ihrem Leben aufräumen. Auch da dürfen wir sie barmherzig begleiten.
Das bedeutet aber, dass wir als Christen sehr wohl ein positives Bild abgeben müssen, wie ein Leben nach den Plänen des Vaters im Himmel funktioniert. Sonst werden Menschen, die Gott noch nicht kennen, ihr Leben auch nicht ändern.
Als Zachäus von Jesus besucht wurde und er die Liebe und Annahme Jesu erlebte, änderte er sein Leben ohne dass Jesus ihn konkret darauf ansprach:
Lk 19,8: …wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

Ein Letztes:
Dieser Bibelvers zur Jahreslosung fängt mit einem entscheidenden Wort an:
„Darum“
Das heißt: Diese Aufforderung, dass wir einander annehmen sollen bezieht sich auf den/die vorhergehenden Verse. In diesen Versen beschreibt Paulus, dass Jesus unser Vorbild ist indem er nicht für sich selbst gelebt hat.
Wenn wir durch sein Vorbild zu einem Lebensstil, der Annahme kommen, führt das zu einem Lobpreis, in dem wir gemeinsam mit einer Stimme Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, loben und ehren. (V 6)

Also: Lasst uns im Lobpreis leben, indem wir einander und die Menschen, die uns begegnen annehmen.